Sind die Gedanken frei?
Sind die Gedanken frei?
Geschichte von der Freiheit für Groß und Klein
„Freiheit beginnt leise in einem Gedanken, den man sich erlaubt.“
Was bedeutet es eigentlich, frei zu sein?
In dieser warmherzigen Geschichte denkt Anton zum ersten Mal über Freiheit, Gefühle und Ehrlichkeit nach. Gemeinsam mit Oma Martha entdeckt er, dass Freiheit oft ganz leise beginnt: in Gedanken, Gefühlen und ehrlichen Worten. Eine ruhige Geschichte für Groß und Klein mit vielen Gesprächsimpulsen und einem alten Lied, das bis heute Menschen berührt.
Für Kinder, Familien, Senioren, Gesprächsrunden, Schule, Erinnerungsarbeit und ruhige Vorlesemomente über Freiheit, Gefühle und Ehrlichkeit. Mit Arbeitsmodul.
Inhalt
🌿 Sind die Gedanken frei?
🌼 Einfache Fassung
🍃 Sehr einfache Fassung
💭 Fragerunde zur Geschichte
✨ Kleine Gedanken
🎵 Mitmachideen zur Geschichte
🕊️ Bewegungsimpulse: Frei und leicht
☀️ Fantasiereise: Die Wiese der freien Gedanken
📜 Die Gedanken sind frei – Der alte Text
🎶 Passendes Lied zur Geschichte
Sind die Gedanken frei?
„Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen. Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei. …. Lalala lalaa, lalala lalala ….“
Oma Martha trällert ihr Lieblingslied und Anton trällert mit. Es gefällt ihm, dieses Lied, das schon über zweihundert Jahre alt ist. Nur die Worte begreift er nicht so ganz. Freie Gedanken! Was bedeutet das? Jeder kann doch denken, was er will!
Oder doch nicht?
Es ist das erste Mal, dass er darüber nachdenkt.
Komisch, ausgerechnet heute hat Frau Starke in der Schule „Pass auf, was du denkst, Anton!“ gesagt. Und sie hat erklärt, dass man Gedanken im Gesicht ablesen kann und es sei nicht immer nett, was man da so unfreiwillig alles liest.
Das hat Anton erschreckt. Das kann doch nicht stimmen, oder? Nicht auszudenken wäre das!
„Ich denke, was ich will …“, singt Oma Martha weiter.
Klar, denkt Anton, das tue ich auch und es kann mir keiner verbieten.
Er mustert Omas Gesicht genauer. Ob er ablesen kann, was sie gerade denkt?
Hm! Das ist gar nicht einfach. Die Fältchen um ihre Augen bilden einen fröhlichen Kranz, das sieht lustig aus. Bestimmt denkt sie an etwas Schönes.
„Ist es etwas Besonderes, wenn man an nette Dinge denkt? Und ist dieses ‚Frei-sein‘ auch so etwas?“
„So was?“, fragt Oma.
„Na, so etwas Nettes und ganz besonders Schönes.“
„Das kann wohl sein. Schöne Gedanken fühlen sich großartig an, traurige bringen uns zum Weinen, sie können sogar krank machen, und langweilige Gedanken sind … langweilig.“
Das Strahlen will sich aus Omas Augen verabschieden. Ein paar Tränen glitzern.
„Ich will dich nicht traurig machen!“, sagt Anton schnell.
Oma schüttelt den Kopf.
„Das ist in Ordnung, mein Schatz!“, tröstet sie. „Es ist gut, wenn man seine Gefühle zulässt und sie auch lebt. Das bedeutet Freiheit nämlich auch. Und weißt du, diese Freiheit genehmigen wir uns oft selbst nicht und das ist sehr schade.“
„Ja, schade“, meint Anton. „Man schämt sich dann, nicht wahr? Und das ist auch nicht frei.“
„Nein, das ist es nicht. Und ungesund ist es zudem.“ Oma nickt. „Schäme dich nie deiner Gefühle, kleiner Anton! Sei frei in allem, was du denkst und fühlst und auch in dem, was du tust, solange es es redlich ist.“
„Redlich?“, fragt Anton, der dieses Wort noch nie gehört hat.
„Ja, das bedeutet ehrlich, anständig. Also täusche keine Gefühle vor, die du nicht hast! Das ist nicht ehrlich.“
„Ehrlichkeit macht auch frei, stimmt`s?“
„Sehr sogar. Lügen lasten schwer auf der Seele und eine schwere Seele ist nicht …“
„Frei!“ Anton nimmt Oma das Wort aus dem Mund. Er genießt es, mit ihr wichtige Dinge zu bereden und das mit der Freiheit ist wirklich ein sehr ernstes Thema.
Oma lacht. „Ich sehe, du weißt gut, worüber wir sprechen. Das gefällt mir. Und nun bin ich so frei und lade dich zu einem Eis ein. Einverstanden?“
„Einverstanden“, sagt Anton. „Ich bin so frei und sage, dass ich das riesenmäßig toll finde.“
Dann summt er nochmal die Melodie „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten , lala la …“ und Oma singt mit.
💬 Welche Gedanken oder Erinnerungen geben Ihnen heute das Gefühl von Freiheit?

Die nachfolgenden Gedanken und Texte vertiefen die Geschichte und laden zum Erinnern, Nachdenken und Mitfühlen ein.
Diese Versionen sind sprachliche Bearbeitungen derselben Geschichte zur besseren Zugänglichkeit und stellen keine eigenständigen Werke dar.
Sind die Gedanken frei? – Einfache Fassung
Oma Martha singt ihr Lieblingslied.
„Die Gedanken sind frei …“
Anton trällert mit.
Er mag die Melodie sehr.
Aber die Worte versteht er nicht ganz.
Freie Gedanken?
Was soll das bedeuten?
Kann man Gedanken einsperren?
Jeder Mensch kann doch denken, was er will.
Oder etwa nicht?
In der Schule hat Frau Starke an diesem Tag zu ihm gesagt:
„Pass auf, was du denkst, Anton.“
Das hat ihn erschreckt.
Kann man Gedanken wirklich im Gesicht sehen?
Anton schaut Oma Martha genau an.
Sie sieht fröhlich aus.
Um ihre Augen liegen kleine Lachfältchen.
„Oma“, fragt er, „was bedeutet es, wenn Gedanken frei sind?“
Oma Martha denkt kurz nach.
„Es bedeutet, dass niemand dir vorschreiben kann, was du innerlich denkst und fühlst“, antwortet sie dann. „Deine Gedanken gehören dir.“
Anton nickt langsam. „Aber Gefühle sieht man manchmal doch“, meint er.
„Ja“, antwortet Oma. „Und das ist auch gut so. Man muss sich seiner Gefühle nicht schämen.“
Sie erklärt ihm, dass Traurigkeit, Freude, Angst und Wut zum Leben gehören.
„Frei sein bedeutet auch, ehrlich zu sich selbst zu sein“, sagt Oma Martha.
„Dann machen Lügen unfrei?“, fragt Anton.
Oma nickt. „Ja“, antwortet sie. „Lügen können schwer auf der Seele liegen.“
Anton versteht. Eine schwere Seele kann nicht frei sein.
Dann lächelt Oma Martha. „Und nun bin ich so frei und lade dich zu einem Eis ein“, sagt sie und lacht.
Anton freut sich. Er lacht auch.
„Ich bin so frei und sage: Das finde ich riesig gut!“
Dann singen beide noch einmal das Lied:
„Die Gedanken sind frei …“
Sind die Gedanken frei? – Sehr einfache Fassung
Oma Martha singt ein altes Lied.
„Die Gedanken sind frei.“
Anton hört zu.
Er fragt: „Was heißt das?“
Oma sagt: „Deine Gedanken gehören dir.“
Anton denkt nach.
Oma sagt auch: „Du darfst fühlen, was du fühlst.“
Freude.
Traurigkeit.
Angst.
Wut.
Alles darf da sein.
Dann gehen Oma und Anton ein Eis essen.
Und sie singen weiter.
© Elke Bräunling
Fragerunde zur Geschichte
👉 Zum Verstehen
• Welches Lied singt Oma Martha?
• Warum denkt Anton über das Lied nach?
• Was erklärt Oma ihm?
• Warum gehen beide am Ende Eis essen?
👉 Zum Lied
• Kennen Sie das Lied „Die Gedanken sind frei“?
• Haben Sie es früher gesungen?
• Welche Lieder verbinden Sie mit Freiheit oder Mut?
• Gibt es ein Lied, das Sie nie vergessen haben?
👉 Zum Nachdenken
• Was bedeutet Freiheit für Sie?
• Wann fühlt man sich innerlich frei?
• Kann man frei sein, auch wenn man Sorgen hat?
• Warum ist Ehrlichkeit oft befreiend?
👉 Gefühle
• Durfte man früher Gefühle offen zeigen?
• Wurde über Traurigkeit oder Angst gesprochen?
• Warum verstecken Menschen manchmal, was sie fühlen?
• Welche Gefühle machen das Herz leicht?
👉 Erinnerungen
• Gab es früher Dinge, über die man nicht offen sprechen durfte?
• Wann haben Sie sich besonders frei gefühlt?
• Wer hat Ihnen früher Mut gemacht?
👉 Abschlussfrage
• Welcher Gedanke macht Sie heute ein kleines bisschen freier?
Kleine Gedanken
Das Lied „Die Gedanken sind frei“
Das Lied „Die Gedanken sind frei“ ist sehr alt.
Schon seit mehr als zweihundert Jahren wird es gesungen.
Viele Menschen kannten und liebten es, weil es etwas ausdrückt, das tief in ihnen lebt: Niemand kann einem Menschen seine Gedanken ganz nehmen.
Man kann vorsichtig sein oder Worte zurückhalten oder schweigen. Aber innerlich bleibt ein Raum, der nur einem selbst gehört.
Vielleicht wurde das Lied deshalb so wichtig. Es erinnerte Menschen daran, dass innere Freiheit kostbar ist, auch wenn die Zeiten viele Worte und Gedanken verboten hatten.
Auch heute berührt das Lied noch, weil es erinnert und weil es auf leise Art sagt: „Was ich denke und fühle, gehört zu mir.“
Freiheit beginnt oft im Kleinen
Bei Freiheit denken viele Menschen zuerst an große Dinge: An Reisen, Entscheidungen, an offene Türen, an freie Worte und Gedanken.
Doch Freiheit beginnt Freiheit in den viele kleinere Dingen und Momenten. In einem ehrlichen Satz, einem Lachen, das man nicht unterdrückt oder einer Träne, für die zu weinen man sich nicht schämt oder Gedanken, die man sich erlaubt.
Oma Martha zeigt Anton genau diese kleine Freiheit.
Sie sagt nicht „Du musst immer stark sein.“
Nein, sie sagt: „Du darfst fühlen, was du fühlst.“
Das ist eine stille Form von Freiheit. Und vielleicht eine besonders wichtige.
Warum Ehrlichkeit die Seele leichter macht
Wer sich ständig verstellen muss, wird müde.
Man sagt „Ja!“, obwohl man „Nein!“ meint.
Man lächelt, obwohl man traurig ist, weil man seine Trauer nicht zeigen will..
Man tut so, als sei alles in Ordnung, obwohl im Inneren etwas drückt.
Natürlich kann man nicht immer alles aussprechen, denn oft ist Schweigen auch Schutz.
Aber sich selbst sollte man nichts vormachen. Ehrlichkeit beginnt oft ganz innen mit der einfachen Feststellung: „So fühle ich gerade.“
Dieser Satz verändert nicht sofort alles, aber er kann die Seele ein wenig leichter machen.
Mitmachideen zur Geschichte
🎵 Liederrunde
Gemeinsam an alte Lieder erinnern.
Welche Lieder wurden früher in der Familie, Schule oder bei Ausflügen gesungen?
🍦 „Ich bin so frei …“
Jeder ergänzt den Satz:
„Ich bin so frei und …“
Das darf ernst, heiter oder ganz alltäglich sein.
💭 Gedankenrunde
„Wann fühlen Sie sich frei?“
„Gibt es einen Ort, an dem Sie freier atmen können?“
🌿 Gefühlsfarben
Welche Farbe hat Freude?
Welche Farbe hat Traurigkeit?
Welche Farbe hat Mut?
☀️ Ein guter Gedanke
Jeder nennt einen Gedanken, der gut tut.
Bewegungsimpulse: Frei und leicht
🌬️ Frei atmen
Langsam einatmen.
Und wieder ausatmen.
Als würde mehr Platz im Inneren entstehen.
☀️ Arme öffnen
Die Arme langsam zur Seite öffnen.
Wie ein Fenster zur frischen Luft.
🍃 Schwere loslassen
Die Hände langsam nach unten sinken lassen.
Als würde etwas Schweres abfallen.
🎵 Lied summen
Leise eine bekannte Melodie summen.
Nur so viel, wie angenehm ist.
🌸 Zum Abschluss
Die Hände auf den Schoß legen.
Kurz nachspüren:
Was fühlt sich jetzt leichter an?
Fantasiereise: Die Wiese der freien Gedanken
Setzen Sie sich bequem hin.
Atmen Sie ruhig ein … und wieder aus.
Stellen Sie sich nun eine weite Sommerwiese vor.
Der Himmel ist blau.
Kleine weiße Wölkchen tanzen über das Himmelsblau.
Sanft streicht der Wind über das Gras.
Sie freuen sich an dieser Szenerie.
Tief atmen sie ein und aus.
Langsam gehen Sie weiter über die Wiese.
Überall blühen Blumen.
Ein fröhlich buntes Farbenmeer.
Vielleicht hören Sie Bienen summen.
Vielleicht singen Vögel in den Bäumen.
Sie bleiben stehen und schauen in den Himmel.
Ein paar kleine Wolken ziehen vorbei.
Ganz langsam.
Ganz frei.
Vielleicht kommen nun Gedanken.
Schöne Gedanken.
Traurige Gedanken.
Leichte Gedanken.
Schwere Gedanken.
Alle dürfen kommen.
Und alle dürfen weiterziehen.
Wie Wolken.
Wie Schatten.
Wie Vögel am Himmel.
Sie müssen nichts festhalten.
Sie müssen nichts verstecken.
Sie atmen ein … und wieder aus.
Vielleicht spüren Sie:
In mir ist ein Raum, der mir gehört.
Ein stiller freier Raum.
Bleiben Sie noch einen Moment auf dieser Wiese.
Dann kehren Sie langsam zurück.
Mit einem ruhigen Atem.
Und vielleicht mit einem Gedanken, der ein wenig leichter geworden ist.
Denn: DIE GEDANKEN SIND FREI
© Elke Bräunling
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Die Gedanken sind frei – Der alte Text

Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei:
Die Gedanken sind frei.
Ich denke, was ich will
und was mich beglücket,
doch alles in der Still’,
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.
Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker,
das alles sind rein
vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei.
Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
Die Gedanken sind frei.
Diese Fassung wird heute am häufigsten verwendet.
Sie wurde 1842 von
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
und Ernst Heinrich Leopold Richter
veröffentlicht in der Sammlung „Schlesische Volkslieder mit Melodien“ .
Es existieren noch ältere und regionale Varianten mit zusätzlichen oder leicht abweichenden Strophen.

