Die Zeit des kleinen Sommers

Die Zeit des kleinen Sommers

Ein poetisches Märchen

Titel + Illustration 2 Männer und eine Dame auf einer Bank auf sommerlicher Wiese, Mann und Frau reden auf den Herrn in der Mitte ein, der lächelt versonnen„Es ist mein Leben und ich will es leben nach meiner Melodie.“

Der Juni ist jung. Voller Neugier blickt er in die Welt und freut sich auf seine Zeit. Doch kaum ist er angekommen, erhält er von allen Seiten Ratschläge. Diese poetische Sommergeschichte erzählt mit einem Augenzwinkern von Erfahrungen, Erwartungen und der Erkenntnis, dass jeder Mensch seinen eigenen Sommer leben muss.
Diese Sommergeschichte eignet sich besonders für Senioren, Gesprächsrunden, Demenzgruppen, Menschen in Umbruchzeiten und alle, die sich mit den Fragen nach dem eigenen Weg, guten Ratschlägen und den Erfahrungen des Lebens beschäftigen. Mit Arbeitsmodul.

Inhalt

 

Die Zeit des kleinen Sommers

„Es ist Sommer“, sagte der kleine Sommer, der eigentlich Juni hieß, „und ich bin jetzt da. Oh, ich freue mich so sehr, hier im Land wieder wohl angekommen zu sein.“
„Hach ja. Du wieder!“ Juli und August schmunzelten.
„Werde du erst mal groß!“, sagte der Juli.
„Und erwachsen“, ergänzte der August.
„Entdecke die Stunden und Tage deiner Zeit!“, empfahl der Juli.
Der August nickte. „Und lerne das Leben kennen, so wie es ist, und …!“ Er überlegte seine nächsten Worte lange. Das Alter hatte ihn weise und bedächtig werden lassen.
„Und lerne vor allem das, was ein Junisommerleben bedeutet und wie es sein sollte!“, fuhr der Juli an seiner Stelle fort.
„Leben? Bedeutet? Sein sollte?“
Ratlos blickte der Juni seine Monatskollegen an. „Was wird bloß alles von mir erwartet? Ich … ich wollte doch nur …“
Er kam nicht weiter. Der Juli hatte bereits wieder das Wort ergriffen.
„Beachte das Wetter und die Launen der Natur! Lerne zu schätzen, was sich dir darbietet!“
„Folge dem Rat der Bäume und Büsche, der Blumen, Kräuter und Gräser!“, fügte der August hinzu.
„Und lausche dem Ruf der Tiere zu Wasser und zu Lande!“, rief der Juli und seine Stimme klang aufgeregter nun. „Oh, es ist so viel zu tun auf der Erde in deiner frühen Sommerzeit.“
„Wie wahr.“ Wieder nickte der August. „Und vergiss vor allem die Menschen nicht. Blicke in ihre Augen! Die müssen glänzen, wenn du ihre Lebensfreude und ihr Menschenglück sehen möchtest. Und lausche ihren Worten, ihrem Singen, ihrem Lachen!“
„Achte vor allem auf die Stimmen der Kinder!“, übertönte ihn der Juli. „Die Kinder, hörst du? Sie sind wichtig.“
„Und die Sonne, der Mond und die Sterne“, erinnerte der August. „Übersehe nicht ihre Zeichen. „Sie …!“
„Und …“
Und Juli und August redeten und redeten und fanden immer noch mehr Ratschläge für den armen kleinen Sommer, den die Menschen Juni nannten.
Der heulte auf.
„Schweigt!“, rief er. „Haltet ein mit euren Ratschlägen! Es ist mein Leben und ich will es leben nach meiner Melodie. Ich will es fühlen mit meinen Sinnen. Mit meinen Augen will ich es sehen und mit meinen Ohren hören, mit meiner Haut möchte ich es spüren und mit meiner Nase riechen. Wie in jedem Jahr werde ich das Leben auch dieses Mal leben lernen, und wenn ich Fehler mache, so gehören sie ebenso zu mir wie Gewitterstürme und Sonnenzeiten, Kühltage und Warmzeiten zu meinem Monat gehören. Hört ihr? Und …“
Der Juni sagte noch viel und seine Kollegen, der hitzige Juli und der bedächtige August schwiegen.
„‚Kühltage‘ und ‚Warmzeiten‘, diese Worte sind Fehlerworte. Sie gibt es nicht in der Menschensprache“, brummte der August nur, doch er brummte es so leise, dass man es fast nicht zu hören vermochte. Und das war auch gut so.

© Elke Bräunling

💬 Welcher Monat wäre Ihnen am ähnlichsten: Der neugierige Juni, der lebhafte Juli oder der bedächtige August?

Illustration 2 alte Bäume reden auf die kleine Birke in ihrer Mitte ein


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ARBEITSMODUL

Kurzfassung

Die Zeit des kleinen Sommers

Der kleine Sommer, den die Menschen Juni nennen, freut sich auf seine Zeit.
Doch kaum ist er angekommen, geben ihm Juli und August viele Ratschläge.
„Achte auf das Wetter!“, sagt der Juli.
„Lerne von den Blumen und Bäumen!“, sagt der August.
„Höre auf die Kinder!“
„Beobachte die Menschen!“
„Achte auf Sonne, Mond und Sterne!“
Immer mehr Tipps und Regeln prasseln auf den kleinen Sommer ein.
Da wird es ihm zu viel.
„Hört auf!“, ruft er.
„Ich möchte mein Leben selbst entdecken. Ich möchte sehen, hören, riechen und fühlen. Ich möchte meine eigenen Erfahrungen machen. Und wenn ich Fehler mache, dann gehören auch sie zu meinem Leben.“
Da werden Juli und August still.
Und vielleicht verstehen sie, dass jeder seinen eigenen Sommer leben muss.
© Elke Bräunling
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Fragerunde für Senioren

🌞 Über den Sommer
1 Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Monat Juni?
2 Was mochten Sie als Kind besonders am Sommer?
3 Gibt es einen Sommer, an den Sie sich besonders gern erinnern?
4 Welche Düfte gehören für Sie zum Frühsommer?
🌼 Über Erfahrungen im Leben
5 Haben Ihnen früher viele Menschen Ratschläge gegeben?
6 Auf wen haben Sie besonders gehört?
7 Haben Sie manchmal bewusst Ihren eigenen Weg gewählt?
8 Welche Erfahrungen mussten Sie selbst machen, um daraus zu lernen?
💭 Über Fehler und Lernen
9 Darf man Fehler machen?
10 Haben Sie aus einem Fehler einmal etwas Wichtiges gelernt?
11 Gibt es etwas, das Sie heute gelassener sehen als früher?
12 Was würden Sie jüngeren Menschen mitgeben?
👨‍👩‍👧 Über andere Menschen
13 Wer hat Sie im Leben besonders geprägt?
14 Gab es jemanden, dessen Rat Ihnen sehr geholfen hat?
15 Wann sollte man auf andere hören?
16 Wann sollte man lieber seinem eigenen Herzen folgen?
💛 Zum Abschluss
17 Was gefällt Ihnen an der Geschichte besonders?
18 Mit wem fühlen Sie sich eher verwandt: dem kleinen Juni, dem lebhaften Juli oder dem ruhigen August?
19 Glauben Sie, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg finden muss?
20 Was bedeutet für Sie ein gutes Leben?
💬 Abschlussfrage für die Runde:
Wenn Sie noch einmal jung wären – würden Sie etwas anders machen oder würden Sie Ihren Weg noch einmal genauso gehen? 🌼
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Ein Märchen zum Träumen, Schmunzeln und Nachdenken – nicht nur für kleine Sommerfreunde.