Gespräch mit der ersten Rose

Gespräch mit der ersten Rose

Poetischer Sommertext mit Gedicht und Lied

Titel + Illustration Kind staunend vor einem Rosenbusch, erste Rose ist erblüht„Vielleicht erzählen Rosen mehr, als wir glauben, wenn wir lange genug bei ihnen stehen bleiben.“

Die erste Rose im Jahr wirkt oft wie ein kleines Wunder. Sie öffnet ihre Blätter vorsichtig dem Sommer entgegen und erzählt mehr, als man auf den ersten Blick ahnt. Dieses poetische Gedicht und der märchenhafte Begleittext laden dazu ein, still zu werden und der Natur ein kleines bisschen zuzuhören.
Für Menschen, die Rosen lieben, poetische Naturgedanken mögen und sich an stillen kleinen Sommerwundern erfreuen können. Mit Musik von Balz Burch.

 

Gespräch mit der ersten Rose

Die ersten Rosen im Jahr sind etwas ganz Besonderes, heißt es. Dies aber könne nicht jeder verstehen. Die meisten Menschen sehen einfach nur eine Blume und nichts weiter.
Und doch, manchmal, geschieht es: Eine Rose öffnet ihre Blätter ein kleines bisschen weiter. Sacht bewegt sie sich im Wind und beginnt zu reden. Leise. Es ist wie ein Flüstern zwischen Duft und Sonnenlicht und ein kleines Frühsommerwunder. Die Welt riecht noch jung und die Tage sind heller als die Gedanken der Menschen.
Und Rosen beobachten die Menschen ganz genau.
Sie sehen Kinder, die an Gartenzäunen stehen bleiben, und spüren deren Freude und Neugierde. Auch die Gefühle und Stimmungen der Erwachsenen vernehmen sie. Das Glücklichsein ebenso wie ein bekümmertes Seufzen oder Traurigkeit. Und ja, sie merken sofort, wenn jemand sie pflücken möchte, und selbst das nehmen die Rosen den Menschen auch nicht übel.
„Die Menschen meinen es oft nicht schlecht“, erzählen die alten Rosen am Strauch. „Sie lieben uns und möchten unsere Schönheit festhalten, weil schöne Augenblicke so schnell vorüberziehen.“
„Dann müssen wir uns Mühe geben, ihnen zu gefallen“, wispert ein junges Röslein und alle Knospen im Strauch nicken. Sacht wiegen sie sich im Frühsommerwind und träumen von dem Leben, das vor ihnen liegt.
Und nun weißt du, warum manche Rosen so freundlich mit dir sprechen, wenn du lange genug still bei ihnen stehen bleibst.
Psst! Lausche! Vielleicht entsteht ein kleines Gespräch so wie im Gedicht.
Und vielleicht magst du ein frisch erblühtes Röslein auch nur bewundern und ihnen ihr Sommerleben schenken. Du lässt sie stehen am Strauch und sie kann weiter träumen vom Wind, von Bienen, vom Sommerregen und von all den Menschen, die an ihr vorübergehen und ihr – vielleicht – zulächeln.
Und wer weiß? Vielleicht lächelt die Rose zurück oder sie erzählt den anderen Blumen am Abend sogar: „Heute hat mich jemand verstanden.“
Und vielleicht hört sich ein Gespräch mit einem Röselein so an:

Gespräch mit der ersten Rose

Ich seh die erste Rose da
am Rosenbusch von Nachbar Schmidt.
Sie ist so schön und wunderbar.
Am liebsten nähme ich sie mit.

„Oh nein!“, ruft da das Röslein laut.
„Ich bin erst frisch erblüht und klein.
Hast du mich einmal angeschaut,
wie jung und zart ich bin und fein?“

Ich staune und erschrecke auch.
Weiß denn das Röslein, was ich denk?
Ein bisschen grummelt’s mir im Bauch,
doch ist dies nicht auch ein Geschenk?

„Du kleine Rose“, sag ich leis.
„Wie gut, dass wir uns so verstehn
ganz ohne Worte und ich weiß,
du hast das, was ich denk, gesehn.“

Ich glaub, das Röslein lacht mich an,
es klingt fast wie ein „Dankeschön“.
Es zieht mich fest in seinen Bann
und ich bleib lang noch bei ihm stehn.

© Elke Bräunling

 

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Balz Burch hat zu diesem Gedicht ein wunderschönes Lied geschrieben und eingespielt.
Lausche!

(Text Elke Bräunling Musik: Balz Burch)

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Illustration Kind staunend vor einem Rosenbusch, erste Rose ist erblüht

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Sommergedichte
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