Erntedank und Gartenglück
Erntedank und Gartenglück
Herbstgeschichte für Senioren zum Vorlesen
Von Freud und Leid mit einem großen Garten
„Nicht schon wieder ein Fest!“
Wenn die ganze Familie dem Gartenglück verfällt, kann selbst die schönste Ernte irgendwann nerven. Eine humorvolle Herbstgeschichte für Senioren über Gartenarbeit, Erntedank und die Erkenntnis, dass es manchmal doch erstaunlich viel gibt, wofür man Danke sagen kann.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache, Fragerunde, Mitmachideen.
Erntedank und Gartenglück
„Am Samstag feiern wir unser ganz persönliches Erntedankfest. Im Garten. Kommt ihr?“, fragte Onkel Roland.
Im Garten? Na ja. Wo auch sonst? Es gab in dieser Familie seit einem Jahr kein anderes Thema mehr.
„Nicht schon wieder ein Fest!“ Ich stöhnte.
Seit Onkel Roland nach einem Unfall sein Leben umgekrempelt und mit Opa zusammen diesen riesig großen, alten Garten mit der ebenso riesig großen Scheune und einem noch größeren Teich gekauft hatte, gab es in unserer Familie fast nichts anderes mehr zum Reden und Feiern als dieser blöde Garten.
Okay, er war toll. Ein Paradies, wie Mama sagte. Eine Ruheoase für gestresste Nasen, wie Papa mit einem Grinsen meinte. Ein Abenteuerspielplatz, wie meine beiden jüngeren Schwestern Jule und Anne fanden. Eine wundersame Zeitreise in die Kindheit, wie Oma schwärmte. Ein Schatzkästchen, wie sich Opa mit glänzenden Augen freute. Ein nerviger Zeiträuber, wie ich meinte.
Für jeden war in diesem Garten etwas geboten. Und das ständig. Wenn es um die Zeit neben Arbeit und Schule ging, redeten wir nämlich über fast nichts anderes mehr als über Gartenarbeit, Gemüse, Blumen, Obst, Bäume und Büsche, Zäune und Mauern, Nutztiere und Schädlinge, Nutzpflanzen und Wildkräuter, Schnecken und Mäuse, Bienen und Marienkäfer, über die neuen Hühner und die Gänse und Enten am Teich, über das Säen, Hacken, Mähen, Graben, Hegen, Pflegen und natürlich über das Wichtigste, das Ernten. Die Freizeit unserer Familie fand eigentlich nur noch im und um den Garten statt. Selbst alle Ferien verbrachten wir dort.
Auch wenn der Garten wirklich toll, aufregend und spannend war, war es doch manchmal echt ätzend, nur noch wie ein Gärtner zu denken und zu leben.
Auch Erntefeste hatten wir in diesem Jahr schon so viele gefeiert, dass es bestimmt für die nächsten zehn Jahre ausreichte. Ein Erdbeerenfest, ein Kirschen-, Pfirsich-, Aprikosen- und Birnenfest, ein Zwetschgenfest, Apfelfest und viele andere Obst- und Beerenfeste, dann Blumenfeste, für jeden Monat mindestens eines, und Kräuterfeste. Jedem Kraut und jedem Gemüse sein Fest und wenn ich die hier alle auch noch aufzählen wollte, wäre das gerade sehr langweilig. So langweilig, wie für mich dieser Garten mit all seiner Arbeit und all diesen Festen manchmal, nein, ehrlich gesagt fast immer, auch war.
All die Dinge die mich interessierten, konnte ich knicken. Leute in meinem Alter fand ich hier draußen nämlich keine und die paar, die in dieser Einöde auch mit ihren Eltern in den Gärten hockten, passten nicht zu mir und meinen Interessen. Der nächste Fußballplatz war weit. Es gab auch keinen Strom für mein Notebook und der Handyempfang war mies. Wenn wir im Garten waren, fühlte ich mich manchmal, wie Robin Crusoe sich auf seiner Insel da draußen im Meer gefühlt haben musste. Ganz schön öde nämlich.
Und nun feierten wir also Erntedank und ich musste mich bedanken für den langweiligsten Sommer meines Lebens. Das fiel mir gerade nicht sehr leicht und ich hätte lieber einmal so richtig fest auf den Tisch gehauen. Ehrlich sollte man schließlich auch sein dürfen, selbst wenn es andere verletzen könnte.
Ehrlich? Ich beschloss, gute Miene zum eigentlich gar nicht so sehr bösen Spiel zu machen. Ein Danke sollte man schließlich immer wieder einmal laut sagen und noch lauter feiern. Ein Danke dafür, genug zu essen zu haben und darüber hinaus eine Heimat, einen guten Platz zum Wohnen, eine Familie, Frieden, Gesundheit, diesen riesig großen Garten und … das Leben.
Danke.
© Elke Bräunling
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Erntedank und Gartenglück – Einfache Kurzfassung für Senioren
Onkel Roland hat zusammen mit Opa einen großen alten Garten gekauft.
Seitdem dreht sich in der Familie vieles um diesen Garten.
Es wird gesät und gepflanzt, gehackt und gegossen. Im Sommer und Herbst gibt es viel zu ernten: Erdbeeren, Kirschen, Pfirsiche, Birnen, Zwetschgen, Äpfel, Gemüse und Kräuter.
Fast immer gibt es etwas zu tun.
Der junge Erzähler der Geschichte findet das manchmal ziemlich langweilig.
Viel lieber würde er Fußball spielen oder andere Jugendliche treffen.
Doch die Familie verbringt einen großen Teil ihrer freien Zeit im Garten.
Nun möchte Onkel Roland ein Erntedankfest feiern.
„Nicht schon wieder ein Fest!“, denkt der Junge.
Doch dann denkt er noch einmal darüber nach.
Eigentlich gibt es vieles, wofür er dankbar sein kann:
Genug zu essen.
Ein Zuhause.
Eine Familie.
Frieden.
Gesundheit.
Den großen Garten.
Und das Leben.
Da findet er:
Ein Danke darf man ruhig einmal laut sagen.
Danke.
© Elke Bräunling
Fragerunde – Garten, Ernte und Dankbarkeit
Zur Geschichte
• Wer hat den großen Garten gekauft?
• Warum ist der junge Erzähler manchmal vom Garten genervt?
• Was wird dort alles angebaut und geerntet?
• Welche Feste hat die Familie schon gefeiert?
• Welches Fest möchte Onkel Roland nun feiern?
• Wofür ist der Junge am Ende dankbar?
Erinnerungen an den Garten
• Hatten Sie früher einen Garten?
• Was wurde dort angebaut?
• Welches Gemüse durfte auf keinen Fall fehlen?
• Welche Obstbäume oder Beerensträucher gab es?
• Mussten Sie als Kind im Garten mithelfen?
• Welche Gartenarbeit mochten Sie gerne – und welche überhaupt nicht?
• Erinnern Sie sich an die Ernte von Kartoffeln, Äpfeln oder anderem Obst und Gemüse?
• Was wurde eingekocht, eingeweckt oder für den Winter eingelagert?
• Gab es einen Keller oder eine Vorratskammer für die Ernte?
Erntedank und Dankbarkeit
• Wurde bei Ihnen früher Erntedank gefeiert?
• Erinnern Sie sich an geschmückte Kirchen oder Erntekörbe?
• Wofür waren die Menschen früher nach einer guten Ernte besonders dankbar?
• Für welche alltäglichen Dinge sind Sie heute dankbar?
• Gibt es etwas, dessen Wert Sie erst später im Leben erkannt haben?
Erinnerungsimpuls – Unser Garten früher
Ein Garten bedeutete früher oft nicht nur Freizeit und Erholung. Er half dabei, die Familie mit Lebensmitteln zu versorgen.
Im Frühjahr wurde gesät und gepflanzt. Im Sommer musste gegossen, gehackt und Unkraut gejätet werden. Und wenn die Erntezeit kam, gab es wieder viel Arbeit.
Dafür standen später Gläser mit Marmelade und Eingekochtem in den Regalen. Kartoffeln, Äpfel und anderes Obst und Gemüse wurden für den Winter aufbewahrt.
Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihren Garten oder den Garten Ihrer Eltern oder Großeltern.
Was wuchs dort?
Was haben Sie besonders gerne geerntet?
Was wurde aus der Ernte gemacht?
Und gab es etwas, bei dem Sie als Kind dachten:
„Muss ich wirklich schon wieder im Garten helfen?“ 😄
Mitmachidee – Unser Erntekorb
Ein Korb wird in die Mitte gestellt.
Dazu können verschiedene Früchte und Gemüse gelegt werden, zum Beispiel:
🍎 Apfel · 🍐 Birne · 🥔 Kartoffel · 🥕 Möhre · 🧅 Zwiebel · 🍇 Trauben · 🌰 Nüsse
Nun wird gemeinsam betrachtet, gefühlt und erzählt.
Was davon wurde früher selbst angebaut?
Was musste zuerst geerntet werden?
Was konnte lange gelagert werden?
Was wurde eingekocht?
Was kam direkt auf den Tisch?
Vielleicht fällt zu jeder Frucht eine kleine Erinnerung ein.
Kleine Variante: Was gehört zusammen?
Man nennt eine Frucht oder ein Gemüse – und gemeinsam wird überlegt, was daraus gemacht wurde:
Äpfel → Apfelmus, Kuchen, Saft
Zwetschgen → Mus, Kuchen, Kompott
Kartoffeln → Suppe, Kartoffelpuffer, Salzkartoffeln
Gurken → Salat, Essiggurken
Beeren → Marmelade, Saft, Kompott
Gesprächsimpuls – Wofür sage ich Danke?
Am Ende der Geschichte denkt der junge Erzähler darüber nach, was in seinem Leben selbstverständlich erscheint.
Genug zu essen. Ein Zuhause. Familie. Frieden. Gesundheit. Ein Garten.
Oft bemerken wir erst, wie wertvoll etwas ist, wenn es nicht mehr selbstverständlich ist.
Gemeinsam kann überlegt werden:
Wofür möchte ich heute Danke sagen?
Es müssen keine großen Dinge sein.
Vielleicht für einen sonnigen Morgen.
Für einen Menschen, der angerufen hat.
Für eine Tasse Kaffee.
Für ein gutes Essen.
Für Blumen auf dem Tisch.
Für ein freundliches Wort.
Jeder darf einen Gedanken nennen.
Und wer gerade überhaupt nicht dankbar gestimmt ist, muss es auch nicht erzwingen. Das würde sogar sehr gut zum Jungen aus der Geschichte passen.
Bewegungsimpuls – Gartenarbeit früher
Das könnte eine kleine Bewegungsrunde werden, die hier ausgesprochen gut passt:
🌱 Säen – mit den Fingern kleine Samen ausstreuen
🌿 Unkraut jäten – nach unten greifen und ziehen
🥔 Kartoffeln auflesen – greifen und in einen gedachten Korb legen
🍎 Äpfel pflücken – abwechselnd mit beiden Armen nach oben greifen
🧺 Erntekorb tragen – beide Hände vor dem Körper halten
💦 Gießen – eine gedachte Gießkanne langsam nach rechts und links neigen
Zum Schluss setzen sich alle wieder bequem hin:
Geschafft. Die Ernte ist eingebracht.
Und dann wäre eigentlich Vesper.

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