Uromas Osterkuchenrezept
Uromas Osterkuchenrezept
Familiengeschichte für Groß und Klein
Uromas altes Kuchenrezept ist spurlos verschwunden. Das ist schlimm für Oma, denn dieses Rezept ist viel mehr als eine Anleitung zum Backen.
Diese Geschichte erzählt von einem verlorenen Blatt Papier und von Erinnerungen, die darin bewahrt sind. Sie eignet sich besonders für Senioren und Demenzgruppen, ruhige Vorlesemomente, Familien, die über Erinnerungen sprechen möchten, Gesprächsrunden zu Ostern und früher.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache, Fragerunde, Impulsen zum Erinnern, Erzählen und Innehalten.
Inhalt:
- Uromas Osterkuchenrezept (Originalgeschichte)
- Einfache Fassung
- Sehr einfache Kurzfassung
- Fragerunde für Seniorengruppen
- Wusstest du? Sütterlin
- Kleine Ostererinnerung – Der Tag vor Ostern
Uromas Osterkuchenrezept
„Mein Rezept! Oh je, oh je, oh je! Ich habe mein Rezept verloren.“
Aufgeregt wuselte Uroma Marie durch die Wohnung.
„Das Rezept, das dir der Arzt verschrieben hat?“, fragte Mama. „Es liegt im Flur auf der Kommode und ich werde es nachher mitnehmen und einlösen.“
„Nein. Das doch nicht.“ Uromas Stimme klang ungeduldig.
„Welches Rezept meinst du denn?“ Mama betrat Uroma Maries Zimmer. „Soll ich dir suchen helfen?“
Uroma Marie raufte sich die Haare. Sie war noch ungekämmt und ihre sonst sorgfältig zu einem Zopf geflochtenen weißen Haare hingen ihr wirr im Gesicht.
„Das Osterrezept meiner Mutter“, sagte sie. „Ich hatte es wohl aufbewahrt in meinem alten Tagebuch. Doch da ist es nicht.“
„Oh! Dieses Rezept meinst du!“
Mama erschrak. Es war ein Osterkuchenrezept von Ururoma Mathilde und es war kostbar. Nicht wegen des Osterkuchens, aber wegen der Erinnerung und der Familiengeschichte. War es doch das einzige Rezept, das von Uroma Maries Familie über den Krieg gerettet und erhalten werden konnte, fein geschrieben in einer alten Sütterlinschrift mit vielen Schnörkeln und kleinen Zeichnungen.
„Nun habe ich keine Erinnerung mehr an meine Mutter. Es war ihre Schrift.“ Oma Maries Stimme klang kläglich. „Ich habe es mir immer angesehen, wenn ich Sehnsucht nach ihr hatte. Und nun habe ich es verschlampt. Es ist verloren.“
„Und das Rezept auch.“ Mamas Stimme klang genau so traurig nun. Irgendwie war es nämlich auch ihr Lieblingsrezept, denn sie kannte keinen Kuchen, der leckerer schmeckte als dieser Osterkuchen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nie mehr diesen Osterkuchen essen werden. Oh, ich habe ihn geliebt.“
„Der Kuchen?“ Uroma Marie blickte auf. „Der ist doch nicht das Problem. Das Rezept kenne ich auswendig.“
„Dann ist es ja gut.“ Mama atmete auf.
„Gar nichts ist gut.“ Die Stimme von Uroma Marie klang finster und immer noch sehr traurig. „Ich muss es finden. Ich muss …“ Und sie machte sich wieder an die Suche. Den ganzen Vormittag lang.
Mit traurig, feuchten Augen und immer noch ungekämmt setzte sie sich später zu uns an den Mittagstisch.
„Verloren“, murmelte sie. „Es ist für immer verloren. Ich weiß nicht, wo ich noch suchen könnte.“
Ich wusste nicht, was sie nicht mehr finden konnte. Ich wusste nur, dass ich ihr etwas ganz Tolles erzählen wollte. Vielleicht würde es sie trösten.
„Dein Osterkuchenrezept“, begann ich vorsichtig. „Das war der Knüller heute in der Schule.“
„Mein Oster … Oster … Kuchenrezept?“
Ich nickte. Und dann erzählte ich ihr, wie alle in der Deutschstunde das Blatt mit dem Rezept, den Bildern und der wunderfeinen Schrift bewundert und wie Frau Lehmann es ein ‚wertvolles zeithistorisches Dokument‘ genannt hatte. Ich erzählte und erzählte und merkte erst viel später, dass Uroma Marie und Mama seltsam stumm waren und gar nichts dazu sagten. Ob sie sauer mit mir waren, weil ich mir ohne zu fragen das Rezeptblatt ausgeliehen hatte?
© Elke Bräunling

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Einfache Fassung
Uromas Osterkuchenrezept
„Mein Rezept! Oh je! Wo ist mein Rezept?“
Uroma Marie läuft unruhig durch die Wohnung.
Mama fragt:
„Meinst du das Rezept vom Arzt?“
„Nein“, sagt Uroma. „Das meine ich nicht.“
„Welches Rezept suchst du denn?“, fragt Mama.
„Das alte Osterkuchenrezept meiner Mutter“, sagt Uroma leise.
Sie ist sehr traurig.
„Ich hatte es in meinem Tagebuch“, sagt sie. „Aber jetzt ist es weg.“
Mama erschrickt.
Dieses Rezept ist etwas ganz Besonderes.
Es stammt von Ururoma Mathilde.
Es ist sehr alt.
Und es erinnert an früher.
„Nun habe ich nichts mehr von meiner Mutter“, sagt Uroma. „Es war ihre Schrift.“
Mama wird auch traurig.
„Und der Kuchen“, sagt sie leise. „Der war immer so lecker.“
Uroma schaut auf.
„Der Kuchen ist nicht das Problem“, sagt sie. „Das Rezept kenne ich auswendig.“
Mama atmet auf.
„Dann ist ja alles gut.“
Aber Uroma schüttelt den Kopf.
„Nein“, sagt sie. „Ich will das Blatt wiederfinden.“
Den ganzen Vormittag sucht sie.
Doch sie findet es nicht.
Später sitzt sie still am Tisch.
„Es ist verloren“, sagt sie traurig.
Da beginne ich zu erzählen:
„Dein Rezept war heute in der Schule.“
Uroma schaut mich an.
„In der Schule?“
Ich nicke.
„Alle fanden es wunderschön“, sage ich.
„Die Schrift, die Zeichnungen – alles.“
„Die Lehrerin hat gesagt, es ist etwas ganz Besonderes.“
Uroma und Mama schauen sich an.
Sie sagen nichts.
Da merke ich plötzlich:
Ich habe das Rezept einfach mitgenommen.
Ohne zu fragen.
© Elke Bräunling
Sehr einfache Kurzfassung
Uromas Osterkuchenrezept
Uroma Marie sucht ihr altes Rezept.
Sie ist sehr unruhig.
„Mein Osterkuchenrezept ist weg“, sagt sie. „Ich finde es nicht mehr.“
Das Rezept ist sehr alt.
Es stammt von ihrer Mutter.
Uroma Marie ist traurig.
„Es war eine Erinnerung“, sagt sie leise.
Mama versucht sie zu trösten.
„Den Kuchen kannst du doch backen“, sagt sie. „Du kennst das Rezept.“
Aber Uroma schüttelt den Kopf.
„Das Blatt ist wichtig“, sagt sie.
Sie sucht lange.
Doch sie findet es nicht.
Später erzählt das Kind:
„Das Rezept war heute in der Schule.“
Alle haben es bewundert.
Die Lehrerin hat gesagt:
„Das ist etwas Besonderes.“
Uroma Marie hört zu.
Sie ist still.
Dann versteht das Kind:
Es hat das Rezept mitgenommen.
Ohne zu fragen.
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Fragerunde für Seniorengruppen
Zum Erinnern an Backen und Ostern
1 Haben Sie früher selbst Kuchen gebacken?
2 Gab es bei Ihnen ein besonderes Rezept zu Ostern?
3 Wer hat in Ihrer Familie am besten gebacken?
4 Erinnern Sie sich an den Duft von Kuchen aus Ihrer Kindheit?
5 Welche Kuchen mochten Sie besonders gern?
Über alte Rezepte und Erinnerungen
6 Haben Sie noch alte Rezepte von früher?
7 Wurden diese in der Familie weitergegeben?
8 Gab es handgeschriebene Rezepte oder ein Kochbuch?
9 Können Sie sich an die Handschrift Ihrer Mutter oder Großmutter erinnern?
Über Familie und Vergangenheit
10 Was verbindet Sie besonders mit Ihrer Mutter oder Großmutter?
11 Gibt es Dinge, die Sie heute noch an sie erinnern?
12 Haben Sie selbst etwas weitergegeben – Rezepte, Geschichten oder Bräuche?
Über Verlust und Wiederfinden
13 Haben Sie schon einmal etwas Wichtiges verloren?
14 Wie haben Sie sich dabei gefühlt?
15 Haben Sie es wiedergefunden – oder bleibt manchmal nur die Erinnerung?
Über Schule und Kindheit
16 Erinnern Sie sich an Ihre Schulzeit?
17 Gab es Dinge, auf die Sie stolz waren?
18 Haben Sie einmal etwas von zu Hause mit in die Schule genommen?
Zum Abschluss
19 Was gefällt Ihnen an der Geschichte besonders?
20 Was ist wichtiger: das Rezept oder die Erinnerung daran?
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🌼 Wusstest du schon?
Alte Rezepte, Briefe und die Schrift von früher
Früher wurde alles von Hand aufgeschrieben. Rezepte, Briefe, kleine Notizen oder ganze Tagebücher.
Oft lagen solche Blätter gut aufbewahrt in Schubladen oder alten Kästen. Man nahm sie nur selten hervor. Sie waren nämlich etwas ganz Besonderes.
Auch das Rezept von Uroma Marie war so ein Schatz. Es war nicht nur eine Anleitung zum Backen. Nein, es war ein Stück Erinnerung.
Viele dieser alten Texte wurden in einer Schrift geschrieben, die heute kaum noch jemand lesen kann. Diese Schrift nennt man Sütterlin.
Für die Menschen früher war sie ganz normal. Sie haben sie in der Schule gelernt und jeden Tag benutzt.
Für uns heute wirkt sie fremd und schwierig und auch ein wenig geheimnisvoll.
Vielleicht haben Sie selbst schon einmal so ein altes Blatt in der Hand gehalten.
Einen vergilbten Brief. Ein Tagebuch. Oder ein Rezept, das von Hand geschrieben wurde.
Vielleicht erinnern Sie sich auch daran, wie jemand aus der Familie daraus vorgelesen hat.
Langsam, Wort für Wort.
Manchmal musste man genau hinschauen, um die Buchstaben zu erkennen.
Und doch war es ein besonderes Gefühl. In dieser Schrift nämlich stecken nicht nur Worte, sondern auch Zeit und Leben.
Vielleicht haben auch Sie noch irgendwo ein solches Erinnerungsstück?
Ein Blatt Papier, das viele Jahre überdauert hat?
Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob man jedes Wort sofort lesen kann.
Wichtiger ist, dass man spürt: Hier hat einmal jemand gesessen, geschrieben, gedacht, gelebt. Und etwas davon ist bis heute geblieben.
So wie Ururomas Kuchenrezept aus der Geschichte.
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Kleine Ostererinnerung – Ein Tag vor Ostern
Am Tag vor Ostern war früher oft viel zu tun.
In vielen Familien wurde gebacken, gekocht und Köstliches vorbereitet.
Vielleicht erinnern Sie sich: In der Küche duftete es nach Braten und Kuchen.
Auf dem Tisch standen Eier, die gefärbt wurden. Manche waren bunt, andere wurden mit Zwiebelschalen gefärbt und dadurch bekamen sie warme, braune Farbtöne.
Kinder liefen neugierig umher. Sie wollten helfen oder wenigstens zuschauen. Oder beides.
Und oft standen sie dabei im Weg.
Manchmal durften sie die Eier vorsichtig ins Wasser legen. Oder sie rührten im Teig oder naschten heimlich ein paar Stückchen.
Oft wurde gelacht. Und manchmal auch geschimpft, wenn etwas daneben ging. Doch das gehörte dazu.
Vielleicht gab es auch ein besonderes Geschirr, das nur an Feiertagen auf den Tisch kam? Weiße Teller mit einem feinen Muster. Auch die alte Kaffeekanne von Uroma, die sonst wie eine Kostbarkeit im Schrank stand, wurde nun bereitgestellt.
Manche Familien gingen am Abend noch einmal hinaus in den Garten oder die nahen Felder zu einem kurzen Spaziergang durch die kühle Frühlingsluft.
Die ersten Blumen blühten schon. Und irgendwo sang ein Vogel.
Nach der langen Osternacht begann der Ostersonntag oft leise.
Früh wachten die Kinder schon auf. Vorsichtig schauten sie nach, ob der Osterhase schon da gewesen war. Dann begann die Suche. Im Garten, im Haus oder auf dem Balkon. Hinter Sträuchern, unter Stühlen oder in kleinen Nestern.
Ein freudiger Ruf hier, ein Lachen dort. Und immer wieder dieses Staunen.
Die Erwachsenen standen ein wenig abseits. Sie beobachteten ihre Kinder mit einem stillen, zufriedenen Lächeln. Oft erinnerten sie sich dabei an ihre eigene Kindheit.
Später saß man zusammen am Tisch. Es wurde gegessen, erzählt und gelacht.
Die Zeit verging langsam.
Es waren keine großen Dinge. Keine besonderen Ereignisse. Aber es waren gute Momente.
Warme, einfache Momente.
Und genau diese haben oft in kleinen Erinnerungen die Zeit überlebt. Bis heute.
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Dazu eine kleine Mitmachidee für alle: Erinnerungen teilen
Vielleicht möchten Sie gemeinsam überlegen:
• Wie war das bei Ihnen früher zu Ostern?
• Wer hat die Eier versteckt?
• Gab es ein besonderes Gericht oder einen Kuchen?
• Haben Sie selbst einmal für andere etwas vorbereitet?
Jeder kann erzählen, was ihm einfällt.
Auch kleine Erinnerungen sind wertvoll.
Manchmal genügt ein Wort … und schon entsteht ein ganzes Bild im Kopf.
© Elke Bräunling

