Ein Engel auf Erden

Ein Engel auf Erden

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte 

Titel + illustration Kind liest Oma aus einem Buch vor„Manchmal braucht es keine Flügel, um ein Engel zu sein. Manchmal genügt eine zärtliche Hand.“

Weihnachten ist die Zeit der großen Gefühle und der leisen Wunder.
Diese besondere Weihnachtsgeschichte erzählt von einem Jungen, der seine Oma im Pflegeheim besucht und mit seiner Nähe etwas wachruft, das längst verloren schien.
Eine Erzählung über Erinnerung, Liebe und die Kraft kleiner Gesten, die Herzen öffnen ganz ohne große Worte.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

 

 

Ein Engel auf Erden

Wenn ich Zeit habe, besuche ich Oma im Pflegeheim, auch wenn sie mich meist nicht erkennt. Was früher einmal war, hat sie vergessen, und sprechen mag sie auch nicht mehr. Sie sitzt nur in ihrem Rollstuhl am Fenster und blickt hinaus. Auch wenn ich mit ihr spreche. Manchmal sieht sie mich auch an und wenn ich ihre Hand nehme und sie streichle, lächelt sie.
Ich erzähle Oma, was ich in der Schule erlebe und was Zuhause alles passiert, oder ich lese ihr aus meinen Büchern vor.
„Sie mag deine Stimme und spürt, dass du sie lieb hast“, hat Mama mir erklärt.
Heute ist Heiligabend. Überall im Haus raschelt es geheimnisvoll, und aus der Küche riecht es lecker. Papa hat sich mit Tüten und Geschenkpapier in sein Arbeitszimmer zurückgezogen, und Mama werkelt im Wohnzimmer, das wir heute nicht betreten dürfen. Meine kleine Schwester Silke schläft und ich langweile mich.
Da muss ich an Oma denken. Ob sie sich auch langweilt?
„Mama, ich gehe zu Oma und lese ihr die Weihnachtsgeschichte vor.“
„Das ist eine sehr gute Idee!“, meint Mama. „Du bist ein Schatz, Max. Sag Oma, wir kommen morgen, und wenn es ihr gut geht, nehmen wir sie für ein paar Stunden mit nach Hause.“
Ich ziehe meine warme Jacke an und mache mich auf den Weg.
Es schneit, und der Schnee knirscht unter meinen Stiefeln. Irgendwie riecht es heute auch draußen nach Weihnachten, finde ich.
In der Halle des Heimes steht ein hoher, geschmückter Weihnachtsbaum mit vielen Lichtern. Die meisten Heimbewohner sitzen mit strahlenden Augen davor und freuen sich. Nur Oma ist in ihrem Zimmer geblieben.
„Hallo Oma!“, begrüße ich sie. „Heute ist Heiligabend und ich möchte dir die Weihnachtsgeschichte erzählen. Magst du sie hören?“
Oma sieht mich an und lächelt. Ich küsse sie auf die Wange und setze mich zu ihr ans Fenster. Als ich von Maria und Josef erzähle und wie schwer sie es hatten, einen Herbergsplatz zu finden, fängt Oma an, ganz leise singen.
„Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht …“
Ich freue mich so, dass ich mitsinge. Oma schafft es, sich an alle drei Strophen zu erinnern. Eine Krankenschwester hat das Zimmer betreten. Ihre Augen sind ein wenig nass, so gerührt ist sie.
„Manchmal begegnen uns Engel auf der Erde. Du bist auch so ein kleiner Engel, Max!“, sagt sie zu mir.
Ich weiß nicht genau, wie sie das gemeint hat, aber ich finde es toll, dass sich Oma ein bisschen doch an Weihnachten erinnert hat.

© Elke Bräunling und Regina Meier zu Verl

illustration Kind liest Oma aus einem Buch vor

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Kurzfassung

Ein Engel auf Erden

Kurze Fassung in einfacher Sprache

Max besucht seine Oma im Pflegeheim.
Sie erkennt ihn meistens nicht mehr und kann kaum sprechen.
Doch wenn Max ihre Hand hält, lächelt sie und das bedeutet ihm sehr viel.
Am Heiligabend ist Max unruhig.
Zuhause wird alles vorbereitet, aber er denkt an seine Oma. Also beschließt er, ihr die Weihnachtsgeschichte vorzulesen.
Mama findet das wunderbar.
Im Heim steht ein großer, strahlender Weihnachtsbaum.
Oma aber sitzt allein in ihrem Zimmer.
Max setzt sich zu ihr und beginnt zu erzählen.
Und plötzlich geschieht ein kleines Wunder:
Oma beginnt leise „Stille Nacht“ zu singen. Alle drei Strophen.
Max singt mit, und eine Krankenschwester ist so gerührt, dass ihr die Augen glänzen.
„Manchmal begegnen uns Engel auf der Erde. Und du bist auch so einer, Max“, sagt sie.
Max weiß nicht genau, was das bedeutet, aber er fühlt, dass dieser Abend für Oma und ihn etwas ganz Besonderes war.

© Elke Bräunling und Regina Meier zu Verl

 

Fragerunde

1. Erinnerungen & Nähe
• Haben Sie selbst jemanden besucht, der Sie nicht immer wiedererkannt hat?
• Welche kleinen Gesten bedeuteten in solchen Momenten besonders viel?
2. Weihnachten & Gefühle
• Welche Lieder gehören für Sie zu Heiligabend?
• Erinnern Sie sich an eine besondere Weihnachtsnacht?
3. Begegnungen im Alltag
• Haben Sie schon einmal jemanden erlebt, der Sie „wie ein Engel“ berührt hat?
• Oder waren Sie selbst schon einmal ein Engel für jemanden?
4. Pflege & Wärme
• Was hilft Menschen im Pflegeheim besonders: Worte, ein Lied, eine Berührung?
• Haben Sie selbst schon einmal mit jemandem gesungen, der kaum sprechen konnte?
5. Kinder & Trost
• Haben Kinder manchmal ein besonderes Gespür für Stimmungen?
• Was hätten Sie Max gern gesagt?

 

 

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