Die Kerze im Fenster
Die Kerze im Fenster
Adventsgeschichte für Senioren zum Vorlesen
Ein Zeichen im Advent zum Freuen
Ein einziges kleines Licht kann vieles verändern – besonders in der Adventszeit. Diese stille, berührende Geschichte erzählt von zwei älteren Herren, die sich einsam fühlen und doch zur selben Zeit den gleichen Gedanken haben: Ein Licht weiterzugeben. So zeigt ein einfacher Kerzenschein, wie Nähe und Trost entstehen können.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.
Die Kerze im Fenster
Eines Abends im Advent stand vor Herrn Kluges Fenster eine Kerze. Ihr Licht spiegelte sich mit einem hellen Leuchten in der Fensterscheibe und sandte seinen Schein auf die dunkle, enge Straße hinaus. Schön sah das aus. Das fanden auch die Leute, die am Fenster vorbeigingen. Das Licht zauberte ein Lächeln in ihre müden, abgespannten Gesichter.
Auch Herr Kluge lächelte und er überlegte, wer die Kerze auf die Fensterbank gestellt haben mochte. Er nämlich war es nicht gewesen, und er wunderte sich, dass es da draußen jemanden gab, der ihn mit diesem Licht an die Adventszeit erinnerte. Er hätte sie über seinen Büchern doch glatt vergessen, so wie er an fast alles, das mit Festen und Feierlichkeiten zu tun hatte, nicht dachte. Um ehrlich zu sein, war er auch nicht sehr böse darüber. Feste waren ihm lästig geworden. Sie schmerzten, erinnerten sie doch an Freuden und Gefühle, die er seit dem Tod seiner Frau Emilia nicht mehr empfinden konnte. Advent und Weihnachten gehörten ganz besonders dazu und er war froh, wenn er nichts mit ihnen zu tun haben musste.
„An Weihnachten alleine zu sein, ist eine jener Strafen, die man besten Feinden nicht gönnte“, pflegte er manchmal zu sagen. Da er aber nun einmal alleine war, hielt er es für die beste Medizin, dieses Fest schlicht zu übersehen. So kam er am besten damit zurecht und das war auch gut so. Wie aber sollte er etwas unbeachtet lassen, wenn er auf eine so liebevolle Weise mit dem Licht einer Kerze erinnert wurde?
Er zögerte, dann nahm eine Idee in seinen Gedanken Form an. Er würde dieses Zeichen der Freude weiterleiten. Zum alten Benedikt nebenan. Der nämlich war auch alleine, seit kurzem erst. Ihm würde er das Licht auf die Fensterbank stellen. Benedikt brauchte es mehr als er. Und vielleicht konnten sie sich einmal zum Essen treffen. Am Sonntag vielleicht? Oder an Heiligabend? Keine schlechte Idee.
Er nahm das Licht und ging damit auf die Straße. Sein Nachbar würde Augen machen. Mal sehen, ob er sich freute.
Er ging um die Ecke, stutzte. Dann lachte er. Das Licht einer Kerze leuchtete ihm entgegen. Von Benedikts Fensterbrett.
© Elke Bräunling

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Kurzfassung
Die Kerze im Fenster
Kurze Fassung in einfacher Sprache
Herr Kluge lebt seit dem Tod seiner Frau Emilia sehr zurückgezogen.
Feste wie Advent oder Weihnachten erinnern ihn an die Zeit, in der er nicht allein war. Das Erinnern tut ihm weh.
Deshalb mag er von Festen und Feiern nichts mehr hören.
Nein, seine Ruhe möchte er haben.
Er liest lieber in seinen Büchern. Dort ist die Welt still.
Eines Adventsabends entdeckt er vor seinem Fenster eine brennende Kerze.
Ihr warmes Licht spiegelt sich im Glas und fällt auf die dunkle Straße.
Die Leute, die vorbeigehen, lächeln, weil das Licht so freundlich aussieht.
Auch Herr Kluge lächelt.
Und er fragt sich, wer wohl so liebevoll an ihn gedacht hat.
Zum ersten Mal seit langem spürt er ein kleines warmes Gefühl in sich.
Vielleicht, denkt er, sollte er dieses Licht weitergeben? An jemanden, der es noch nötiger hat als er?
Vielleicht an den alten Benedikt von nebenan? Der hat vor kurzem seine Frau verloren und ist alleine nun.
Er nimmt die Kerze, geht hinaus und will sie auf Benedikts Fensterbrett stellen.
Doch als er um die Ecke kommt, bleibt er stehen … und muss lachen.
Auch auf Benedikts Fensterbank steht bereits eine Kerze, die ihm entgegen strahlt.
Zwei Menschen, die dachten, sie seien allein! Und beide hatten zur gleichen Zeit dieselbe Idee:
Ein Licht weiterzugeben.
© Elke Bräunling
Fragerunde zur Geschichte
1 Warum hat Herr Kluge die Adventszeit fast vergessen?
2 Was bedeutet die Kerze für die Menschen, die vorbeigehen?
3 Welche Gefühle löst das Licht in Herrn Kluge aus?
4 Warum möchte er die Kerze an Benedikt weitergeben?
5 Was sagt das über Herrn Kluges Charakter aus?
6 Warum ist die Szene an Benedikts Fenster so überraschend und schön?
7 Haben Sie selbst schon einmal erlebt, dass eine kleine Geste sehr viel bedeutet hat?
8 Was kann ein einzelnes Licht in dunklen Zeiten bewirken?
9 Warum fällt Weihnachten vielen Menschen schwer, die einen Verlust erlebt haben?
10 Wie könnte es zwischen Herrn Kluge und Benedikt weitergehen?


Ach ist das schön, dass sich Herr Kluge besonnen hat, was so ein Licht, eine Kerze bewirken kann. Schöne Geschichte. Liebe Grüße Eva
Ich wünschte mir, auch in der Wirklichkeit würden Menschen ihren Nachbarn Kerzen aufs Fensterbrett stellen. Viel heller wäre die Welt.
Lieber Gruß
Ele