Opa und die Spargelzeit
Opa und die Spargelzeit
Eine Frühlingsgeschichte über Duft, Erinnerung und die kleine fünfte Jahreszeit
Wenn die Spargelzeit beginnt, ist für viele Menschen der Frühling erst richtig da. Der Duft von frischem Spargel, das gemeinsame Schälen in der Küche und die Vorfreude auf ein besonderes Essen wecken Erinnerungen an frühere Zeiten. Diese warmherzige Geschichte erzählt von Opa, Pia und Pit, von Marktbesuch, Frühlingsduft und der kleinen fünften Jahreszeit, die man mit allen Sinnen genießen kann.
Eine ruhige Frühlingsgeschichte zum Vorlesen, Erinnern und Genießen mit einfachen Fassungen, Fragerunde, Fantasiereise und kleinen Betrachtungen rund um den Spargel. Für Senioren, für ruhige Vorlesemomente, für Frühlingsrunden und für alle, die Erinnerungen an Marktbesuche, gemeinsames Kochen und besondere Frühlingsgerichte lieben.
Inhaltsverzeichnis
- 🌿 Opa und die Spargelzeit
- 💛 Reflexion und Achtsamkeit
- 🌼 Einfache Fassung
- 🌼 Sehr einfache Fassung
- 💬 Fragerunde
- 🥬 Sachtext: Spargel
- 🌿 Fantasiereise
- 🧈 Betrachtung: Warum Spargel früher ein Festessen war
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Opa und die Spargelzeit
„Nun beginnt endlich wieder die fünfte Jahreszeit.“ Opa strahlte über das ganze Gesicht. Er schien sich zu freuen. „Lasst sie uns begrüßen! … Wer kommt mit auf den Markt?“
„Die fünfte Jahreszeit ist längst vorbei“, sagte Pia. „Oder ist schon wieder Fastnacht?“
„Opa schüttelte den Kopf. „Falsch geraten“, antwortete er. „Meine ‚fünfte Jahreszeit‘ kann man essen und ich sage euch, sie schmeckt wunderbar.“
„Dann ist es bestimmt Eis!“, rief Pit.
„Oder Erdbeeren!“, sagte Pia.
„Gut beobachtet“, antwortete Opa. „Mit dem Frühling hat es etwas zu tun, mit dem Sommer auch. Kommt mit. Ich zeige es euch. Gehen wir zum Markt!“
Viele Menschen waren heute auf dem Markt. Es roch nach frischem Brot, nach Kräutern, Erdbeeren, Frühlingsgemüse und Blumen. Und irgendwo lag ein Duft in der Luft, den Pia noch nicht kannte.
„Riechst du das?“, fragte Opa.
Pia schnupperte. „Irgendwie… grün“, sagte sie. „Und ein bisschen süß.“
„Und warm“, ergänzte Pit.
Opa nickte zufrieden. „So duftet sie, meine liebste Jahreszeit.“
Er blieb vor einem Stand stehen. Dort lagen lange, helle und auch grüne Stangen, sauber gebündelt, aufgereiht wie kleine Schätze.
„Spargel!“, sagte er feierlich.
Verdutzt sahen die Geschwister Opa an.
Pit verzog leicht das Gesicht. „Spargel? Na ja… Den kann man essen, muss man aber nicht.“
„Stimmt“, fügte Pia hinzu. „Der schmeckt mir nicht.“
„Ihr Banausen!“ Opa lachte fröhlich. „Die Spargelzeit im Mai und Juni ist die köstlichste Zeit im Jahr. Und sie ist meine fünfte Jahreszeit.“ Er rieb sich über den Bauch. „Und mir die liebste. Und nun seht mich nicht so enttäuscht an! Ich kenne hundert und mehr Spargelrezepte, die auch Kinder mögen. Für jeden Tag eines. Wollen wir wetten?“
Vorsichtig nahm er ein Spargelbündel in die Hand, als wäre es etwas Kostbares.
„Früher“, erklärte er, „war Spargel etwas ganz Besonderes. Nicht für jeden Tag. Man hat sich lange schon seit Frühlingsbeginn darauf gefreut.“
Pit sah ihn an. „So wie auf Geburtstage?“
Opa lächelte. „Fast so. Und glaubt mir, ihr werdet meinen Spargel lieben. Es macht auch großen Spaß, ihn zuzubereiten. Helft ihr mir?“
„Ooookay!“ Überzeugt waren die Geschwister nicht, aber hatte Opa je die Unwahrheit gesagt?
Später in der Küche wurde es dann auch ganz schön gemütlich … und spannend.
Opa schälte den Spargel langsam, ganz sorgfältig. Leise fielen die Schalen in die Schüssel. Pia hörte das Kratzen des Messers. Pit lauschte dem Wasser im Topf, das langsam zu singen begann.
„Warum schälst du so langsam?“, fragte Pia.
„Weil man sich Zeit nehmen muss für die guten Dinge“, antwortete Opa. „Deshalb. Zeit und Muße. Und es fühlt sich gut an. Spürt es mal! … Und nun brauchen wir noch Salz und ein paar Blättchen frischen Liebstöckel und ab damit ins kochende Wasser.“
Bald köchelten die Spargel leise im Wasser und Opa legte große Butterstückchen im die Pfanne. Die schmolzen … auch langsam. Und plötzlich duftete es in der ganzen Küche warm, weich und auch ein bisschen süß.
Pia schnupperte. „Das riecht… schön“, sagte sie und plötzlich hatte sie großen Appetit auf dieses ‚komische’ Gemüse, das so toll duftete.
„Das schmeckt ja wie Frühling!“, staunte Pit, als sie wenig später ihren ersten selbst zubereiteten Spargel genossen.
„Richtig lecker“, freute sich Pia. „Ich glaube, die Spargelzeit wird auch meine Lieblingszeit.“
Opa freute sich. „Manche Dinge gibt es nur kurze Zeit“, sagte er. „Darum sind sie so besonders. Lasst sie uns genießen, diese köstliche fünfte Jahreszeit.“
© Elke Bräunling
💬 Gibt es ein Frühlingsgericht, das Sie sofort an früher erinnert?

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Die folgenden Gedanken und Texte vertiefen die Geschichte und laden zum Erinnern, Nachdenken und Mitfühlen ein.
Reflexion und Achtsamkeit: Spargel – Essen mit Erinnerungen
Opa saß noch eine Weile am Tisch, nachdem die Teller geleert waren. Die Kinder waren schon in den Frühlingsgarten hinausgelaufen. Er blieb zurück. Der köstlich süße Spargelduft hing noch in der Luft.
Butter. Warmer Spargel. Ein Hauch von etwas, das sich nicht benennen ließ.
Opa atmete tief ein.
„Merkwürdig“, murmelte er leise. „Manchmal ist es gar nicht der Geschmack allein.“
Er dachte nach. Es war nicht nur das Essen gewesen. Es war das Schälen. Das leise Klopfen des Messers. Das Warten. Das gemeinsame Sitzen.
Und irgendwo dazwischen – ganz unbemerkt – war die Erinnerung an früher gekommen: Ein Küchentisch, der nicht mehr existierte. Stimmen, die längst verstummt waren. Ein Lachen, das nur noch in der Erinnerung klang.
Opa lächelte.
„Essen kann Türen öffnen“, murmelte er. „Ganz ohne Schlüssel. Und manche Erinnerungen kommen nicht auf einmal zurück, sondern in kleinen, warmen Portionen.“
Ein Windzug zog durch das offene Fenster. Er trug den Duft mit hinaus in den Frühlingstag.
© Elke Bräunling
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Die folgenden Versionen sind sprachliche Bearbeitungen derselben Geschichte. Sie dienen der besseren Zugänglichkeit und stellen keine eigenständigen Werke dar.
Diese Fassung erzählt denselben Inhalt in vereinfachter klarer Sprache mit kürzeren Sätzen
Opa und die Spargelzeit
Opa freute sich sehr.
„Jetzt beginnt meine liebste Zeit im Jahr“, sagte er.
Pia und Pit sahen ihn an.
„Welche Zeit denn?“, fragte Pia.
„Die fünfte Jahreszeit“, antwortete Opa und lächelte.
„Fastnacht?“, fragte Pit.
Opa schüttelte den Kopf.
„Nein. Diese Jahreszeit kann man essen.“
Die Kinder lachten.
„Dann ist es Eis!“, rief Pit.
„Oder Erdbeeren!“, sagte Pia.
„Fast“, meinte Opa. „Kommt mit. Wir gehen auf den Markt.“
Dort war viel los.
Es roch nach Brot, nach Kräutern und nach Blumen.
Und da war noch ein anderer Duft.
„Riecht ihr das?“, fragte Opa.
Pia schnupperte.
„Das riecht… grün“, sagte sie.
„Und warm“, meinte Pit.
Opa blieb stehen.
Vor ihnen lag ein Stand mit langen, hellen Stangen.
„Das ist Spargel“, sagte er leise.
Die Kinder verzogen das Gesicht.
„Den mag ich nicht“, sagte Pia.
„Ich auch nicht“, murmelte Pit.
Opa lachte.
„Wartet nur. Ich zeige euch, wie gut er schmeckt.“
Zu Hause in der Küche wurde es ruhig.
Opa schälte den Spargel langsam.
Ganz vorsichtig.
Pia hörte das leise Kratzen des Messers.
Pit hörte das Wasser im Topf.
„Warum so langsam?“, fragte Pia.
„Weil gute Dinge Zeit brauchen“, sagte Opa.
Bald duftete es in der ganzen Küche.
Warm. Weich. Ein bisschen süß.
Pia schnupperte.
„Das riecht schön“, sagte sie.
Dann probierten sie.
Pit staunte. „Das schmeckt ja wie Frühling!“
Pia nickte. „Richtig lecker.“
Opa lächelte zufrieden.
„Manche Dinge gibt es nur kurze Zeit“, sagte er.
„Darum sind sie so besonders.“
© Elke Bräunling
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Diese Fassung erzählt denselben Inhalt in sehr vereinfachter Sprache, besonders ruhig und leicht verständlich formuliert
Opa und die Spargelzeit
Opa freut sich.
„Jetzt ist meine Lieblingszeit“, sagt er.
Pia und Pit fragen:
„Welche Zeit?“
Opa sagt: „Die Spargelzeit.“
Sie gehen zusammen auf den Markt.
Es riecht gut.
Nach Brot.
Nach Blumen.
Und nach etwas Neuem.
Opa zeigt auf einen Stand.
Dort liegt Spargel.
„Das ist Spargel“, sagt er.
Pia und Pit sind unsicher.
„Den mögen wir nicht“, sagen sie.
Opa lächelt.
„Probiert ihn.“
Zu Hause kocht Opa den Spargel.
Es duftet warm und weich.
Pia schnuppert.
„Das riecht gut.“
Dann essen sie.
Pit sagt:
„Das schmeckt wie Frühling.“
Pia nickt.
„Lecker.“
Opa freut sich.
„Die Spargelzeit ist etwas Besonderes“, sagt er.
© Elke Bräunling
Fragerunde
Erinnerungen & Essen
– Gibt es ein Essen, auf das du dich jedes Jahr freust?
– Erinnerst du dich an besondere Gerichte aus deiner Kindheit?
– Wer hat früher bei dir gekocht?
– Gab es ein „Lieblingsessen“ in deiner Familie?
Frühling & Markt
– Warst du früher auf dem Markt einkaufen?
– Was konntest du dort sehen oder riechen?
– Kennst du den Duft von frischem Gemüse oder Kräutern?
– Was mochtest du besonders gern im Frühling?
Gefühle & Gemeinschaft
– Wie fühlt es sich an, gemeinsam zu essen?
– Gibt es Erinnerungen an gemeinsame Mahlzeiten?
– Was war dabei besonders schön?
– Isst du lieber allein oder mit anderen?
Veränderungen
– Hat sich das Essen heute verändert?
– Gab es früher Dinge, die seltener waren als heute?
– Was war früher „etwas Besonderes“?
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Sachtext: Spargel, ein besonderes Frühlingsgemüse
Spargel ist ein typisches Frühlingsgemüse.
In Deutschland beginnt die Spargelzeit meist im April und endet am 24. Juni.
Man unterscheidet weißen und grünen Spargel.
Weißer Spargel wächst unter der Erde und bleibt deshalb hell.
Grüner Spargel wächst über der Erde und bekommt durch das Licht seine Farbe.
Früher galt Spargel als etwas Besonderes. Er war teuer und nicht jeden Tag verfügbar. Viele Menschen freuten sich jedes Jahr auf die kurze Spargelzeit.
Heute ist Spargel leichter erhältlich.
Für viele ist er ein Zeichen des Frühlings und des nahenden Sommers.
Sein Geschmack ist mild und fein. Oft wird er mit Kartoffeln, Butter oder Sauce serviert.
Spargel enthält viele Vitamine und ist sehr gut verträglich.
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Fantasiereise: In der Spargelzeit
Mache es dir bequem.
Setze dich ruhig hin oder lehne dich zurück.
Schließe, wenn du magst, die Augen.
Atme ruhig ein … und wieder aus.
Nun stelle dir vor, es ist ein milder Frühlingstag.
Die Sonne scheint warm vom Himmel.
Nicht zu warm, sondern genau richtig.
Du gehst einen kleinen Weg entlang.
Links und rechts liegen Felder.
Die Erde ist dunkel und weich.
Und vor dir siehst du lange Reihen,
leicht gewölbt, ordentlich aufgeschichtet.
Ein Spargelfeld.
Du bleibst stehen.
Die Luft ist frisch.
Ringsum duftet es köstlich.
Ein bisschen nach Erde, ein bisschen nach Grün.
Ein leiser Wind streicht über das Feld.
Ganz sanft.
Du hörst ihn kaum.
In der Ferne arbeitet jemand.
Langsam und ruhig.
Es hat Zeit.
Hier draußen hat alles Zeit.
…
Du gehst ein paar Schritte weiter.
Die Sonne wärmt dein Gesicht.
Du atmest tief ein.
Und mit jedem Atemzug wird es stiller in dir.
Du stehst jetzt in deiner Küche.
Das Fenster ist weit geöffnet.
Ein milder Wind trägt den Frühling zu dir herein.
Vor dir auf dem Tisch liegt ein Bündel frischer Spargel.
Jemand schält ihn ganz ruhig.
Schale für Schale.
Es klopft leise.
Es raschelt.
Dann beginnt das Wasser zu singen.
Ganz leise erst, dann ein bisschen mehr.
Ein warmer Duft breitet sich in deiner Küche aus.
Ein Duft nach geschmolzener Butter.
Frischen Spargel.
Liebstöckel.
Ein Hauch von früher. Von Zuhause.
Du setzt dich an den Tisch.
Alles ist ruhig.
Kein Eilen.
Kein Stress.
Kein Müssen.
Nur dieser Moment.
…
Noch einmal atmest du tief ein.
Und aus.
Ein und aus.
Und du nimmst diese Ruhe im Raum mit in deinen Tag.
Ganz still.
Ganz leicht.
Und nun komme langsam wieder zurück.
Bewege deine Hände.
Öffne die Augen.
Und bewahre diese Momente mit Spargelfeld und Küche und warmen Düften tief in dir.
Betrachtung: Warum Spargel früher ein Festessen war
Spargel, ein reizvolles Gemüse
Spargel war früher etwas ganz Besonderes.
Heute kann man viele Lebensmittel das ganze Jahr über kaufen.
Früher war das anders. Spargel gab es nur wenige Wochen im Jahr. Im Frühling, meist von April bis Juni.
Man musste warten, bis das Wetter warm genug war und er gewachsen war.
Deshalb war Spargel ein Zeichen und so etwas wie ein Frühlingsbote:
Mit dem Spargel ist der Frühling wirklich da.
Aufwendig und kostbar
Spargel wächst unter der Erde. Er muss vorsichtig gestochen werden.
Das ist viel Arbeit. Und es braucht Erfahrung.
Darum ist Spargel oft teuer. Nicht jeder kann oder mag ihn sich leisten.
Ein Essen für besondere Tage
Wenn es Spargel gab, war das ein Anlass:
ein Ausflug, ein Besuch im Gasthof oder ein gemütliches Essen mit der ganzen Familie.
Man nahm sich Zeit. Es wurde nicht hastig gegessen, sondern bewusst genossen.
Schlicht und gerade deshalb besonders
Die Zubereitung war einfach:
• Spargel
• Kartoffeln
• Butter
• Salz und Gewürze
• manchmal Schinken
Mehr brauchte es nicht.
Der Geschmack stand im Mittelpunkt. Nicht die Vielfalt.
Ein Stück Erinnerung
Für viele Menschen ist Spargel mehr als ein Gemüse.
Er erinnert an: Frühlingstage, Ausflüge, gemeinsame Mahlzeiten und gute, ruhige Momente.
Und vielleicht auch daran, dass man sich früher über kleine Dinge mehr gefreut hat.
Zusatz-Fragen zum Thema Spargel & Erinnerung
• Erinnerst du dich an dein erstes Spargelessen?
• Gab es bei euch früher ein typisches Frühlingsgericht?
• Wurde bei euch zu Hause gemeinsam gegessen?
• Was war für dich ein „besonderes Essen“?
• Isst du Spargel gern – oder mochtest du ihn früher lieber?
• Gibt es ein Gericht, das dich sofort in eine bestimmte Zeit zurückversetzt?
• Was gehört für dich zu einem gelungenen Frühlingstag?
© Elke Bräunling
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Ich finde auch, dass die Spargelzeit die köstlichste Zeit des Jahres ist. 🙂
Oh ja! In dieser Zeit kaufe ich keine Bücher u.a. „Nebenbei“-Wünsche und setze das ersparte Geld beim Spargelbauern um. Am liebsten täglich …