Alles wird gut

Alles wird gut

Geschichte vom Trösten


Titel + Illustration Oma und Enkel auf Terrasse, Apfel essenVom positiven Denken, vom Hoffen und Staunen

„Vielleicht tröstet uns das Leben manchmal nicht mit großen Antworten, sondern mit kleinen Momenten.“

Manchmal helfen große Worte nicht weiter. Und doch gibt es Trost – in kleinen Gesten, in Nähe, in einem stillen Nachmittag auf einer sonnigen Gartenbank.
Diese warmherzige Geschichte erzählt von Hoffnung, Vertrauen und jenen Augenblicken, in denen sich die Welt plötzlich wieder ein kleines bisschen leichter anfühlt für Groß und Klein mit Arbeitsmodul.

Inhalt

 

 

Alles wird gut

„Alles wird gut“, sagt Oma immer und ich glaube es ihr.
Auch andere sagen das oft: meine Eltern, meine Onkel und Tanten, meine Lehrer, manchmal auch der knurrige Nachbar Schmitt. Es sind alles Erwachsene. Und alle gucken dann immer so ernst dabei, dass sich dieses „gut“ gar nicht mehr gut anfühlt. Und überhaupt: Woher wissen die das? Woher wissen sie, dass alles gut wird? Das würde ich gerne wirklich mal begreifen.
Ich glaube mittlerweile, dass sie keine Ahnung haben, sondern einfach nur mich und sich selbst trösten wollen.
Neulich mit Micha war das auch so. Mein Kater war krank und alle haben gesagt: Alles wird gut! Und was war? Nichts war gut, er ist gestorben. Das fand ich furchtbar und ich war schrecklich traurig, aber sie haben gesagt: Es ist gut so, er hätte sonst gelitten. Na ja, für Micha war das nicht gut und er hätte bestimmt gerne länger gelebt, aber da denke ich wohl anders als die Erwachsenen.
Manchmal glaube ich, sie sagen dieses „Alles-wird-gut!“ auch nur zu Kindern und kranken Leuten. Sie meinen, dies würde dann trösten. Aber ehrlich, wenn ich mal traurig bin, ist gar nichts okay, auch wenn es alle so zu mir sagen. Wenn sie mal darüber nachdenken würden, würde ihnen das auch auffallen. Aber ich glaube, es ist einfacher, gerade mal so ein paar nette Trostworte zu sagen.
Gestern zum Beispiel hat es mich so wütend gemacht, dass ich in der Schule beim Rechentest die doofe Textaufgabe nicht kapiert konnte, dass ich heulen musste. Und was hat Oma später gesagt? „Alles wird gut!“ Ja, das hatte sie gesagt. Hallo?
Aber vielleicht weiß Oma es einfach nicht besser. Sie hat immer auf Gott vertraut, wie sie sagt.
Ich wünschte, ich könnte das auch. Ob man das lernen kann?
Ich blicke zu ihr hinüber. Obwohl sie noch immer diesen fiesen Husten hat, sitzt sie drüben auf der Bank in der Sonne, summt ein Liedchen und strickt. Sie sieht gerade ziemlich glücklich aus, dabei weiß ich, dass sie auch viel Kummer hat. Wie macht Gott das? Ob er ihr zuhört, wenn sie mit ihm spricht? Schickt er ihr Hilfe?
Ich schnappe mir zwei Äpfel aus der Schale und geselle mich zu Oma. Mit meinem Taschenmesser zerteile ich die Äpfel in Stückchen und biete ihr davon an.
Erfreut legt sie ihr Strickzeug zur Seite und beißt beherzt in den Apfelspalt.
„Hm! Köstlich!“ Sie schließt die Augen und genießt, ein bisschen läuft ihr der Apfelsaft aus dem linken Mundwinkel. Sie wischt ihn mit dem Handrücken weg und grinst. Das sieht niedlich aus und ich freue mich auf einmal mächtig, einfach bei ihr zu sitzen und Äpfel zu essen. Und in dem Moment fühlte ich, dass alles, wirklich alles gerade gut ist. Saugut sogar.
„Danke!“, sage ich leise.
Oma schweigt. Sie hat mich wohl nicht gehört. Und doch meine ich, irgendwoher ein fröhliches „Bitte, mein Kind!“ zu hören.
© Elke Bräunling

Illustration Oma und Enkel auf Terrasse, Apfel essen

 

Die nachfolgenden Gedanken und Texte vertiefen die Geschichte und laden zum Erinnern, Nachdenken und Mitfühlen ein.

Diese Versionen sind sprachliche Bearbeitungen derselben Geschichte zur besseren Zugänglichkeit und stellen keine eigenständigen Werke dar.

Alles wird gut – Einfache Fassung

„Alles wird gut“, sagte Oma oft.
Auch Mama sagte das. Und Papa.
Und manchmal sogar der Nachbar Schmitt, bei dem gar nichts gut ist.
Und ehrlich gesagt glaubte ich nicht mehr immer daran.
Als unser Kater Micha krank wurde, sagten auch alle:
„Alles wird gut.“
Doch Micha starb.
Da verstand ich die Erwachsenen nicht mehr.
Wie konnten sie so etwas sagen?
Auch heute Nachmittag dachte ich wieder darüber nach.
Oma saß draußen auf der Gartenbank in der Sonne.
Obwohl sie selbst krank war und oft husten musste, wirkte sie ruhig und zufrieden.
Sie summte leise ein Lied und strickte.
Ich nahm zwei Äpfel aus der Schale und setzte mich zu ihr.
Mit meinem Taschenmesser schnitt ich kleine Stücke heraus und gab Oma die Hälfte.
Sie lächelte.
„Hm! Köstlich!“
Ein wenig Apfelsaft lief ihr über den Mundwinkel und sie wischte ihn lachend weg.
Da musste ich plötzlich auch lachen.
Und auf einmal fühlte sich alles leicht an.
Die Sonne.
Der Garten.
Die Äpfel.
Oma.
Für einen kleinen Moment war wirklich alles gut.
Nicht perfekt.
Nicht für immer.
Aber genau jetzt.
„Danke“, sagte ich leise.
Oma hörte es vielleicht gar nicht.
Und trotzdem hatte ich das Gefühl, irgendwoher ein freundliches:
„Bitte, mein Kind“
zu hören.
© Elke Bräunling

 

Alles wird gut – Sehr einfache Fassung

Der Kater Micha ist gestorben.
Das Kind ist traurig.
Oma sagt:
„Alles wird gut.“
Das Kind glaubt das zuerst nicht.
Später sitzen beide zusammen in der Sonne und essen Äpfel.
Da fühlt sich plötzlich alles leichter an.
© Elke Bräunling

 

Kleine Gedanken

Manchmal tröstet nicht das Wort
Viele Menschen möchten helfen, wenn jemand traurig ist.
Dann sagen sie: „Alles wird gut.“
Aber manchmal fühlen sich solche Worte leer an, denn nichts wird sofort wieder gut.
Manches bleibt traurig. Manches tut lange weh. Und trotzdem gibt es Trost.
Dazu braucht es auch nicht viele Worte. Eine warme Hand hilft oft viel mehr. Ein Zusammensein, ein gemeinsames Erinnern oder Lachen. Ein Mensch, der Zeit hat und einfach da ist.
Vielleicht trösten deshalb manchmal gerade die kleinsten Dinge am meisten.

Warum kleine Momente plötzlich wichtig werden
Manchmal warten Menschen auf große Veränderungen. Dabei entstehen die schönsten Augenblicke oft ganz still und einfach so.
Es sind Momente, in denen man keine Worte braucht. In denen man einfach füreinander da ist oder seine Umwelt mit offenem Herzen sieht und hört.
Es sind die kleinen Dinge, die wichtig sind und die trösten. Ein Sonnenstrahl wie in der Geschichte mit Oma. Der Duft eines Apfels. Ein gemeinsames Schweigen. Ein Lächeln.
Und da plötzlich merkt man: Gerade jetzt fühlt sich die Welt ein wenig leichter an.
Nicht weil alle Probleme verschwunden wären und nicht, weil nun „alles gut“ ist. Nein, weil das Leben trotz allem noch Wärme bereithält und weil ja vielleicht doch – irgendwann – alles gut werden kann.

Hoffnung wächst oft leise
Die Hoffnung, sie macht keinen großen Lärm. Laute Worte und große Versprechen braucht sie nicht, um anzukommen und gehört zu werden. Manchmal nämlich sitzt sie einfach auf einer Gartenbank in der Sonne und summt ein Lied. Oder sie versteckt sich in einem Apfel und tröstet mit Saft und Süße. Oft genügen auch nur ein Blick, ein Lächeln, ein Beieinandersein und die Zeit, die man einander schenkt.
Vielleicht liegt genau darin ihre Kraft: Die Hoffnung kommt leise zu uns und darf bleiben. Still und tröstend.

 

Fragerunde zur Geschichte

👉 Zum Verstehen
• Warum ist das Kind traurig?
• Warum glaubt es den Erwachsenen nicht mehr?
• Was passiert auf der Gartenbank?
• Warum fühlt sich plötzlich alles leichter an?
👉 Über Trost
• Welche Worte haben Sie früher getröstet?
• Gab es Sätze, die Ihnen nicht geholfen haben?
• Was tut Menschen oft besser als viele Worte?
👉 Über Tiere
• Erinnern Sie sich an ein geliebtes Tier?
• Warum tut Abschied von Tieren oft so weh?
👉 Über kleine Glücksmomente
• Welche kleinen Dinge tun gut?
• Gibt es einen Ort, an dem Sie Ruhe finden?
• Welche Gerüche oder Geräusche machen Ihnen gute Gefühle?
👉 Über Hoffnung
• Was gibt Menschen Kraft?
• Warum wirken manche Menschen trotz Sorgen ruhig?
• Kann Hoffnung auch ganz leise sein?
👉 Abschlussfrage
• Wann hatten Sie zuletzt einen kleinen Moment, in dem sich alles plötzlich gut angefühlt hat?

 

Kleine Mitmachideen

🍏 Apfelrunde
Gemeinsam Äpfel schneiden und essen.
Dabei Erinnerungen austauschen.
☀️ Sonnenmomente sammeln
Jeder erzählt von einem kleinen schönen Moment.
🐈 Tiererinnerungen
Von geliebten Haustieren sprechen.
🌿 Trostkarten
Schöne tröstende Sätze sammeln, die wirklich guttun.
Ruhige Teerunde
Einfach gemeinsam still zusammensitzen und genießen.

 

Bewegungsimpulse: Ganz ruhig und leicht

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☀️ Die Sonne spüren
Das Gesicht leicht anheben.
Tief einatmen.
Die Wärme genießen.
Dabei an nichts denken.
Da sind nur die Sonnenstrahlen auf der Haut.
Wärmend und tröstend

🍎 Einen Apfel halten
Die Hände langsam öffnen und schließen.
Die Frucht in der Hand spüren.
Ein kleines, süßes Stück Leben.

🌬️ Schweres Ausatmen
Langsam einatmen.
Kurz die Luft anhalten und langsam wieder ausatmen.
Wieder einatmen, anhalten und länger ausatmen.
Zähle beim Einatmen auf ’Sieben’ und ein Ausatmen auf ‚Zehn“.
Dies wiederhole einige Male.
Spürst du, wie etwas Belastendes leichter wird.

🌿 Hände öffnen
Die Handflächen ruhig nach oben legen.
Die Finger bewegen.
Langsam und schnell im Wechsel.
Dann die Handflächen wieder nach oben legen.
Spürst du nun ein leichtes Kribbeln in den Händen?

🌸 Zum Abschluss
Die Hände auf den Schoß legen und kurz nachspüren:
Was fühlt sich gerade gut an?

h3 id=“fantasiereise“>Fantasiereise: Die Bank in der Sonne

Setzen Sie sich bequem hin.
Atmen Sie ruhig ein … und wieder aus.
Stellen Sie sich nun einen warmen Nachmittag vor.
Sie sitzen auf einer Bank im Garten.
Die Sonne scheint mild auf Ihr Gesicht.
Ein leichter Wind bewegt die Blätter.
Irgendwo summt leise jemand ein Lied.
Neben Ihnen sitzt ein Mensch, bei dem Sie sich sicher fühlen.
Vielleicht sprechen Sie gar nicht viel.
Vielleicht sitzen Sie einfach nur zusammen da.
In Ihren Händen halten Sie einen Apfel.
Sie schneiden langsam ein kleines Stück heraus.
Der Duft erinnert an Sommer und an früher.
Sie atmen ruhig ein.
Und für einen kleinen Moment wird alles still.
Nicht vollkommen.
Nicht sorgenfrei.
Aber weich.
Warm.
Und gut.
Vielleicht merken Sie:
Trost fühlt sich manchmal genau so an.
Wie Sonne auf einer Bank.
Wie ein geteilter Apfel.
Wie ein Mensch, der bleibt.
Wie in der Geschichte, die wir eben gehört haben.
Bleiben Sie noch einen kleinen Augenblick dort auf dieser sonnigen Bank.
Atmen sie ruhig ein und aus.
Ein und aus.
Dann kehren Sie langsam zurück.
Und vielleicht begleitet Sie ein kleines warmes Gefühl weiter durch den Tag.

 

Sachtext: Trost – Warum kleine Gesten oft mehr helfen als große Worte

Jeder Mensch kennt traurige oder schwere Zeiten.
Manchmal verliert man einen geliebten Menschen oder ein Tier. Manchmal bedrückt ein Streit oder es sind die Sorgen, die auf das Herz drücken. Dann spendet man Menschen einander Trost, doch das Trösten ist oft gar nicht so einfach. Worte allein reichen nicht immer aus und Sätze wie „Alles wird gut“ oder „Das wird schon wieder“ sind zwar gut gemeint, aber wenig hilfreich. Sie helfen nicht jedem Menschen sofort weiter, besonders dann nicht, wenn der Schmerz noch ganz frisch ist.
Der Trost hat oft ganz andere Gesichter und er braucht keine Worte.
Wirklich trostreich kann die Nähe eines Menschen sein. Jemand, der einfach da ist und zuhört oder der gemeinsam mit einem Trauernden schweigt. Auch kleine Gesten können guttun: eine Tasse Tee, ein Spaziergang, eine Hand auf der Schulter, ein gemeinsamer Apfel in der Sonne wie in der Geschichte, eine Umarmung, ein Lächeln. Solche Augenblicke verändern nicht sofort alles, aber sie erleichtern. Sie können dem Herzen ein wenig die Schwere nehmen.
Viele ältere Menschen wissen: Nicht nur Traurigkeit gehört zum Leben, sondern ebenso Wärme, Nähe und Hoffnung. Trostworte allein bewirken nicht, dass gleich alles besser und perfekt wird. Vielleicht bedeutet Trost eher, dass man schwere Momente oder Zeiten nicht ganz allein tragen muss.

© Elke Bräunling

 

 

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