Ein ganz besonderes Erntedankfest

Ein ganz besonderes Erntedankfest

Erntedankgeschichte mit Hannes und Marie


Gedeckte Festtafel im Garten unterm Pflaumenbaum, davor stehen Hannes und Marie, ein erster Gast in der FerneEine heitere Erntedankgeschichte für Senioren über ein kleines Gartenfest, das plötzlich immer größer wird. Hannes und Marie erleben einen fröhlichen Nachmittag voller unerwarteter Gäste, Erinnerungen und Überraschungen.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache, Fragerunde und Mitmachidee.

 

Ein ganz besonderes Erntedankfest

Ein kleines Erntedankfest hatte sich Marie gewünscht. Mit Freunden und Nachbarn wollte sie gemütlich einen Nachmittag im Garten verbringen und das erfolgreiche Gartenjahr feiern. Zwölf Gäste waren eingeladen und Marie freute sich sehr auf sie.
Für das Erntedankmahl zu sorgen, machte ihr großen Spaß. Sie backte einen Apfel- und einen Pflaumenkuchen und einen großen Hefezopf nach Großmutters Rezept. Für später bereitete sie Salate vor und einen großen Zwiebelkuchen und sie besorgte Grillwürste, Steaks, Brot, Käse und Hausmacher Wurst.
Hannes stellte zwei lange Tische unter dem alten Zwetschgenbaum auf und suchte genügend Stühle zusammen. Geschmückt mit Äpfeln, Nüssen, Trauben, Windlichtern und kleinen bunten Blumensträußchen sahen die sehr hübsch aus.
Zufrieden betrachtete Marie ihr Werk.
„Schön ist es geworden!“, sagte sie.
„Sehr schön“, bestätigte Hannes mit einem Lächeln. „Es wird den Gästen bei uns gefallen.“
Und die Gäste ließen auch nicht lange auf sich warten. Die ersten kamen früh,
zwei befreundete Paare, die Nachbarin von gegenüber und ein alter Freund von Hannes.
Gleich darauf klingelte es wieder. Maries Freundin hatte ihre Schwester mitgebracht.
„Du hast doch gesagt, ich könne gerne jemanden mitbringen.“
Oh! Marie überlegte. Hatte sie das wirklich gesagt? Nun, auf eine Person mehr kam es nicht an.
Kurz darauf standen zwei weitere Nachbarn mit Blumenstrauß, Mostflaschen und einem Korb voller glänzender Äpfel vor dem Gartentor. „Hannes hat gesagt, wir sollen ruhig vorbeikommen.“
Ah! Erschrocken warf Marie einen Blick zu Hannes.
Der hob ein wenig kleinlaut die Schultern. „Ich habe nur gesagt, sie könnten ja mal vorbeischauen, wenn sie Zeit hätten“, murmelte er.
Eine Viertelstunde später standen drei weitere Leute am Gartentor.
„Wir haben gehört, bei euch ist heute Erntedankfest“, rief einer ihnen zu.
„Ja“, sagte Marie langsam. Sie hatte Mühe, ihre Überraschung noch zu verbergen.
„Gute Idee“, meinte einer der Neuankömmlinge. „Wir haben gedacht, wir könnten mal auf ein Stündchen vorbeischauen.“ Sie reichten Marie eine Schüssel Kartoffelsalat und eine Flasche Wein.
„Natürlich“, sagte Marie. „Kommt herein.“
Nun wurde es eng. Hannes holte die letzten Gartenstühle aus dem Schuppen und die guten Stühle aus dem Esszimmer.
Inzwischen trafen noch zwei Gäste ein. Und wenig später noch einer. Und dann noch drei. Und …
Irgendwann hörte Marie auf, sie zu zählen.
„Hannes“, flüsterte sie, als sie sich in der Küche trafen. „Kennst du all diese Leute?“
„Natürlich.“ Hannes nickte schnell.
Etwas zu schnell, wie Marie fand. Sie deutete durchs Fenster.
„Wer ist der Mann dort am Zwetschgenbaum?“
„Hm!“, brummte Hannes verlegen. „Keine Ahnung …“
Beide blickten zu dem freundlichen älteren Herrn hinüber, der dort saß, ein Stück Zwiebelkuchen in der Hand, und sich angeregt mit einer Nachbarin unterhielt.
Hannes kniff die Augen zusammen.
„Keine Ahnung?“ Marie starrte ihn an. „Er isst meinen Zwiebelkuchen!“
„Wie schön!“, grinste Hannes. „Dann scheint er sich wohl zu fühlen.“
Marie musste lachen.
Inzwischen war aus ihrem kleinen, festlichen Erntedanknachmittag ein ziemliches Durcheinander geworden.
Es gab nicht genug Stühle. Die Teller wurden knapp. Jemand trank Kaffee aus einem Bierglas, und Hannes hatte sein Glas irgendwo abgestellt und fand es nicht mehr.
Der Nachbar von gegenüber verschwand auf einmal und kam mit einer Bierbank zurück. Eine Freundin holte von zu Hause einen zweiten Apfelkuchen, und ein anderer brachte eine große Schüssel Kürbissuppe. Eine ältere Dame stellte Käse auf den Tisch und ein Ehepaar, das neu in der Straße wohnte, spendierte eine Kiste mit Wein. Eine Schale mit frisch geernteten Birnen machte die Runde, und plötzlich stand da auch ein Erntekorb voller süßer Weintrauben.
Die vielen Gäste waren näher zusammengerückt und hatten Spaß. Es wurde gegessen, erzählt und gelacht. Alte Geschichten wurden hervorgekramt und neue gleich an diesem Nachmittag produziert. Von Maries Tischdekoration war kaum noch etwas zu sehen. Überall standen benutzte Teller, Kaffeetassen, Gläser und Schüsseln.
Marie musste grinsen. So hatte sie sich ihr Erntedankfest wirklich nicht vorgestellt.
Es war laut und voll und trubelig. Und es war wunderschön.
Hannes kam mit zwei Gläsern zu ihr. „Ich habe meins wiedergefunden“, sagte er stolz.
„Welches?“, erkundigte sich Marie amüsiert.
Er betrachtete die beiden Gläser. „Gute Frage.“
Sie lachten.
Als es dunkel wurde, gingen die ersten Gäste nach Hause. Andere blieben noch ein bisschen. Und ein paar neue kamen. Jemand zündete die Windlichter und die Gartenlaternen an. Es wurde kühler, Jacken wurden geholt, und die Gespräche gingen weiter.
Mitternacht war vorüber, als sich die Letzten verabschiedeten.
Erschöpft, aber glücklich standen Hannes und Marie in ihrem Garten und betrachteten sich das Durcheinander. Überall standen Teller, Schüsseln und Gläser. Die Stühle waren kreuz und quer verteilt. Auf dem Tisch lagen Krümel, Servietten, Brotreste und ein angebissener Apfel. Neben der Steinbank stand eine leere Suppenschüssel. Wem die wohl gehörte?
Marie schüttelte den Kopf. „So hatte ich mir unser schönes kleines Erntedankfest wirklich nicht vorgestellt.“
„Ich auch nicht“, sagte Hannes.
Sie sahen sich an.
„Wie viele Leute waren es eigentlich?“, fragte Marie.
„Keine Ahnung. Zwölf und ein paar mehr.“
Marie kicherte. Sie blickte noch einmal über das Durcheinander.
„Aber schön war’s!“, sagte sie schließlich. „Was denkst du: Machen wir dies nächstes Jahr wieder?“
Hannes gluckste. „Unbedingt“
Und bis heute weiß immer noch keiner, wie der fremde Mann am Zwetschgenbaum eigentlich hieß…

© Elke Bräunling

Gedeckte Festtafel im Garten unterm Pflaumenbaum, davor stehen Hannes und Marie, ein erster Gast in der Ferne

 

Weitere Geschichten im September

☀️ Wenn der Sommer langsam geht
🍇 Ein perfekter Tag im Weinberg 
🍁 Septemberliebe und rote Blätter
🌰 Herbstbeginn mit einem Plumps – Die erste Kastanie
Ein kleiner Wundermoment im Herbst
🧺 Ein Markttag im Herbst
🍎 Der Duft von Herbst und Ernte
🌾 Vom Ernten und Stoppeln
🍏 Annas Erntedankfest
🙏 Das Dankefest zum Erntedank
🧺 Wie in der guten alten Zeit

 

Ein ganz besonderes Erntedankfest – Einfache Kurzfassung

Marie möchte mit Freunden und Nachbarn ein kleines Erntedankfest im Garten feiern.
Zwölf Gäste hat sie eingeladen.
Sie backt Kuchen und einen Hefezopf. Für später bereitet sie Salate und Zwiebelkuchen vor.
Hannes stellt Tische und Stühle unter den Zwetschgenbaum.
Alles sieht wunderschön aus.
Dann kommen die ersten Gäste.
Eine Freundin bringt ihre Schwester mit. Das ist kein Problem.
Doch kurz darauf kommen zwei Nachbarn. Hannes hatte ihnen gesagt, sie könnten ruhig vorbeischauen.
Dann stehen drei weitere Leute am Gartentor.
Und es kommen immer noch mehr!
Bald weiß Marie nicht mehr, wie viele Menschen in ihrem Garten sind.
„Kennst du all diese Leute?“, fragt sie Hannes.
Hannes behauptet, dass er sie kennt.
Doch dann entdeckt Marie einen fremden Mann unter dem Zwetschgenbaum.
„Wer ist das?“
Hannes weiß es auch nicht.
Der fremde Mann sitzt gemütlich bei den anderen und isst Maries Zwiebelkuchen.
Inzwischen reichen die Stühle und Teller nicht mehr und auch die Salate sind bald alle.
Doch die Gäste helfen.
Einer holt eine Bierbank, andere bringen von zu Hause Kuchen, Kürbissuppe, Käse, Wein, Birnen und Weintrauben.
Alle rücken zusammen.
Sie essen, erzählen und lachen.
Aus dem kleinen Erntedankfest wird ein großes, fröhliches Fest.
Erst nach Mitternacht gehen die letzten Gäste nach Hause.
Im Garten sieht es ziemlich wild aus.
Marie und Hannes sind müde, aber glücklich.
„Machen wir das nächstes Jahr wieder?“, fragt Marie.
„Unbedingt“, antwortet Hannes.
Und bis heute weiß keiner, wie der Mann am Zwetschgenbaum eigentlich hieß.
© Elke Bräunling

Fragerunde

• Haben Sie früher Erntedank gefeiert?
• Wie wurde Erntedank bei Ihnen gefeiert?
• Gab es bei Ihnen Feste im Garten, auf dem Hof oder in der Nachbarschaft?
• Was wurde bei solchen Festen gegessen und getrunken?
• Erinnern Sie sich an ein Fest, bei dem viel mehr Gäste kamen als erwartet?
• Wurde früher bei Feiern Essen von den Gästen mitgebracht?
• Welche Kuchen gehörten bei Ihnen zum Herbst?
• Mögen Sie Zwiebelkuchen? Was wurde dazu getrunken?
• Welche Früchte und Gemüse wurden im Herbst geerntet?
• Haben Sie selbst Obst oder Gemüse eingekocht?
• Gab es bei Ihnen lange Tafeln, an denen viele Menschen zusammensaßen?
• Wer sorgte bei Familienfesten meistens für das Essen?
• Erinnern Sie sich an eine Feier, bei der etwas gründlich anders lief als geplant?
• Waren ungeplante Feste manchmal gerade besonders schön?
• Und ganz wichtig: Was glauben Sie: Wer war der Mann am Zwetschgenbaum? 😁

 

Erinnerungsimpuls: Feste früher

Ein Fest musste nicht immer groß geplant werden.
Manchmal wurden im Garten oder im Hof ein paar Tische zusammengestellt. Stühle kamen aus dem Haus, Bänke wurden vom Nachbarn geliehen, und wenn mehr Gäste erschienen als erwartet, rückte man eben zusammen.
Oft brachte jemand noch einen Kuchen, einen Salat oder eine Flasche Wein mit. Es wurde gegessen, erzählt und gelacht, und manchmal blieb man viel länger sitzen als geplant.
Erinnern Sie sich an solche Feste?
Vielleicht an ein Erntefest, ein Hoffest, einen Geburtstag oder einfach an einen schönen Sommerabend, an dem plötzlich immer mehr Menschen zusammensaßen.
Wer war dabei?
Was stand auf dem Tisch?
Wurde gesungen oder Musik gemacht?
Und gab es vielleicht auch einen Gast, bei dem hinterher keiner mehr so genau wusste, wer ihn eigentlich eingeladen hatte?

 

Mitmachidee: Unser Erntetisch

Für diese Idee braucht man keine große Vorbereitung.
Legen Sie einige typische Dinge des Herbstes auf einen Tisch, zum Beispiel einen Apfel, eine Birne, ein paar Nüsse, Weintrauben, eine Kartoffel, einen kleinen Kürbis, Kastanien oder Kräuter.
Die Teilnehmer dürfen die Dinge ansehen, in die Hand nehmen und daran riechen.
Dann wird gemeinsam gesammelt:
Was gehört für Sie zu einem Erntefest?
Vielleicht Apfelkuchen.
Zwiebelkuchen.
Kartoffelsuppe.
Frisches Brot.
Trauben.
Nüsse.
Most.
Danach darf jeder sagen, was er zu Maries Fest mitgebracht hätte.
So entsteht nach und nach ein großes gemeinsames Festmahl, wenigstens in Gedanken.
Und zum Schluss kann die Runde entscheiden:
Bekommt der unbekannte Mann am Zwetschgenbaum auch etwas davon?