Ein perfekter Herbsttag im Weinberg

Ein perfekter Herbsttag im Weinberg

Weinlese mit Hannes und Marie – Eine Herbstgeschichte


Weintrauben kosten bei der Weinlese im Weinberg. Hannes und Marie.„Der Weinberg gehört zu unserem Leben.“
Hannes und Marie helfen seit vielen Jahren bei der Weinlese. Zwischen reifen Trauben, Herbstsonne und einem gemütlichen Vesper werden Erinnerungen an frühere Erntezeiten lebendig.
Eine heitere Herbstgeschichte für Senioren zum Vorlesen und Erinnern.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache, Fragerunde, Mitmachideen.

 

 

Ein perfekter Herbsttag im Weinberg

Der Herbst hatte den Weinberg in ein Meer aus roten, gelben und goldenen Blättern verwandelt. Warm schien die Sonne vom Himmel, und der Wind schickte eine sanfte Brise durch die Reihen der Rebstöcke. Es war die Zeit der Traubenlese, und wie jedes Jahr waren Hannes und Marie mit von der Partie.
Ihr Leben lang hatten sie im Herbst Trauben geerntet. Schon als junge Leute hatte es ihnen Freude gemacht, durch die Rebzeilen zu gehen, die reifen Trauben zu prüfen und vorsichtig abzuschneiden. Und daran hatte sich bis heute nichts geändert. Zu sehen, wie sich die Erntebütt’ langsam mit prächtig glänzenden Trauben füllte, begeisterte sie immer wieder.
Dieser Reiz hatte sie ein Leben lang nicht verlassen und auch im Alter war die Freude
an der Traubenlese geblieben.
„Schau dir diese schönen Beeren an!“, sagte Hannes und hob eine volle nachtblaue Traube in die Luft. „Saftig und süß. Genau so, wie sie sein sollten.“
Marie lächelte, zupfte eine Beere von der Traube und steckte sie in den Mund.
„Hm! Köstlich süß!“ Verzückt schloss sie die Augen. „Ja, Hannes. Die Weinlese ist jedes Jahr wieder etwas ganz Besonderes.“
Langsam arbeiteten sie sich durch die Rebzeilen und die Sonne wärmte ihre Gesichter, während sich die Körbe mit den samtig dunklen Trauben füllten.
„Es ist gut, dass wir noch dabei sein können“, sagte Marie leise. „Der Weinberg gehört zu unserem Leben.“
Als die Arbeit getan war, setzten sie sich zu den anderen Weinlesenden auf die Bank am Rand des Weinbergs. Die Aussicht von hier aus war herrlich: die sanfte, hügelige Landschaft, durch die sich die Weinstraße schlängelte, die rotgelben und goldenen Blätter der Reben, die tiefblauen Trauben und der weite Himmel darüber.
Wunderschön!
Heimat!
Hannes und Marie atmeten tief ein und genossen den Moment.
„Weißt du, was jetzt noch fehlt?“, fragte Hannes mit einem verschmitzten Lächeln.
„Ein guter Schorle?“ Marie grinste zurück.
Hannes nickte. „Und ein deftiges Essen! … Und ich glaube, das ist gerade auf dem Weg zu uns.“
Mit knurrenden Mägen beobachteten sie, wie sich der Jeep der Winzerin mit dem ersehnten Imbiss durch die schmalen Weinbergwege zu ihnen auf den Hügel heraufarbeitete. Und schon bald standen dampfende Töpfe mit herzhaftem Eintopf auf dem Tisch. Dazu gab es frisches Brot, Hausmacher Wurst und Käse. Und natürlich fehlten auch Schorle und Wein vom letzten Jahrgang nicht. Die anderen Helfer setzten sich dazu, und das fröhliche Lachen der Gruppe mischte sich mit dem Klang der Gläser.
„Auf den Herbst und auf die Trauben!“, rief jemand, und alle stimmten ein.
Hannes und Marie schauten sich an. Sie fühlten sich so wohl hier und so zufrieden.
Der Duft des Essens, das gemütliche Beisammensein und die Arbeit im Weinberg – all das erinnerte sie an die vielen Jahre, die sie hier gemeinsam verbracht hatten.
„Es ist immer wieder schön, hier zu sein“, sagte Hannes.
Marie legte ihre Hand in seine und nickte. „Ja, es ist wie früher – und immer noch wie ein schöner Urlaub. Der Weinberg gehört zu unserem Leben.“
Hannes nickte. „Schon ganz schön lange.“
„Sehr lange“, sagte Marie und lächelte. „Damals warst du allerdings noch schneller mit der Schere.“
„Dafür mache ich heute weniger Fehler.“
Die Sonne wanderte langsam über die Hügel und das Rebland funkelte und leuchtete in allen Farben des Herbstes. Es war ein perfekter Herbsttag. Und wenn es nach Hannes und Marie ging, würden sie morgen wieder hier sein. Und übermorgen auch.
Und im nächsten Herbst?
Natürlich. Was für eine Frage!

© Elke Bräunling

Hannes und Marie kosten bei der Weinlese eine reife Traube im herbstlichen Weinberg

 

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Hannes und Marie bei der Weinlese – Einfache Kurzfassung für Senioren

Es ist Herbst. Die Blätter im Weinberg leuchten rot, gelb und golden. Die Sonne scheint warm.
Hannes und Marie helfen bei der Weinlese. Das haben sie schon gemacht, als sie noch jung waren.
Hannes schneidet eine große dunkle Traube ab.
„Schau mal, Marie! Die sieht gut aus.“
Marie zupft eine Beere ab und probiert sie.
„Hm! Schön süß!“, sagt sie.
Sie freut sich.
Langsam füllen sich die Körbe mit Trauben.
Marie schaut über den Weinberg.
„Wie schön es hier ist“, sagt sie. „Der Weinberg gehört zu unserem Leben.“
Nach der Arbeit setzen sich alle Helfer zusammen.
Die Winzerin bringt einen großen Topf mit Eintopf. Es gibt Brot, Wurst und Käse dazu. Auch eine Schorle darf nicht fehlen.
Alle essen, trinken und erzählen miteinander.
Hannes und Marie schauen über die Weinberge. Sie haben schon viele Herbsttage hier miteinander verbracht.
Marie legt ihre Hand in Hannes‘ Hand.
„Es ist fast wie früher“, sagt sie.
Hannes lächelt.
Für die beiden ist es ein perfekter Herbsttag.
Und morgen?
Da wollen sie wieder bei der Weinlese helfen.
© Elke Bräunling

 

Fragen zur Geschichte

• Haben Sie schon einmal bei einer Weinlese zugesehen oder selbst mitgeholfen?
• Erinnern Sie sich an Weinberge im Herbst?
• Welche Arbeiten mussten bei der Weinlese früher mit der Hand gemacht werden?
• Haben Sie als Kind oder junger Mensch bei einer Ernte geholfen?
• Welche Früchte wurden bei Ihnen in der Heimat geerntet?
• Gab es nach der Arbeit ein gemeinsames Essen?
• Was wurde dabei gegessen und getrunken?
• Kennen Sie eine Erntebütt‘?
• Haben Sie schon einmal eine Traube direkt vom Rebstock probiert?
• Mögen Sie lieber helle oder dunkle Trauben?
• Trinken oder tranken Sie gerne Wein oder eine Schorle?
• Gibt es einen Ort, von dem Sie wie Hannes und Marie sagen würden: „Der gehört zu meinem Leben“?

Mitmachideen

Erinnerungsimpuls: Erntezeit früher
Früher bedeutete die Erntezeit für viele Menschen viel Arbeit. Oft halfen Verwandte, Nachbarn und Freunde mit.
Man pflückte Äpfel und Birnen, grub Kartoffeln aus, erntete Gemüse oder schnitt die reifen Trauben von den Reben.
Nach getaner Arbeit saß man zusammen. Es wurde gegessen, getrunken und erzählt.
Erinnern Sie sich?
Vielleicht gab es in Ihrer Familie eine Ernte, bei der alle mithelfen mussten.
Was wurde geerntet?
Wer war dabei?
Und was gab es anschließend zu essen?

Mit allen Sinnen: Trauben
Wenn möglich, können helle und dunkle Weintrauben mitgebracht werden.
Nehmen Sie eine Traube in die Hand.
Wie fühlt sie sich an?
Ist sie kühl und glatt?
Welche Farbe hat sie?
Riecht sie?
Probieren Sie eine Beere.
Ist sie süß oder eher säuerlich?
Hat sie Kerne?
Vielleicht erinnert der Geschmack an einen Herbsttag von früher.

Gesprächsimpuls: Ein Ort, der zu meinem Leben gehört
Marie sagt: „Der Weinberg gehört zu unserem Leben.“
Viele Menschen haben einen Ort, mit dem sie besonders verbunden sind.
Das kann ein Garten sein, ein Haus, eine Straße, ein Wald, ein Dorf, ein Urlaubsort oder auch ein ganz kleiner Platz.
Welcher Ort gehört zu Ihrem Leben?
Was haben Sie dort erlebt?
Und wie sieht dieser Ort heute aus?