Im Zauber des Lichts
Im Zauber des Lichts
Weihnachtsgeschichte für Senioren
Überraschung am Nachmittag des heiligen Abends
„Der Zauber des Lichts“ erzählt von einem Heiligabend, der ganz anders beginnt, als die älteren Herren an ihrem Stammtisch es gewohnt sind. Doch durch ein Kind, ein Lied und den warmen Schein der Kerzen entsteht plötzlich jene stille Weihnachtsfreude, die viele längst verloren glaubten. Eine berührende Geschichte, die gerade beim Vorlesen für Senioren Erinnerungen weckt und Herzen wärmt.
Der Zauber des Lichts
Zum Heiligabend-Nachmittagsstammtisch hatte der Großvater seine Enkeltochter mitgebracht.
Die Stammtischfreunde waren verwirrt. Ein Kind hatte nichts am Stammtisch zu suchen. Schon gar nicht an einem Tag wie diesem. Da wollte man alleine bleiben. Unter sich. Wie rücksichtslos es doch von dem Freund war, das Kind mitzubringen!
Weil ihnen die Worte fehlten, beachteten sie das kleine Mädchen nicht weiter.
„Es ist Weihnachten“, sagte das Kind auf einmal. „Freut ihr euch auch?“
Die Herren erschraken … und schwiegen.
Freude! Heute? Wer freute sich heutzutage noch über ein Fest, das den Leuten nur das Geld aus der Tasche zog?
„Alle Menschen freuen sich heute. Und nun müsst ihr die Kerzen anzünden.“
Das Mädchen deutete auf den Adventskranz, der auf dem Tisch stand.
„Ganz zu Diensten, gnädiges Fräulein!“ Der Großvater zündete die Kerzen an.
„Schön. Oh, Weihnachten ist so schön!“
Das Mädchen klatschte in die Hände und lachte. Auch seine Augen lachten. Sie funkelten fast so hell wie das Licht der Kerzen.
Schön? Verwundert blickten die alten Herren ins Kerzenlicht.
Da begann das Kind zu singen. „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.“
Die alten Herren lauschten. Erinnerungen wurden wach. Vieles, das sie aus ihrem Gedächtnis verbannt hatten, war wieder da: Vergessenes. Verdrängtes. Verloren Geglaubtes. Tief berührt hingen sie ihren Gedanken nach und ihre harten, verschlossen Mienen entspannten sich, wurden weicher.
„Ihr müsst mitsingen!“, drängte das Kind.
Die Freunde sahen sich an, dann begann einer mit rostiger Stimme einen Bass zu brummen. Es klang so ungelenk und falsch, dass die anderen grinsten. Der Bann war gebrochen, und wie auf Kommando setzten alle zum Singen ein. Ein mehrstimmiger, brüchiger Chor, scheußlich anzuhören, aus dem eine längst vergessene Freude laut und froh heraus klang. Es war Weihnachten geworden.
© Elke Bräunling
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Kurzfassung
Im Zauber des Lichts
Kurze Fassung in einfacher Sprache
Am Nachmittag des Heiligabends trifft sich eine Runde älterer Herren wie jedes Jahr zu ihrem stillen Stammtisch.
Doch diesmal bringt einer der Männer seine Enkeltochter mit.
Die anderen staunen. Ein Kind gehört doch nicht an den Stammtisch!
Vor allem nicht an so einem Tag. Sie wollten es gemütlich und ruhig haben.
Das Mädchen stört sich nicht daran.
Mit klarer Stimme sagt es:
„Es ist Weihnachten. Freut ihr euch auch?“
Die alten Männer sind sprachlos.
Weihnachten? Freude?
Für sie ist das Fest längst anstrengend geworden.
Das Mädchen zeigt auf den Adventskranz:
„Jetzt müsst ihr die Kerzen anzünden.“
Der Großvater zündet die Kerzen an.
Das warme Licht fällt auf ihre Gesichter und etwas verändert sich.
„Wie schön! Weihnachten ist so schön!“, ruft das Mädchen und klatscht in die Hände.
Die Männer schauen ins Kerzenlicht und werden plötzlich ganz still.
Sie fühlen, wie etwas in ihnen weich wird.
Da beginnt das Kind zu singen:
„Alle Jahre wieder …“
Die Herren hören zu.
Erinnerungen steigen auf: an früher, an Wärme, an Kindheit, an Momente, die sie vergessen glaubten.
„Ihr müsst mitsingen!“, ruft das Mädchen.
Zuerst brummt einer mit tiefer, brüchiger Stimme.
Dann stimmen alle ein. Langsam, schief, aber mit Herz.
Die Freude kehrt zurück.
Und plötzlich ist Weihnachten da.
Ganz einfach.
Durch Licht, ein Lied … und ein Kind.
© Elke Bräunling
Fragerunde zur Geschichte
1 Warum stört es die alten Herren, dass ein Kind am Stammtisch auftaucht?
2 Welche Wirkung hat das Kerzenlicht auf sie?
3 Warum bringt das Lied „Alle Jahre wieder“ so viele Erinnerungen zurück?
4 Was bedeutet es, wenn „harte Gesichter weich werden“?
5 Welche Rolle spielt Großvaters Vertrauen in seine Enkeltochter?
6 Warum fällt es Erwachsenen manchmal schwer, sich zu freuen?
7 Wieso gelingt es dem Kind, die Stimmung zu verändern?
8 Welche Bedeutung hat gemeinsames Singen, gerade an Weihnachten?
9 Haben Sie selbst erlebt, wie ein Kind eine ganze Gruppe „verzaubert“ hat?
10 Wie wenig braucht es manchmal, um Weihnachtsfreude zu spüren?

