Reden wir vom Wetter

Reden wir vom Wetter

Spätwintergeschichte für Senioren

Titel + Illustration Zwei ältere Damen treffen sich im Hausflur und unterhalten sichWinterverdruss, Frühlingssehnsucht und Erinnerungen

Reden wir vom Wetter ist eine ruhige Februargeschichte über Winterverdruss, erste Frühlingszeichen und die Kraft von Erinnerungen.
Ein Gespräch im Treppenhaus wird zum Anlass, über frühere Winter, Tagebücher und das Leben nachzudenken und darüber, wie wohltuend gemeinsames Erinnern sein kann.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

 

 

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Reden wir vom Wetter

„Meinen Sie nicht auch, dass die Winter früher strenger waren?“, fragte Anne ihre Nachbarin Cornelia, als sich die beiden im Treppenhaus trafen. Sie kam gerade vom Einkauf zurück und hatte unterwegs bereits erste Frühlingsblüten entdeckt.
„Finden Sie?“ Cornelia sah Anne erstaunt an. „Dieser Winter ist bisher doch ziemlich heftig gewesen und ich denke, der Frühling wird noch eine Weile auf sich warten lassen.“
Anne schüttelte den Kopf. „Ich habe gerade erste Krokusse in den Vorgärten gesehen. Ist das nicht ungewöhnlich mitten im Februar? Vielleicht täusche ich mich auch. Ich sollte doch mal wieder in meine alten Tagebücher schauen!“
„Notieren Sie so etwas auf?“ Cornelia wunderte sich. Es käme ihr nicht in den Sinn, ein Tagebuch zu schreiben. Dafür hatte sie noch nie etwas übrig gehabt.
Doch in ihrem Kopf rumorte es plötzlich. Sie sah Bilder vor sich, die an eine lange vergangene Zeit erinnerten. Ganz deutlich vernahm sie die Worte der Großmutter, die von den Wintern ihrer Kindheit erzählte. Hart waren die gewesen, sehr hart. Und dennoch hatten sie manchmal lange vor der Zeit mit Blumengrüßen im Garten geendet.
Ganz genau erinnerte sich Cornelia nun. An ihrem Geburtstag im Februar, so hatte es die Großmutter erzählt, hatten schon erste Krokusse und Märzenbecher aus Schneeresten heraus geblüht. Trotz des harten Winters.
„Cornelia?“ Anne wunderte sich über den abwesenden Blick der Nachbarin. „Träumen Sie?“
„Oh, Entschuldigung, ich war gerade in Gedanken. Meine Großmutter kam mir in den Sinn und ich dachte an ihre Erzählungen aus der Kindheit. Es ist sehr schön, wenn man sich erinnert. Vielleicht sind Ihre Tagebücher eines Tages ein Dokument für die, die nach uns kommen!“
Anne lachte. „Meinen Sie, dass sich jemand für mein Leben interessieren könnte?“
Cornelia nickte. „Ja, das denke ich. Erinnerungen können den Tag so viel heller machen und vor allem viele Fragen beantworten, das habe ich gerade eben selbst bemerkt. Und man begreift manchmal das Leben und den Alltag besser.“ Sie lächelte verlegen. „Oh, das klingt kompliziert nun? Eigentlich wollten wir ja nur übers Wetter sprechen.“
Die Haustür wurde geöffnet und Herr Schuhmann aus dem Dachgeschoss kam langsam die Treppe herauf.
„Guten Tag, die Damen!“, grüßte er freundlich und zog seinen Hut. „Finden Sie nicht auch, dass der Winter endlich zu Ende sein dürfte?“
Die beiden Frauen lachten fröhlich. Da war es wieder, das Wetter!
„Gerade haben wir darüber gesprochen!“, sagte Anne. „Ich finde, wir sollten eine Tasse Tee miteinander trinken, was meinen Sie? Treffen wir uns in einer Viertelstunde bei mir, dann können wir das Thema ein wenig vertiefen!“

© Elke Bräunling

🌷 Reden Sie oft übers Wetter und merken manchmal, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht?
Welche Erinnerung hat Ihr Alltag zuletzt heller gemacht?

 

Illustration Zwei ältere Damen treffen sich im Hausflur und unterhalten sich

 

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Reden wir vom Wetter

Kurze Fassung in einfacher Sprache

Zwei Nachbarinnen treffen sich im Treppenhaus.
Anne kommt vom Einkaufen und hat erste Frühlingsblumen gesehen.
Sie fragt sich, ob die Winter früher strenger waren.
Cornelia ist anderer Meinung.
Doch dann erinnert sie sich an ihre Großmutter.
Diese hatte von harten Wintern erzählt … und davon, dass manchmal schon im Februar Blumen blühten.
Cornelia denkt nach.
Erinnerungen kommen zurück.
Sie merkt, wie schön es ist, sich zu erinnern.
Anne erzählt von ihren Tagebüchern.
Cornelia findet das wichtig.
Erinnerungen können später anderen helfen, das Leben besser zu verstehen.
Da kommt ein weiterer Nachbar dazu.
Auch er spricht über das Wetter.
Alle lachen.
Anne schlägt vor, gemeinsam Tee zu trinken.
So können sie weiter reden. Über das Wetter und über das Leben.
© Elke Bräunling

 

💬 Fragerunde für Gesprächsrunden & Erinnerungsarbeit

🌤️ Einstieg – Das Wetter
1 Worüber sprechen die Nachbarinnen zuerst?
– Über das Wetter? Über den Winter?
2 Haben Sie auch schon gehört:
„Früher waren die Winter anders“?
🌱 Erinnerungen
3 Woran erinnert sich Cornelia plötzlich?
– An ihre Großmutter?
4 Haben Sie Erinnerungen an Erzählungen aus Ihrer Kindheit?
– Von Eltern oder Großeltern?
📖 Festhalten & Aufschreiben
5 Anne schreibt Tagebuch.
– Haben Sie früher etwas aufgeschrieben?
– Briefe, Notizen, Kalender?
6 Finden Sie es wichtig, Erinnerungen festzuhalten?
– Warum oder warum nicht?
Miteinander reden
7 Warum tut das Gespräch den Frauen gut?
8 Kennen Sie solche kurzen Gespräche im Hausflur oder auf der Straße?
9 Haben Sie schon einmal beim Reden gemerkt,
dass Erinnerungen plötzlich wach werden?
🌼 Übertragen
10 Was macht Ihren Alltag heller?
– Ein Gespräch? Eine Erinnerung? Eine Tasse Tee?
11 Wenn Sie heute jemanden zum Tee einladen würden:
Worüber würden Sie gern sprechen?