Die schlechte Nachricht und die gute Fee

Die schlechte Nachricht und die gute Fee

Eine leise Geschichte über die Nachrichten und die Hoffnung im Alltag


Titel + Illustration Zerfledderte Zeichnung und eine graue Fantasiegestalt, die aus der Zeitung fliehtTag für Tag lesen wir Nachrichten aus aller Welt und oft sind es keine guten.
Diese kleine Geschichte erzählt von einer Zeitungsnachricht, die genug von all dem Unglück hat und sich auf die Suche nach einer guten Fee macht.
Eine leise Parabel über Hoffnung, Nachrichten und die Frage, ob es vielleicht doch mehr gute Nachrichten gibt, als wir glauben.
Diese Geschichte eignet sich besonders gut zum ruhigen Lesen oder Vorlesen für Erwachsene und Senioren. Sie kann im Alltag Gespräche anregen über Nachrichten, Hoffnung und die kleinen guten Dinge.

 

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Die schlechte Nachricht und die gute Fee

Die Zeitungsnachricht war verzweifelt.
Tag für Tag musste sie nur schlechte Nachrichten zu den Menschen bringen: Berichte von Kriegen und Überschwemmungen, von Unfällen, Erdbeben und Katastrophen, von Betrug, Streit und allerlei Unglück. Eigentlich gab es immer etwas Schlechtes zu berichten. Und davon hatte die Zeitungsnachricht die Nase gründlich voll.
Zwischen all diesen düsteren Meldungen saß sie auf der großen Zeitungsseite und wurde immer grauer. Ihre Buchstaben wirkten müde, als hätten sie selbst keine Lust mehr, solche Geschichten zu erzählen.
„Ich kann nicht mehr!“, stöhnte sie. „Mir wird ja selbst ganz schlecht von all dem Unglück.“
Und tatsächlich sah sie wirklich nicht gut aus. Ihre Buchstaben waren blass geworden und ein bisschen zerknittert wirkten sie auch.
An einem besonders schlimmen Schlechte-Nachrichten-Tag hielt sie es schließlich nicht mehr aus. Mit einem leisen Rascheln sprang sie aus der Zeitung, schüttelte die Druckerschwärze aus ihren Buchstaben und machte sich auf den Weg zu der guten Fee, von der sie aus den Märchen wusste.
Die gute Fee staunte nicht schlecht, als plötzlich eine Zeitungsnachricht vor ihr stand.
„Was kann ich für dich tun?“, fragte sie freundlich und strich vorsichtig über die grauen Buchstaben.
„Helfen!“, rief die Zeitungsnachricht verzweifelt.
„Ich will keine schlechte Nachricht mehr sein. Es ist gemein, den Menschen immer nur von schlimmen Dingen zu erzählen.“
Die Fee nickte langsam.
„Das kann ich gut verstehen“, sagte sie. „Das muss eine schwere Arbeit sein.“
„Dann hilf mir doch!“, bat die Zeitungsnachricht. „Mach aus mir eine gute Nachricht! Es soll nur noch gute Nachrichten geben. Dann wären die Menschen endlich glücklich.“
Die gute Fee dachte nach.
„Hm“, sagte sie schließlich. „Das ist ein schöner Wunsch. Aber ich fürchte, das wird nicht funktionieren.“
„Warum nicht?“, rief die Zeitungsnachricht empört.
„Was kann denn gegen das Glück sprechen?“
Die Fee seufzte.
„Das Unglück“, sagte sie. „Es passiert einfach zu viel davon auf der Welt.“
Die Zeitungsnachricht ließ traurig die Buchstaben hängen.
„Außerdem“, fuhr die Fee fort. „Du sollt wissen, dass die Menschen schlechte Nachrichten oft besonders oft und aufmerksam lesen.“
„Warum das denn?“, fragte die Zeitungsnachricht verwundert.
„Vielleicht“, sagte die Fee, „weil sie hoffen, dass es sie selbst nicht trifft.“
„So ein Unglück!“, murmelte die Zeitungsnachricht.
„Sei nicht zu traurig“, sagte die Fee freundlich. „Jeder hat seine Aufgabe. Auch wenn sie manchmal schwer ist.“
Die Zeitungsnachricht aber war noch immer unglücklich.
„Kann man denn gar nichts machen?“, fragte sie leise.
Die Fee dachte lange nach. Dann begann sie zu lächeln.
„Doch“, sagte sie schließlich. „Ich mache dir einen Vorschlag. Geh zurück zu deiner Zeitung. Einmal im Jahr darfst du eine gute Nachricht sein. Einen ganzen Tag lang.“
Die Zeitungsnachricht strahlte auf.
„Wirklich?“
„Wirklich“, antwortete die Fee. „Aber den Tag musst du selbst finden.“
Erleichtert machte sich die Zeitungsnachricht auf den Heimweg.
Seitdem wartet sie auf den Tag, an dem sie endlich eine gute Nachricht sein darf.
Und manchmal, wenn sie morgens aus der Zeitung schaut, glaubt sie, ihn fast gefunden zu haben.
Dann sieht sie, wie jemand einem Fremden hilft. Wie ein Kind ein anderes tröstet.
Wie Menschen gemeinsam etwas wieder aufbauen, das zerstört worden ist.
Doch solche Dinge stehen selten auf der Titelseite.
Vielleicht, dachte die Zeitungsnachricht eines Tages, gibt es viel mehr gute Nachrichten, als ich drucken darf.
Und vielleicht liegt es gar nicht daran, dass es zu wenige gute Nachrichten gibt.
Vielleicht liegt es nur daran, dass wir zu viele schlechte lesen.
Und während die Zeitungsnachricht darüber nachdachte, raschelte irgendwo auf der Welt schon wieder eine neue Zeitung aus der Druckmaschine.
Wer weiß, vielleicht war diesmal sogar eine gute Nachricht dabei.

© Elke Bräunling

Illustration Zerfledderte Zeichnung und eine graue Fantasiegestalt, die aus der Zeitung flieht

 

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Einfache Fassung

Die schlechte Nachricht und die gute Fee

Die Zeitungsnachricht war sehr unglücklich.
Tag für Tag musste sie nur schlechte Dinge berichten.
Von Unfällen und Katastrophen.
Von Streit, Betrug und Kriegen.
Von Menschen, denen etwas Schlimmes passiert war.
„Ich kann nicht mehr!“, rief sie eines Tages.
„Mir wird ja selbst ganz schlecht von all den schlechten Nachrichten!“
Und wirklich: sie sah gar nicht gut aus. Ihre Buchstaben waren grau geworden und müde.
An einem besonders schlimmen Tag sprang sie plötzlich aus der Zeitung heraus.
Sie machte sich auf den Weg zu einer guten Fee, von der sie einmal in einem Märchen gelesen hatte.
Die Fee staunte, als sie die Zeitungsnachricht sah.
„Was kann ich für dich tun?“, fragte sie freundlich.
„Hilf mir!“, bat die Zeitungsnachricht. „Ich will keine schlechte Nachricht mehr sein. Ich möchte den Menschen etwas Schönes erzählen. Etwas, das sie froh macht.“
Die Fee dachte eine Weile nach.
„Ich verstehe dich gut“, sagte sie schließlich. „Aber das ist nicht so einfach.“
„Warum denn nicht?“, fragte die Zeitungsnachricht. „Was ist denn falsch daran, gute Nachrichten zu bringen?“
Die Fee seufzte.
„Leider passiert auf der Welt auch viel Unglück“, sagte sie ruhig. „Wenn es nur noch gute Nachrichten gäbe, würden die Menschen sie bald nicht mehr glauben.“
Die Zeitungsnachricht wurde traurig.
„So ein Unglück“, murmelte sie.
Die Fee überlegte noch einmal lange. Dann hatte sie eine Idee.
„Geh zurück zu deiner Zeitung“, sagte sie. „Ich verspreche dir: Einmal im Jahr darfst du eine gute Nachricht sein. Aber du musst dir diesen Tag selbst aussuchen.“
Die Zeitungsnachricht war erleichtert und machte sich auf den Heimweg.
Am nächsten Morgen lag sie wieder zwischen den anderen Nachrichten in der Zeitung.
Links von ihr stand eine Meldung über ein Unglück. Rechts von ihr eine Nachricht über Streit.
Die Zeitungsnachricht seufzte.
„Heute vielleicht?“, dachte sie.
Doch draußen hörte sie Menschen reden.
„Schon wieder schlechte Nachrichten“, sagte jemand.
„Man mag ja gar keine Zeitung mehr lesen“, meinte ein anderer.
Die Zeitungsnachricht wurde ganz still.
Vielleicht wäre heute ein guter Tag, dachte sie.
Doch sie überlegte noch einmal.
Den schönsten Tag für eine gute Nachricht wollte sie sich ganz besonders gut aussuchen.
Leider hat sie ihn bis heute noch nicht gefunden.
Und so wartet sie noch immer.

© Elke Bräunling

 

Gesprächsrunde und Fragerunde zur Geschichte

Diese Geschichte eignet sich besonders gut für Gespräche über Nachrichten, Erinnerungen und Hoffnung.

🌍 Einfache Verständnisfragen
• Wer ist die Hauptfigur der Geschichte?
• Warum ist die Zeitungsnachricht traurig?
• Wohin geht sie, um Hilfe zu bekommen?
• Was schlägt die gute Fee vor?
• Warum wartet die Nachricht noch immer?

📰 Erinnerungsfragen
• Haben Sie früher regelmäßig Zeitung gelesen?
• Gab es bei Ihnen zu Hause eine Tageszeitung?
• Wer hat sie zuerst gelesen?
• Wurden Nachrichten früher eher im Radio, im Fernsehen oder in der Zeitung gehört?

🌱 Gesprächsfragen
• Warum berichten Nachrichten oft über schlechte Dinge?
• Glauben Sie, dass es früher auch so viele schlechte Nachrichten gab?
• Oder hören wir heute einfach mehr davon?

😊 Gute-Nachrichten-Fragen
• Erinnern Sie sich an eine Nachricht, über die Sie sich besonders gefreut haben?
• Welche gute Nachricht würden Sie heute gerne hören?
• Was wäre für Sie persönlich eine „gute Nachricht“?

💬 Nachdenkfragen
• Glauben Sie, dass Menschen gute Nachrichten genauso aufmerksam lesen wie schlechte?
• Warum bleiben schlechte Nachrichten oft länger im Kopf?

🌷 Lebensfragen
• Was ist für Sie persönlich eine wirklich gute Nachricht?
• Kann ein kleines Ereignis im Alltag auch eine gute Nachricht sein?
• Welche kleinen guten Dinge passieren im Frühling?

☀️ Abschlussfrage für Gesprächsrunden
In der Abschlussrunde eine Frage, die zur Diskussion anregt:
Welche gute Nachricht würden Sie heute gerne in der Zeitung lesen?
Diese Frage führt oft zu sehr lebendigen Gesprächen.

 

Eine kleine Gedankenreise: Auf der Suche nach guten Nachrichten

Ein ruhiger Ausklang zur Geschichte – zum Nachdenken und Gespräch.

Manchmal hat man das Gefühl, dass es überall nur schlechte Nachrichten gibt.
Man hört sie im Radio.
Man liest sie in der Zeitung.
Man sieht sie im Fernsehen oder im Internet.
Oft sind es Meldungen über Streit, Unglücke oder Sorgen. Dinge, die Menschen traurig machen oder nachdenklich stimmen.
Da kann es leicht passieren, dass man denkt:
Die Welt besteht nur noch aus schlechten Nachrichten.
Doch vielleicht geht es uns ein wenig wie der Zeitungsnachricht aus unserer Geschichte.
Vielleicht sind die guten Nachrichten einfach nur leiser.
Sie stehen nicht immer auf der Titelseite.
Sie erscheinen nicht mit großen Überschriften.
Oft verstecken sie sich im Alltag.
Vielleicht beginnt eine gute Nachricht mit etwas ganz Kleinem.
Mit einem freundlichen Gruß auf der Straße.
Mit einem Lächeln von einem Menschen, der uns entgegenkommt.
Mit einem kurzen Gespräch über den Gartenzaun.
Auch die Natur bringt im Frühling viele kleine gute Nachrichten.
Die Tage werden heller.
Die Sonne wärmt wieder ein wenig mehr.
Vögel beginnen zu singen.
Hier und da zeigen sich erste Blüten.
Manchmal sind diese kleinen Dinge so selbstverständlich, dass wir sie kaum bemerken.
Doch wenn man einen Moment innehält und bewusst hinsieht, entdeckt man plötzlich viele kleine gute Nachrichten.
Vielleicht ist eine gute Nachricht auch ein Anruf von einem alten Freund.
Oder eine Erinnerung, die ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Vielleicht ein gemeinsamer Kaffee oder ein ruhiger Spaziergang.
Manchmal merkt man erst später, dass ein Moment eigentlich eine gute Nachricht gewesen ist.
Vielleicht wartet die Zeitungsnachricht aus unserer Geschichte deshalb noch immer auf den richtigen Tag.
Vielleicht sucht sie nach einem Tag, an dem Menschen beginnen, die guten Dinge wieder besser zu sehen.
Und vielleicht geschieht genau das manchmal ganz still.
Wenn jemand innehält.
Wenn jemand lächelt.
Wenn jemand merkt, dass ein kleiner Moment im Alltag eigentlich eine gute Nachricht ist.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, ab und zu einmal zu fragen:
Welche gute Nachricht habe ich heute schon erlebt?
Manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die den Tag ein wenig heller machen.
Und vielleicht, wenn man sie sammelt, merkt man am Ende des Tages:
Es gab doch mehr gute Nachrichten, als man zuerst gedacht hat.

Kleine Gesprächsanregung
Manchmal hilft es, gute Nachrichten zu sammeln. Vielleicht fallen Ihnen heute schon ein paar ein?
• etwas Schönes, das Sie gesehen haben
• ein freundliches Wort
• eine kleine Freude im Alltag
Spüren Sie es auch? Gute Nachrichten gibt es oft mehr, als man denkt. Man muss sie nur entdecken.

© Elke Bräunling