Altweibersommermorgen und Pfifferlinge

Altweibersommermorgen und Pfifferlinge

Septembergeschichte für Senioren

Marie und Hannes auf Suche im Wald. Sie sucht Pilze, er sucht Bildmotive zum Fotografieren„Schauen und entdecken, suchen, finden und sammeln. Gab es etwas Schöneres?“

Ein goldener Septembermorgen, glitzernde Spinnennetze und plötzlich Pfifferlinge im Moos: Hannes und Marie genießen den Altweibersommer auf ihre ganz eigene Weise. Eine heitere Septembergeschichte für Senioren über kleine Naturwunder, alte Erinnerungen und die Freude am Entdecken.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache, Fragerunde und Erinnerungsimpulsen.

 

 

Altweibersommermorgen und Pfifferlinge

Es war September geworden, doch die Sonne wollte es dem beginnenden Herbst noch einmal zeigen. Seit Tagen strahlte sie sommerlich vom Himmel und schenkte dem Land noch einmal eine Ahnung der vergangenen warmen Wochen. Nur die Nächte waren kühler geworden und der Morgen brauchte lange, um sich in einem spätsommerlichen Gewand zu zeigen. Kühle Nebelschwaden lagen über Wiesen, Feldern und Gärten, und in der feuchten Morgenluft konnte man schon einmal frösteln.
Hannes und Marie liebten diese Zeit, wenn der Sommer sich langsam verabschiedete, aber die Tage noch von einer warmen, goldenen Atmosphäre erfüllt waren. Besonders am frühen Morgen, wenn der Tau auf den Wiesen in Spinnennetzen glitzerte.
„Schau nur, wie die Netze in der Sonne funkeln“, staunte Marie, als sie sich frühmorgens auf den Weg an Weinbergen vorbei hinauf zum Waldrand machten.
Der Tau lag noch schwer auf den Grashalmen, und die Luft war frisch und klar.
Hannes nickte. „Viele kleine Perlenketten, die die Spinnen über Nacht für uns aufgehängt haben. Was für schöne kleine Wunder!“
Von hier oben hatten sie einen wunderschönen Blick gen Osten auf die Rheinebene. Hinter den fernen Bergen des Odenwalds lugte gerade die Sonne hervor und ihre Strahlen bemalten den Morgenhimmel rot-gelb-orange. Was für ein Blitzen und Gleißen!
Maries Herz klopfte ein wenig schneller vor Freude und Hannes, der heute seinen Fotoapparat mitgenommen hatte, konnte gar nicht schnell genug auf den Auslöser drücken. In Minutenschnelle veränderte sich das Land nun.
Marie lächelte verzückt – und Hannes fotografierte und fotografierte.
Langsam stieg die Sonne aufwärts und tauchte die Landschaft in ein sanftes, warmes Licht. Helle Farbtupfer leuchteten in den Baumwipfeln und die Weinberge glühten in ihrer bunten Pracht.
„Diese Zeit ist so unfassbar schön!“, sagte Hannes mit aufgeregtem Blick durch die Linse.
„Es ist eine Zeit des Übergangs und der kleinen Wunder“, schwärmte Marie.
Hannes aber antwortete nicht mehr. Er hockte mit roten Backen im Gras und fotografierte die Morgenschätze des Altweibersommers: glitzernde Spinnennetze, Tautropfenperlchen und vom Tau geschmückte Sommerblümchen.
Marie grinste. Er war in seinem Element, und das freute sie.
Sie blickte sich um … und da sah sie sie ein paar Schritte bergaufwärts unter einer alten knorrigen Eiche: kleine gelbe Punkte im Moos. Pfifferlinge!
„Juchhu!“ Marie juchzte und stürzte sich auf diese köstliche Beute. Das Sammelfieber hatte sie gepackt.
So hatten beide gut zu tun und so liebten sie auch ihre Ausflüge. Schauen und entdecken, suchen, finden und sammeln. Gab es etwas Schöneres?
Als sich Hannes später die Ausbeute seiner Bilder auf der Kamera anschaute, stutzte er, dann musste er lachen.
Marie, Marie, Marie! Auf allen besonders gut gelungenen Bildern war Marie zu sehen. Wie durch ein Zauber hatte sie sich immer wieder vor seine Kamera geschlichen. Oder war es ganz anders? Er grinste. Seine liebe Frau war eben sein Lieblingsmotiv. Was sollte er dagegen tun?
Da! Marie mit einer Handvoll Pfifferlinge und einem seligen Strahlen im Gesicht. Ein meisterhaftes Foto!
„Was soll’s“, sagte er. „Wozu brauche ich Fotos von Spinnen, wenn mir ständig meine Frau vor die Linse läuft?“
„Ich laufe dir vor die Linse?“, fragte Marie mit gespielter Empörung.
„Offenbar“, sagte Hannes. „Und seltsamerweise werden das immer meine besten Bilder.“
Marie lachte auch. „Habe ich etwas verpasst?“
„Nein, nein. Alles gut. Und nun zeige mir deinen Pfifferlingssammelplatz. Vielleicht finden wir noch mehr Pfifferlinge für ein leckeres Mittagsmahl?“
„Vielleicht“, sagte Marie. „Aber den Fotoapparat lässt du hier.“
„Warum?“
„Sonst haben wir heute Mittag nur Bilder von Pfifferlingen auf dem Teller.“

© Elke Bräunling

 

Marie und Hannes auf Suche im Wald. Sie sucht Pilze, er sucht Bildmotive zum Fotografieren

 

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Hannes und Marie im Altweibersommer – Einfache Septembergeschichte für Senioren

Es ist September. Die Tage sind noch warm, aber am Morgen ist es schon kühl.
Hannes und Marie machen einen Spaziergang zum Waldrand.
Überall glitzern Tautropfen. In den Spinnennetzen sehen sie aus wie kleine Perlen.
„Wie schön!“, sagt Marie.
Hannes hat seinen Fotoapparat dabei.
Er möchte die Spinnennetze, die kleinen Blumen und die Landschaft im Morgenlicht fotografieren.
Marie schaut ihm lächelnd zu.
Dann entdeckt sie etwas unter einer alten Eiche.
Pfifferlinge!
„Juchhu!“, ruft Marie. „Pfifferlinge! Was für ein Glück!“
Sofort beginnt sie zu sammeln.
Bald hält sie eine ganze Handvoll Pfifferlinge in der Hand.
Später schaut Hannes die Fotos auf seiner Kamera an.
Er muss lachen.
Auf seinen schönsten Bildern sind nicht nur Blumen, Spinnennetze und Tautropfen zu sehen.
Nein!
Immer wieder ist auch Marie auf den Bildern.
Eigentlich auf fast allen.
Auf einem Foto steht sie mit ihren Pfifferlingen da und strahlt glücklich.
Sie sieht schön aus und jung.
Hannes gefällt dieses Bild besonders gut.
Marie ist eben sein Lieblingsmotiv.
Nun möchte auch Hannes Pfifferlinge suchen.
Vielleicht finden die beiden genug für ein leckeres Mittagessen.
© Elke Bräunling

 

Fragen zur Geschichte

• Mögen Sie den September und den Altweibersommer?
• Sind Sie morgens gerne früh unterwegs?
• Erinnern Sie sich an Wiesen voller Tautropfen?
• Haben Sie schon einmal Spinnennetze gesehen, die im Morgentau glitzerten?
• Welche Farben verbinden Sie mit dem Spätsommer?
• Fotografieren Sie gerne?
• Hatten Sie früher einen Fotoapparat?
• Musste man damals noch sparsam mit den Bildern auf einem Film umgehen?
• Erinnern Sie sich an das Warten, bis ein Film entwickelt war?
• Haben Sie Fotoalben aus früheren Jahren?
• Welche alten Fotos schauen Sie besonders gerne an?
• Waren Sie schon einmal Pilze sammeln?
• Welche Pilze kennen Sie?
• Mögen Sie Pfifferlinge?
• Wie wurden Pilze bei Ihnen zu Hause zubereitet?
• Sind Sie beim Sammeln auch schon einmal vom „Sammelfieber“ gepackt worden?

 

Erinnerungsimpuls: Fotografieren früher

Heute kann man mit einem Handy in wenigen Minuten sehr viele Bilder aufnehmen und sie sofort anschauen.
Früher war das anders.
In den Fotoapparat wurde ein Film eingelegt. Häufig passten 24 oder 36 Aufnahmen darauf. Deshalb überlegte man manchmal genauer, bevor man auf den Auslöser drückte.
War der Film voll, wurde er zum Entwickeln gebracht.
Dann hieß es warten.
Erst später hielt man die fertigen Bilder in der Hand und sah, ob sie gelungen waren.
Manche kamen ins Fotoalbum. Andere wurden an Verwandte verschickt oder standen gerahmt auf dem Schrank.
Erinnern Sie sich an Ihren ersten Fotoapparat?
Wer hat in Ihrer Familie fotografiert?
Gab es Dias?
Wurden bei Ihnen manchmal gemeinsam alte Fotos oder Dias angeschaut?
Und gibt es ein Foto, das Ihnen bis heute besonders viel bedeutet?

Erinnerungsimpuls: Pilze sammeln

Für viele Menschen gehörte das Pilzesammeln zum Spätsommer und Herbst.
Man ging mit einem Korb in den Wald und kannte oft bestimmte Stellen, an denen in jedem Jahr Pilze zu finden waren.
Solche guten Pilzplätze waren allerdings streng geheim.
Sie wurden nicht jedem verraten!
Waren Sie früher Pilze sammeln?
Mit wem gingen Sie in den Wald?
Welche Pilze haben Sie gesammelt?
Gab es in Ihrer Familie jemanden, der sich besonders gut mit Pilzen auskannte?
Und hatten Sie vielleicht sogar einen geheimen Pilzplatz?

Kleine Sinnesanregung: Ein Septembermorgen

Schließen Sie, wenn Sie möchten, für einen Augenblick die Augen.
Stellen Sie sich einen frühen Septembermorgen vor.
Die Luft ist noch kühl.
Das Gras ist feucht.
Auf den Spinnennetzen glitzern kleine Tautropfen.
Langsam steigt die Sonne höher und wärmt Ihr Gesicht.
Vielleicht riecht es nach feuchter Erde, Gras und Wald.
Ein Vogel ruft.
Sonst ist es still.
Wie fühlt sich dieser Morgen an?

Gesprächsimpuls: Mein Lieblingsfoto

Hannes stellt fest, dass Marie auf vielen seiner schönsten Bilder zu sehen ist.
Vielleicht gibt es auch in Ihrem Leben ein Foto, das Sie besonders gerne betrachten.
Es muss kein perfektes Foto sein.
Vielleicht zeigt es einen Menschen, den Sie lieben. Einen Urlaub. Ein Fest. Ihr Elternhaus. Ihre Kinder. Einen Garten. Oder einen ganz gewöhnlichen Tag, der im Rückblick etwas Besonderes geworden ist.
Welches Bild würden Sie aus Ihrem Fotoalbum auswählen?
Und welche Geschichte erzählt dieses Foto?