Vom Ernten und Stoppeln

Vom Ernten und Stoppeln

Geschichte zur Erntezeit

Titel + Illustration: Ernte im ObstgartenDie Ernte nach der Ernte

Früher gab es nach der großen Ernte oft noch eine „zweite Ernte“: das Stoppeln. Familien zogen mit Körben über Felder und Obstgärten und sammelten liegengebliebene Früchte ein. Nichts sollte vergeudet werden. Diese Geschichte erinnert an das Ernten nach der Ernte und erklärt, warum Stoppeln nachhaltig und gemeinschaftsstiftend war.
Mit kurzer Fassung in einfacher Sprache und Fragerunde zur Geschichte.

Weiter unten findest du eine
verkürzte Fassung in einfacher Sprache

 

Vom Ernten und Stoppeln

Leckeren Kuchen und die beste Marmelade auf der Welt haben Pia, Pit und Opa bei Großtante Luise zum Nachmittagskaffee gegessen.
„Und jetzt“, sagt die Großtante, „gehen wir auf die Felder zum Stoppeln.“
„Stoppeln? Was ist das denn?“, fragt Pia.
„Hehe! Es klingt wie Hoppeln!“, ruft Pit. „Spielen wir Häschen und hoppeln über die Felder?“
Die Großtante bricht in lautes Gelächter aus und wie immer, wenn sie schallend lacht, müssen alle anderen auch lachen. Das ist eben so mit Großtante Luise.
„Das stelle ich mir hübsch vor. Hoho!“ Sie japst vor Vergnügen und Opa muss ihr mit der flachen Hand auf den Rücken hauen.
„Hi … hi … ho … ho! A-ha-ber, w-hi-wie sollt ihr Stadtmäuse das Stoppeln auch kennen? Noch dazu so junge Stadtmäuse, wie ihr es seid! Hi … hi … ho … ho!“
Aber auch Opa kratzt sich, verlegen fast, am Kinn.
„Also, wenn ich ehrlich bin“, sagt er, „so weiß ich auch nicht mehr so genau, was Stoppeln bedeutet, Luise. Ich bin ebenfalls zur Stadtmaus geworden.“
Die Großtante muss gleich wieder lachen. „Eine ‚Opamaus‘ bist du. Und nun tu nicht so und erinnere dich! Als Kinder haben wir im August und September fast jeden freien Nachmittag beim Stoppeln verbracht. Damals, in der Nachkriegszeit und später auch.“
Opa wird blass. „Mit Verlaub“, sagt er und seine Stimme klingt ein bisschen beleidigt. „Zu Nachkriegszeiten war ich noch nicht auf der Welt.“
„Richtig.“ Die Großtante erinnert sich. „Du bist ja der Kleinste von meinen Cousins und Cousinen. Aber mit Körben und Säcken über Felder und durch die Obstgärten gestreift, sind wir eigentlich immer am Ende des Sommers. Eigentlich gehe ich schon mein ganzes Leben lang zum Stoppeln.“
„Mit Körben und Säcken seid ihr in die Obstgärten und Felder gegangen?“, fragt Pit mit aufgerissenen Augen. „Dann habt ihr geklaut! Seid ihr Obst- und Gemüsediebe gewesen?“
Auch Pia ist erschrocken. „Stehlen ist doch verboten, Tante Luise!“
„Wer sagt, dass wir die Bauern bestohlen haben? Wir haben natürlich vorher gefragt und uns die Erlaubnis eingeholt.“
Opa nickt. „Stimmt. Es fällt mir wieder ein. Stoppeln ist nicht Stehlen. Es ist so etwas wie eine zweite Ernte.“
„Zweite Ernte?“, fragt Pia.
„Also habt ihr doch geklaut“, meint Pit. „Ein bisschen?“
Die Großtante lächelt. „Nicht ganz.“
Dann erklärt sie den Geschwistern, dass viele Landwirte die Erlaubnis dazu geben, in Feldern, Obst- und Gemüsegärten nach der Ernte übrig gebliebene Früchte aufzusammeln.
„Es macht ja keinen Sinn, diese Nahrungsmittel unterzupflügen. Und nachhaltig ist es auch nicht“, sagt sie. „Und deshalb gehen wir nun ein bisschen stoppeln. Ihr werdet staunen, was wir da draußen alles an leckeren Köstlichkeiten finden.“

© Elke Bräunling


Wie es bei Oma im Herbst aussieht, findest du in diesem Gedicht: Bei Oma im Herbst

Ein Gedicht zur Ernte im Herbst und zu Erntedank wartet hier auf dich: Ernte im Herbst
Und hier eine Ernte nach der Ernte: Kartoffeln wie in der guten alten Zeit
Und noch zwei Kartoffelgedichte: Köstlichkeit aus dunkler Erde und Grumbeerfest

 

Illustration Im Obstgarten, letzte Früchte ernten, Kinder, Opa, Großtante

 

Diese Geschichte findest du neben vielen anderen in dem Buch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben

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Vom Ernten und Stoppeln

(Kurzfassung in einfacher Sprache)

Einleitung
Früher fand nach der Ernte noch einmal eine kleine Ernte statt. Das Stoppeln.
Die Leute gingen auf die Felder und sammelten ein, was übrig geblieben war.
Sie nannten es „Stoppeln“.
Heute kennen viele Menschen dieses Wort nicht mehr.
In dieser Geschichte erzählen Großtante Luise und Opa, wie es früher war –
und Pia und Pit dürfen es selbst ausprobieren.

Als Oma und Opa zum Stoppeln gingen
Geschichte in einfacher Sprache

Pia und Pit essen Kuchen bei Großtante Luise.
Der Kuchen schmeckt lecker. Auch die Marmelade ist gut.
Nach dem Essen sagt Großtante Luise:
„Jetzt gehen wir auf die Felder zum Stoppeln.“
„Stoppeln? Was ist das?“, fragt Pia.
„Hehe, das klingt wie Hoppeln!“, ruft Pit. „Spielen wir Hasen?“
Großtante Luise lacht laut.
„Nein, ihr Stadtmäuse kennt das nicht. Zum Stoppeln geht man nach der Ernte.“
Opa kratzt sich am Kinn.
„Ich weiß auch nicht mehr so genau, was Stoppeln ist. Ich bin auch eine Stadtmaus geworden.“
Großtante Luise schüttelt den Kopf.
„Früher, als ich jung war, sind wir oft stoppeln gegangen“, erklärt sie.
„Wir nahmen Körbe und Säcke mit. Dann gingen wir auf die Felder oder in die Obstgärten. Dort haben wir geschaut, ob von der Ernte noch etwas übrig geblieben ist. Das war spannend.“
„Dann habt ihr Obst geklaut?“, fragt Pit und staunt.
„Stehlen ist verboten!“, sagt Pia.
Großtante Luise lacht wieder.
„Nein, wir haben vorher gefragt. Die Bauern haben erlaubt, dass wir nach nicht geerntetem Obst und Gemüse suchen dürfen.“
Opa nickt.
„Jetzt fällt es mir wieder ein. Stoppeln heißt: Nach der Ernte das einsammeln, was auf dem Feld liegen geblieben ist.“
„Warum macht man das?“, fragt Pia.
„Weil es Nahrungsmittel sind“, sagt Opa.
„Und weil es doch schade wäre, das Essen einfach unterzupflügen“, erklärt Großtante Luise. „So geht nichts verloren.“
„Und das machen wir jetzt auch? Wie gehen Stoppeln?“, fragt Pit.
„Ja“, sagt die Großtante. „Ihr werdet sehen: Wir finden draußen noch viele leckere Sachen.“

 

Fragerunde

🪶 Persönliche Erinnerungen
1. Haben Sie selbst als Kind oder später nach der Ernte Früchte, Gemüse oder Getreide gesammelt?
2. Gab es in Ihrer Familie den Begriff „Stoppeln“ oder hieß es anders?
3. An welche Erntezeiten oder -feste erinnern Sie sich besonders?

🍏 Essen & Vorratshaltung

4. Welche Früchte oder Gemüse gab es bei Ihnen zu Hause im Sommer und Herbst?
5. Wurden bei Ihnen Marmelade, Kompott oder Saft eingekocht?
6. Erinnern Sie sich an den Geruch oder Geschmack einer besonderen Speise aus dieser Zeit?

👨‍👩‍👧‍👦 Menschen & Gemeinschaft

7. Mit wem sind Sie früher aufs Feld oder in den Obstgarten gegangen?

8. Gab es besondere Regeln oder Absprachen mit den Bauern?

9. Wurde gemeinsam gegessen oder gefeiert, nachdem man gesammelt hatte?

🏡 Früher & Heute

10. Kennen Sie heute noch Orte, an denen man „stoppeln“ könnte?

11. Wie haben sich Erntearbeiten und die Wertschätzung von Lebensmitteln seit Ihrer Kindheit verändert?

 

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