Wenn der Sommer langsam geht – Eine Septembergeschichte

Wenn der Sommer langsam geht

Septembergeschichte für Senioren über Abschied, Herbstfreude und Neubeginn

Marie und Hannes im Septembergarten auf der Suche nach einem Platz für den neuen MandelbaumWenn der Sommer langsam Abschied nimmt, fällt das Loslassen manchmal schwer.
Auch Marie wird im Septembergarten ein wenig wehmütig. Doch zwischen letzten Sommerblumen, reifen Früchten und neuen Plänen entdeckt sie, wie viel Schönes der Herbst bereithält. Und dann kommt Hannes mit einer ganz besonderen Überraschung nach Hause: einem kleinen Mandelbaum.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache, Fragerunde und Fantasiereise.

Wenn der Sommer langsam geht

Marie mochte den September. Eigentlich. Nur dass er ihr ständig den Sommer wegnehmen musste, nahm sie ihm ein bisschen übel.
Gerade hatte Marie die letzten Pfefferminzblätter in diesem Jahr geerntet. Nun saß sie mit ihrem Kräuterkorb auf der Steinbank am Rande ihres kleinen Kräutergartens und blickte sich um.
Die letzten Sonnenstrahlen des Tages tauchten die Beete in ein warmes Licht. Im Garten aber war noch immer der Sommer zu Gast. Stolz streckten sich die Sonnenblumen in den Himmel, die Tomatenstöcke trugen schwer an prall glänzenden Früchten und vom Zwetschgenbaum plumpste hier und da eine saftige Zwetschge zu Boden. Sanft spielte der Wind mit den Blättern.
Dennoch spürte Marie den nahenden Herbst. Die Tage wurden kürzer, und am Abend kühlte es sich rasch ab.
Sie seufzte. Diese Zeit im Jahr stimmte sie immer ein bisschen melancholisch. Am liebsten würde sie den Sommer festhalten.
„Dieser Sommer war so schön“, murmelte sie. „Es fällt mir schwer, ihn loszulassen.“
Ja, sie hatte die warmen Tage geliebt, das Summen der Bienen und das fröhliche Treiben in ihrem Garten. Der Gedanke an den Herbst mit seinen Nebeln und kühlen Winden machte sie ein wenig traurig.
Sie pflückte eine gelbe Zinienblüte und drehte sie nachdenklich in ihren Händen.
„Auch ihr werdet bald gehen, meine Lieben!“, sagte sie mit einem Seufzer. Dann betrachtete sie die Blüte noch einmal. „Aber der Herbst hat auch seine schönen Seiten. Ich muss mich nur ablenken. Dann wird es leichter.“
Und sie begann, sich auf die kommenden Monate zu freuen. Es gab schließlich genug Dinge, die sie gerne tat und die nun wieder an der Reihe waren.
„Ich könnte mehr stricken“, überlegte sie. „Ein paar neue Mützen und Schals und warme Pullover für die Kinder.“
Und da waren die gemütlichen Nachmittage in der Küche. Die Äpfel mussten zu Apfelmus verarbeitet, die letzten Früchte eingekocht und Kuchen gebacken werden.
„Apfelkuchen, Zwetschgenkuchen und … Zwiebelkuchen“, murmelte sie und fühlte dabei fast schon ein wenig Vorfreude. „Und zu Erntedank könnten wir mit Freunden im Garten ein Fest feiern. Oh ja, das wird uns gut tun.“
Marie spürte, wie ihr Herz vor Freude etwas schneller zu schlagen begann. Ein wohliges, aufgeregtes Schlagen.
Sie dachte an lange Spaziergänge durch die herbstlichen Wälder, an Pilze, Kastanien, Mandeln und Nüsse.
„Ja“, sagte sie zufrieden. „Das wird schön. Eigentlich gibt es im Herbst eine ganze Menge, worauf man sich freuen kann. Der Sommer mag zu Ende gehen, aber das bedeutet nur, dass etwas Neues beginnt.“
„Genau!“, bestätigte eine tiefe Stimme von der Terrasse her. „Recht hast du!“
Hannes war heimgekommen und winkte ihr zu.
„Schau, was ich dir mitgebracht habe!“ Er hob ein Bäumchen in die Höhe. „Ein Mandelbaum für dich. „Er lässt uns in der dunklen Jahreszeit hoffen, denn er gehört zu den ersten Bäumen, die im neuen Jahr blühen, manchmal schon im späten Februar.“
„Wie schön!“ Marie freute sich. Ja, etwas Neues würde beginnen und die Hoffnung, die war auch schon da.
„Wo wollen wir ihn pflanzen?“, fragte Hannes.
Marie sah sich im Garten um.
„Dort neben dem Kräutergarten vielleicht?“ Er deutete auf eine freie Stelle.
„Nein! Dort nicht! In ein paar Jahren würde er seine Schatten auf meine Kräuter werfen.“
„Ach ja.“ Hannes blickte sich um. „Dann neben den Zwetschgenbaum.“
„Da stehen die Johannisbeeren.“
Hannes schwieg einen Moment.
„Hinter dem Schuppen wäre noch Platz.“
Marie sah ihn an und grinste.
„Schon gut“, sagte Hannes. „Ich suche weiter.“
Nun lachte Marie hellauf. Einen Mandelbaum zu kaufen war offenbar einfacher gewesen, als ihn am rechten Platz zu pflanzen. Aber das würde sich auch noch finden.
Und dann machte sie sich auf die Suche nach dem schönsten Platz für ihr neues Bäumchen.

© Elke Bräunling

Marie und Hannes im Septembergarten auf der Suche nach einem Platz für den neuen Mandelbaum

 

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Marie und der Septembergarten – Einfache Kurzfassung

Marie sitzt in ihrem Garten.
Es ist September.
Die Sonne scheint noch warm, aber Marie merkt, dass der Herbst näher kommt.
Die Sonnenblumen blühen noch.
An den Tomatenstöcken hängen reife Früchte und vom Zwetschgenbaum fallen die ersten Zwetschgen zu Boden.
Marie hat die letzten Pfefferminzblätter geerntet.
Sie liebt den Sommer und ist ein bisschen traurig, dass er bald vorbei ist.
Doch dann denkt sie an all die schönen Dinge, die der Herbst bringt.
Sie möchte stricken, Äpfel zu Apfelmus verarbeiten und Kuchen backen.
Sie freut sich auf Spaziergänge, Pilze, Kastanien und Nüsse.
Da kommt Hannes nach Hause.
Er hat eine Überraschung für Marie mitgebracht: einen kleinen Mandelbaum.
Marie freut sich sehr.
Nun müssen die beiden nur noch einen guten Platz für das Bäumchen finden.
Neben dem Kräutergarten?
Nein. Dort würde der Baum später zu viel Schatten machen.
Neben dem Zwetschgenbaum?
Auch nicht. Dort stehen die Johannisbeeren.
Hinter dem Schuppen?
Marie muss lachen.
Einen Mandelbaum zu kaufen war offenbar einfacher gewesen, als den richtigen Platz für ihn zu finden.
Aber auch den würden sie finden.
© Elke Bräunling

 

Fragerunde

• Mögen Sie den September?
• Fällt Ihnen der Abschied vom Sommer leicht oder schwer?
• Woran merken Sie zuerst, dass der Herbst kommt?
• Welche Blumen blühten früher in Ihrem Garten im Spätsommer?
• Hatten Sie Sonnenblumen oder Zinnien?
• Welche Kräuter haben Sie angebaut oder verwendet?
• Erinnern Sie sich an den Duft frischer Pfefferminze?
• Gab es bei Ihnen einen Obstbaum im Garten?
• Welche Früchte wurden im Spätsommer und Herbst geerntet?
• Wurde bei Ihnen Obst eingekocht oder zu Marmelade und Mus verarbeitet?
• Welchen Herbstkuchen mögen Sie besonders gerne?
• Haben Sie gestrickt? Was haben Sie am liebsten gestrickt?
• Waren Sie im Herbst Pilze, Kastanien oder Nüsse sammeln?
• Gab es einen Baum in Ihrem Leben, an den Sie sich besonders gerne erinnern?
• Haben Sie schon einmal selbst einen Baum gepflanzt?
• Worauf freuen Sie sich im Herbst?

 

Fantasiereise: Im Septembergarten

Machen Sie es sich bequem.
Wenn Sie möchten, schließen Sie die Augen.
Stellen Sie sich vor, Sie öffnen an einem milden Septembernachmittag die Tür zu einem Garten.
Die Sonne steht schon etwas tiefer am Himmel.
Sie scheint warm auf Ihr Gesicht.
Langsam gehen Sie ein paar Schritte über den Gartenweg.
Die Luft ist mild.
Ein leichter Wind bewegt die Blätter.
Sie hören ihr leises Rascheln.
Vor Ihnen stehen große Sonnenblumen.
Ihre gelben Blüten leuchten in der Sonne.
Daneben entdecken Sie viele kleinere Blumen.
Gelbe, rote und rosafarbene Blüten.
Eine Biene summt von Blüte zu Blüte.
Sie gehen weiter.
Am Rand des Weges wachsen Kräuter.
Sie streichen vorsichtig mit der Hand über einige Pfefferminzblätter.
Sofort steigt Ihnen ihr frischer Duft in die Nase.
Atmen Sie einmal tief ein.
Vielleicht kennen Sie diesen Duft noch aus einem Garten von früher.
Ein paar Schritte weiter steht ein alter Zwetschgenbaum.
Zwischen seinen Blättern hängen dunkelblaue Früchte.
Eine reife Zwetschge fällt ins Gras.
Plumps.
Sie müssen lächeln.
Auf einem Beet leuchten rote Tomaten in der Sonne.
Alles sieht noch ein wenig nach Sommer aus.
Und doch spüren Sie schon den Herbst.
Die Sonne steht tiefer.
Die Schatten werden länger.
Die Luft wird am Abend bald kühler werden.
Aber jetzt ist es angenehm warm.
Sie entdecken eine Bank und setzen sich.
Von hier aus können Sie den ganzen Garten überblicken.
Sie müssen nichts tun.
Sie dürfen einfach dasitzen.
Die Blumen ansehen.
Dem Wind zuhören.
Den Duft der Pfefferminze riechen.
Die Wärme der Sonne spüren.
Vielleicht denken Sie an einen Garten, den Sie einmal gekannt haben.
An einen Baum.
An Blumen.
An einen Menschen, mit dem Sie hier gerne sitzen würden.
Oder Sie genießen einfach diesen Septembernachmittag.
Der Sommer ist noch da.
Und der Herbst wartet schon ein kleines Stück weiter.
Beides darf für diesen Augenblick nebeneinander sein.
Bleiben Sie noch einen Moment auf Ihrer Bank sitzen.
Atmen Sie ruhig ein und aus.
Dann verabschieden Sie sich langsam von Ihrem Septembergarten.
Sie wissen:
Sie können jederzeit wiederkommen.
Wenn Sie möchten, öffnen Sie nun wieder die Augen.

Gesprächsimpuls nach der Fantasiereise
• Was haben Sie in Ihrem Septembergarten besonders deutlich gesehen?
• Gab es eine Blume, einen Baum oder einen Duft, an den Sie sich erinnert haben?
• Wie sah ein Garten aus, den Sie aus früheren Zeiten kennen?
• Wer gehörte für Sie zu diesem Garten?
• Welchen Platz hätten Sie sich dort zum Sitzen ausgesucht?