Mitten ins Gras

Mitten ins Gras

Eine heitere Frühlingsgeschichte für Senioren

Titel + Illustration alte Dame und junges Mädchen liegen Hand in Hand in Löwenzahnwiese und genießenManchmal liegt das Glück ganz nah und vielleicht sogar mitten im Gras.

Diese heitere Frühlingsgeschichte für Senioren erzählt von kleinen Momenten, die gut tun: von Natur, Erinnerungen und dem Mut, sich auf das Leben einzulassen.
Mit Kurzfassung, Fragerunden, Fantasiereise und sanften Impulsen für ruhige Augenblicke für Senioren, für ruhige Vorlesemomente, für Gespräche in Gruppen oder zur eigenen Einkehr, besonders geeignet für Menschen, die sich nach Natur, Erinnerung und leiser Lebensfreude sehnen.

Inhalt

Originalgeschichte
Kurzfassung
Fragerunde
Fantasiereise
Wissen & Wirkung der Wiese
Bewegungsimpulse
Erinnerung
Gedanke zum Schluss

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Mitten ins Gras

Es blüht wieder in den Wiesen. Überall schmücken gelbe Tupfer und weiße Flöckchen das Frühlingsgras. Löwenzahn, Gänseblümchen, Ehrenpreis und Wiesenschaumkraut überbieten sich in ihrer fröhlichen Pracht.
„Wie schön!“, freut sich Anna. „Es ist die schönste Zeit im Jahr. Und meine liebste.“
Auch die Bienen und Hummeln sind sehr aktiv und taumeln von Blüte zu Blüte. Sie zu beobachten, entspannt ungemein.
Anna lächelt und atmet tief ein, als wolle sie jede Menge dieser frischen Frühlingsluft mit nach Hause nehmen.
„Früher“, erzählt sie Dana, ihrer jungen Begleiterin, „ja, früher habe ich mich mitten in die Blütenpracht gelegt und gar nichts getan. Nein, das ist falsch. Ich habe mir Wolkenbilder angeschaut, geträumt, nachgedacht und den Frühlingsduft genossen.“ Sie sieht Dana an. „Einfach einmal nichts tun und genießen. Verstehst du?“
Dana nickt, das findet sie spannend.
„Ich möchte das auch einmal ausprobieren“, sagt sie und schaut Anna bittend an.
„Na, dann tun wir das doch!“ Anna freut sich, denkt einen Moment darüber nach, dass es noch zu kalt sein könnte auf dem Boden, wischt dann aber die Zweifel weg.
„Das einzige Problem ist wohl, dass ich nicht weiß, ob ich wieder aufstehen kann“, meint sie schließlich und lacht verlegen. „Meine alten Knochen sind manchmal etwas störrisch und mein Knie macht wieder seit Tagen Zicken und ich weiß nicht …“
Sehnsüchtig blickt sie über das Wiesenbunt, schließt für einen Moment die Augen und sieht sich als junges Mädchen, das sich mit ausgebreiteten Armen und einem Jubelruf auf den Lippen ins Gras fallen lässt. Das ist lange her. So lange.
Dana nimmt diesen sehnsuchtsvollen Blick ebenfalls wahr. Sie ergreift Annas Hand und ermuntert sie, es einfach zu versuchen.
„Du kannst dich bestimmt auf die Wiese setzen“, verspricht sie. „Und beim Aufstehen helfe ich dir.“
„Na, dann! Los! Tun wir’s!“
Anna grinst, dann … nein, dieses Mal lässt sie sich nicht ins Gras fallen. Vorsichtig geht sie in die Hocke und lässt sich dann sanft mitten in die Löwenzahnblüten plumpsen. Sie verharrt einen Moment. Dann legt sie sich vorsichtig nieder und breitet die Arme aus. Oh, wie schön fühlt sich das an!
„Juchhu!“, ruft sie laut. Und nochmal „Juchhu!“
Dann liegen Anna und Dana ganz still nebeneinander, halten einander an den Händen und genießen: die würzig frische Luft, den Duft der Wiese, den Blick in den Himmel und die Nähe der anderen.
Stunden hätten sie so liegen können …
Das Leben kann so schön sein!
Es raschelt im Gras. Ein Mäuslein huscht an ihnen vorbei und über ihnen kreist ein stattlicher Bussard.
„Schnell, schnell, kleine Maus!“, ruft Dana, und – husch – ist das Mäuslein auch schon verschwunden.
Anna lacht und winkt dem Bussard zu, den Bienen, Hummeln und Käfern.
Was für ein wunderschöner Tag!
Als es Zeit wird, weiterzugehen, fällt es ihr schwer, sich zu lösen. Aber das Aufstehen bereitet ihr keine Schwierigkeiten. Es ist, als habe sie eine frische Ladung Energie getankt. Wunderbar! Und wer sagt, dass sie dieses kleine Abenteuer nicht wiederholen können?

© Elke Bräunling

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Illustration alte Dame und junges Mädchen liegen Hand in Hand in Löwenzahnwiese und genießen

 

 

 

Kurzfassung

Mitten im Gras

Anna geht mit Dana über eine Frühlingswiese.
Überall blüht es: gelber Löwenzahn, Gänseblümchen und weiße Blüten.
„Früher habe ich mich einfach ins Gras gelegt“, erzählt Anna. „Ich habe in den Himmel geschaut und geträumt.“
Dana findet das schön.
„Das möchte ich auch einmal machen“, sagt sie.
Anna zögert. Ihr Knie tut weh.
Und sie weiß nicht, ob sie wieder gut aufstehen kann.
Doch dann wagt sie es.
Langsam setzt sie sich ins Gras.
Dann legt sie sich vorsichtig hin.
„Juchhu!“, ruft sie und lacht.
Neben ihr liegt Dana.
Beide halten sich an den Händen.
Sie spüren die Sonne.
Riechen die Wiese.
Hören die Bienen.
Für einen Moment ist alles leicht.
Als sie wieder aufsteht, merkt Anna:
Sie fühlt sich besser. Fast wie neu.
„Das machen wir wieder“, sagt sie und lächelt.
Gut hat es getan, auf der Wiese zu liegen.
Sehr gut.
© Elke Bräunling

 

Fragerunde

Wiese, Frühling & Leichtigkeit

🌼 Erinnern & Natur
• Haben Sie früher auf einer Wiese gelegen?
• Welche Blumen erinnern Sie an den Frühling?
• Kennen Sie den Duft von frischem Gras?
🐝 Beobachten & Erleben
• Haben Sie gerne Bienen oder Schmetterlinge beobachtet?
• Welche Geräusche verbinden Sie mit einer Wiese?
• Gab es einen Lieblingsplatz draußen?
🌿 Körper & Gefühl
• Wann haben Sie sich zuletzt richtig entspannt gefühlt?
• Was tut Ihnen gut, wenn Sie zur Ruhe kommen?
• Fällt es Ihnen leicht, einfach nichts zu tun?
💛 Mut & kleine Schritte
• Haben Sie schon einmal etwas ausprobiert, obwohl Sie unsicher waren?
• Wer hat Sie dabei unterstützt?
• Was hat Ihnen Mut gemacht?
👭 Gemeinschaft
• Haben Sie gerne Zeit mit anderen draußen verbracht?
• Was macht gemeinsame Erlebnisse besonders?
• Erinnern Sie sich an solche Momente?

 

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Fantasiereise

Eine Wiese voller Ruhe

Schließe die Augen.
Atme ruhig ein und aus.
Stell dir vor, du stehst auf einer Wiese.
Die Sonne scheint.
Die Luft ist mild.
Du ziehst deine Schuhe aus.
Dann gehst du langsam ein paar Schritte.
Unter deinen Füßen spürst du das Gras.
Es kitzelt.
Schön fühlt sich das an.
Du bleibst stehen.
Dann setzt du dich ganz vorsichtig.
Wie gut es tut, das Gras so nah zu spüren!
Du legst dich zurück, breitest die Arme aus.
Empfange das Licht, die Natur, den Frühling.
Spüre den Boden unter dir. Er trägt dich.
Über dir der Himmel.
Weit und ruhig.
Ein Vogel zieht seine Kreise.
Du hörst ein leises Summen.
Bienen. Hummeln.
Die Luft riecht nach Frühling.
Frisch. Würzig. Lebendig.
Du atmest tief ein.
Mit jedem Atemzug fühlst du dich ruhiger.
Leichter.
Du bist angekommen in der Natur des Frühlings.
Du fühlst dich umarmt von Licht, Duft, Summen und Leichtigkeit.
Du musst nichts tun.
Du darfst einfach hier sein.
Ein warmer Sonnenstrahl liegt auf deinem Gesicht.
Er wärmt dich.
Und für einen Moment ist alles gut.
Ganz still.
Ganz leicht.

© Elke Bräunling

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Kleiner Sachtext

Die heilsame Kraft von Wiesen und Kräutern

Wiesen sind besondere Orte.
Sie wirken ruhig und lebendig zugleich.
Zwischen Gräsern und Blüten wachsen viele Kräuter:
Löwenzahn, Wiesenschaumkraut, Thymian, Ehrenpreis, Gänseblümchen, Giersch, Klee und andere Kräuter.
Sie sind nicht nur schön anzusehen. Nein, sie haben auch eine Wirkung auf Körper und Seele.
Frische Luft & Bewegung
Auf einer Wiese ist die Luft oft klar und reich an Sauerstoff.
Schon ein kurzer Aufenthalt kann den Kreislauf anregen.
Düfte & Sinneseindrücke
Viele Pflanzen geben feine Duftstoffe ab.
Diese können beruhigend wirken und die Stimmung verbessern.
Naturgeräusche
Das Summen von Insekten und das Rascheln im Gras wirken entspannend.
Sie helfen, zur Ruhe zu kommen.
Heilpflanzen
Viele Wiesenkräuter werden seit Jahrhunderten als Heilpflanzen genutzt. Sie sind die Helfer von Mutter Natur, heilen und regen die Sinne an.
Wirkung auf die Seele
Die Natur hilft, Stress abzubauen. Sie schenkt Ruhe und neue Energie.
Schon kleine Momente draußen können gut tun. Ein Blick ins Grün. Ein Atemzug frischer Luft.
Man muss nicht viel tun. Die Wirkung kommt oft ganz von allein.

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Bewegungsimpulse

Ein Stück Wiese spüren

Sanft beginnen
• Setze dich bequem hin oder stelle dich aufrecht
• spüre deine Füße
• atme ruhig ein und aus
Die Wiese vorstellen
• stelle dir vor, du stehst auf weichem Gras
• bewege deine Füße leicht
• als würdest du darüber gehen
Sonne spüren
• hebe dein Gesicht leicht nach oben
• schließe kurz die Augen
• spüre die Wärme
Arme öffnen
• breite die Arme langsam aus
• als würdest du die Wiese begrüßen
Zurückkommen
• senke die Arme
• atme ruhig aus
• spüre deinen Körper
Gedanke
Manchmal reicht ein kleiner Moment, um neue Kraft zu spüren.

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Erinnerung

Ein Stück Kindheit im Gras

Vielleicht kennst du das noch.
Diese Momente, in denen man einfach ins Gras geplumpst ist.
Aus Spaß und Freude und ohne groß nachzudenken. Einfach so.
Und einfach so daliegen und in den Himmel blicken.
Weit lag er über einem. Wolken zogen langsam vorbei.
Und plötzlich malten sie Bilder in den Himmel.
Wolkenweiße Bilder. Ein Pferd vielleicht. Ein Schiff. Oder ein Gesicht.
Man hat geschaut, gestaunt, geträumt.
Die Zeit spielte keine Rolle mehr.
Ein bisschen kitzelte das Gras an Armen, Beinen und Rücken.
Die Erde roch warm und lebendig. Und irgendwo summte es leise.
Man war einfach da. Ganz leicht. Ganz ruhig. Ganz heiter und zufrieden.
Heute ist das nicht mehr ganz so einfach.
Der Körper meldet sich schneller. Ein Knie, ein Rücken, ein leises Zögern.
Und auch die Gedanken sind vorsichtiger geworden.
„Geht das noch?“ „Ist das nicht zu kalt?“ „Und wie komme ich wieder hoch?“
So viele kleine Fragen, die es früher nicht gab. Und und dann lässt man ab von dem Wunsch, sich ins Gras plumpsen zu lassen. Man bleibt lieber stehen oder sucht die nächste Bank.
Aber manchmal …ja, manchmal reicht nur ein kleiner Moment, um sich wieder daran zu erinnern, wie es einmal gewesen war. Wie es sich angefühlt hat, einfach so im Gras zu liegen und die Stunde zu genießen. Wie herrlich sich diese Ruhe im Wiesenland angefühlt hat, wie erfrischend diese Weite und dieses „Ich muss gerade gar nichts“.

Vielleicht legt man sich heute nicht mehr einfach so ins Gras. Oder nur ganz vorsichtig. Vielleicht setzt man sich nur hin. Oder schließt für einen Moment die Augen.
Spürt die Sonne im Gesicht. Atmet die Luft ein.
Und plötzlich sind die Erinnerungen und Gefühle von früher wieder da.
Nicht ganz wie früher. Aber fast und deutlich erkennbar.
Die Natur drängt sich nicht auf.
Sie wartet einfach, dass man sich auf sie einlässt – und gibt dann vieles zurück:
Ruhe, Wärme, Leichtigkeit.
Und vielleicht ist es genau das, was Anna in der Geschichte spürte, als sie im Gras lag: Nicht nur den Frühling nämlich, sondern auch ein leises Echo von damals.
Und wer weiß …
Vielleicht liegt dieses Gefühl ja gar nicht so weit entfernt, wie man manchmal denkt.

Kleine Fragerunde dazu:
Erinnerungen & kleine Glücksmomente

• Hast du dich früher gern ins Gras gelegt oder draußen ausgeruht?
• Kannst du dich an einen solchen Moment erinnern? Wie war das?
• Hast du als Kind gern in den Himmel geschaut oder Wolken beobachtet?
• Was hat dir früher draußen besonders gut gefallen?
• Gibt es heute noch einen Ort, an dem du dich ähnlich wohl fühlst?
• Was hilft dir, zur Ruhe zu kommen?
• Fällt es dir leicht, einfach einmal nichts zu tun?
• Wann hast du dich zuletzt richtig leicht und unbeschwert gefühlt?

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Ein leiser Gedanke zum Schluss

Es sind oft gar nicht die großen Dinge, die uns Kraft schenken.
Vielleicht sind es genau diese kleinen, stillen Momente.
Ein Stück Wiese.
Ein Blick in den Himmel.
Ein Atemzug frischer Luft.
Nichts Besonderes, und doch so viel.
Im Alltag gehen solche Augenblicke oft verloren.
Zu schnell ist alles. Zu voll. Zu laut.
Doch sie sind noch da.
Wir müssen sie nicht suchen. Nur wieder wahrnehmen.
Und manchmal braucht es nur ein kleines bisschen Mut, sich darauf einzulassen.
So wie Anna.
Ein Schritt. Ein Versuch. Ein Moment im Gras.
Und plötzlich spürt man es wieder: Das Leben kann so schön, so leicht sein.

 

© Elke Bräunling