Das Leben ist doch bunt
Das Leben ist doch bunt
Eine Frühlingsgeschichte über Mut zur Farbe und neue Leichtigkeit
Manchmal braucht es nur einen kleinen Farbtupfer, um das Grau zu vertreiben.
Diese Frühlingsgeschichte erzählt von einem einzelnen Krokus und von dem Mut, dem eigenen Leben wieder mehr Farbe zu schenken.
Diese Geschichte eignet sich zum Vorlesen und stillen Lesen für Senioren, für Gesprächsrunden, Biografiearbeit oder als leiser Impuls zum Frühling und Neubeginn. Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.
Das Leben ist doch bunt
„Ach, warum ist die Welt so grau geworden? Was machen wir falsch?“, fragt Paula. „Die Kleidung vieler Menschen ist schwarz oder grau, die Wände werden grau gestrichen, die Sofas sind grau, die Teppiche, die Küchen. Alles grau. Wie traurig das doch aussieht und wie schwer es sich anfühlt! Auch hier bei uns im Haus.“ Sie lächelt verzagt. „Selbst unsere Haare sind grau geworden.“
„Die meisten Autos sind es auch“, ergänzt Anton. „Und wenn der Himmel voller Wolken ist, wird meine Laune auch gleich grau.“
Er seufzt.
Paula seufzt auch. Sie blickt aus dem Fenster. Selbst der Garten ist grau.
Nein, halt. Draußen im Beet, direkt am Weg, steht etwas Kleines. Ein Hauch von Gelb. Zwischen dem noch kahlen Boden und den alten Stängeln vom letzten Jahr hat sich ein einzelner Krokus geöffnet. Ganz allein steht er da. Alleine und farbenfroh.
„Anton, schau mal“, sagt sie. „Selbst der Frühling hat genug vom Grau.“
Paula lächelt.
„Wir könnten bunte Kissen auf unser Sofa legen“, schlägt Anton vor. „Das wäre schon mal ein Anfang. Haben wir die alten Bezüge noch?“
„Meinst du?“ Zögernd sieht Paula ihren Mann an. „Können wir das machen? Was werden die Kinder sagen?“
„Ph!“ Anton schnaubt. „Das sollte uns nicht interessieren. Wir müssen uns in unserem Heim wohlfühlen und das tue ich ehrlich gesagt nicht mehr so sehr, seit dieses ganze Grau bei uns eingezogen ist.“
Paula versteht ihren Anton gut. Nicht alles, was modern ist, ist auch automatisch schön. Dieses Grau überall ist es ganz bestimmt nicht.
Sie muss an ein Bild mit Lemmingen denken, die eifrig und gedankenlos ihrem Anführer hinterher jagen und mit ihm über die Klippe ins Meer stürzen. Graue Lemminge. Sie muss unwillkürlich lächeln.
„Ich möchte kein Lemming sein“, sagt sie und nun ist es Anton, der sie staunend ansieht.
„Ich auch nicht!“ Anton springt auf. „Los! Lass uns in die Gegenrichtung gehen und wieder Farbe in unser Leben bringen!“
Er zieht seinen grauen Pullover über den Kopf und eilt ins Schlafzimmer auf der Suche nach Farbe. Doch da war nicht mehr viel Buntes im Kleiderschrank und er erinnert sich, dass er all das ‚alte Zeugs‘ ausgemistet und zur Kleiderkammer des roten Kreuzes gebracht hat. Lang, lang ist’s her. Nein, eigentlich gar nicht so lang. Egal. Damals hat er geglaubt, dieses Grau…. Er stutzt. Ja, was hat er sich damals eigentlich gedacht? Dass ein Leben in Grautönen leichter und fröhlicher sein würde – und moderner?
„Paula, lass uns einkaufen gehn!“, ruft er seiner Frau zu, die gerade im Wohnzimmer die alten Sofakissen wieder drapiert und sich freut, dass sie diese nicht längst entsorgt hat.
Paula nickt erfreut und deutet auf die bunten Kissen.
„Das sieht doch gleich viel besser aus, oder?“, freut sie sich.
Sie fühlt sich leichter. Anton hat recht. Weg mit dem Grau! Nur die grauen Haare, die dürfen bleiben. Die passen nämlich zu ihrem Leben.
© Elke Bräunling

Geschichten zum Aufbruch im Frühling
🏰 Eine Frühlingswanderung zur Burg
🌾 Einmal wieder barfuß über eine Wiese gehen
🧦 Endlich wieder Kniestrümpfe
🧹 Frühjahrsputz und ein Lied
🌼 Froh zu sein bedarf es wenig
🌤️ Warum nicht mal in den Himmel hüpfen?
🌿 Lasse deine Seele baumeln
Das Leben ist doch bunt
Einfache Kurzfassung für Senioren
Paula und Anton sitzen im Wohnzimmer.
Sie schauen sich um.
„Warum ist alles so grau geworden?“, fragt Paula.
„Die Wände, das Sofa, die Teppiche – sogar unsere Kleidung.“
Anton nickt.
„Auch die Autos sind grau“, sagt er.
„Und wenn der Himmel grau ist, wird meine Laune es auch.“
Beide seufzen.
Dann hat Anton eine Idee.
„Lass uns etwas ändern“, sagt er.
„Wir holen die bunten Kissen wieder hervor.“
Paula zögert.
„Was werden die Kinder sagen?“
Anton winkt ab.
„Es ist unser Zuhause. Wir sollen uns hier wohlfühlen.“
Paula lächelt.
Sie sucht die alten Kissenbezüge hervor.
Rot, Blau, Gelb.
Plötzlich sieht das Wohnzimmer freundlicher aus.
Anton erinnert sich, dass er viele bunte Kleidungsstücke früher weggegeben hat.
Damals dachte er, Grau sei moderner.
Jetzt denkt er anders.
„Lass uns neue Farben kaufen“, sagt er.
„Ein bisschen Mut tut gut.“
Paula nickt.
Sie fühlt sich leichter.
Nur ihre grauen Haare –
die dürfen bleiben.
Denn sie gehören zu ihrem Leben.
© Elke Bräunling
Fragerunde für Gespräch und Erinnerung
Zum Einstieg
• Wie hat dir die Geschichte gefallen?
• War sie ruhig oder heiter für dich?
Zum Thema Farben
• Welche Farben mochtest du früher besonders gern?
• Gab es eine Lieblingsfarbe in deiner Jugend?
• Hattest du ein buntes Kleidungsstück, das dir besonders gefallen hat?
Zum Zuhause
• Welche Farben gab es früher in eurer Wohnung?
• Erinnerst du dich an Möbel oder Tapeten von früher?
Zum Lebensgefühl
• Macht das Wetter manchmal deine Stimmung heller oder dunkler?
• Gibt es etwas Kleines, das dein Zuhause freundlicher macht?
Zum Schluss
• Welche Farbe passt heute zu deinem Leben?
• Und welche darf – wie bei Paula – einfach bleiben?

