Froh zu sein bedarf es wenig

Froh zu sein bedarf es wenig

Frühlingsgeschichte

Titel + Illustration Oma läuft singend über die Wiese, Früher März, es ist matschig, erste 2 Krokusse, im Hintergrund jenseits des Zaunes der NachbarErste Frühlingsblümchen im Garten und neue Hoffnung

Manchmal beginnt der Frühling nicht mit großen Gesten, sondern mit einem Lied, ein paar Schritten durch nasses Gras und einem kleinen gelben Licht im Garten.
Diese Geschichte erzählt von leiser Freude, von Hoffnung und davon, dass Frohsein oft nur wenig braucht.
Sie eignet sich zum Vorlesen und stillen Lesen – für Erwachsene, Seniorinnen und Senioren, für ruhige Runden, Nachmittage im Frühling oder Momente, in denen Hoffnung gebraucht wird. Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

 

 

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Froh zu sein bedarf es wenig

Nach vielen Schnee- und Regenwochen war Oma Erdmann in diesem Frühjahr zum ersten Mal wieder in ihrem Garten unterwegs. Vorsichtig stapfte sie in ihren rot-weiß-gepunkteten Gummistiefeln über den matschigen Boden zur Wiese hinüber.
Nass war es auch hier. Ihre Füße sanken tief ein in das wintergraue Gras und jeder Schritt hinterließ jenes schmatzende Geräusch, das sie an ihre Kindheit erinnerte. Was für einen Spaß hatte es damals gemacht, über regennasse Wiesen zu stampfen und Fußspuren ins Gras zu malen!
„Es macht auch heute noch Spaß“, sagte Oma Erdmann nun und ein bisschen wunderte sie sich. Aber wirklich nur ein bisschen. Dann stampfte sie noch etwas fester auf und lauschte dem Schmatzen ihrer Schritte, das nun auch etwas lauter wurde.
Und weil ihr diese Erinnerung, die die Zeiten überlebt hatte und heute noch genau so lebendig war wie damals, so viel Freude bereitete, sang sie beseelt ein Liedchen vor sich hin:
„Froh zu sein, bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König.“
Ja, sie war sehr gut gelaunt heute. Warum auch nicht? Der Frühling hielt Einzug, die Wolken hatten sich endlich verabschiedet und die ersten Sonnenstrahlen wärmten schon ein bisschen.
„Es gibt wirklich keinen Grund, nicht froh zu sein“, murmelte sie und sang weiter.
Singen machte Freude. Und lautes Singen noch mehr. Warum auch nicht?
An einem Nachmittag mitten in der Woche war niemand sonst in den Gärten unterwegs und so konnte man sich ungestört fühlen – und auch niemanden belästigen.
„Und wenn doch“, murmelte Oma Erdmann. „So ist es mir gerade auch egal. Wer ein Gutelauneliedchen nicht verträgt, verdient auch meine Freude nicht.“
Singend stapfte sie weiter durch den Garten. Einen kleinen Frühlingsboten hätte sie gerne gefunden. Ein Schneeglöckchen, eine Krokusblüte, ein Marienkäfer oder die erste Biene?
Während sie noch suchend über den schweren Boden tappte, war ihr, als hörte sie neben dem Geräusch ihrer Schritte auf nasser Erde eine Stimme, die ihr Lied sang. Es war eine männliche Stimme.
„Froh zu sein, bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König.“
Oma Erdmann lauschte der fremden Stimme. Sie kam aus dem verwilderten Garten, der sich an die Rückseite ihres Gemüsegartens anschloss. Das Haus, das zu dem Garten gehörte, war lange leer gestanden und sollte verkauft werden. Ob es schon einen neuen Eigentümer gefunden hatte? Womöglich ein Gartenfreund, der gerne Lieder sang?
Oma Erdmann lächelte. Dann stapfte sie weiter über die aufgeweichten Böden zum hinteren Gartenzaun. Ein helles Gelb leuchtete ihr entgegen. Krokusse. Die ersten Frühlingsboten. Ein Zeichen?
Oma Erdmann sang ihr Liedchen noch einmal, und ihr Herz klopfte ein wenig schneller, als die Töne auch dieses Mal wieder vom Nachbargarten zu ihr zurück hallten. In der zweiten Stimme nun.
Wie wundervoll er doch begann, dieser neue Frühling.

© Elke Bräunling

Das Lied „Froh zu sein bedarf es wenig“ stammt von Matthias Claudius und wurde 1779 geschrieben. Es besteht nur aus den zitierten zwei Zeilen, die so stark in ihrer Kraft sind, dass sie es zu großer Bekanntheit gebracht haben. Bis heute. Ist das nicht großartig?

 

Illustration Oma läuft singend über die Wiese, Früher März, es ist matschig, erste 2 Krokusse, im Hintergrund jenseits des Zaunes der Nachbar

💬 Leise Abschlussfrage 🌷
Gibt es etwas Kleines, das dir im Frühling Freude macht, vielleicht ein Geräusch, ein Lied oder eine erste Blume?

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Geschichten im frühen Frühling
🌱 Frühlingslächeln für Oma Erdmann
🧹 Frühjahrsputz und ein Lied
🌤️ Das Licht des Frühlings
🍂 Die Winterblätter und das neue Leben
🌾 Einmal wieder barfuß über eine Wiese gehen
🔔 Wenn die Himmelsschlüssel läuten
Der Himmelsschlüssel und das Licht des Frühlings
🌿 Der Frühling hat sich eingestellt
Ist schon Frühling?

 

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Kurzfassung

Froh zu sein, bedarf es wenig

Einfache Fassung für Senioren

Nach vielen Wochen mit Regen und Schnee ging Oma Erdmann an einem milden Frühlingstag wieder in ihren Garten.
Der Boden war noch nass und weich.
Mit ihren Gummistiefeln stapfte sie langsam über die Wiese.
Bei jedem Schritt machte es schmatz, schmatz.
Dieses Geräusch erinnerte sie an früher.
An ihre Kindheit.
Damals war sie oft über nasse Wiesen gelaufen.
Das hatte ihr Spaß gemacht.
Oma Erdmann blieb stehen und lächelte.
„Es macht heute noch Spaß“, sagte sie leise.
Sie spürte die Sonne im Gesicht.
Der Himmel war heller geworden.
Der Frühling war da.
Da begann sie zu singen.
Ganz einfach, nur für sich:
„Froh zu sein, bedarf es wenig
und wer froh ist, ist ein König.“
Das Singen tat ihr gut.
Sie fühlte sich leicht und zufrieden.
Plötzlich hörte sie eine zweite Stimme.
Eine Männerstimme.
Sie sang dasselbe Lied.
Oma Erdmann schaute zum Nachbargarten hinüber.
Dort war lange niemand gewesen.
Vielleicht wohnte dort nun jemand Neues.
Sie ging ein Stück weiter.
Da entdeckte sie gelbe Krokusse im Gras.
Die ersten Frühlingsblumen.
Oma Erdmann sang noch einmal.
Und wieder kam die andere Stimme zurück.
Sie lächelte.
Ihr Herz wurde warm.
So begann der Frühling.
Mit einem Lied.
Und mit geteilter Freude.
© Elke Bräunling

 

 

Fragerunde für Gespräch und Erinnerung

Zum Einstieg
• Wie hat dir die Geschichte gefallen?
• War sie ruhig oder fröhlich für dich?
Zum Thema Frühling
• Erinnerst du dich an den ersten Frühling nach einem langen Winter?
• Welche Blumen hast du im Frühling als erstes gesehen?
• Warst du früher gern im Garten oder draußen?
Zu Erinnerungen
• Kennst du das Geräusch von nassem Gras oder Matsch?
• Hast du als Kind gern in Pfützen oder auf Wiesen gespielt?
Zum Singen
• Kennst du das Lied „Froh zu sein, bedarf es wenig“?
• Welche Lieder haben dir früher gute Laune gemacht?
• Hast du gern gesungen – allein oder mit anderen?
Zum Schluss
• Was macht dich heute froh?
• Gibt es kleine Dinge, die dir den Tag heller machen?

 

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