Das alte Buch

Geschichte für Senioren zum Vorlesen – Kostbare Erinnerungen an eine andere Zeit

Auf Omas Schreibtisch liegt ein altes Buch. Es ist ein kostbares Buch und Omas liebstes Lieblingsbuch, wie sie selbst immer sagt. Dabei sieht es gar nicht kostbar aus. Nur alt. Die Seiten sind nicht einmal mit diesen schönen alten Buchstaben, die so lustige Schnörkel und manchmal am Anfang einer Seite auch kleine Bildchen haben, gedruckt. Nein, mit Tinte sind die Blätter des Buches geschrieben und ganz fleckig sehen sie auch aus. Es ist, als hätte jemand mit Kaffee oder Tee auf dem Buch herum gekleckert.
So ein Kleckern kann ja auch manchmal passieren. Gerade gestern ist mein Kakaobecher umgekippt und der Kakao hätte beinahe meine Rechenhausaufgaben im Schulheft dunkelbraun bemalt. Aber zum Glück habe ich das Heft ganz schnell zur Seite geschoben, und so ist der Kakao über die Tischkante hinunter auf den Boden getropft. Gut, dass Mama gerade nicht im Zimmer gewesen ist. Und im Rechenheft ist nur oben rechts ein kleiner Fleck zu sehen.
Ich habe versucht, ihn wegzuwischen, aber man kann sehen, wo er gewesen ist. Das Papier ist schmutziger und wellig. So schmutzig und wellig wie das Papier in Omas kostbarsten Buch. Nur hat dort jemand auf fast jeder Seite gekleckert, was ich mir so gar nicht vorstellen kann.
„Das sind Altersflecken“, hat Oma mir zu erklären versucht, aber das nehme ich ihr nicht ab. Die vielen lustigen Sommersprossen auf ihren Händen nennt sie nämlich auch Altersflecken und die sehen nun echt ganz anders aus als Kleckerflecken.
Wenn ihr mich fragt, so ist dieses Wort ‚Altersflecken‘ nur eine dieser vielen Erfindungen der Erwachsenen, mit denen sie uns Kinder dazu bringen möchten, nicht zu viele Fragen auf einmal zu stellen. Aber ehrlich: Wer nicht fragt, bleibt dumm. Und dumm möchte ja nun wirklich keiner sein.
Aber ich habe schon verstanden. Das kostbare Oma-Buch soll kostbar bleiben und deshalb ist es besser, ich schaue es mir nur an, wenn Oma mit mir zusammen in den Seiten blättert.
Und heute besuche ich sie zum Sonntagstee und sie möchte mir eine Geschichte aus dem Buch vorlesen. Eine wahre Geschichte von einem Tanzfest in Berlin vor vielen vielen Jahren aus einer Zeit, in der man mit Kutschen fuhr und in der dort noch ein Kaiser der Boss war. Dieser Kaiser hieß Wilhelm und meine Ururgroßmutter, die Omas Oma gewesen ist und die die Seiten in diesem Buch mit ihrer Schrift, die ich so gar nicht lesen kann, geschrieben hat, hieß Anna. Wie ich.
Ehrlich, ich bin schon sehr neugierig.

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in dem Buch: FAMILIENGESCHICHTEN

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Geschichte für Senioren zum Vorlesen, bei Veranstaltungen u. geselligem Beisammensein, im Seniorenheim und/oder Zuhause

 

 

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