Das Alte und das Glück

Das Alte und das Glück

Geschichte zwischen den Jahren

Titel + Illustration Sehr alte Frau überreicht einer sehr jungen Frau ein KleeblattAbschied und Neuanfang am Ende des Jahres

„Wenn das alte Jahr leise geht, macht es Platz für das neue Glück.“

Diese Silvestererzählung öffnet ein stilles Fenster zwischen dem Alten und dem Neuen. Eine freundliche Dame verteilt Glückswünsche und ein vierblättriges Kleeblatt, doch am Ende begegnet sie einer noch älteren Frau, die sie daran erinnert, wie vergänglich Glück sein kann. In einem poetischen Moment verschwinden beide und eine junge Frau tritt hervor: das neue Jahr. Eine Geschichte, die Senioren und Vorlesenden gleichermaßen anrührt und sanft daran erinnert, dass jedes Ende ein Anfang in sich trägt.

 

Das Alte und das Glück

„Ich wünsche Ihnen Glück! Und Euch auch. Und dir, mein liebes Kind, wünsche ich es. Alles Gute zum neuen Jahr und Glück! Viel Glück! Hallo, Kinder! Auch für euch alles Gute! Hört ihr? Das Glück sei bei euch!“
Sie sagt es oft an diesem Tag und sie wünscht es jedem, den sie trifft. Da ist keiner, dem sie nicht alles Gute zum Jahreswechsel, einen guten Rutsch und viel Glück im neuen Jahr wünscht. Ihr Gesicht trägt ein freundliches Lächeln, der Blick ist frei, die Augen strahlen.
Es ist das Gesicht einer netten, alten Dame, die jeder im Städtchen lieben oder zumindest gut leiden sollte. Und es verhält sich auch so. Heute. Zumindest hat es den Anschein.
Die Menschen erwidern ihre guten Wünsche und auch auf ihre Gesichter stiehlt sich so etwas wie ein Lächeln. Es ist Silvester und da will man nun mal nicht so sein. Vergessen sind der Ärger, die Streitereien, die Klagen, die Gerüchte, auch die Schmerzen, die Ängste, der Kummer, das Leid.
Sie alle sind Vergangenheit und gehören zum alten Jahr. Man will sie nicht mitnehmen in die neue Zeit, die in der Nacht ihren Anfang nimmt. Wozu auch? Es wäre kein gutes Omen, die Schatten ans Licht zu zerren. Die Unzufriedenheit mit dem alten Jahr möge dort auch bleiben und mit ihm gehen. Mit dem neuen soll sie nichts zu tun haben. Alles wird anders ab morgen. Besser, netter, einfacher, freundlicher, mutiger, fröhlicher und heller.
„Alles Gute zum neuen Jahr und viel Glück möchte ich Ihnen wünschen.“
Die Dame steht nun vor einer Frau, die noch älter zu sein scheint.
„Glück will ich dir wünschen, viel Glück“, wiederholt sie und öffnet die geschlossene Faust. Ein Kleeblatt liegt darin. Eines mit vier Blättern.
Die Alte lacht. Es ist ein wieherndes Lachen.
„Was soll es bringen, dein Glück?“, krächzt sie. „Es ist vergänglich, wie wir es sind. Auch du und ich. Oder sag, wo ist es geblieben, das Glück, das im letzten Jahr zu meinem Abschied und zu deiner Ankunft so freigiebig unter den Leuten verteilt worden ist? Zeige es mir, falls davon noch etwas übrig geblieben ist!“
„Wir alle kommen in die Jahre. Auch wir Jahre und ebenso das Glück“, antwortet die alte Dame mit dem Kleeblatt in der Hand und im nächsten Moment sind beide Frauen wie von Zauberhand verschwunden. Sie machen Platz für eine neue und noch sehr sehr junge Dame. Die ist schon ganz nah. Sie bringt die neue Zeit mit.

© Elke Bräunling

 

Illustration Sehr alte Frau überreicht einer sehr jungen Frau ein Kleeblatt


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Kurzfassung

Das Alte und das Glück

Kurze Fassung in einfacher Sprache

Es ist Silvester. Eine freundliche alte Dame läuft durch die kleine Stadt.
Sie lächelt jeden Menschen an und sagt immer wieder:
„Ich wünsche Ihnen Glück! Alles Gute für das neue Jahr!“
Viele Menschen freuen sich darüber.
An diesem Tag vergessen sie Streit, Ärger und Sorgen.
Sie möchten das neue Jahr freundlich beginnen.
Die alte Dame trifft eine noch ältere Frau.
Auch ihr möchte sie Glück wünschen und hält ihr ein vierblättriges Kleeblatt hin.
Die sehr alte Frau lacht rau und sagt:
„Was soll das helfen? Glück vergeht. Wo ist das Glück vom letzten Jahr?“
Die Dame mit dem Kleeblatt antwortet ruhig:
„Wir alle werden älter. Auch die Jahre und sogar das Glück.“
In diesem Moment verschwinden beide Frauen, als ob sie selbst das alte Jahr wären.
An ihrer Stelle erscheint eine ganz junge Frau, hell und freundlich.
Sie bringt das neue Jahr mit sich voller neuer Möglichkeiten.
Sie IST das neue Jahr.

© Elke Bräunling

Fragerunde zur Geschichte

1 Warum wünscht die alte Dame allen Menschen Glück?
2 Wie reagieren die Menschen in der Stadt darauf?
3 Was bedeutet Silvester für viele Menschen?
4 Warum lacht die sehr alte Frau über das Kleeblatt?
5 Was meint sie, wenn sie sagt, Glück sei vergänglich?
6 Wie antwortet die Dame mit dem Kleeblatt und was steckt in ihren Worten?
7 Wofür könnte das Verschwinden der beiden Frauen stehen?
8 Warum erscheint am Ende eine junge Frau?
9 Welche Gefühle verbindest du persönlich mit dem Jahreswechsel?
10 Glaubst du, dass man Glück verschenken kann? Und wenn ja: wie?

 

 

 

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