Warum Friedel nie eine Vespa bekam

Warum Friedel nie eine Vespa bekam

Geschichte von einem unerfüllten Traum

Titel + Illustration Älteres Paar vor einer Vespa, Sie überreicht ihm die Schlüssel, Er erstauntManche Träume begleiten uns ein Leben lang. Und manchmal stellt sich erst viele Jahre später heraus, dass der schönste Traum gar nicht der eigene war.
Diese Geschichte für Senioren erzählt von Friedel, seinem großen Wunsch nach einer Vespa und einer Entscheidung, die wichtiger wurde als jeder Motorroller. Eine Erzählung über Jugendträume, Geschwisterliebe und die Hoffnung, dass es für manche Wünsche nie zu spät ist. Mit Arbeitsmodul (Kurzfassung und Fragerunde)

 

Warum Friedel nie eine Vespa bekam

„Erinnerst du dich, wie ich mir damals nichts mehr gewünscht habe als eine Vespa wie diese zu besitzen?“
Friedel Kleiner deutete auf den mintgrünen Motorroller, den die junge Frau am Wegrand abgestellt hatte. Auf dem Gepäckträger war ein Köfferchen festgeschnallt.
„Du wolltest damit die Welt erkunden, raus aus dieser Kleinstadt-Enge hier“, sagte Irene. „Ich erinnere mich gut, wie du jede Mark dafür gespart hast.“
Sie lächelte. Plötzlich sah sie den jungen Friedel vor sich. Seine Haare fielen bis auf die Schulter, was ihm ständig Ärger mit seinen Eltern beschert hatte.
„Eine Vespa? Oh, meine Eltern taten alles, um genau das zu verhindern. Das hatte mich immer störrischer werden lassen.“ Er lachte heiser auf. „Nie werde ich jene Ferien vergessen, in denen ich Nachtschicht in der Chemiefabrik gearbeitet hatte. Sechs Wochen lang, und als die Schule wieder begann, war ich nur noch müde.“
Irene nickte. „Du hast gutes Geld damals verdient und dachtest, die Welt läge dir zu Füßen. Für eine Vespa aber hat es dann doch nicht gereicht.“
Friedel seufzte. Nein, der Ferienjob war es nicht gewesen, der ihn damals dann so schwer belastet hatte. Die Sorge um Maria, seine kleine todkranke Schwester, hatte ihm den Schlaf geraubt und auch die Träume. Er wusste, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb. Einen großen Wunsch aber hatte sie gehabt: Einmal wollte sie das Meer sehen.
„Ich vergesse nie ihre Freude, als ich sie einlud, mit mir an die Nordsee zu fahren“, murmelte er. „In diesem Moment hatten meine Eltern das erste Mal Achtung vor mir. Ich erinnere mich genau, wie Mama sagte: ‚Friedel, was wären wir nur ohne deine Hilfe?’. Das war mir so viel mehr wert als die Vespa, und Maria hatte es glücklich gemacht. Wenigstens noch einmal in ihrem kurzen Leben!“
Irene streichelte ihrem Mann über die Schulter. „Du hast Marias Traum wahr werden lassen, indem du auf den deinen verzichtet hattest. Dieser Ausflug ans Meer damals hat dir Kraft geschenkt und Trost für das, was danach kam. Eine Vespa hätte das nicht aufzuwiegen vermocht. Aber …“ Irene zwinkerte Friedel zu. „… wer sagt, dass der Vespa-Traum für immer ausgeträumt ist? Du fühlst dich doch nicht zu alt für ein neues Abenteuer?“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

💬 Zum Nachdenken:
Welchen Jugendtraum würden Sie sich heute erfüllen, wenn alles möglich wäre?

 

Illustration Älteres Paar vor einer Vespa, Sie überreicht ihm die Schlüssel, Er erstaunt

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Der Traum von der Vespa – Kurzfassung

Friedel entdeckt am Straßenrand eine alte Vespa.
„So einen Roller wollte ich früher unbedingt haben“, erzählt er seiner Frau Irene.
Damals hatte er in den Ferien hart gearbeitet und jeden Pfennig gespart.
Doch dann wurde seine kleine Schwester schwer krank.
Ihr größter Wunsch war es, einmal das Meer zu sehen.
Friedel gab sein erspartes Geld aus und fuhr mit ihr an die Nordsee.
Eine eigene Vespa bekam er nie.
Irene lächelt.
„Du hast damals den schöneren Traum erfüllt“, sagt sie.
Dann zwinkert sie ihm zu und fragt:
„Aber wer sagt eigentlich, dass man sich den Traum von der Vespa nicht auch heute noch erfüllen kann?“
© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

 

Gesprächs- und Erinnerungsfragen

• Wollten Sie als junger Mensch einmal unbedingt eine Vespa oder ein Moped besitzen?
• Welches Fahrzeug war damals Ihr großer Traum?
• Erinnern Sie sich an Ihren ersten Roller oder Ihr erstes Motorrad?
• Wofür haben Sie als Jugendlicher lange gespart?
• Mussten Sie schon einmal auf einen eigenen Wunsch verzichten, um jemand anderem zu helfen?
• Gibt es einen Menschen, für den Sie das gern getan haben?
• Waren Sie schon einmal an der Nordsee oder Ostsee?
• Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Meer?
• Haben Sie sich später im Leben noch einen alten Traum erfüllt?
• Gibt es einen Wunsch aus Ihrer Jugend, der heute noch einmal Wirklichkeit werden könnte?
• Glauben Sie, dass manche Träume einfach nur etwas länger brauchen?
• Was bedeutet Ihnen heute mehr: Besitz oder gemeinsame Erinnerungen?

 

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