Spargel ist teuer

Spargel ist teuer

Frühlingsgeschichte vom Beginn von etwas Neuem


Titel + Illustration älteres Paar vor einem Verkaufsstand auf dem Spargelfeld„Manches wird teurer im Leben – und gewinnt gerade dadurch an Wert.“

Diese ruhige Frühlingsgeschichte erzählt von steigenden Preisen, vom bewussten Essen und von der Frage, was im Leben wirklich wichtig ist. Sie eignet sich besonders für Senioren, ruhige Vorlesemomente, Gesprächsrunden über Alltag, Sparen, Veränderung und Lebenswerte sowie für alle, die sich mit einfachen Mitteln und neuen Wegen beschäftigen möchten. Mit Arbeitsmodul (einfache Kurzfassungen, Fragerunde, Sachtext, Betrachtung zur Geschichte).

Inhalt

Originalgeschichte
Einfache Kurzfassung
Sehr einfache Kurzfassung
Fragerunde
Warum ist Spargel so teuer?
Abschlussbetrachtung

 

Spargel ist teuer

Ein lang ersehnter Duft zog lockend durchs Haus.
Martha schnupperte. Spargelduft mit einer leichten Knoblauchnote.
„Hm. Frischer Spargel mit Bärlauchbutter!“, murmelte sie. „Frühlingszeit ist Spargelzeit und Kräuterzeit und … ach, ich freue mich.“
„Martha, Martha, du denkst nur ans Essen.“ Arno kam ihr aus der Küche entgegen.
Martha musste lachen. Mit seiner Schürze HIER KOCHT DER CHEF sah er zu albern aus.
„Holst du uns eine schöne Flasche Weißwein aus dem Keller?“, fragte sie.
„Schon geschehen!“ Er lächelte. „Denkst du, ich weiß nicht, wonach dir zum ersten Spargelmahl der Saison gelüstet?“
„Wenn ich dich nicht hätte, Chef!“ Martha tippte auf den Schriftzug. „Zu Spargel gehört ein guter trockener Weißwein.“
Arno wurde ernst. „So oft wie sonst werden wir uns das dieses Jahr nicht leisten können. Weder den Spargel noch den Wein. Es ist alles so teuer geworden.“
Martha zögerte. Am Morgen hatte sie selbst auf dem Markt gestanden und die Preise gesehen. Sie hatte geschluckt und trotzdem gekauft. Einen Bund nur. Und dazu neue Kartoffeln. Die schmeckten besonders lecker zu Spargel.
„Stimmt“, sagte sie kleinlaut. „Aber lass uns heute die Laune nicht verderben.
Uns geht es doch gut.“
Ganz überzeugt klang sie nicht. Längst hatte sie sich Gedanken gemacht über das, was die Welt gerade in Unruhe versetzte. Dagegen konnte sie sich nicht wehren. Was auch konnte sie tun außer Grübeln?
Arno trat ans Fenster und blickte in den Garten hinaus. Tulpen, Narzissen und bunte Frühlingsblumen in weiten Rabatten leuchteten in der Frühlingssonne. Wunderschön sah das aus.
„Wir sollten vielleicht ein paar Beete umstellen“, sagte er nachdenklich. „Kartoffeln, Gemüse … ein bisschen mehr zum Essen.“
„Niemals werden die Blumen weichen“, erwiderte Martha rasch. „Ich brauche sie für meine Seele. Die möchte auch Nahrung haben. Geht es dir nicht auch so?“
Arno nickte. „Ich liebe unseren Blumengarten auch. Aber satt macht er nicht. Und wenn wir uns nur noch wenig Gutes zum Essen kaufen können, helfen all die Blumen unseren Seelen auch nicht.“
In Marthas Kopf kreisten die Gedanken. Übertrieb Arne nicht ein bisschen?
„Du siehst zu schwarz“, meinte sie schließlich. „Vielleicht sinken die Preise bald wieder.“
Arno zuckte mit den Schultern. „Und wenn nicht?“
Martha atmete tief durch. „Dann werden wir uns eben einschränken. Es muss nicht unbedingt Spargel sein, eine Kartoffelsuppe kann auch sehr lecker schmecken.“
„Mit Würstchen“, sagte Arno.
Martha musste lächeln. „Wenn es welche gibt.“
Er versuchte zu lachen, doch es klang aufgesetzt. Irgendwie war ihm der Appetit vergangen. Dabei hatte er sich so viel Mühe mit der Zubereitung des Essens gegeben.
„Nimm nicht immer alles so ernst, Arne!“, mahnte Martha. „Es wird sicher nicht so schlimm werden.“
Sie merkte, wie sie die Geduld verlor und wie sich eine unermessliche Wut in ihr ausbreitete. Sollte es wirklich sein, dass das Leben ihnen wieder einmal einen Strich durch die Rechnung machte? Musste sie ihren Lebenstraum vom Blumenparadies begraben? So lange und so schwer hatte sie dafür gearbeitet und gespart und jetzt endlich hatten sie die Rente – und die Freiheit – erreicht. Und nun das!
„Wir machen das Beste daraus“, versprach Arne, der merkte, dass die Stimmung kippte. „Wer sagt denn, dass man Gemüse und Blumen nicht zusammen pflanzen kann? Ich habe gelesen, dass manche Blumen Schädlinge vom Gemüse vertreiben und umgekehrt. Das ist doch eine großartige Sache! Nein, nein, so schnell lassen wir uns nicht unterkriegen.“
„Das klingt gut.“ Martha versuchte ein Lächeln. „Das könnte sogar recht hübsch werden.“
„Lass uns einen Plan machen!“, meinte Arne. „Doch jetzt genießen wir erst einmal unser teures Mahl. Guten Appetit, meine Liebe!“
Das Essen schmeckte köstlich und sie aßen langsamer als sonst. Bewusster. Jeder Bissen war kostbar und wertvoll. Später gingen sie in den Garten und sahen sich um. Sie betrachteten ihn mit ganz anderen Augen nun und so ein bisschen glomm in ihnen auch eine leise Freude. Die Freude auf etwas Neues und Hilfreiches. Etwas tun und nicht nur grübeln.
„Ja, der Plan kann funktionieren“, meinte Arno schließlich.
Martha nickte. Mit einer leisen Wehmut betrachtete sie die Blumenbeete und Rabatten. So wunderschön, all diese Farben und Formen, in vielen Jahren gehegt und gepflegt. Aber nun war Zeit für etwas Neues. Für neue Beete mit Salat, Gemüse, Kartoffeln, vielleicht auch mit Beerensträuchern? Und mit ganz vielen Kräutern.
Auch das würde schön werden und … anders. Aber andere Zeiten erforderten eben andere Mittel und Maßnahmen.
„Lieber etwas tun, als ruhn“, sagte sie und lächelte. Und irgendwie schenkte ihr dieser Gedanke ein gutes, zufriedenes Gefühl.

© Elke Bräunling

💬 Kennst du das Gefühl, dass Dinge teurer werden? Was hat sich für dich im Alltag verändert?

 

Illustration älteres Paar vor einem Verkaufsstand auf dem Spargelfeld

Die nachfolgenden Gedanken und Texte vertiefen die Geschichte und laden zum Erinnern, Nachdenken und Mitfühlen ein.

Die folgenden Versionen sind sprachliche Bearbeitungen derselben Geschichte zur besseren Zugänglichkeit und stellen keine eigenständigen Werke dar.

 

Spargel ist teuer: Einfache Kurzfassung

Martha freute sich auf den ersten Spargel des Jahres.
Doch als sie ihn auf dem Markt kaufte, erschrak sie über den Preis.
„So teuer war er noch nie“, dachte sie.
Sie hatte fast ein schlechtes Gewissen.
Auch Arno sprach die Preise beim Essen an.
„Wir werden uns vieles überlegen müssen“, sagte er. „Alles ist teurer geworden.“
Beide waren sehr betrübt. Und nachdenklich.
Nach dem Essen gingen sie in den Garten.
Die Blumen blühten prächtig bunt wie immer.
Überall Blumen. Das war schön.
„Vielleicht sollten wir auch Gemüse anbauen“, meinte Arno vorsichtig.
Martha zögerte.
Die Blumen bedeuteten ihr viel.
Aber Blumen machten nur die Seele satt. Nicht den Bauch.
„Vielleicht geht beides“, sagte sie schließlich. „Blumen und Gemüse.“
Und so begannen sie, den Garten zu verändern.
Nicht alles wurde neu, aber manches.
Zwischen den Blumen wuchs nun auch Gemüse.
Auch Kräuter. Kartoffeln. Salat. Und Beeren.
Es war anders als früher.
Aber es war gut.
„Es ist besser als grübeln“, sagte Martha.
Arno nickte. „Die Sorgen werden ein bisschen kleiner.“
Und sie fühlten sich zufrieden.
Lieber etwas tun, als ruhn.
© Elke Bräunling

 

Diese Fassung erzählt den Inhalt der Originalgeschichte in sehr vereinfachter, klarer Sprache mit kürzeren Sätzen.

Spargel ist teuer: Sehr einfache Kurzfassung

Martha kommt in die Küche.
Arno hat gekocht. Spargel!
Es riecht gut hier.
„Mh, Spargel“, sagt sie. „Wie lecker!“
Sie freut sich.
Dann sagt Arno: „Der Spargel ist teuer geworden.“
Martha nickt. „Ja. Alles ist teurer.“
Beide sind still.
Später gehen sie in den Garten.
Die Blumen blühen.
„Wir könnten auch Gemüse pflanzen“, schlägt Arno vor.
Martha denkt nach.
Dann sagt sie: „Blumen … und Gemüse. Für die Seele … und für den Bauch.“
Sie lächelt ein wenig.
Ein paar Tage später arbeiten sie im Garten.
Sie pflanzen Kartoffeln. Und Kräuter.
Martha sagt: „Das ist gut.“
Arno nickt.
Er sagt: „Es ist besser als grübeln.“
Martha nickt. „Die Sorgen werden ein bisschen kleiner.“
Und sie fühlten sich zufrieden.
Lieber etwas tun, als ruhn.
© Elke Bräunling

 

Fragerunde zur Geschichte

👉 Zum Verstehen
• Warum freut sich Martha so auf den Spargel?
• Was verändert sich in diesem Jahr?
• Warum wird Arno nachdenklich?
👉 Zum Nachdenken
• Muss es immer etwas Besonderes zu essen geben?
• Was ist dir wichtiger: Genuss oder Sicherheit?
• Was bedeutet „für die Seele sorgen“?
👉 Zum Erzählen
• Hast du schon einmal erlebt, dass etwas plötzlich viel teurer wurde?
• Was hast du dann gemacht?
• Kennst du einfache Gerichte, die trotzdem gut schmecken?
👉 Zum Mitmachen
• Welche Gemüsesorten könnte man im Garten pflanzen?
• Male einen Garten mit Blumen und Gemüse.
• Welche Kräuter kennst du?
👉 Für Senioren / Erinnerungen
• Was gab es früher bei dir zu essen, wenn gespart werden musste?
• Hattet ihr einen Garten oder ein Beet?
• Wurde früher mehr selbst angebaut als heute?

 

Sachext: Warum ist Spargel eigentlich so teuer?

Viele Menschen wundern sich:
Warum kostet Spargel oft so viel Geld?
Das hat mehrere Gründe.
👉 Viel Handarbeit
Spargel wächst unter der Erde.
Er wird nicht einfach abgeschnitten wie andere Pflanzen.
Jede einzelne Stange muss vorsichtig von Hand gestochen werden.
Das braucht Zeit und Erfahrung.
👉 Kurze Saison
Spargel gibt es nur wenige Wochen im Jahr meist von April bis Juni.
In dieser kurzen Zeit muss alles geerntet werden.
Das macht ihn zu etwas Besonderem.
👉 Wetter und Ernte
Ist es zu kalt oder zu trocken, wächst der Spargel langsamer.
Dann gibt es weniger Ernte und die Preise steigen.
👉 Löhne und Kosten
Die Arbeit auf den Feldern ist anstrengend.
Arbeitskräfte müssen bezahlt werden.
Auch Transport, Wasser und Energie kosten Geld.
👉 Hohe Nachfrage
Viele Menschen lieben Spargel.
Wenn viele ihn kaufen wollen, wird er oft teurer.

🌼 Und warum lohnt er sich trotzdem?
Spargel ist für viele ein echtes Frühlingsessen.
Etwas Besonderes, auf das man sich freut.
Vielleicht ist er gerade deshalb so wertvoll:
*weil es ihn nicht immer gibt
*weil er Mühe macht
*und weil man ihn bewusst genießt

🌿 Kleine Frage zum Weiterdenken:
Ist etwas nur dann wertvoll, wenn es teuer ist?
Oder vielleicht auch dann, wenn es selten ist und man es mit Freude teilt?

 

Abschlussbetrachtung: Ein Spaziergang zu den Spargelfeldern

Ein paar Tage später machten Martha und Arno einen Spaziergang zu den Spargelfeldern in der Rheinebene. Schon von Weitem sahen sie die langen, hellen Ackerreihen. Wie sanfte Wellen zogen sich die aufgeschütteten, schmalen Dämme, unter denen der Spargel ruhte, über die Felder.
„Dort wächst er also“, sagte Martha voller Ehrfurcht.
Ein leichter Wind strich über das Feld. Es roch nach Frühling, nach Wiesenkräutern, warmer Erde und frischem Grün.
Langsam schritten sie an einem Feld entlang. Erntehelfer waren bei der Arbeit. Hier und da bückte sich einer, grub vorsichtig im Sand und stach dann eine Spargelstange. Ruhig und bedächtig. Stange für Stange.
Martha blieb stehen. „Was für eine mühselige Arbeit“, staunte sie.
Arno nickte. „Stimmt! Das habe ich mir so aufwändig nicht vorgestellt.“
Am Rand des Feldes war ein kleiner Verkaufsstand aufgebaut. Ein einfacher Tisch, geschützt von einem Sonnenschirm. Herrlich duftende Spargelbündel lagen da zum Kauf, frisch gestochen und sauber gebunden. Daneben leuchteten Erdbeeren in kleinen Schalen. Eine herrliche Pracht!
„Sie sehen aus wie gemalt“, murmelte Martha.
Ein älterer Mann trat aus dem Schatten. „Frisch von heute Morgen“, sagte er freundlich.
Martha nahm ein Bündel Spargel in die Hand. Er fühlte sich kühl und fest an.
„Der ist seinen Preis wert“, sagte sie zu Arno. „Sollen wir?“
Arno sah sie an. Und er widersprach nicht.
Sie kauften einen kleinen Bund Spargel und eine Schale Erdbeeren. Es war nicht viel, aber es genügte. Schon jetzt lief ihnen das Wasser im Munde zusammen und sie freuten sich auf das Mahl am Abend.
„Früher habe ich nie die Arbeit gesehen, nur den Preis“, sagte Martha später. „Nun verstehe ich den Wert des Spargels.“
Zu Hause legten sie den Spargel neben die Kräuter aus dem Garten. Und alles passte plötzlich zusammen: Der eigene Garten, das Feld draußen und die Menschen, die für ihr Essen arbeiteten.
Das Spargelessen am Abend dann fühlte sich an wie eine kleines Fest. Schön … und richtig. Sie aßen langsamer und bewusster als sonst und voller Achtung, denn sie hatten den Wert ihres Essens erkannt: Manches wird teurer im Leben und es wird oftmals dabei auch wertvoller.

© Elke Bräunling

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