Warum Großtante Frieda ein Dörrgerät gekauft hatte

Warum Großtante Frieda ein Dörrgerät gekauft hatte

Fröhliche Herbstgeschichte 

Titel + illustration ältere Frau und Junge im herbstwald beim Sammeln - Pilze, Kastanien etc„Der Wald hatte so viel zu bieten, gerade jetzt zu Beginn des Herbstes.“

Von Pilzen, Beeren, vom Dörren, Sammeln und dem ‚Jagdfieber‘. Der Herbst steckt voller kleiner Schätze: Pilze im Moos, Brombeeren am Wegesrand, glänzende Kastanien und der Duft des Waldes. Diese fröhliche Herbstgeschichte erzählt von Großtante Frieda, einem neuen Dörrgerät und der überraschenden Freude am Sammeln und Entdecken. Eine warme Geschichte über Natur, Erinnerungen und das kleine „Jagdfieber“ im Herbstwald
Mit Arbeitsmodul.

Inhalt
🍄 Zur Geschichte
🌰 Einfache Fassung
🍂 Sehr einfache Fassung
💬 Fragerunde
🧺 Mitmachideen
🚶 Bewegungsimpulse
🌲 Fantasiereise
🍁 Kleine Gedanken

 

 

Warum Großtante Frieda ein Dörrgerät gekauft hatte

„Ich habe mir ein Dörrgerät gekauft“, verkündete Großtante Frieda. „Das ist sehr praktisch.“
„Wozu brauchst du das denn?“, knurrte Oma. Mit skeptischem Blick sah sie ihre Schwester an. „Du hast doch mit Küchenkram sonst auch nichts am Hut. … Was willst du eigentlich dörren?“
„Kräuter natürlich, Gemüse, Obst und Pilze. Ja, ganz viele Pilze.“
Ich musste lachen.
Das war wieder so eine von Großtante Friedas fixen Ideen. Es kam nämlich öfter vor, dass sie für etwas brannte und es unbedingt gleich umsetzen musste. Meist verliefen diese Ideen nach ein paar Tagen wieder im Sande.
„Du magst doch gar keine Pilze!“, sagte Oma nun und brachte das Unternehmen ‚Dörrgerät‘ damit fast ins Wanken.
„Ich nicht, aber ihr.“ Die Großtante ließ sich nicht beirren. „Und ich wiederum mag es, Pilze zu sammeln, und das werde ich in den nächsten Wochen auch ausgiebig tun. Ihr werdet sehen, wenn ihr euch im Winter über leckere Pilzgerichte freuen werdet.“
Sie sah mich mit durchbohrendem Blick an.
„Kommst du mit, Niklas? Wir werden auch Beeren sammeln, Kastanien und Kräuter, so wie es die Menschen früher gemacht haben.“
Oh mein Gott! Mir wurde ganz schlecht. Ich würde mir etwas einfallen lassen müssen, um dem zu entgehen. Die Frage war nur, was das sein sollte.
Oma kam mir zur Hilfe.
„Niklas brauche ich hier im Garten, meine Liebe. Die Kartoffeln müssen ausgemacht werden und du weißt ja, mein Rücken plagt mich gerade etwas.“
Oha? Was war nun das kleinere Übel? Das mit den Kartoffeln würde auch meinem Rücken zu schaffen machen und wer, bitte, pflanzte heute noch Kartoffeln im Garten außer Oma? Die kaufte man doch einfacher im Laden oder auf dem Markt. Waldbeeren, Kastanien und Pilze hingegen gab es nicht so reichlich zum Kaufen und so einen Nachmittag im Wald stellte ich mir auf einmal doch ganz nett vor. Besser jedenfalls als die Arbeit in Omas Kartoffelbeet.
„Okay, Tante Frieda“, sagte ich daher schnell. „Ich bin dabei.“
„Ich wusste doch, dass ich auf dich zählen kann, mein Junge. Wir werden uns ein kleines Picknick einpacken und dann geht’s los.“
Die Aussicht auf einen leckeren Snack zwischendurch versüßte mir das Unternehmen ‚Dörrgerät‘ doch sehr.
Und ehrlich, es war eine gute Entscheidung. Großtante Frieda konnte nämlich sehr lustig sein. Sie verhielt sich gar nicht so schräg, wenn Oma nicht in der Nähe war. Komisch.
Jedenfalls sammelten wir zwei große Becher Brombeeren, eine Tüte voller Esskastanien und oben beim Auenstein neben den alten Eichen fanden wir eine große Steinpilzfamilie.
Wir hätten noch viel mehr sammeln können, aber so groß war der neue Dörrapparat nun auch nicht.
„Wir könnten öfter zum Sammeln gehen!“, schlug ich vor und Tante Frieda strahlte.
„Es macht Spaß, nicht wahr?“, fragte sie mich und ihre Wangen glühten, so sehr freute sie sich. Sie sah gleich viel jünger und fröhlicher aus.
Ich fühlte mich auch fröhlicher und ehrlich, einen tollen Pilz oder einen Busch mit süßen Beeren zu entdecken, fühlte sich total gut an. Es kribbelte im Bauch. Das sei so etwas wie Jagdfieber, hatte mir die Großtante erklärt.
„Und deshalb habe ich den Dörrautomaten auch gekauft“, gestand sie auf dem Rückweg. „Ich liebe dieses Jagdfieber.“
„Ich auch“, gab ich zu und musste lachen.
Es war ein Fieber, das ich sehr sympathisch fand. Und wir beschlossen, nun öfter auf Sammeljagd zu gehen. Der Wald hatte so viel zu bieten, gerade jetzt zu Beginn des Herbstes.

💬 Welche kleinen Herbstschätze haben Sie früher besonders gern gesammelt?

illustration ältere Frau und Junge im herbstwald beim Sammeln - Pilze, Kastanien etc

 

Die nachfolgenden Gedanken und Texte vertiefen die Geschichte und laden zum Erinnern, Nachdenken und Mitfühlen ein.

Diese Versionen sind sprachliche Bearbeitungen derselben Geschichte zur besseren Zugänglichkeit und stellen keine eigenständigen Werke dar.

Warum Großtante Frieda ein Dörrgerät gekauft hatte – Einfache Fassung

Großtante Frieda hatte eine neue Idee.
„Ich habe mir ein Dörrgerät gekauft“, verkündete sie stolz.
Nikolas und Oma sahen sie ungläubig an.
„Wozu brauchst du denn ein Dörrgerät? Du kochst doch sonst kaum.“
Großtante Frieda ließ sich nicht beirren. „Ich will Kräuter trocknen. Und Obst. Und Gemüse. Und vor allem Pilze.“
Niklas musste lachen.
Frieda hatte öfter solche Einfälle. Manchmal brannte sie für etwas Neues. Und nach ein paar Tagen war die Begeisterung dann wieder vorbei.
„Du magst doch gar keine Pilze“, sagte Oma.
„Nein“, sagte Frieda. „Aber ihr mögt sie. Und ich liebe es, Pilze zu sammeln.“
Dann sah sie Niklas an. „Kommst du mit in den Wald? Wir sammeln Pilze, Beeren und Kastanien.“
„Und ich brauche Niklas zum Kartoffellesen im Garten“, bestimmte Oma.
Niklas war nicht begeistert, doch Wald klang besser als Garten.
„Gut“, sagte er. „Ich komme mit in den Wald.“
Großtante Frieda packte ein kleines Picknick ein. Dann gingen sie los.
Im Wald war es wunderbar. Die Blätter raschelten. Es roch nach Erde, Moos und Herbst.
Sie fanden Brombeeren. Esskastanien. Und schließlich sogar eine ganze Familie schöner Steinpilze.
Niklas merkte plötzlich, wie spannend das Sammeln war.
Einen Pilz zu entdecken oder einen Busch voller Beeren zu finden, machte richtig Freude.
„Das ist Jagdfieber“, erklärte Frieda.
Niklas musste lachen.
Auf dem Heimweg beschlossen beide, bald wieder in den Wald zu gehen.
Das Dörrgerät war vielleicht doch keine schlechte Idee gewesen.

 

Warum Großtante Frieda ein Dörrgerät gekauft hatte – Sehr einfache Fassung

Großtante Frieda kauft ein Dörrgerät.
Sie will Pilze trocknen.
Und Beeren.
Und Kräuter.
Niklas geht mit ihr in den Wald.
Zuerst hat er keine Lust.
Dann findet er Brombeeren.
Kastanien.
Und schöne Pilze.
Das macht Spaß.
Frieda nennt das:
Jagdfieber.
Niklas lacht.
Er möchte wieder mit ihr sammeln gehen.

 

Fragerunde zur Geschichte

👉 Zum Verstehen
• Was hat Großtante Frieda gekauft?
• Was möchte sie sammeln?
• Warum will Niklas zuerst nicht mit?
• Was finden Frieda und Niklas im Wald?
• Warum möchte Niklas am Ende wieder mitgehen?
👉 Herbst früher
• Wurden früher Pilze gesammelt?
• Welche Beeren gab es im Wald oder Garten?
• Haben Sie Kastanien, Nüsse oder Hagebutten gesammelt?
• Welche Herbstgerüche erinnern Sie an früher?
👉 Vorräte
• Wurde bei Ihnen zuhause eingekocht oder getrocknet?
• Gab es eine Vorratskammer?
• Welche Lebensmittel wurden für den Winter aufbewahrt?
• Wer war dafür zuständig?
👉 Wald und Natur
• Sind Sie früher gern in den Wald gegangen?
• Was konnte man dort entdecken?
• Welche Pilze oder Beeren kannten Sie?
• Gab es besondere Sammelplätze?
👉 Familienmenschen
• Gab es in Ihrer Familie jemanden mit vielen neuen Ideen?
• Gab es eine Tante, einen Onkel oder eine Oma, die etwas eigenwillig war?
• Welche Familiengeschichte bringt Sie heute noch zum Lachen?
👉 Abschlussfrage
• Welchen Herbstschatz würden Sie heute gern finden?

 

Kleine Mitmachideen

🌰 Herbstschätze anschauen
Kastanien, Blätter, Zapfen oder Nüsse auf den Tisch legen und darüber sprechen.
🍄 Pilzgespräche
Welche Pilze kannte man früher?
Wurden Pilze gesammelt oder lieber gekauft?
🍎 Geruchsrunde
Getrocknete Apfelringe, Kräuter oder Tee riechen.
Welche Erinnerungen kommen?
😂 Familienoriginale
Von besonderen Tanten, Onkeln, Großeltern oder Nachbarn erzählen.
🧺 Sammelkorb
Gemeinsam überlegen:
Was gehört in einen Herbstkorb?
☕ Picknick-Erinnerung
Was hätte man früher für einen Waldspaziergang eingepackt?

 

Bewegungsimpulse: Sammeln im Herbstwald

🍄 Pilze suchen
Langsam nach unten schauen.
Eine kleine Greifbewegung machen.
Dann den „Pilz“ vorsichtig in einen Korb legen.
🌰 Kastanien sammeln
Die Hände nach vorne führen.
Greifen.
Ablegen.
Ganz ruhig.
🍃 Durch den Wald gehen
Langsam auf der Stelle gehen.
Die Arme locker mitschwingen lassen.
🧺 Korb tragen
Beide Hände vor dem Körper halten.
Als trüge man einen kleinen Korb.
🌬️ Herbstluft atmen
Tief einatmen.
Und langsam wieder ausatmen.
🌸 Zum Abschluss
Die Hände in den Schoß legen.
Kurz nachspüren:
Was hat sich bewegt?

Fantasiereise: Im Herbstwald mit Tante Frieda

Setzen Sie sich bequem hin.
Atmen Sie ruhig ein … und wieder aus.
Stellen Sie sich nun einen Herbstwald vor.
Der Weg ist weich.
Unter den Schuhen rascheln Blätter.
Die Luft riecht nach Erde.
Nach Moos.
Nach Pilzen.
Nach Herbst.
Neben Ihnen geht jemand, der gute Laune hat.
Vielleicht eine Tante.
Vielleicht ein alter Freund.
Vielleicht ein Mensch, der gern sammelt und immer etwas entdeckt.
Sie gehen langsam weiter.
Am Wegrand leuchten Brombeeren.
Ein paar Kastanien liegen im Laub.
Ein Eichhörnchen huscht über einen Ast.
Dann bleiben Sie stehen.
Unter einer alten Eiche steht ein Pilz.
Schön und fest.
Fast wie ein kleiner Schatz.
Sie beugen sich vorsichtig hinunter.
Sie betrachten ihn.
Sie freuen sich und sammeln den Schatz ein.
Dann gehen Sie weiter.
In Ihrem Korb liegen bald ein paar kleine Herbstfunde.
Vielleicht Beeren.
Vielleicht Kastanien.
Vielleicht nur ein buntes Blatt.
Sie setzen sich auf einen Baumstamm.
Es gibt ein kleines Picknick.
Der Wald ist ruhig.
Der Herbst ist freundlich.
Und irgendwo spüren Sie dieses kleine Kribbeln:
Vielleicht findet sich gleich noch etwas Schönes.
Bleiben Sie noch einen Moment in diesem Wald.
Dann kehren Sie langsam zurück.
Mit einem kleinen Herbstgefühl.
Und vielleicht mit Lust, die Welt wieder ein bisschen genauer anzuschauen.

 

Kleine Gedanken

Warum Sammeln glücklich macht
Vielleicht steckt in vielen Menschen noch immer ein kleines Sammlerherz.
Auch im Wald. Dort schaut man genauer hin als sonst auf der Suche nach essbaren Schätzen. Man blickt auch unter Blätter, neben Wurzeln, zwischen Moos und Gras.
Und plötzlich entdeckt man etwas.
Eine Kastanie. Eine Brombeere. Einen Pilz.
Solche kleinen Funde können überraschend viel Freude machen.
Vielleicht, weil man dabei wieder aufmerksamer wird.
Vielleicht, weil der Wald sich ein wenig wie eine Schatzkammer anfühlt.
Und vielleicht auch, weil das Finden manchmal fast schöner ist als das Haben.

Vorräte machen wie früher
Früher war es selbstverständlich, Vorräte anzulegen.
Obst wurde eingekocht. Kräuter wurden getrocknet. Pilze wurden gesammelt. Äpfel wurden gelagert. Marmelade wurde gekocht.
Viele Menschen erinnern sich noch an Vorratskammern, Einmachgläser und Regale voller selbst gemachter Dinge.
Dabei ging es nicht nur ums Essen, sondern auch um Nachhaltigkeit und Sparsamkeit. Es ging auch um Sicherheit und um das gute Gefühl, für den Winter vorbereitet zu sein.
Vielleicht gefällt Großtante Frieda diese Vorstellung so sehr: Der Herbst schenkt seine Schätze, und sie möchte etwas davon bewahren.

Der Herbst ist keine traurige Jahreszeit
Viele denken beim Herbst zuerst an Abschied.
Die Tage werden kürzer. Die Blätter fallen. Die Luft wird kühler.
Aber der Herbst ist auch eine Zeit voller Fülle: Früchte reifen. Nüsse fallen.
Pilze wachsen. Brombeeren leuchten dunkel zwischen den Zweigen. Kastanien glänzen auf den Wegen.
Der Herbst ist nicht nur Ende. Er ist auch Ernte.
Und wer mit offenen Augen durch ihn geht, findet überall kleine Schätze.

Dörren früher und heute
Dörren ist eine sehr alte Methode, Lebensmittel haltbar zu machen.
Früher wurden Obst, Kräuter, Pilze oder Gemüse getrocknet, damit man sie später verwenden konnte. Man hing Apfelringe auf Schnüren zum Trocknen, Kräuter trockneten in Bündeln, Pilze wurden in Scheiben geschnitten und an luftigen Orten ausgelegt. So konnte man den Geschmack des Sommers oder Herbstes bis in den Winter hinein bewahren.
Heute übernehmen Dörrgeräte diese Arbeit. Sie trocknen Lebensmittel gleichmäßig und schonend.
Doch die Idee ist dieselbe geblieben:
Was die Natur schenkt, soll nicht verloren gehen. Getrocknete Kräuter, Pilze oder Früchte erinnern später noch an den Tag, an dem sie gesammelt wurden.

© Elke Bräunling


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