Das Osterei vom letzten Jahr
Das Osterei vom letzten Jahr
Fröhliche Geschichte für Groß und Klein
Manchmal liegen kleine Überraschungen genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet
In dieser heiteren Ostergeschichte entdeckt Oma Schmitt beim Staubsaugen unter dem Sofa ein vergessenes Osterei aus dem letzten Jahr. Und plötzlich wird aus Staub und Unordnung eine Erinnerung, über die man herzlich lachen kann.
Diese Geschichte eignet sich besonders gut zum Vorlesen für Senioren oder für gemütliche Familienrunden. Die einfache Fassung und die anschließende Fragerunde laden zum Erinnern und Erzählen ein.
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Das Osterei vom letzten Jahr
„Nanu? Was ist das denn?“
Neugierig beugte sich Oma Schmitt unters Sofakante. Beim Staubsaugen hatte sie mehr zufällig gespürt, dass da etwas unterm Sofa liegen musste.
Was mochte es wohl sein? Und überhaupt: Wie konnte ein Gegenstand dort hinunter geraten? Unter Betten, Sofas und Schränken hatte nichts zu liegen. Das war unordentlich. So hatte es ihr ihre Mutter damals beigebracht und darauf hatte sie auch ein Leben lang geachtet. Unordnung, Staub und Schmutz wiesen auf einen liederlichen Charakter hin. Genau so hatte es Mama gesagt und daran hatte sie immer denken müssen, wenn sie einmal müde von ihrer Arbeit im Büro der Stadtverwaltung gewesen war und an den Abenden oder Wochenenden so gar keine Lust hatte, ihre Wohnung zu säubern und auf Vordermann zu bringen. Wenn sie dann aber müde – oder auch ein bisschen faul – bei einer Zeitschriftenlektüre am Tisch saß, hatte ihr das schlechte Gewissen kaum eine Ruhe gelassen und sie hatte zum Putztuch, Wischlappen, Staubsauger und zur Abfalltüte gegriffen. Nur in den letzten Jahren, eigentlich seit der Rente, war sie nachlässiger geworden und hatte immer wieder mal fünfe gerade sein lassen.
„Liederlich“, hatte sie manchmal gekichert. „Ich bin liederlich geworden. Wenn Mama das wüsste! Gott hab sie selig. Überhaupt: Was bedeutet dieses liederlich eigentlich? Ach, egal.“
Sie goss sich noch einen Becher Kaffee ein, setzte sich an den Küchentisch und schlug die Tageszeitung auf. Ihr Blick fiel auf ein Bild, das ihr gerade ähnelte.
Eine Frau saß mit einem Kaffeebecher am Tisch und las die Zeitung. Neben ihr am Boden lag vergessen der Staubsauger auf einem Teppich voller Papierschnipsel und Erdkrumen. Am siebten April bleibt der Staubsauger in der Ecke, denn dann ist ‚Keine-Hausarbeit-Tag‘!“*, stand unter dem Foto geschrieben.
„Oha!“ Oma Schmitt musste lachen. „Wenn das so ist, darf ich heute am ‚Keine-Hausarbeitstag‘ gar nicht saugen. Das passt mir gerade sehr gut. Oho! Wenn Mama das sähe!“
Sie stand auf, trat zur Kommode und drehte das Bild ihrer Mutter zur Wand. Sicherheitshalber. Dann bückte sie sich und blickte unters Sofa. Nachsehen, was sich dort vor dem Staubsauger versteckt hatte, durfte man ja wohl auch an einem ‚Keine-Hausarbeitstag‘. Sie musste den Arm weit nach hinten recken, fast bis zur Wand, und fand, mitten in einer Staubflusenwolke, ein hellblaues Osterei.
„Oh!“, rief sie. „Der Osterhase war da. Aber es ist doch noch gar nicht Ostern. Oh!“
Sie betrachtete sich das Ei genauer. Arg mitgenommen sah es aus und alt. So alt, wie ein Osterei aussah, das vergessen ein, zwei oder drei Jahre unterm Sofa in einer Staubwolke lag und darauf wartete, gefunden zu werden.
„Oh!“, rief Oma Schmitt wieder und kickte das Osterei zurück in die dunkle Staubecke unter das Sofa. Zur Erinnerung. „Was bin ich doch für ein liederlicher, schlampiger Mensch. Hoho.“
Sie lachte und fand sich gar nicht liederlich und schlampig, und das fühlte sich gerade sehr gut an. Gut war auch, dass Mama auf dem Foto noch immer auf die Wand blickte.
© Elke Bräunling
* Den ‚Keine-Hausarbeitstag‘ (No Housework Day) gibt es wirklich. Er wird als kurioser Feiertag in den USA immer am 7. April „gefeiert“ … und der ist nun nicht mehr weit … 🤗

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Das Osterei vom letzten Jahr
Fassung in einfacher Sprache
Oma Schmitt wollte staubsaugen.
Dabei spürte sie plötzlich etwas unter dem Sofa.
„Nanu“, sagte sie. „Was liegt denn da?“
Neugierig bückte sie sich und schaute unter das Sofa.
Früher hätte ihr das gar nicht gefallen.
Denn Oma Schmitt mochte Ordnung.
Das hatte ihre Mutter ihr so beigebracht.
„Unter Möbeln darf nichts liegen“, hatte ihre Mutter immer gesagt. „Staub und Unordnung sind nicht gut.“
Darum hatte Oma Schmitt viele Jahre lang immer alles sauber gemacht.
Auch dann, wenn sie eigentlich müde war.
Doch seit sie in Rente war, sah sie manches etwas gelassener.
„Ach“, sagte sie manchmal lachend. „Ich werde wohl langsam ein bisschen liederlich.“
An diesem Morgen setzte sie sich erst einmal mit einer Tasse Kaffee an den Tisch.
Sie las in der Zeitung.
Da entdeckte sie ein lustiges Bild.
Auf dem Bild saß eine Frau mit einer Tasse Kaffee am Tisch.
Neben ihr lag der Staubsauger.
Der Boden war voller Krümel.
Darunter stand: „Am 7. April ist der ‚Keine-Hausarbeit-Tag‘.“
Oma Schmitt musste lachen.
„Na so etwas!“, rief sie. „Dann darf ich heute ja gar nicht putzen.“
Sie sah auf das Bild ihrer Mutter auf der Kommode.
„Wenn Mama das sehen würde!“, sagte sie und grinste.
Zur Sicherheit drehte sie das Foto zur Wand.
Dann ging sie wieder zum Sofa.
Ein bisschen nachsehen durfte man ja auch am Keine-Hausarbeit-Tag.
Sie streckte den Arm ganz weit unter das Sofa.
Da fand sie etwas.
Mitten im Staub lag ein hellblaues Osterei.
„Oh!“, rief Oma Schmitt überrascht. „Der Osterhase war hier.“
Sie nahm das Ei in die Hand.
Es sah alt aus.
So, als hätte es dort schon sehr lange gelegen.
Vielleicht ein Jahr. Vielleicht sogar noch länger.
Oma Schmitt musste lachen.
Dann schob sie das Ei wieder zurück unter das Sofa.
„Das bleibt dort“, sagte sie. „Zur Erinnerung.“
Sie setzte sich wieder hin und lachte.
„Was bin ich doch für ein liederlicher Mensch!“
Aber eigentlich fand sie das gar nicht schlimm.
Und es fühlte sich sogar sehr gut an.
Gut war auch, dass das Foto von Mama immer noch zur Wand schaute.
© Elke Bräunling
Fragerunde zur Geschichte
Zum Erinnern und Erzählen
1 Was hat Oma Schmitt unter dem Sofa gefunden?
2 Warum hat sie zuerst unter das Sofa geschaut?
3 Wie hat Oma Schmitt früher über Ordnung gedacht?
4 Was hat ihre Mutter ihr über Sauberkeit beigebracht?
5 Hat Oma Schmitt früher viel geputzt?
6 Warum sieht sie heute manches etwas lockerer?
Über das Älterwerden
7 Kennst du das Gefühl, Dinge heute gelassener zu sehen als früher?
8 Gibt es Dinge, die dir früher sehr wichtig waren und heute nicht mehr so sehr?
9 Findest du Ordnung sehr wichtig – oder eher nicht?
10 Kann man auch mit ein bisschen Unordnung gut leben?
Zum Schmunzeln
11 Kennst du solche kuriosen Feiertage wie den „Keine-Hausarbeit-Tag“?
12 Welchen Feiertag würdest du gerne erfinden?
13 Was würdest du an einem „Keine-Hausarbeit-Tag“ machen?
Erinnerungen an Ostern
14 Hast du früher Ostereier gesucht?
15 Wo wurden sie versteckt?
16 Wer hat sie versteckt – Eltern, Großeltern oder der Osterhase?
17 Gab es bei euch besondere Ostertraditionen?
18 Welche Ostereier mochtest du am liebsten – bunte Eier oder Schokoladeneier?
Erinnerungen an das Zuhause
19 Gab es in deiner Kindheit Regeln über Ordnung im Haus?
20 Was haben deine Eltern immer wieder gesagt?
21 Gab es Orte im Haus, wo sich manchmal Dinge versteckten?
22 Hast du einmal etwas lange Gesuchtes wiedergefunden?
Über kleine Überraschungen
23 Hast du schon einmal etwas Lustiges oder Überraschendes gefunden?
24 Was war das?
25 Wie hast du dich dabei gefühlt?
Zum Abschluss
26 Warum musste Oma Schmitt am Ende lachen?
27 Warum hat sie das Osterei wieder unter das Sofa geschoben?
28 Was könnte das Ei für sie bedeuten?


