Ein Tag im Frühling*
Ein Tag im Frühling
Geschichte zum Frühlingsanfang für Groß und Klein
Manchmal genügt ein einziger Ruf, damit ein ganzer Ort innehält.
Diese Frühlingsgeschichte erzählt von einem kleinen Jungen auf dem Marktplatz, von einem alten Lied und von dem Moment, in dem der Frühling spürbar wird. Sie eignet sich zum Vorlesen und stillen Lesen für Groß und Klein, für Seniorenrunden, Biografiearbeit, Frühlingsstunden in Gruppen und für alle, die sich nach einem leisen Frühlingsmoment sehnen. Mit kurzer Fassung in einfacher Sprache, Fragerunde, Fantasiereise und einfacher Sachtext Frühling.
Inhalt
Ein Tag im Frühling – Originaltext
Ein Tag im Frühling – Einfache Kurzfassung
Fragerunde für Gespräch und Erinnerung
Ein Frühlingsmoment auf dem Marktplatz – Fantasiereise
Frühlingsanfang – Kleiner Sachtext
Ein Tag im Frühling
„Frühling! Hallooo! Wo bist du?“
Laut drang der Ruf über den Marktplatz des kleinen Städtchens.
Die Leute, die es eigentlich immer sehr eilig hatten, hielten erstaunt inne. Sie blickten zur Mitte des Platzes hinüber. Ein kleiner Junge stand dort, hielt die Hände wie einen Trichter vor den Mund und rief:
„Frühling! Hallooo! Wo bist du?“
„So etwas aber auch!“, murmelte ein Mann. Er schaltete sein Smartphone aus und sah zu dem Jungen hinüber.
Die Frau mit den Einkaufstüten hinter ihm tat es ihm nach. Sie blieb stehen und lauschte den Rufen des Jungen.
Ihrem Beispiel folgten ein älteres Ehepaar, eine Touristengruppe, Mütter, die ihre Kinder vom Kindergarten abgeholt hatten, Lehrer Meier mit seiner Klasse und immer mehr Passanten, die des Weges kamen.
Alle machten sie Halt und starrten wie gebannt auf den fremden Jungen.
Selbst der Bürgermeister unterbrach eine wichtige Ratssitzung und blickte mit seinen Mitarbeitern vom Rathausbalkon auf den Platz hinunter. Die Fenster der Häuser rund um den Marktplatz öffneten sich, und Menschen lehnten sich hinaus.
„Frühling! Hallooo! Wo bist du?“
Der Junge war fremd in der Stadt, und doch glaubten viele, ihn von irgendwoher zu kennen. Wie verzaubert sahen sie ihn an.
Lieb sah er aus mit dem lindgrünen Hemd, der veilchenblauen Latzhose, den langen, sonnenhellen Locken und dem Kirschblütenzweig, den er unter dem Arm festgeklemmt hielt.
„Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, der kleine Knabe sei der Frühling persönlich“, meinte eine Frau.
„Seltsam“, sagte ein Mann, „genau das habe ich eben auch gedacht.“
Viele nickten. Sie hatten denselben Gedanken gehabt. Und doch kam niemand auf die Idee, den fremden Jungen anzusprechen. Es war, als hielte sie eine unsichtbare Hand davon ab.
„Frühling! Hallooo! Wo bist du?“, rief der Junge noch einmal.
„Hier!“, antwortete plötzlich ein kleines Mädchen. Es hatte im Kindergarten gerade ein altes Frühlingslied gelernt. „Du bist doch hier, Frühling!“
Und dann begann es zu singen:
„Es tönen die Lieder,
der Frühling kehrt wieder,
es spielet der Hirte
auf seiner Schalmei.
La lalalalalalal lala la lalalalalalaaa …“
In diesem Augenblick strich ein sanfter, süß duftender Wind über den Marktplatz. Die Sonne schob ein paar Strahlen durch eine Wolkenlücke und ließ sie mitten auf dem Platz niederfallen.
Und auf einmal schien es, als sei der Frühling wirklich in die kleine Stadt gekommen.
Ein Lächeln breitete sich auf den Gesichtern der Menschen aus. Einige summten die Melodie des alten Liedes mit.
„Es tönen die Lieder,
der Frühling kehrt wieder …“
Heller war es geworden auf dem Marktplatz. Wärmer auch. Und irgendwie fröhlicher.
Dankbar blickten die Leute wieder zur Mitte des Platzes.
Doch der fremde kleine Junge war verschwunden.
Eine Weile standen die Menschen noch dort.
Dann gingen sie langsam wieder ihrer Wege.
Der Mann mit dem Smartphone steckte es in die Tasche, ohne darauf zu schauen.
Die Frau mit den Einkaufstüten lächelte still vor sich hin.
Und manche behaupten, dass man sich an diesem Tag im ganzen Städtchen auf einmal ein wenig ruhiger fühlte, langsamer als sonst. Es war, als hätte der Frühling selbst für einen Augenblick auf dem Marktplatz gestanden.
© Elke Bräunling

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Geschichten im frühen Frühling
🌱 Frühlingslächeln für Oma Erdmann
🧹 Frühjahrsputz und ein Lied
🌤️ Das Licht des Frühlings
🍂 Die Winterblätter und das neue Leben
🌾 Einmal wieder barfuß über eine Wiese gehen
🔔 Wenn die Himmelsschlüssel läuten
✨ Der Himmelsschlüssel und das Licht des Frühlings
🌿 Der Frühling hat sich eingestellt
❓ Ist schon Frühling?
Kurzfassung
Ein Tag im Frühling
Einfache Kurzfassung
Auf dem Marktplatz einer kleinen Stadt rief plötzlich ein Junge laut:
„Frühling! Hallooo! Wo bist du?“
Die Menschen blieben stehen.
Eigentlich hatten sie es eilig.
Doch nun hörten sie dem Jungen zu.
„Frühling! Hallooo! Wo bist du?“
Der Junge sah freundlich aus.
Er trug ein lindgrünes Hemd und eine blaue Latzhose.
Unter seinem Arm hielt er einen Kirschblütenzweig.
„Vielleicht ist dieser Junge selbst der Frühling“, sagte eine Frau.
Viele Menschen hatten denselben Gedanken, doch niemand sprach ihn an.
Alle beobachteten ihn nur.
Da antwortete plötzlich ein kleines Mädchen:
„Hier bist du doch, Frühling!“
Und es begann ein altes Lied zu singen:
„Es tönen die Lieder,
der Frühling kehrt wieder …“
In diesem Moment wehte ein warmer Wind über den Marktplatz.
Die Sonne schob ein paar Strahlen durch die Wolken.
Die Menschen lächelten.
Manche summten das Lied mit.
Alles fühlte sich plötzlich heller und freundlicher an.
Doch als die Menschen wieder zur Mitte des Platzes sahen, war der Junge verschwunden.
Sie staunten und so manch einer dachte:
Vielleicht war der Frühling selbst für einen Moment hier.
© Elke Bräunling
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Fragerunde für Gespräch und Erinnerung
(Die Fragen können vorgelesen werden. Es müssen nicht alle beantwortet werden. Auch Zuhören oder Nicken ist eine schöne Antwort.)
Zum Einstieg
• Wie hat dir die Geschichte gefallen?
• Gab es eine Stelle, die dir besonders gefallen hat?
• Was hast du dir beim Zuhören vorgestellt?
Zum Marktplatz
• Gab es in deiner Stadt oder deinem Dorf einen Marktplatz?
• Was wurde dort verkauft?
• Bist du früher gern auf den Markt gegangen?
• Erinnerst du dich an Marktstände mit Blumen oder Gemüse?
• Bist du als Kind gern über den Markt gebummelt?
Zum Frühling
• Woran merkst du als erstes, dass der Frühling kommt?
• Welche Blumen siehst du im Frühling am liebsten?
• Gibt es eine Frühlingsblume, die dich besonders freut?
• Erinnerst du dich an den Duft von Frühlingstagen?
• Welche Geräusche gehören für dich zum Frühling?
Zu Frühlingsliedern
• Kennst du das Lied „Es tönen die Lieder“?
• Welche Frühlingslieder hast du früher gesungen?
• Wurde früher mehr gemeinsam gesungen als heute?
• Hast du vielleicht ein Lieblingslied aus deiner Kindheit?
Zu Kindheitserinnerungen
• Was hast du als Kind im Frühling gern draußen gemacht?
• Hast du Blumen gepflückt oder Kränze gebunden?
• Bist du im Frühling gern auf Wiesen oder Feldern gewesen?
• Hast du vielleicht Drachen steigen lassen oder gespielt?
Zu besonderen Frühlingsmomenten
• Erinnerst du dich an einen Frühlingstag, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
• Gab es einmal einen Frühling, auf den du besonders gewartet hast?
• Wann hast du zuletzt bewusst gespürt: Jetzt ist Frühling?
Zu Gefühlen im Frühling
• Macht dich der Frühling fröhlicher?
• Gibt dir der Frühling neue Energie?
• Freust du dich auf hellere Tage?
Zum Schluss
• Worauf freust du dich jedes Jahr im Frühling?
• Was würdest du heute am liebsten an einem schönen Frühlingstag tun?
Kleine Fantasiereise
Ein Frühlingsmoment auf dem Marktplatz
Setze dich bequem hin.
Atme einmal ruhig ein und aus.
Stell dir vor, du stehst auf einem Marktplatz in einer kleinen Stadt.
Es ist ein früher Frühlingstag.
Die Luft ist noch ein bisschen kühl, aber die Sonne wärmt schon leicht.
Du hörst Schritte auf dem Pflaster.
Menschen gehen vorbei.
Ein paar Stimmen.
Ein Fahrrad fährt über den Platz.
Dann hörst du eine Kinderstimme.
„Frühling! Hallooo! Wo bist du?“
Du bleibst stehen und hörst zu.
Die Stimme klingt hell und fröhlich.
Langsam wird es stiller auf dem Platz.
Die Menschen bleiben stehen.
Du spürst einen leichten Wind auf deinem Gesicht.
Er ist mild und riecht nach frischer Luft und nach Erde.
Vielleicht hörst du irgendwo einen Vogel.
Dann beginnt jemand ein Lied zu singen.
Ein altes Frühlingslied.
„Es tönen die Lieder,
der Frühling kehrt wieder …“
Die Melodie breitet sich über den Platz aus.
Vielleicht summst du sie in Gedanken mit.
Die Sonne schiebt ein paar Strahlen durch die Wolken.
Es wird heller.
Du spürst, wie sich etwas verändert.
Es ist, als würde der Frühling ganz langsam auf dem Marktplatz ankommen.
Atme noch einmal ruhig ein und aus.
Behalte dieses warme Gefühl noch einen Moment.
Und wenn du möchtest, kehre nun langsam wieder in den Raum zurück.
…
Bleibe noch einen kleinen Moment in diesem Gefühl.
Vielleicht hörst du in Gedanken noch das Lied über den Marktplatz klingen.
Vielleicht spürst du den warmen Wind auf deiner Haut.
Die Menschen stehen dort, lächeln einander zu und wissen:
Der Frühling ist angekommen.
Atme noch einmal ruhig ein und aus.
Nimm dieses freundliche Gefühl mit in deinen Tag.
Vielleicht begegnest du ihm später wieder
in einem Sonnenstrahl,
im Gesang eines Vogels
oder im ersten Blütenzweig.
Und wenn du dann lächelst, weißt du:
Der Frühling ist wirklich zu dir gekommen.
© Elke Bräunling
Kleiner Sachtext
Frühlingsanfang
Der Frühlingsanfang ist für viele Menschen eine besondere Zeit.
Nach den dunklen und kalten Wintermonaten werden die Tage länger und heller. Die Sonne steht wieder höher am Himmel und ihre Strahlen wärmen stärker.
In der Natur beginnt nun alles neu zu wachsen. Erste Blumen wie Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen öffnen ihre Blüten. Bäume treiben zarte Knospen und viele Vögel beginnen wieder zu singen.
Der kalendarische Frühlingsanfang liegt meist um den 20. März. An diesem Tag sind Tag und Nacht ungefähr gleich lang. Danach werden die Tage immer länger.
Viele Menschen empfinden den Frühling als Zeit des Neubeginns. Man öffnet wieder häufiger die Fenster, geht mehr nach draußen und freut sich über Licht und Wärme.
Emotionen zum Frühlingsanfang
Der Frühling weckt bei vielen Menschen positive Gefühle.
Nach dem Winter fühlen sich die helleren Tage oft leichter an. Manche Menschen spüren neue Energie. Die Natur zeigt, dass nach einer ruhigen Zeit wieder Wachstum und Bewegung kommen.
Der Frühling kann auch Erinnerungen wecken. Viele denken an Spaziergänge, Gartenarbeit, erste Ausflüge oder an Frühlingsfeste.
Für manche ist der Frühling eine Zeit der Hoffnung. Er erinnert daran, dass nach jeder ruhigen oder schwierigen Zeit wieder neue Möglichkeiten entstehen können.
Die Sinne im Frühling
Im Frühling werden viele Sinne besonders angesprochen.
Sehen:
Die Natur zeigt neue Farben. Blumen blühen, frisches Grün erscheint an Bäumen und Sträuchern.
Hören:
Viele Vögel beginnen wieder zu singen. Man hört das Summen von Bienen und das Rascheln des Windes in den Zweigen.
Riechen:
Die Luft riecht oft frisch und leicht nach Erde, Gras oder Blüten.
Fühlen:
Die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut fühlen sich besonders angenehm an.
Das Wohlfühlgefühl im Frühling
Der Frühling kann ein Gefühl von Leichtigkeit und Aufbruch schenken.
Viele Menschen gehen wieder häufiger nach draußen. Ein Spaziergang, ein Platz in der Sonne oder ein Blick auf blühende Blumen können die Stimmung heben.
Auch kleine Dinge können gut tun:
eine offene Fensterbank, ein Strauß Blumen, ein Lied, das man leise summt.
Der Frühling erinnert uns daran, dass Veränderungen möglich sind, ganz langsam und Schritt für Schritt.
Und manchmal genügt schon ein kleiner Moment, um zu spüren:
Der Frühling ist da.
Ein kleiner Frühlingsmoment
Manchmal braucht es gar nicht viel, um den Frühling zu spüren.
Ein warmer Sonnenstrahl auf der Haut.
Ein Vogel, der sein Lied singt.
Oder ein Mensch, der auf einem Marktplatz laut ruft:
„Frühling! Hallooo! Wo bist du?“
Vielleicht genügt schon ein solcher Moment, damit wir innehalten und merken:
Der Frühling ist längst angekommen.
© Elke Bräunling
Hier erzählt dir Regina Meier zu Verl die Geschichte. Hab Spaß beim Zuhören!
Diese Geschichte findest du in dem Buch:

Taschenbuch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte von Frühling und Sommer: Frühlings- und Sommergeschichten – Von Kindern erzählt *
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