Das Haus mit der offenen Tür

Das Haus mit der offenen Tür

Geschichte vom Miteinander für Groß und Klein

Titel + Illustration Menschen vor einem Haus mit hell erleuchteter offener TürKeiner muss alleine sein, besonders nicht im Advent

„Manchmal beginnt Gemeinschaft mit einer einzigen offenen Tür.“

Eine Straße, ein offenes Haus und die große Kraft kleiner Begegnungen:
Diese Adventsgeschichte erzählt, wie viel Wärme entsteht, wenn Menschen einander sehen, zuhören und willkommen heißen, besonders in dunklen Zeiten.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache.

 

 

Das Haus mit der offenen Tür

Eine ganz normale Straße war die Ottostraße. Die Häuser ähnelten einander ein bisschen und die Leute grüßten sich wie in anderen Straßen auch. Manche waren miteinander befreundet, manche stritten sich. Eine ganz normale Straße also.
Eines aber war anders. Ein Haus in der Ottostraße unterschied sich von den anderen Häusern. Das Haus der Müllers. Dessen Haustür stand fast immer offen und jeder wusste: „Aha, bei Müllers ist jemand zu Hause und ich bin willkommen.“
Wer Lust auf ein Schwätzchen hatte, ging einfach mit einem „Hallo!“ auf den Lippen durch die offene Tür in die Wohnküche. Und dort traf er ein Mitglied der Müllers, das sich über Besuch freute.
Das fühlte sich sehr gut an. Man konnte reden, es gab zu trinken, und für Hungrige hatten Müllers auch etwas übrig. Auch wer Kummer hatte oder sich alleine fühlte, ging zur Müller’schen Wohnküche, denn, wie gesagt, die Haustür stand meist offen.
Die Bewohner der Straße freuten sich darüber und kamen oft in das Haus mit der offenen Tür. Eigentlich saß fast immer jemand dort und oft ging es lustig zu. Manchmal kam es, dass man ein Fest feierte, weil es sich gerade ergab. Und weil sich fast alle Leute aus der Ottostraße immer wieder einmal bei Müllers trafen, verstanden sie einander viel besser. Jeder kannte jeden, und jeder freute sich, wenn man sich sah. Zu dumm nur, dass Müllers ab und zu auch einmal nicht zu Hause waren. Dann sah man sich nicht, höchstens kurz im Vorübergehen. Es gab nämlich nur ein Haus mit einer offenen Tür.
Eines Tages musste Frau Müller für längere Zeit verreisen und schnell begannen die Leute zu vergessen, dass sie einander aus Müllers Wohnküche kannten. Sie mieden Begegnungen oder sahen zur Seite, wenn sie sich unterwegs trafen. Auch den einsamen Müllerkindern und Papa Müller ging man aus dem Weg. Das war bequemer.
Unfreundlich war es in der Ottostraße geworden und irgendwie dunkel und trist. Und als Frau Müller nach vielen Wochen heimkehrte, schloss sie die Tür traurig hinter sich zu.
Die dunkle und kalte Jahreszeit kam und sie fühlte sich in diesem Jahr besonders dunkel und kalt in der Ottostraße an. Wie sehr sehnten sich die Leute nach der hellen Wohnküche der Müllers! Sie träumten von Bratapfelduft und Tee, von Napfkuchen und Gesprächen am Abend. Immer häufiger dachten sie daran und als die Adventszeit kam, sagte manch einer:
„Ach, wie schön war es doch früher in unserer Straße! Und wie gemütlich!“
Bei Müllers war es auch in diesem Herbst gemütlich. Dennoch fehlte etwas, und Frau Müller wünschte sich sehnlich, die Haustür wieder öffnen zu können. Und eines Tages im Advent buk sie einen Napfkuchen und machte die Tür langsam auf.
Doch was war da drüben bei Bergers? Die Haustür stand … offen!?
Frau Müller lächelte, holte ihren Napfkuchen aus der Küche und trug ihn langsam über die Straße.

© Elke Bräunling

Illustration Menschen vor einem Haus mit hell erleuchteter offener Tür

 

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Kurzfassung

Das Haus mit der offenen Tür

Kurze Geschichte in einfacher Sprache

In der Ottostraße stehen viele Häuser.
Die meisten Menschen grüßen sich nur kurz.
Bei Müllers aber steht die Haustür fast immer offen.
Für alle. Jeder darf hereinkommen:
zum Reden, Lachen, Tee trinken oder wenn das Herz schwer ist.
Die Wohnküche ist ein Ort voller Wärme.
Doch eines Tages muss Frau Müller verreisen.
Die Tür bleibt zu.
Und schnell vergessen die Leute,
wie schön es ist, einander zu begegnen.
Sie gehen wieder stumm aneinander vorbei.
Die Straße wirkt wieder kalt und unfreundlich.
Als Frau Müller nach vielen Wochen zurückkehrt,
ist sie traurig.
Wo sind all die Nachbarn geblieben?
Sie sehnt sich nach dem alten Miteinander.
Aber sie zögert lange. Sie will nämlich nicht aufdringlich sein.
Als der Advent beginnt, findet sie keine Ruhe mehr.
Sie backt einen Napfkuchen und öffnet vorsichtig wieder die Haustür.
Doch was sieht sie da?
Bei den Nachbarn gegenüber steht die Tür offen.
Helles Licht winkt ihr zu.
Frau Müller lächelt.
Sie nimmt ihren Napfkuchen und trägt ihn zu den Nachbarn hinüber.
Ein neues Miteinander beginnt.

© Elke Bräunling

 

 

Fragerunde für Senioren

1 Gab es früher in Ihrer Straße ein „offenes Haus“, einen Ort, an dem man immer willkommen war?
2 Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Nachbarschaft und Gemeinschaft?
3 Haben Sie früher selbst oft Besuch bekommen oder gerne nette Menschen besucht?
4 Wie wichtig ist Ihnen heute ein kurzer Gruß oder ein kleines Gespräch?
5 Was bedeutet für Sie „offene Tür“ – eher wörtlich oder eher im übertragenen Sinn?
6 Gab es jemanden, der durch seine Freundlichkeit ein ganzes Haus oder eine Straße verändert hat?
7 Wie hat sich Nachbarschaft seit Ihrer Kindheit verändert?
8 Was könnte man heute tun, um ein bisschen „Müllers Wohnküche“ zurückzubekommen?

 

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