Tanz, Mariechen! *

Tanz, Mariechen

Geschichte zur Fastnachtszeit

Titel + Illustration ältere Dame tanzt in der Küche mit Schürze und Kopftuch und roten SchuhenAls Uroma – heimlich – als Tanzmariechen tanzte

Diese Geschichte erzählt von einem Moment unerwarteter Lebensfreude:
Von einer Urgroßmutter, die heimlich singt, tanzt und für einen Augenblick wieder ganz jung ist.
Ein Text über Erinnerungen an die frühere Fastnacht, Musik und das Glück, das manchmal leise aus der Küche klingt.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

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Tanz, Mariechen

„Tanz, Mariechen, tanze, durch die ganze Nacht. Tanz, Mariechen, tanze bis morgen um halb acht. Wenn es tanzen, tanzen kann, fängt das Fest der Farben an. Wenn es tanzen, tanzen kann, fängt die Freude an….“
Als wir heute aus der Stadt heimkamen, hörten wir von der Küche her ein Singen. Jemand sang dieses eigenartige Lied und irgendwie klang diese lustige Stimme nach Uroma Marie, aber wirklich nur irgendwie. Denn noch nie hatte uns Uroma Marie ein Lied vorgesungen und diese fröhliche Stimme konnte unmöglich die ihre sein. Die kannten wir nämlich nur ernst oder klagend oder mürrisch oder alles zusammen. Komisch.
Vorsichtig schlichen wir durch den Flur bis zur Küchentür und linsten durch den Türspalt. Wow! Es war doch unsere Urgroßmutter, die da vor der Küchenspüle herum tänzelte. Ganz witzige Figuren machte sie dabei. Und sie sang. Echt wahr.
„Sie hat doch gesagt, sie sei krank und könne heute nicht aufstehen!“, raunte mir meine Schwester Maja zu.
Das stimmte. Mama hatte ihr das Frühstück ans Bett gebracht und Uroma Marie hatte sich lauthals beschwert. Über alles. Das Wetter, das Altwerden, das Gliederreißen, den Winter und den nervigen Fastnachtsrummel. Ganz deutlich hatte ich es gehört.
„Sie sagt immer, sie könne nicht richtig laufen und nun tanzt sie“, flüsterte ich zurück. „Und Singen sei albern. Das sagt sie auch immer.“
„Hihi! Kann sie wohl! Sieht man doch. Niedlich sieht es aus, ihr Tanzen.“
Stimmt. Niedlich und fröhlich. Es war eine Uroma Marie, die mir besser gefiel als die, die wir sonst kannten. Sie sang und tanzte so gut, dass wir am liebsten mitgetanzt hätten. Schade, dass sie nicht wissen durfte, dass wir sie gerade belauschten.
„Psst! Sei leise! Sie feiert Fastnacht. Soll sie Spaß haben!“, sagte ich.
Maja flüsterte. „Ja, du hast recht. Solchen Spaß hat sie schon lange nicht mehr gehabt.“
Und leise verließen wir wieder das Haus und trieben uns noch eine Weile draußen herum.
Als wir später mit lautem Gepolter zurückkehrten, saß Uroma Marie mit einem sehr ernsten und sehr leidenden Gesicht in der Küche auf ihrem Stuhl neben der Heizung.
„Dass von euch auch mal einer nach Hause kommt!“, klagte sie. „Man könnte meinen, ihr habt eure alte, kranke Großmutter vergessen und …“
Sie kam nicht weiter, denn nun mussten wir doch lachen. Hier ernst zu bleiben, wäre wirklich zu viel gewesen. Und irgendwie fand sie das wohl auch, denn sie lachte dann mit. Laut und fröhlich und gar nicht alt und leidend.
Später beim Abendessen erzählte sie uns von damals kurz nach dem Krieg, als sie im Dorfsaal bei Fastnachtsfesten als Tanzmariechen auf der Bühne sehr viel Spaß gehabt hatte, und das war echt spannend.

© Elke Bräunling

 

Illustration ältere Dame tanzt in der Küche mit Schürze und Kopftuch und roten Schuhen

 

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Tanz, Mariechen, tanze!

Kurze Fassung in einfacher Sprache

Uroma Marie sagt oft, dass sie krank ist.
Sie klagt über das Alter, über Schmerzen und über das Wetter.
Singen und Tanzen findet sie eigentlich albern.
Nun ist wieder Fastnacht.
Uroma Marie macht sich nichts daraus, sagt sie.
Eines Tages aber hören die Kinder aus der Küche fröhliches Singen.
Leise schauen sie nach – und staunen.
Uroma Marie tanzt und singt fröhlich vor sich hin.
Sie bewegt sich leicht und beschwingt, ganz anders als sonst.
Die Kinder sind überrascht, sagen aber nichts.
Sie lassen Uroma Marie ihren Spaß haben.
Als sie später zurückkommen, sitzt Uroma Marie wieder ernst auf ihrem Stuhl.
Sie klagt wie immer.
Doch diesmal müssen alle lachen – auch sie selbst.
Beim Abendessen erzählt Uroma Marie von früher.
Nach dem Krieg hat sie bei Fastnachtsfesten als Tanzmariechen auf der Bühne getanzt.
Das waren fröhliche Zeiten, an die sie sich gern erinnert.
© Elke Bräunling

 

❓ Fragerunde

1 Warum wundern sich die Kinder über Uroma Marie?
2 Was macht Uroma Marie heimlich in der Küche?
3 Wie kennen die Kinder ihre Uroma sonst?
4 Warum sagen die Kinder nichts, als sie sie tanzen sehen?
5 Wie verhält sich Uroma Marie später wieder?
6 Warum müssen am Ende alle lachen?
7 Was erzählt Uroma Marie von früher?
8 Was zeigt die Geschichte über Erinnerungen?
9 Glauben Sie, dass Musik und Bewegung jung halten können?
10 Haben Sie selbst Erinnerungen an Feste oder Tänze aus Ihrer Jugend?

 

 

 


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