Frieden allen Menschen

Frieden allen Menschen

Weihnachtsgeschichte für Senioren


Titel + Illustration Staunende Leute im Flur, offene Tür, Frau spielt Klaiver Der Frieden ist nicht immer leicht zu verstehen

„Manchmal genügt ein einziger richtiger Ton, um Frieden hörbar zu machen.“

Diese besondere Weihnachtsgeschichte erzählt davon, wie schwer Frieden manchmal zu verstehen ist und wie leicht er plötzlich entstehen kann.
Ein falsch gespieltes Lied bringt eine ganze Hausgemeinschaft erst zur Verzweiflung: Der schrille „Frieden“ klingt wie Hohn über den Streit der Bewohner. Doch als die gefürchtete Hausbesitzerin eingreift, geschieht etwas Unerwartetes.
Mit einem einzigen Moment echter Musik wird die Stimmung weich, der Streit verstummt und das Haus erinnert sich daran, was Frieden wirklich bedeutet.
Eine stille, nachklingende Geschichte, die Senioren wie jüngeren Zuhörern ans Herz geht.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

 

 

Frieden allen Menschen

„Frieden, Frieden allen Menschen, Frieden allen auf der Welt …“
Laut tönte das Lied durchs Haus. Peter Meyer übte Klavier für das Adventsspiel in der Schule. Es klang schauderhaft. Beim zweiten ‚Frieden‘ nämlich, dem ‚Frieden allen Menschen‘, stimmten die Töne nicht. Falsch klangen sie und schrill.
‚Frie-ie-iedennn!!!‘ Oh! Das tat weh. Eiskalt rieselte es einem den Rücken hinunter. Dieser Frieden! Schrecklich.
Und Peter übte und übte.
Die Mitbewohner begannen, diesen Frieden zu hassen.
„Frieden, Frieden allen Menschen …“, tönte es von oben.
„Ausgerechnet Frieden!“, murrte der alte Herr Hüter. „Hier im Haus sind doch fast alle miteinander verkracht!“
„Eine Zumutung!“, keifte Frau Nobel. „Das passt zu denen da oben.“
„Olle Schnalle!“, grinste Bernd. „Sie haben immer etwas zu meckern.“
Frau Nobels Stimme schwoll an. „Sie! Sie! Gehen Sie erst einmal zu einem ordentlichen Friseur! Und überhaupt: Leute wie Sie, die …“
Frau Nobel zeterte so laut, dass weitere Hausbewohner neugierig in den Flur kamen.
„Was ist denn hier los?“
„Dieser Mensch hat mich beleidigt“, schrie Frau Nobel.
„Beleidigt?“, fragte Frau Bock interessiert.
„Er hat ‚olle Schnalle‘ zu ihr gesagt“, erklärte Herr Hüter.
Einige Nachbarn konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Hat er nicht so unrecht“, brummte einer verstohlen.
Frau Nobel sah auf. „Wer hat das gesagt? Anzeigen werde ich Sie!“
„Nun machen Sie mal halblang!“
„Giftspritze!“
„Gibt es in diesem Haus denn nie Frieden?“
Die Stimmen überschlugen sich. Und oben übte Peter sein „Frieden allen Menschen …!“ Wie Hohn hallte das Lied durch das Haus.
„Und das alles wegen des falschen Friedens da oben“, grinste Bernd.
Des falschen Friedens? Alle schwiegen und lauschten.
„Jetzt“, heulte Frau Hering schon im voraus. „Jetzt gleich!“
„Frie…ie..idennn…“, schrillte es durch das Treppenhaus, und alle zuckten zusammen. Es klang wirklich sehr falsch.
„Man sollte sich beschweren!“, sagte einer.
Und in seltener Eintracht führten die Hausbewohner ein Telefonat mit Frau Keller, der Hausbesitzerin, die wenig später am ‚Tatort‘ eintraf. Ha! Nun würden die Meyers ihr blaues Wunder erleben! Frau Keller war nämlich gefürchtet wie ein böser Geist. Und wie ein böser Geist blickte sie jetzt auch drein, während sie dem Klavierspiel lauschte.
„Frieden, Frieden allen Menschen, Frieden allen auf der Welt …“
„Frie-ie-dennn…“ Die Hausbewohner erschauerten.
Frau Keller nickte. „Es stimmt“, sagte sie mit scharfer Stimme. „Dieser Frieden ist falsch.“
Ohne ein weiteres Wort läutete sie an der Wohnungstür der Meyers.
Die Mitbewohner rieben sich die Hände vor Vergnügen. Jetzt, ja, jetzt hatte der falsche Frieden ein Ende.
„Der Frieden ist falsch!“, hörten sie Frau Kellers Stimme knurren. Dann war es für eine Weile still.
„Frieden, Frieden allen Menschen…“ tönte es dann aber wieder durchs Haus. Fehlerfrei und wunderschön. Wie anders dieses Lied auf einmal klang! So friedvoll und sanft. Neugierig betraten die Hausbewohner die Wohnung der Meyers. Da saß Frau Keller am Klavier und spielte. Ihr sonst so hartes Gesicht war weich, ja, fast schön.
„Frieden allen Menschen …“

© Elke Bräunling

Illustration Staunende Leute im Flur, offene Tür, Frau spielt Klaiver


Und hier findest du noch eine Weihnachtsgeschichte, die gut zum “Weihnachtsfrieden” passt:
Als das Weihnachtslied verschwand

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Kurzfassung

Der falsche Frieden

Kurze Fassung in einfacher Sprache

Peter Meyer übt zuhause ein Lied für das Adventsspiel:
„Frieden, Frieden allen Menschen …“
Aber er spielt die Melodie falsch, besonders beim zweiten „Frieden“.
Es klingt schrill und schrecklich.
Im ganzen Haus läuft ein eiskalter Schauer die Rücken hinunter.
Bald beschweren sich die Nachbarn übereinander genauso laut wie über das Lied:
Herr Hüter, Frau Nobel, Bernd, Frau Bock! Alle streiten.
Es wird beleidigt, gezischt, geschimpft.
Von Frieden ist im ganzen Haus keine Spur.
Und oben dudelt Peter weiter:
„Frie–ie–ie–dennn…“
Dieser Frieden dringt wie Hohn durchs Treppenhaus.
Die Hausbewohner tun sich – ausnahmsweise – zusammen und rufen die Hausbesitzerin Frau Keller an.
Sie soll etwas unternehmen.
Frau Keller ist gefürchtet.
Mit strenger Miene erscheint sie im Flur, hört kurz zu und sagt:
„Es stimmt. Dieser Frieden ist falsch.“
Alle reiben sich bereits die Hände, denn nun bekommen die Meyers Ärger.
Aber es kommt anders.
Frau Keller geht in die Wohnung hinauf – und dann wird es still.
Kurz darauf erklingt das gleiche Lied wieder, aber diesmal richtig, weich und wunderschön.
Die Nachbarn staunen:
Frau Keller sitzt am Klavier und spielt selbst.
Ihr strenges Gesicht ist auf einmal ganz weich.
Und plötzlich spüren sie es alle:
Den wahren Frieden, so wie er gemeint ist.

© Elke Bräunling

 

Fragerunde zur Geschichte

1 Was macht es so schwierig, sich Peters Klavierspiel anzuhören?
2 Warum ärgern sich die Nachbarn so sehr über das Lied?
3 Welche Beleidigungen und kleinen Streitereien zeigen, wie schlecht die Stimmung im Haus ist?
4 Warum wirkt der falsche „Frieden“ fast wie Hohn?
5 Was erhoffen sich die Nachbarn, als Frau Keller kommt?
6 Warum überrascht Frau Keller alle?
7 Welche Wirkung hat es, dass sie selbst das Lied richtig spielt?
8 Wie verändert sich die Stimmung im Haus durch die Musik?
9 Haben Sie selbst erlebt, dass ein Moment oder ein Lied plötzlich Frieden bringt?
10 Was bedeutet der Satz „Der Frieden ist falsch“ in dieser Geschichte?

 

 

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