Nein, mein Kind, dich lass ich nicht gehn
Nein, mein Kind, dich lass ich nicht gehn
Ein Friedensgedicht für alle Mütter und Väter
„Es gibt Bindungen, die lösen sich nicht, auch dann nicht, wenn die Welt sich verändert.“
Zum Muttertag denken wir oft an Blumen und kleine Gesten.
Dieses Gedicht richtet den Blick auf das, was darunter liegt: die leise Verbindung zwischen Eltern und Kind über Jahre hinweg. Es erzählt von Nähe, vom Loslassen und von dem, was bleibt, wenn die Zeit weitergeht.
Ein Gedicht, das zum Lied wird mit der wundervollen Vertonung von Balz Burch.
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Nein, mein Kind, dich lass ich nicht gehn
In meinen Armen das schlafende Kind.
Ein friedvolles Bild von Liebe und Glück.
Ich glaube nicht, dass wir je glücklicher sind.
Momente wie diese kehren nie mehr zurück.
Und ich schau auf das Bild, das die Erinnerung malt,
aus dem Lebensfreude und Zuversicht strahlt,
und ich schwöre bei all meinem Sein:
Dich, mein Kind, lasse ich niemals allein.
Schnell bist du gewachsen, ich lasse dich los,
weil man das so tun muss in diesem Land.
Du kommst zur Schule, denn du bist jetzt groß
und hörst Worte, Dogmen, die dir unbekannt.
Und ich sehe voll Sorge, was das mit dir macht,
dass du vergisst, wie man träumt, wie man lacht,
und ich schwöre bei allem meinem Sein:
Dich, mein Kind, lass ich damit nicht allein.
Schon bist du erwachsen, für Großes bereit.
Du hast Träume, Ideen und sehr viel geplant,
die Schritte ins Leben sind spannend und weit,
und oft kommt es doch anders dann als geahnt.
Und ich denk an die Zeit mit dir gern zurück,
wir lebten ein Leben in Frieden und Glück.
Und ich sag dir bei all meinem Sein:
Wir sind uns nah, es bleibt keiner allein.
Doch hören wir heute die Rufe nach Krieg,
Soldaten werden benötigt für Land und Partei,
für Waffen, Schlachten, Gehorsam und Sieg.
Kanonenfutter … und du bist dabei.
Die Rechnung mit uns Müttern, die macht ihr nicht.
Euch zu bekämpfen ist jetzt unsre Pflicht.
Auf Halbmast die Flaggen im Lande wehn.
Vergesst es! Mein Kind, dich lass ich nicht gehn.
Nein! Mein Kind lass ich nicht gehn.
© Elke Bräunling
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Es ist selten, dass eine Vertonung exakt die Gefühle ausdrückt und die Tränen erahnen lässt, die ich beim Schreiben dieses Gedichts empfunden habe. Dem lieben Balz Burch ist dies vortrefflich gelungen mit diesem wundervollen Song, in den ich mich sofort verliebt habe.
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Vielleicht gefällt es dir so gut wie mir?
Nein, mein Kind, dich lass ich nicht gehn
© Text: Elke Bräunling Musik: Balz Burch
Nachwort
Manchmal sind es die stillen Bilder, die bleiben.
Ein schlafendes Kind im Arm. Ein Atemzug. Der Moment, in dem alles gut ist.
Wer solche Augenblicke erlebt hat, weiß, wie kostbar sie sind. Und doch denkt man darüber nicht lange nach. Es ist ein durchflutendes Gefühl von Nähe, Vertrauen und Frieden.
Aber viel zu schnell vergeht diese kostbare Zeit. Kinder werden größer. Sie gehen ihre eigenen Wege. Man muss sie loslassen, weil das Leben es so verlangt.
Und doch bleibt etwas bestehen, das sich nicht lösen lässt. Eine Verbindung, die wie ein leiser Faden durch die Zeit trägt und die Jahre prägt. Viele Menschen kennen dieses Gefühl. Es ist eine Mischung aus Stolz und Sorge, verbunden mit der Freude über das, was ist, und dem Wunsch, dass alles gut bleibt.
Gerade in Zeiten, in denen vieles unsicher wirkt, werden solche Gedanken wieder stärker. Man hört auf einmal Worte aus anderen Zeiten. Worte, die man lange nicht mehr hören wollte. Und plötzlich ist da dieses leise Unbehagen.
Was wird aus unseren Kindern? Was bleibt kommt auf sie zu und was kann ihnen erspart bleiben? Und wo beginnt das, was wir nicht mehr beeinflussen können?
Dieses Gedicht greift genau solche Gedanken auf.
Es erzählt von Nähe und Loslassen, von Vertrauen, Zweifel und einer Haltung, die sich nicht einfach aufgibt. Es sind keine großen Worte. Eher leise Sätze, die man vielleicht selbst schon einmal gedacht hat. Und vielleicht liegt genau darin ihre Kraft: Dass sie an etwas erinnern, das viele fühlen, aber nicht immer auszusprechen vermögen. Aus Furcht vielleicht oder aus dem Wunsch, die Sorgen zu verdrängen?
Vielleicht erkennen Sie sich in manchen Zeilen wieder. Vielleicht auch nur in einem einzigen Gedanken. Und manchmal genügt genau das.
