Warum nicht mal in den Himmel hüpfen?
Warum nicht mal in den Himmel hüpfen?
Fröhliche Geschichte über Kindheit, Lebensfreude und das Hüpfspiel Himmel und Hölle
Man ist nie zu alt für ein Hüpfspiel!
Kindheitserinnerungen tun gut. In dieser fröhlichen Geschichte entdecken drei ältere Frauen das alte Hüpfspiel Himmel und Hölle wieder und erleben, dass man nie zu alt für ein bisschen Lebensfreude ist. Mit einfacher Kurzfassung und Fragerunde.
Warum nicht mal in den Himmel hüpfen?
Lange hatten am Nachmittag die Kinder mit bunter Kreide Bilder auf das Pflaster rund um den Marktplatzbrunnen gemalt. Smileys, Gesichter, Häuser, Blumen, Bäume, Strichmännchen und im vertrauten Caromuster ein Hüpfspiel in Kreuzform mit vielen kleinen Quadraten: Erde, Hölle, Himmel und die Zahlen eins bis neun. Sie hatten viel Spaß. Mit dem Malen, dem Hüpfen, dem Toben und mit der Freude am ungestörten Spiel. Da war nämlich gerade keiner, der sie wie sonst weggerufen hätte zu einer Hausarbeit oder zum Musikunterricht, zum Turntraining oder zur Chorprobe. Der Tag war zu schön und es waren nach den Feiertagen für ein paar Tage Ferien. Die Kinder hatten frei und frei fühlten sie sich auch.
„Wie fröhlich sie heute sind!“, sagte die alte Frau Weiße. „Ich könnte ihnen stundenlang beim Spielen zusehen.“
Ihre beiden Freundinnen, mit denen sie das Nachmittagsstündchen auf der Bank unter der Marktplatzlinde verbrachte, nickten.
„Es ist schön zu sehen, wie sie den Ernst, den sie sonst auf ihren Gesichtern mit sich tragen, abgestreift haben“, antwortete eine der Damen. „Sie erinnern mich gerade sehr an meine Kindheit. Irgendwie fühle ich mich in diese Zeit zurück versetzt.“
„Himmel und Hölle!“, erinnerte sich die Dritte der Damen. „So haben wir dieses Hüpfspiel genannt. Stundenlang haben wir es damals gespielt. In jeder freien Minute.“ Sie seufzte, hielt einen Moment inne, dann lächelte sie. „Ich habe es geliebt.“
Frau Weiße lächelte auch. „Den Himmel?“, fragte sie. „Oder die Hölle?“
„Die Hölle natürlich. Für meine Gegnerin. Oder was dachtest du?“
„Und dir der Himmel?“
Die Damen lachten, und in ihren Füßen begann es zu jucken. Da war plötzlich diese unbändige Lust, auch wieder einmal von der Erde zum Himmel – oder in die Hölle – zu hüpfen. Sie sahen sich an und blinzelten einander zu. Später. Sie hatten Zeit.
Als die Kinder von ihren Müttern zum Abendessen gerufen wurden, erhoben sie sich von ihrer Bank und schlenderten langsam, ganz unauffällig zu den Kreidezeichungen hinüber. Dann lag es vor ihnen, das Kreuz aus Vierecken und Zahlen mit der Erde, der Hölle und dem Himmel.
„Dann mal los!“, sagte Frau Weiße. „Hier! Euer Spielstein! Und nicht schummeln!“ Sie reichte ihren Freundinnen je einen kleinen Kieselstein und warf den ihren auf die Eins.
„Wo denkst du denn hin?“
„Ich schummle nie. Noch nie in meinem Leben habe ich geschummelt und …“
„Rede nicht! Hüpfe! Du bist dran.“
„Sind wir dazu nicht doch zu alt?“
„Alt ist nur der, der sich alt fühlt. Los, hüpfe! Du zuerst.“
„Und dann ich. Und …“
Sie verhandelten noch eine Weile, wollten sie einander doch nicht zugestehen, dass ihnen bange war vor dem ersten Schritt, dem ersten Hüpfer, der sie in die Kindheit zurück bringen würde. Und so war es dann auch für ein paar erst zögerlich holperige, dann immer fröhlichere und ausgelassenere Hüpfmomente, in denen sie mal im Himmel und mal auch in der Hölle weilten.
© Elke Bräunling
💬 Wenn heute draußen ein Hüpfspiel aufgemalt wäre – würden Sie sich trauen, noch einmal bis in den Himmel zu hüpfen? 😊

Weitere Geschichten über Freundschaft, Erinnerungen und das Älterwerden finden Sie hier:
- Zu alt?
- Herr Müller und Herr Maier
- Der Hanswurst
- Rücksichten
- Die blaue Schleife
- Frau Berger lächelt
- Die Hoffnung stirbt zuletzt
- Das Herz im Park
Warum nicht mal in den Himmel hüpfen? – Einfache Geschichte für Erwachsene
Kinder hatten mit bunter Kreide ein Hüpfspiel auf den Marktplatz gemalt. Lachend sprangen sie von Feld zu Feld.
Drei ältere Frauen saßen auf einer Bank und schauten zu.
„Wie fröhlich die Kinder sind“, sagte Frau Weiße.
„So haben wir früher auch gespielt“, meinte ihre Freundin.
„Stimmt“, sagte die Dritte. „Unser Spiel hieß Himmel und Hölle. Ich habe es geliebt.“
Die Kinder lachten, hüpften und rannten. Dann wurden sie von ihren Müttern zum Abendessen gerufen.
Bald war der Platz ganz still.
Die drei Frauen standen auf und gingen langsam zu dem Hüpfspiel.
„Sollen wir?“, fragte Frau Weiße lächelnd.
„Meinst du wirklich?“
„Warum denn nicht?“
Frau Weiße hob einen kleinen Kieselstein auf. „Hier! Das ist dein Spielstein.“
Die Freundinnen lachten.
„Ich hoffe, ich kann das noch.“
„Nur Mut! Fang einfach an.“
Erst hüpften sie vorsichtig. Dann wurden ihre Schritte sicherer.
„Schau mal! Ich bin schon fast im Himmel!“
„Und ich lande gerade in der Hölle!“, lachte die andere.
Nun lachten alle drei laut. Für einen kleinen Augenblick fühlten sie sich wieder wie die Kinder von damals.
„Eigentlich“, sagte Frau Weiße, „ist man nie zu alt für ein bisschen Himmel.“
© Elke Bräunling
Gesprächs- und Erinnerungsfragen
• Haben Sie als Kind „Himmel und Hölle“ gespielt?
• Wie hieß dieses Hüpfspiel bei Ihnen?
• Wo haben Sie gespielt? Auf der Straße, im Hof oder auf dem Schulhof?
• Womit haben Sie die Felder aufgemalt? Kreide, Kohle oder einen Stock?
• Erinnern Sie sich noch an die Spielregeln?
• Welches andere Hüpf- oder Straßenspiel mochten Sie besonders gern?
• Sind Sie gern barfuß gelaufen?
• Welche Spiele haben Sie nach der Schule oder in den Ferien gespielt?
• Haben Erwachsene damals manchmal mitgespielt?
• Wann haben Sie zuletzt Kinder beim freien Spielen beobachtet?
• Glauben Sie, dass Spielen jung hält?
• Was würden Sie heute gern noch einmal ausprobieren, wenn niemand zuschauen würde?
• Wann haben Sie das letzte Mal so richtig herzhaft gelacht?
• Gibt es etwas aus Ihrer Kindheit, das Sie bis heute glücklich macht?



Es ist wunderschön, wenn man die Last der Jahre abstreifen, und mit einem Male wieder so richtig Kind sein kann. ♥
Man könnte eigentlich öfter, nur meint man, es sich nicht erlauben zu dürfen. Die Gründe kann man dazu gar nicht nennen. Konventionen?
Sch… drauf! Pardon.
LiebGruß
<3