Der Sommerwind erzählt vom Meer

Der Sommerwind erzählt vom Meer

Sommerliche Traumgeschichte über Fernweh, Liebe und das Meer


Titel + Illustration Älteres Paar sitzt auf Parkbank, sie blickt träumerisch zum Himmel, er lächelt. Am Himmel eine Wolke, die einer Schildkröte ähneltVom Reisen mit dem Wind und der Sprache des Sommers.
Der Sommerwind trägt mehr mit sich als warme Luft. Manchmal erzählt er von fernen Küsten, Muscheln im Sand und von der Sehnsucht nach dem Meer. Diese poetische Sommergeschichte lädt zum Träumen, Erinnern und Erzählen ein,  besonders für Senioren, Menschen mit Demenz und alle, die dem Wind gerne zuhören. Mit einfacher Kurzfassung, Fragerunde, Fantasiereise und Mitmachideen.

Inhalt

 

Der Sommerwind erzählt vom Meer

„Die Lieder, die der Wind heute singt, erzählen von fernen Küsten, Strandnelken, Muscheln, Sand und einer Schildkröte namens Graziella“, sagte Marie.
Mit geschlossenen Augen saß sie auf der Bank, die unter blühenden Linden beim alten Brunnen stand, und lauschte dem Rauschen der mächtigen Zweige der Parkbäume.
Albert der neben ihr Platz genommen hatte, hob den Blick und sah sie fragend an.
„Ich höre nichts!“, behauptete er. „Welche Sprache spricht er denn, der Wind?“
„Hör genau hin! Er singt“, flüsterte Marie. Sie hielt die Augen geschlossen und lächelte. „Es ist eine Sprache, die jeder verstehen kann. Die Sprache des Sommers. Und er hat viel zu erzählen. Kommt er doch von weit her, um mit uns seine Geschichten zu teilen und seine Lieder zu singen.“
„Aha!“ Albert grinste. „Und heute kommt er von einem fernen Strand, an dem diese Graziella lebt. Komischer Name übrigens für eine Schildkröte, findest du nicht auch?“
„Nein, gar nicht komisch. Ein schöner Name ist es, und Graziella ist wohl auch ein besonders hübsches Tier, wie ich erfahren habe.“
„Dann erzähle mir mehr über sie!“, bat Albert und lehnte sich bequem zurück.
Marie lachte auf. „Graziellas Geschichte soll ich dir erzählen? Entschuldige, aber das kann ich nicht.“ Sie machte eine kleine Pause, atmete tief durch. Dann lehnte sie den Kopf zurück und folgte mit den Augen dem Tanz der Blätter über ihr.
„Weil ich sie nicht kenne. Der Wind allein weiß sie zu erzählen, wie so viele andere Geschichten, die er zu uns bringt. Verstehst du?“
Albert nickte, aber er verstand nicht. Seine Marie war eine Träumerin. Das war es, was er so an ihr liebte. Er selbst stand, wie er meinte, mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Trotzdem hätte er gerne ein wenig mehr über Graziella erfahren.
„Kann es sein, dass diese zauberhafte Dame Graziella eine deiner romantischen Erfindungen ist?“, hakte er nach.
„Du bist aber wieder hartnäckig!“ Maries missmutiger Blick traf ihn. Sie legte die Hand auf die Stirn und ihr Stimme klang leidend nun:
„Träume sind Träume und Schildkröten sind Schildkröten und keine Damen und überhaupt hasse ich diesen schrecklichen Sommerwind über alles. Er bereitet mir Kopfschmerzen.“
Albert öffnete den Reißverschluss seines kleinen Rucksacks, den er stets mit sich führte, und reichte ihr eine Wasserflasche.
„Trink einen Schluck! Er wird dir gut tun. Du trinkst zu wenig, meine Liebe!“
Dankbar nahm Marie die Flasche. Was wäre sie nur ohne Albert, der sich stets um sie sorgte? Sie presste ihre Wange an seine Schulter und schloss für einen Moment die Augen. Ja. Trotz aller Stürme, Höhen und Tiefen, die sie in den zweinundfünfzig Jahren ihrer Ehe durchlebt hatten, liebte sie ihn noch immer. Auch wenn es oft nicht einfach gewesen war.
„Wie froh ich doch bin, dass es dich gibt“, murmelte sie. „Sag, wollen wir nicht dem Ruf des Windes folgen und tatsächlich wieder mal schnell ans Meer reisen? Wer weiß, vielleicht wartet die Schildkröte Graziella ja doch auf uns?“
„Nun ja“, antwortete Albert. „Ein schnelles, spontanes Reisen wird nicht klappen. Aber wir könnten im Schildkrötentempo zunächst einmal nach Hause gehen und Pläne für eine größere Reise schmieden.“
Marie lachte hell auf. „Du hast recht. Lass uns Pläne schmieden!“
Albert stand auf, Marie hakte sich bei ihm ein.
Gemeinsam gingen sie nach Hause, im ‚Graziellatempo‘ und keinen Schritt schneller.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Illustration Älteres Paar sitzt auf Parkbank, sie blickt träumerisch zum Himmel, er lächelt. Am Himmel eine Wolke, die einer Schildkröte ähnelt

Weitere Geschichten von der Parkbank

 

Der Sommerwind erzählt vom Meer – Einfache Kurzfassung

Marie sitzt mit ihrem Mann Albert auf einer Bank im Park. Ein warmer Sommerwind rauscht durch die Bäume.
„Hör nur!“, sagt Marie lächelnd. „Der Wind erzählt heute vom Meer.“
Albert lauscht. „Ich höre nur den Wind.“
„Er singt von Strand, Muscheln und einer Schildkröte namens Graziella“, erzählt Marie.
Albert muss schmunzeln. „Eine Schildkröte mit diesem Namen? Das klingt spannend.“
Marie lacht. „Mehr weiß ich auch nicht. Den Rest kennt nur der Wind.“
Nach einer Weile bekommt Marie Kopfschmerzen vom starken Wind.
Albert reicht ihr eine Flasche Wasser.
„Danke“, sagt sie leise. „Wie gut, dass es dich gibt.“
Dann schaut sie ihren Mann an.
„Sollen wir nicht wieder einmal ans Meer fahren? Vielleicht begegnen wir dort sogar Graziella.“
Albert nickt.
„Das machen wir. Nur nicht im Eiltempo.“
Arm in Arm gehen die beiden nach Hause und schmieden Pläne für ihre nächste Reise.
© Elke Bräunling

Fragerunde

Zum Erinnern und Erzählen
• Mögen Sie den Sommerwind?
• Welche Geräusche hören Sie besonders gern im Sommer?
• Waren Sie früher oft am Meer?
• An welches Meer denken Sie zuerst. Nordsee, Ostsee oder Mittelmeer?
• Welche Urlaubsreise ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
• Haben Sie schon einmal eine Schildkröte gesehen?
• Wohin würden Sie heute gern noch einmal reisen?
• Glauben Sie, dass der Wind Geschichten erzählen kann?
• Was bedeutet Fernweh für Sie?
• Welche Reise würden Sie am liebsten noch einmal machen?

 

Kleine Fantasiereise: Dem Sommerwind folgen

Schließen Sie für einen Moment die Augen.
Spüren Sie den warmen Sommerwind auf Ihrer Haut.
Woher mag er heute kommen?
Vielleicht hat er das Rauschen des Meeres mitgebracht.
Vielleicht riecht er nach Salz, Strand und Sonnenwärme.
Hören Sie den Möwen zu.
Sehen Sie Muscheln im Sand.
Vielleicht begegnen Sie sogar einer freundlichen Schildkröte namens Graziella.
Bleiben Sie noch einen Augenblick an diesem Ort.
Atmen Sie tief ein.
Und nehmen Sie ein wenig Meeresruhe mit zurück in den Alltag.
Ganz kurz. Eine Minute reicht.

Mitmachideen

Mit dem Wind lauschen
Öffnen Sie – wenn möglich – ein Fenster oder gehen Sie gemeinsam nach draußen. Lauschen Sie einen Moment dem Wind. Welche Geräusche bringt er mit?

Urlaubsrunde
Jeder erzählt von einem Ort am Meer, den er besonders schön fand.

Muscheltisch
Ein paar Muscheln, Sand, vielleicht eine kleine Schildkröte aus Holz oder Keramik auf den Tisch legen und Erinnerungen erzählen lassen.

Windwörter sammeln
Welche Wörter fallen Ihnen zum Sommerwind ein?
Zum Beispiel:
• Meer
• Freiheit
• Urlaub
• Möwen
• Salzluft
• Fernweh
• Wellen
• Dünen
• Sonne