Sonntagsfreuden und ein kleines Geheimnis
Sonntagsfreuden und ein kleines Geheimnis
Fröhliche Sonntagsgeschichte für Senioren
Manchmal wird ein Sonntag genau dann besonders schön, wenn er eine kleine Überraschung bereithält.
Diese fröhliche Sonntagsgeschichte für Senioren erzählt von Oma Gerda, einem Frühlingsmorgen, einem geheimen Plan und der leisen Freude daran, das Leben noch immer mit eigenen Augen zu sehen. Mit einfacher Fassung, sehr einfacher Version, Fragerunde, Bewegungsimpulsen und Fantasiereise.
Inhalt
Originalgeschichte
Einfache Fassung
Sehr einfache Fassung
Mini-Impuls
Fragerunde
Mitmachteil
Bewegungsimpulse
Kleiner Sachtext
Fantasiereise
Was einen schönen Sonntag ausmacht
.
Sonntagsfreuden und ein kleines Geheimnis
„Was für ein herrliches Frühlingswetter heute doch ist! Sagt, habt ihr Lust auf einen Spaziergang im Park?“
Fragend blickte Oma Gerda beim Frühstück in die Runde.
„Ein Spaziergang?“
„Im Park?“
„Heute?“
„Wie langweilig!“
Mit genervten Blicken sahen Papa, Mama, Sara und Finn auf. Ein Spaziergang im Park war etwas für alte Leute.
„Das ist doch etwas für alte Leute!“, murrte Finn da auch gleich und Sara nickte, während Papa und Mama verstohlen grinsten.
„Na, das passt ja bestens.“ Oma Gerda nickte zufrieden. „Ich bin ein alter Leut’ und da braucht ihr gar nicht so zu grinsen. Ihr werdet es auch mal sein. Alt, meine ich. Das geht schneller als ihr denkt. Und in den Park gehe ich mal auch hübsch alleine.“
„Ich geh mit dir, Oma!“, rief die kleine Lina. Sie hatte Mitleid mit Oma. Keiner sollte alleine sein. Schon gar nicht Oma!
„Nein, nein!“ Oma Gerda schüttelte den Kopf. „Unternehme du ruhig etwas Schönes mit deinen Eltern und Geschwistern. Das macht dir bestimmt mehr Freude. Vielleicht macht ihr einen feinen Ausflug oder ihr geht in den Zoo? Vielleicht habt ihr auch Lust, ins Spaßbad zu fahren oder in den Freizeitpark? Oder ihr wandert und erobert eine Burg oder geht fein essen? Eine Radtour wäre auch nicht schlecht, vielleicht zur Eisdiele und dann ins Kino? Oh, so viel könnt ihr ohne mich unternehmen und alles ist spannender als ein Spaziergang im Park mit einer alten Oma wie mir.“
Oma Gerda redete und redete und Papa, Mama, Sara, Finn und Lina starrten sie erschrocken an. War sie nun etwa gekränkt oder gar beleidigt? Oder warum redete sie so viel? Wie ungewohnt das war!
„Ihr könnt aber den Sonntag wie immer verbringen und daheim vor euren Computern und dem Fernseher herumfummeln“, fuhr Oma Gerda da auch schon fort. „Jeder wie er mag!“
Sie stand auf. „Ich für meinen Teil freue mich heute auf Frühlingsblumen, blühende Bäumen, Entenfüttern, dem Mittagskonzert im Stadtpark, einem kleinen Gläschen Sekt und all den anderen Vergnügungen, die alten Leuten dort geboten werden. Für jeden ist etwas geboten. Also wartet nicht mit dem Mittagessen auf mich.“
Plötzlich hatten alle ein schlechtes Gewissen.
„Aber …“, protestierte Papa.
„Sei doch nicht gleich so verletzt. Wir könnten doch …“, stammelte Mama.
„Und wenn wir alle …“, murmelte Finn.
„Hättest du vielleicht …“, versuchte es Sara.
„Ich will aber mit dir gehen …“, quengelte Lina.
Alle redeten auf einmal los, doch Oma Gerda hatte längst das Zimmer verlassen.
Sie schnappte sich die Wandersachen, die sie in der Garderobe schon bereit gestellt hatte, und beeilte sich, von ihrer Familie wegzukommen. Eine Straße weiter wartete Klaus bestimmt schon auf sie. Bei einem Spaziergang im Park hatte sie ihn neulich kennen gelernt und freute sich nun darauf, mit ihm in die Berge zum Wandern zu fahren und einen wundervollen Sonntag zu verbringen. Ohne die Familie, deren Ideen für spannende Sonntagsunternehmungen ihr heute schlichtweg zu langweilig waren. Aber das brauchten ihre Lieben nicht zu wissen. Noch nicht …
Zügig lief sie die Straße entlang. Ein kleines Lächeln lag auf ihrem Gesicht.
„Alte Leute …“, murmelte sie und schüttelte leicht den Kopf. „Wenn die wüssten …“
Sie zog ihre Jacke etwas enger und blickte nach vorne.
Dort, an der nächsten Ecke, stand er schon. Klaus. Er winkte ihr zu.
Und sie winkte zurück. Sie beschleunigte ihre Schritte und fühlte sich so jung wie lange nicht mehr..
„Na, bist du gut weggekommen?“, fragte er schmunzelnd.
„Gerade noch“, antwortete Gerda. „Sie wollten mich beinahe begleiten.“
„Aber das wäre doch schön gewesen“, sagte Klaus. „Magst du deine Familie denn nicht um dich haben?“
Gerda lachte.
„Ach, weißt du“, meinte sie. „Heute möchte ich einfach mal wieder nur Gerda sein.“
Klaus nickte. Er verstand. Er öffnete die Tür zum Beifahrersitz und lud sie mit einer einladenden Geste ein.
„Na, dann bitte ich die Dame, einzusteigen. Ich habe uns ein besonders schönes Wanderziel ausgesucht, doch das bleibt noch eine Überraschung.“
Gerda strahlte. Sie liebte Überraschungen über alles und fühlte sich plötzlich ganz leicht und frei. Fast ein bisschen wie früher. Und vielleicht, dachte sie, ist man gar nicht alt, solange man noch Pläne hat.
© Elke Bräunling

.
Weitere Frühlingsgeschichten
🌸 Der erste Frühlingsduft
☀️ Lasse deine Seele baumeln
🚶♂️ Eine Frühlingswanderung zur Burg
🌱 Einmal wieder barfuß über eine Wiese gehen
🌼 Wenn die Himmelsschlüssel läuten
💛 Frühlingsgefühle und die kostbare Lebenszeit
🌳 Im Mai ist es im Wald am schönsten
Einfache Fassung: Sonntagsfreuden
Beim Frühstück sagt Oma Gerda:
„Was für ein schönes Wetter! Wollen wir in den Park gehen?“
Die anderen schauen auf.
„In den Park?“
„Heute?“
„Wie langweilig!“
Finn sagt: „Das ist doch etwas für alte Leute!“
Sara nickt.
Auch Mama und Papa lächeln ein wenig.
Oma Gerda bleibt ruhig.
„Das passt ja gut“, sagt sie. „Ich bin ja ein alter Mensch. Und heute gehe ich eben alleine“
Die kleine Lina ruft: „Ich gehe mit dir, Oma!“
Aber Gerda schüttelt den Kopf.
„Nein, mein Kind. Du kannst etwas Schönes mit deiner Familie machen.
Es gibt so viele Möglichkeiten: einen Ausflug, ein Eis, ein Kino, ein schönes Ziel.“
Die anderen werden still.
Irgendetwas stimmt nicht.
„Ihr könnt den Sonntag verbringen, wie ihr möchtet“, sagt Gerda. „Ich freue mich auf Blumen, frische Luft und ein bisschen Musik im Park.“
Dann steht sie auf und geht.
Plötzlich haben alle ein schlechtes Gewissen.
„Wir könnten doch …“, sagt Mama.
„Vielleicht gehen wir doch mit …“, meint Papa.
„Ich will aber mit Oma!“, ruft Lina.
Doch da ist Oma Gerda schon weg.
Sie zieht ihre Jacke an und geht schnell die Straße entlang.
Ein kleines Lächeln liegt auf ihrem Gesicht.
Sie hat nämlich ein Geheimnis.
An der nächsten Ecke wartet jemand auf sie. Klaus.
Vor kurzem hat sie ihn im Park kennengelernt.
Heute wollen sie zusammen in den Bergen wandern.
Ganz ohne Familie.
Nur sie beide.
Gerda geht schneller.
Sie fühlt sich leicht.
Fast ein bisschen wie früher.
„Alte Leute …“, murmelt sie leise und lächelt.
Klaus winkt ihr schon von weitem zu.
Sie winkt zurück.
„Na, bist du gut weggekommen?“, fragt er.
„Gerade noch“, sagt Gerda und lacht. „Heute möchte ich einfach nur Gerda sein.“,
Klaus nickt. Er versteht.
Er öffnet ihr die Autotür.
„Ich habe ein schönes Ziel ausgesucht“, sagt er. „Aber es bleibt eine Überraschung.“
Gerda strahlt.
Sie steigt ein.
Und plötzlich fühlt sich dieser Sonntag ganz besonders an.
Vielleicht, denkt sie, ist man gar nicht alt, solange man sich noch auf etwas freuen kann.
© Elke Bräunling
Sehr einfache Fassung: Oma Gerda und ihr Sonntag
Oma Gerda sitzt beim Frühstück.
Alle sind zusammen am Tisch.
Oma Gerda sagt:
„Das Wetter ist schön. Ich gehe heute in den Park.“
Die anderen schauen sie an.
„In den Park?“
„Heute?“
„Das ist langweilig“, sagt Finn.
Oma Gerda lächelt ein wenig. „Dann gehe ich eben alleine.“
Die kleine Lina sagt: „Ich komme mit, Oma!“
Aber Oma Gerda schüttelt den Kopf.
„Nein, mein Kind. Du bleibst bei deiner Familie.“
Dann steht Gerda auf.
Sie nimmt ihre Jacke.
Sie geht nach draußen.
Die Straße ist ruhig.
Die Luft ist frisch.
Oma Gerda geht langsam los.
Ein Schritt nach dem anderen.
Sie lächelt.
Denn sie freut sich.
An der Ecke wartet jemand.
Ein Mann.
Er heißt Klaus.
Er winkt ihr zu.
Oma Gerda winkt zurück.
„Guten Morgen“, sagt er.
„Guten Morgen“, antwortet sie.
Sie gehen zusammen weiter.
Vielleicht fahren sie weg.
Vielleicht gehen sie spazieren.
Vielleicht erleben sie etwas Schönes.
Oma Gerda fühlt sich leicht.
Und ein bisschen wie früher.
Sie lächelt.
Heute ist ein guter Tag.
© Elke Bräunling
💬 Worauf freuen Sie sich heute?
Vielleicht ist es etwas ganz Kleines? Ein Gespräch. Ein Spaziergang. Den Sonnenschein? Die frische Luft? Einen Moment für sich allein.
Manchmal reicht schon ein Gedanke, auf den man sich freuen kann
.
Fragerunde: Sonntag, Familie & kleine Überraschungen
🌿 Zum Einstieg
• Hat Ihnen die Geschichte gefallen?
• Was fanden Sie besonders schön oder überraschend?
• Mussten Sie schmunzeln?
👵 Über Oma Gerda
• Wie finden Sie Oma Gerda?
• Hat sie mutig gehandelt?
• Können Sie verstehen, dass sie ihren eigenen Plan hatte?
• Ist es wichtig, auch einmal etwas für sich zu tun?
👨👩👧👦 Über Familie
• Kennen Sie solche Situationen beim Frühstück?
• Hat man immer die gleichen Ideen für den Sonntag?
• Gab es bei Ihnen auch Diskussionen darüber?
🌼 Über Sonntage
• Was haben Sie früher sonntags gern gemacht?
• Gab es feste Rituale?
• War der Sonntag ein besonderer Tag?
😉 Über eigene Wünsche
• Haben Sie manchmal Lust, etwas ganz anderes zu tun als die anderen?
• Fällt es Ihnen leicht, das auch umzusetzen?
• Haben Sie sich früher mehr Zeit für sich genommen?
💛 Über kleine Geheimnisse
• Haben Sie schon einmal etwas unternommen, ohne es allen zu erzählen?
• Darf man das – oder gehört sich das nicht?
• Ist es wichtig, auch eigene Wege zu gehen?
😊 Mit einem Lächeln
• Was ist spannender: Freizeitpark oder Spaziergang?
• Oder kommt es gar nicht darauf an?
• Was macht für Sie einen schönen Tag aus?
☀️ Über Freude und Leichtigkeit
• Was macht Ihnen im Alltag Freude?
• Wann fühlen Sie sich leicht und unbeschwert?
• Was hilft Ihnen, den Tag zu genießen?
💛 Zum Abschluss
• Was würden Sie heute am liebsten unternehmen?
• Allein oder mit anderen?
Mitmachteil
Was macht einen schönen Sonntag aus?
Ein schöner Sonntag muss gar nichts Großes sein.
Vielleicht haben Sie Lust, kurz darüber nachzudenken:
• Was tut Ihnen gut?
• Was macht Ihnen Freude?
• Was möchten Sie heute (oder bald) einmal wieder machen?
👉 Vielleicht ein Spaziergang
👉 ein Telefonat
👉 ein Lied hören
👉 oder einfach nur die Sonne genießen
Manchmal reicht eine kleine Idee.
Ganz einfache Bewegungsimpulse: Ein kleiner Sonntagsspaziergang (auch im Sitzen möglich)
🌿 Ankommen
• Setzen Sie sich bequem hin
• spüren Sie Ihre Füße
• atmen Sie ruhig ein und aus
☀️ Frische Luft vorstellen
• stellen Sie sich vor, Sie gehen nach draußen
• heben Sie leicht den Kopf
• atmen Sie tief ein
🚶♀️ Schritte andeuten
• bewegen Sie die Füße leicht
• als würden Sie gehen
🌼 Umsehen
• drehen Sie langsam den Kopf
• schauen Sie nach rechts und links
💛 Genießen
• lächeln Sie leicht
• spüren Sie den Moment
Kleiner Sachtext: Warum kleine Auszeiten so gut tun
Im Alltag vergessen wir oft, wie wichtig kleine Pausen sind.
Ein Spaziergang, ein Gespräch oder ein Moment für sich selbst kann helfen, neue Kraft zu schöpfen.
Gerade im Alter verändern sich Gewohnheiten.
Manches wird ruhiger.
Umso wichtiger ist es, sich kleine Freuden zu bewahren.
Das kann etwas ganz Einfaches sein:
ein Weg nach draußen, ein freundlicher Blick, ein neues Erlebnis.
Oder auch der Mut, einmal etwas anderes zu tun.
So wie Oma Gerda.
Denn manchmal beginnt ein schöner Tag genau dort, wo man den gewohnten Weg verlässt.
Fantasiereise: Ein Sonntagsausflug mit Gerda
Setze dich bequem hin.
Oder lehne dich ruhig zurück.
Atme langsam ein.
Und wieder aus.
Stell dir vor:
Es ist Sonntagmorgen.
Du sitzt am Frühstückstisch.
Durch das Fenster fällt helles Frühlingslicht.
Draußen ist der Himmel blau.
Die Luft sieht frisch aus.
Es ist ein Tag, an dem man hinausgehen möchte.
Du stehst auf.
Ganz in Ruhe.
Ziehst deine Jacke an.
Vielleicht nimmst du noch ein Tuch oder einen Schal mit.
Dann öffnest du die Haustür.
Und schon spürst du die milde Frühlingsluft.
Sie ist weich und klar.
Sie riecht nach Erde, nach Gras und nach neuem Leben.
Du gehst ein paar Schritte.
Ganz ohne Eile.
Ein Schritt nach dem anderen.
Die Straße ist still.
Es ist noch früh.
Von weitem hörst du einen Vogel singen.
Vielleicht hörst du auch ein Fahrrad.
Oder ein leises Lachen.
Du gehst weiter.
Die Sonne wärmt dein Gesicht.
Und plötzlich fühlt sich der Tag leicht an.
Vor dir liegt ein Weg.
Vielleicht führt er in einen Park.
Vielleicht auf eine Wiese.
Vielleicht an Bäumen vorbei, die schon ihre ersten Blätter tragen.
Du gehst diesen Weg nicht allein.
Neben dir ist jemand, mit dem du gern unterwegs bist.
Ein lieber Mensch.
Jemand, mit dem du nicht viel reden musst.
Und wenn du möchtest, kannst du dir vorstellen, dass es Gerda ist.
Vielleicht mit einem kleinen Lächeln.
Bleib noch einen kleinen Moment in diesem Gefühl.
Spüre die freundliche Ruhe dieses Tages.
Vielleicht nimmst du ein kleines Lächeln mit.
Atme ruhig ein.
Und wieder aus.
Und wenn du so weit bist,
komm langsam zurück.
In diesen Raum.
In diesen Tag.
© Elke Bräunling
.
Was einen schönen Sonntag ausmacht
Ein schöner Sonntag muss nichts Besonderes sein.
Oft sind es gerade die kleinen Dinge, die einen Tag gut machen.
Ein ruhiger Morgen.
Zeit zum Durchatmen.
Ein Gespräch ohne Eile.
Vielleicht ein Spaziergang.
Ein Lächeln.
Ein Moment in der Sonne.
Manchmal ist es auch einfach das Gefühl, nichts tun zu müssen.
Kein Druck.
Keine Pflicht.
Nur Zeit.
Zeit für sich selbst.
Oder für Menschen, die einem guttun.
Ein schöner Sonntag darf leise sein.
Er muss nicht perfekt sein.
Vielleicht ist er einfach dann am schönsten, wenn man ihn so annimmt, wie er ist.
Und wenn am Ende des Tages ein kleines gutes Gefühl bleibt, dann war es ein schöner Sonntag.
© Elke Bräunling


