Die kleine grüne Dose

Die kleine grüne Dose

Fröhliche Familiengeschichte für Groß und Klein

Titel + Illustration alte Dame sitzt strahlend vor einer kleinen grünen kitschigen PorzellandoseEin Geschenk macht die Runde durch die Familie

Manche Dinge sehen unscheinbar aus und tragen doch ein ganzes Leben in sich.
Diese Geschichte erzählt von einer kleinen grünen Dose, die ungeliebt weitergereicht wird und am Ende genau dorthin zurückkehrt, wo sie hingehört: nach Hause, zu den Erinnerungen.
Für Erwachsene, Senioren und Familien, für Vorleserunden, Erinnerungsarbeit, Gesprächskreise und für alle, die wissen, dass Dinge manchmal mehr bewahren als nur ihren äußeren Wert.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

 

 

Die kleine grüne Dose

Einmal hatte Uroma Marie von ihrer Patentante zum Geburtstag ein kostbares Erbstück als Geschenk bekommen: eine kleine Porzellandose, in der man Schmuckstücke aufbewahren konnte. Sie war hellgrün und mit gelben und rosafarbenen Blümchen bemalt. Auf dem Deckel saß ein Engelchen mit goldenen Flügelchen und einem Blumenkranz im Haar.
‚Was für eine hässliche Dose‘, hatte Uroma Marie insgeheim gedacht und laut „Wie zauberhaft!“ ausgerufen. Sie wollte ihre Patin nicht kränken.
Die Dose hatte sie auf ihre Schlafzimmerkommode hinter den großen Spiegel gestellt und darin Haarspangen, Gummiringe, Schmerztabletten, Briefmarken und anderen Krimskrams aufbewahrt. Das Geschenk einer Patin hielt man schließlich in Ehren, egal, ob man es leiden mag oder nicht. Als einmal ein Flügelchen abbrach, klebte sie es sorgfältig wieder an und stellte die Dose an einen sicheren Platz in der Glasvitrine, wo sie noch mehr Familienerbstücke aufbewahrte.
Weil sich diese Vitrine im Lauf der Jahre aber immer mehr füllte, machte Uroma Marie immer ab und zu eines dieser Stücke zu einem Geschenk für liebe Verwandte, damit die Erbstücke auch weiterhin Erbstücke blieben. Eines Tages war auch die hellgrüne Dose mit dem Engelchen an der Reihe. Sie schenkte sie ihrer Nichte Beate zur Taufe ihres ersten Kindes. Für die Milchzähne.
Beate, deren Name die Glückliche bedeutet, war alles andere als glücklich über dieses Geschenk.
„Es ist grässlich hässlich“, murmelte sie und schenkte es bei nächster Gelegenheit ihrer Cousine Helga, die es sehr schnell ebenfalls an das nächste Familienmitglied weiter gab.
So wanderte die kleine hässliche Dose als Geschenk in der Familie umher, bis sie irgendwann in einer Kiste mit anderen wenig willkommenen Gaben im Sperrmüll lag. Ein Trödler entdeckte sie dort und nahm sie mit auf seine Flohmarkttouren.
Viele Flohmärkte lernte die kleine Dose nun kennen. Keiner wollte sie kaufen. Der Trödler aber hatte sie irgendwie lieb gewonnen. Und so tat es ihm in der Seele weh, als sich eines Tages doch ein Käufer fand. Opa! Der war auf dem Flohmarkt unterwegs auf der Suche nach einem Geschenk zu Uroma Maries 88sten Geburtstag und irgendwie erinnerte ihn die Dose an seine Kindheit. So eine ähnliche war ihm als Kind nämlich versehentlich zu Boden gefallen. Ein Flügel war abgebrochen, daran erinnerte sich Opa ganz genau, und seine Mutter hatte ihn wieder angeklebt. Und hatte der Engel auf dieser Dose nicht auch eine Klebestelle?
„Wie apart! Bestimmt wird Mutter sich auch erinnern“, sagte Opa und kaufte die Dose. „Es wird sie freuen.“
Und so war es auch. Wenn man einmal alt ist, sind Erinnerungen nämlich die kostbarsten Geschenke.
„Oh, die grässlich hässliche Dose ist wieder nach Hause gekommen. Wie zauberhaft!“, rief Uroma Marie und ihre Stimme zitterte ein wenig vor Rührung. Und dieses Mal meinte sie es auch so.

© Elke Bräunling

Illustration alte Dame sitzt strahlend vor einer kleinen grünen kitschigen Porzellandose


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Kurze Fassung in einfacher Sprache

Die kleine grüne Dose

Uroma Marie bekommt zu ihrem Geburtstag eine kleine grüne Porzellandose geschenkt.
Sie findet sie eigentlich hässlich, sagt aber höflich: „Wie zauberhaft!“
Viele Jahre bewahrt sie in der Dose kleine Dinge auf.
Später dann verschenkt Uroma Marie die Dose weiter.
Und nun geht sie reihum in der Familie.
Doch niemand mag die Dose wirklich.
Sie ist grässlich hässlich, sagen alle. Leise.
Sie wird immer weiter verschenkt und landet schließlich im Sperrmüll.
Ein Trödler nimmt sie mit auf den Flohmarkt.
Dort entdeckt Opa die Dose.
Sie erinnert ihn an seine Kindheit und an seine Mutter.
Er kauft sie als Geschenk für Uroma Maries Geburtstag.
Als Uroma Marie die Dose sieht, erkennt sie sie sofort wieder.
Sie freut sich sehr.
Die Dose ist nach Hause zurückgekehrt –
und mit ihr viele Erinnerungen.
Jetzt sagt Uroma Marie ehrlich:
„Wie zauberhaft!“
Erinnerungen nämlich sind die schönsten Geschenke.
© Elke Bräunling

💬 Fragerunde für Gespräch & Erinnerungsarbeit

🌿 Einstieg
1 Was ist das Besondere an der kleinen grünen Dose?
2 Warum sagt Uroma Marie zuerst, dass sie die Dose schön findet, obwohl sie es nicht denkt?
🎁 Geschenke & Gefühle
3 Kennen Sie ein Geschenk, das Sie nicht mochten – aber behalten haben?
4 Warum wollte Uroma Marie die Dose trotzdem aufbewahren?
🔄 Weitergeben & Wiederfinden
5 Warum wurde die Dose immer weiter verschenkt?
6 Wie fühlt es sich an, wenn etwas Vertrautes plötzlich wieder auftaucht?
🧠 Erinnerungen
7 Warum sind Erinnerungen für ältere Menschen oft so wichtig?
8 Gibt es einen Gegenstand, der Sie an Ihre Kindheit erinnert?
❤️ Zum Nachdenken
9 Was macht ein Geschenk wirklich wertvoll – der Preis oder die Bedeutung?
10 Welches Geschenk aus Ihrem Leben war im Rückblick besonders kostbar?

 

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