Das ganze Glück
Das ganze Glück
Geschichte zur Geburt für Senioren
Dankbarkeit und Glück für das neue Baby
„Kann man zweimal das ganze Glück haben?“
Eine warmherzige Geschichte zur Geburt für Senioren über ein neues Baby, Geschwisterliebe, Dankbarkeit und die wunderbare Erkenntnis, dass Liebe nicht kleiner wird, wenn man sie teilt.
Mit Kurzfassung, sehr einfacher Fassung, Fragerunde und Erinnerungsimpulsen.
Das ganze Glück – Geschichte über ein neues Baby
Es raschelt. Der kleine Junge von nebenan krabbelt über den Gartenzaun und stellt sich vor den alten Hannes, der mit geschlossenen Augen auf der Bank vor dem Haus sitzt und die Sonne genießt.
„Ich habe eine kleine Schwester bekommen“, erzählt er. „Oma sagt, ich soll dankbar sein. Sag, was ist dankbar?“
„Gute Frage! Hm.“ Hannes brummt noch ein paar Worte vor sich hin, die das Kind nicht versteht.
„Ist ‚dankbar’ etwas Gutes? Etwas, das sich richtig anfühlt.“
„Hm.“ Wieder erhält es nur ein Brummen als Antwort.
Eine Weile schweigen die beiden.
„Was fühlst du denn?“, fragt der alte Nachbar schließlich den Jungen.
Der zuckt mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Sie ist ja noch so klein, siehst du, sooo klein.“ Er deutet mit den Händen die Länge einer Puppe an. „Kleiner als mein Teddy.“
„So klein?“
Der Junge überlegt. „Fast kleiner noch“, sagt er dann und lacht. „Ein kleines Glück.“
„Ein kleines Glück?“ Der alte Nachbar staunt.
„Klar!“ Der Junge nickt. „Sie ist unser ganzes Glück, sagen Mama und Papa. Aber wie kann ein ganzes Glück so puppenklein sein?“ Wieder misst er mit den Händen die kleine Größe seiner neuen Schwester.
„Ich glaube, Glück hat mit Größenmaßen nichts zu tun. Es kann ganz groß sein und manchmal ganz klein“, erklärt der alte Mann. „Das ist immer wieder anders. Und jedes neue Glück verdient Dankbarkeit.“
Der Junge nickt. „Und ich bin nun kein Glück mehr?“
„Wie kommst du auf diese Idee?“
„Naja, ein ganzes Glück kann man doch nicht aufteilen. Ganz ist ganz und dieses Ganz gehört nun meiner Schwester.“ Die Stimme des Jungen klingt ein bisschen traurig nun und ratlos.
Hannes lächelt. „Dieses Glück vergeht nicht“, tröstet er. „Als du auf die Welt gekommen bist, bist du auch das ganze Glück deiner Eltern gewesen. Dessen kannst du dir sicher sein. Und nun bist du das ältere Glück und das ist etwas ganz Besonderes. Sei stolz darauf! Und glaube mir, sie lieben dich genauso sehr wie das Baby in der Wiege.“
„Hm!“ Der Junge überlegt. „Sie haben uns beide lieb?“
„Oh ja! Und wie! Kinder sind Liebe. Alle. Große, kleine und ganz kleine, und glaube mir, diese Liebe endet nie.“ Die Stimme des alten Mannes wird brüchig.
Der Junge blickt auf. Hat sich Hannes gerade ein paar Tränen von der Backe gewischt? Er schluckt und beinahe würde er nun auch gerne weinen. Aber nur beinahe und nur vor Dankbarkeit und vor Glück, das sich gerade so wohlig warm und schwer in seinem Bauch anfühlt.
© Elke Bräunling
💬 Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Geburt eines Kindes in Ihrer Familie?

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Das ganze Glück – Kurzfassung für Senioren
Der alte Hannes sitzt auf seiner Bank vor dem Haus und genießt die Sonne.
Da kommt der kleine Nachbarsjunge zu ihm.
„Ich habe eine kleine Schwester bekommen“, erzählt er stolz. „Oma sagt, ich soll dankbar sein. Aber was heißt eigentlich dankbar?“
Hannes denkt nach. „Was fühlst du denn, wenn du an deine Schwester denkst?“
„Ich weiß nicht genau“, sagt der Junge. „Sie ist noch so klein. Kleiner als mein Teddy. Mama und Papa sagen, sie ist unser ganzes Glück.“
Dann wird er nachdenklich.
„Aber wenn meine Schwester jetzt das ganze Glück ist – bin ich dann kein Glück mehr? Ganz kann man doch nicht teilen.“
Hannes lächelt.
„Als du geboren wurdest, warst auch du das ganze Glück deiner Eltern. Und das bist du noch immer. Jetzt bist du eben das ältere Glück.“
„Kann man denn zweimal das ganze Glück haben?“
„Natürlich“, sagt Hannes. „Liebe wird nicht kleiner, wenn ein neues Kind dazukommt. Sie wird größer.“
Der Junge denkt eine Weile darüber nach.
„Dann haben Mama und Papa uns beide lieb?“
„Oh ja! Kinder sind Liebe. Große Kinder, kleine Kinder und ganz kleine. Und diese Liebe hört niemals auf.“
Hannes wischt sich verstohlen eine Träne von der Wange.
Auch der Junge spürt plötzlich etwas Warmes im Bauch.
Vielleicht, denkt er, ist genau das Dankbarkeit.
Und Glück.
© Elke Bräunling
Das ganze Glück – Sehr einfache Fassung
Hannes sitzt auf einer Bank vor seinem Haus.
Der kleine Nachbarsjunge kommt zu ihm.
„Hannes!“, ruft er. „Ich habe eine kleine Schwester bekommen.“
„Das ist schön“, sagt Hannes.
„Mama und Papa sagen, das Baby ist ihr ganzes Glück.“
Der Junge schaut traurig.
„Was ist los?“, fragt Hannes.
„Wenn meine Schwester das ganze Glück ist, bin ich dann kein Glück mehr?“
Hannes lächelt.
„Doch. Natürlich bist du ein Glück.“
„Aber kann man zweimal das ganze Glück sein?“
„Ja“, sagt Hannes. „Als du geboren wurdest, waren deine Eltern sehr glücklich. Sie haben dich lieb. Und jetzt freuen sie sich über deine kleine Schwester.“
„Dann haben sie uns beide lieb?“
„Ja. Sehr sogar.“
Der Junge denkt nach.
„Wird die Liebe dann geteilt?“
„Nein“, sagt Hannes. „Die Liebe wird größer.“
Nun lächelt der Junge.
Er ist das große Glück.
Seine Schwester ist das kleine Glück.
Und zusammen sind sie das ganze Glück.
© Elke Bräunling
Fragerunde zur Geschichte
• Erinnern Sie sich an die Geburt eines Kindes in Ihrer Familie?
• Gab es bei Ihnen jüngere oder ältere Geschwister?
• Wie wurde früher die Geburt eines Kindes bekannt gegeben?
• Was bekam eine Mutter früher zur Geburt geschenkt?
• Welche Geschenke bekamen die Babys?
• Erinnern Sie sich an eine Taufe oder ein anderes Fest zur Geburt?
• Waren Sie selbst einmal stolz darauf, großer Bruder oder große Schwester zu sein?
• Kann man mehrere Menschen gleichzeitig „von ganzem Herzen“ lieben?
• Was bedeutet Dankbarkeit für Sie?
• Für welche kleinen Dinge im Leben sind Sie dankbar?
• Kann etwas ganz Kleines ein großes Glück sein?
• Was war oder ist für Sie „das ganze Glück“?
Ein kleines großes Glück – Erinnerungsimpulse für Senioren
Manchmal sind es die großen Ereignisse, die uns glücklich machen. Eine Geburt, eine Hochzeit, ein Wiedersehen oder eine gute Nachricht.
Oft aber kommt das Glück ganz unscheinbar daher.
Eine Tasse Kaffee am Morgen.
Ein Sonnenstrahl am Fenster.
Der Duft einer Blume.
Ein vertrautes Lied.
Ein lieber Gruß.
Eine Hand, die unsere hält.
Was ist für Sie ein kleines großes Glück?
Vielleicht mögen Sie erzählen:
• Welche kleinen Dinge machen Ihnen Freude?
• Gibt es einen Gegenstand, der Ihnen besonders viel bedeutet?
• Welcher Duft weckt schöne Erinnerungen?
• Welches Lied macht Sie glücklich?
• An welchen unerwartet schönen Augenblick erinnern Sie sich?
• Hat Ihnen einmal jemand mit einer ganz kleinen Geste eine große Freude gemacht?
Manchmal merkt man erst beim Erzählen, wie viele kleine Glücksmomente sich im Laufe eines Lebens angesammelt haben.
Wenn früher ein Baby kam – Erinnerungen an Geburt und Babyzeit
Die Geburt eines Kindes war schon immer ein besonderes Ereignis. Doch vieles rund um Schwangerschaft und Geburt war früher anders als heute.
Viele Kinder kamen noch zu Hause zur Welt. Eine Hebamme betreute die Mutter bei der Geburt und besuchte sie auch in den ersten Tagen danach. Später wurden Geburten im Krankenhaus immer selbstverständlicher.
Auch die Nachricht vom neuen Familienmitglied verbreitete sich anders. Es gab kein Handy, keine schnelle Nachricht und kein Foto, das wenige Minuten später bei der ganzen Familie ankam. Verwandte wurden angerufen oder erhielten eine Geburtskarte. Manchmal sprach sich die Neuigkeit einfach in der Nachbarschaft herum.
Zur ersten Ausstattung eines Babys gehörten kleine Hemdchen, Jäckchen, Häubchen und Decken. Vieles wurde selbst gestrickt oder genäht und von einem Kind an das nächste weitergegeben. Nicht alles musste neu sein.
Besuch brachte oft etwas für das Baby mit. Ein gestricktes Jäckchen, Söckchen, eine Rassel oder etwas Geld für das Sparbuch waren beliebte Geschenke.
In vielen Familien spielte auch die Taufe eine wichtige Rolle. Sie war ein großes Familienfest, zu dem sich Verwandte versammelten und das Baby feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen wurde.
Und die älteren Geschwister?
Für sie war die Ankunft eines Babys manchmal aufregend und manchmal gar nicht so einfach. Plötzlich drehte sich vieles um den kleinen Neuankömmling. Da tat es gut, wenn jemand daran dachte, auch dem großen Bruder oder der großen Schwester besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Vieles rund um die Geburt hat sich verändert.
Eines aber wohl nicht: Dieses Staunen darüber, dass ein so winziges Kind plötzlich da ist und von einem Tag auf den anderen zu einem ganz großen Teil des Lebens gehört.


