Ein kleines Winterlied in Kirschblütenrosa

Ein kleines Winterlied in Kirschblütenrosa

Wintergeschichte zum Vorlesen

Titel + Illustration: alte Dame mit rosafarbener Mütze nd Pullover steht im verschneiten Garten und singtEin Lied und eine beseelte Freude an einem klaren Wintertag

„Wenn der Winter grau ist und das Herz still, genügt manchmal ein Lied, um Licht in die Welt zu singen.“

Ein stiller Garten, graue Wolken – und mitten darin Großtante Margarethe, die ein Lied singt, das den Winter rosa färbt.
Diese leise Wintergeschichte erzählt von innerem Frieden, Musik und kleinen Wundern an kalten Tagen. Mit Kurzfassung und Fragerunde für Seniorengruppen.
 

 

Ein kleines Winterlied in Kirschblütenrosa

Draußen im Garten stand Großtante Margarethe und sang ein Lied.
Nun war das an sich nichts Außergewöhnliches, denn in den Garten gehen und Lieder singen konnte jeder. Na ja, fast jeder. Manch einer sollte doch besser schweigen und nicht singen oder wenigstens nur summen.
Großtante Margarethe aber gehörte nicht dazu. Sie sang einfach toll!
Ihre Stimme tönte klar und rein und sehr zärtlich durch den kalten, nebeltrüben Winternachmittag. Man konnte fast meinen, ihr Singen brachte ein bisschen mehr Licht in diesen Tag, machte ihn heller. So schön klang es.
Wir staunten sehr. Noch nie hatte die Tante, die eine sehr ruhige, schüchterne Frau war, laut gesungen. Eigentlich hatte ich sie noch nie singen gehört.
Aber es passte zu ihr und es verlieh ihr eine Farbe, die ich an ihr noch nie gesehen hatte. Ein Kirschblütenrosa.
Ja, das war die Farbe, die ich plötzlich vor mir sah. Ein zartes, sehr zartes Kirschblütenrosa für einen eigentlich eher schlammblau-grauen Nachmittag. Es gefiel mir.
Ich trat ans Fenster und und winkte in den auf einmal ein bisschen kirschblütenrosa farbenen Garten hinaus. Ein bisschen erschrak ich, als ich sie unten beim Kirschbaum ohne wärmende Jacke in einer weißen Hose, weißen Stiefeletten und einem Rollkragenpullover in hellrosé beim Kirschbaum stehen sah. Ihre langen, grauen Haare fielen offen über ihre Schultern und in den Armen hielt sie einen Strauß kahler Kirschzweige.
Es stimmte alles. Sie sah aus wie der Tag: Kirschblütenrosa. Und es passte zu ihr.
Sie stand da und sang und schien alles um sich herum vergessen zu haben. Die Menschen. Die Welt. Den grauen Tag.
Ich wusste nicht, wie lange ich sie beobachtet und ihrem Gesang gelauscht hatte. Irgendwie hatte ich plötzlich die Zeit vergessen. Eine große Ruhe und eine tiefe Zufriedenheit hatten mich erfüllt. Gut war es, so wie es war. Gut und perfekt.
Hätte meine Mutter nicht plötzlich aufgeregt fuchtelnd von der Terrasse aus Zeichen gemacht und diesem Zauber mit einem „Willst du dich da draußen etwa erkälten, Margarethe?“ ein Ende bereitet, so hätte ich der Großtante sicher bis zum Abend gelauscht.

© Elke Bräunling

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Illustration: alte Dame mit rosafarbener Mütze nd Pullover steht im verschneiten Garten und singt

 

Free and Easy, Musik © Paul Walter

 

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Kurzfassung

Ein kleines Winterlied in Kirschblütenrosa

Geschichte in einfacher Sprache

Es war ein rauer, grauer Wintertag.
Im Garten stand Großtante Margarethe und sang.
Ein kalter Wind fegte durch die Zweige der Bäume.
Die grauen Wolken machten den Tag dunkel.
Doch Margarethe stand da und sang leise ihr Lied.
Ihre Stimme klang warm und klar.
Als würde ein kleines Licht im Garten brennen.
Es war, als würde der Winter eine kleine Pause machen,
als würde er ein bisschen rosa werden.
Wie die ersten Kirschblüten im Frühling.
Margarethe hielt ein paar kahle Kirschzweige in den Armen
und sang nur allein für sich — ganz in Ruhe.
Der Garten wurde still, der Tag wurde weich.
Wir hörten zu und fühlten Frieden.
So einfach war das Glück in diesem Moment.

© Elke Bräunling

 

🌿 Sanfte Fragerunde

1. Kennen Sie ein Winterlied, das Sie gerne mögen?
2. Haben Sie früher zu Hause gesungen?
3. Gab es bei Ihnen Kirschzweige zu Weihnachten?
4. Welche Farben verbinden Sie mit Winter?
5. Was macht Wintertage schön?
6. Erinnern Sie sich an eine Stimme, die Sie geliebt haben?
7. Tut es gut, manchmal einfach still zu sein?

✨ Kleines Abschlusswort
Manchmal braucht es keine Sonne.
Ein Lied genügt,
und die Welt trägt plötzlich
ein bisschen Frühling im Herzen.

 

 

 

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