Ein Licht und etwas Süßes fürs Herz

Ein Licht und etwas Süßes fürs Herz

Novembergeschichte

Titel + Illustration Enge Gasse im Novembernebel, ein Paar steuert auf die Bäckerei mit dem Licht zuVersöhnende Gemütlichkeit nach einem Spaziergang im Nebel.

„Manchmal findet uns das Licht genau dort, wo der Tag grau ist.“

Ein grauer Novembertag, eine freundliche Hand und ein warmes Licht in einer versteckten Gasse: Gerda entdeckt mit Josef einen Ort, der Herz und Seele wärmt. Eine leise vorwinterliche Geschichte über Trost, Nähe und eine Tasse heiße Schokolade.
Mit kurzer Fassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

 

 

Ein Licht und etwas Süßes fürs Herz

„Etwas Tröstendes wünschte ich mir für heute. Etwas, das die Seele wärmt. Weißt du?“ Bittend fast sah die alte Gerda ihren Bekannten, den Josef, an. Sie hatten sich wie jeden Nachmittag am Parkbrunnen getroffen, der im Nebel heute nur schwer zu erkennen war.
„Mmh, da lass mich mal überlegen!“
Josef legte seine Stirn in Falten und dachte nach. Es dauerte einen kurzen Moment, als er lächelnd sagte: „Da fällt mir etwas ein. Komm!“
Er nahm Gerda an die Hand und zog sie mit sich.
„Wohin gehen wir?“
Noch nie war Gerda in dieser Ecke des Parks gewesen. Wild sah es hier aus, urtümlich, ein bisschen unheimlich auch im Nebellicht. Bäume verwandelten sich in Geistergestalten, Büsche in lauernde Bären.
Gerda zitterte und hielt Josefs warme Hand ein wenig fester. Wie gut, dass er bei ihr war!Alleine hätte sie sich gefürchtet. Seine Hand fühlte sich gut an. Fast wünschte sich Gerda, dass sie sich hier in diesem Nebeldschungel verirrten. Aber nur fast.
Josef steuerte auf ein schmales Seitentor zu. Es gab einen jammernd quietschenden Laut von sich, als er es zur Seite schob. Unter ihren Füßen raschelte das Laub, ansonsten war es still, unheimlich still. Und dennoch verspürte Gerda keine Furcht mehr.
Josef konnte sie vertrauen, auch wenn sie ihn erst seit diesem Sommer kannte. Aber er war ihr schon jetzt näher als ihr verstorbener Mann, mit dem sie fast fünfzig Jahre verheiratet gewesen war.
Sie traten in eine dunkle, enge Gasse, in der Gerda auch noch nie gewesen war. Die Enge, in der schwer die Nebelschwaden hingen, hatte etwas Tröstliches an sich, das Wärme und Geborgenheit ausstrahlte. War da nicht auch ein Licht?
„Josef, was ist das für ein Licht?“, fragte sie.
„Das wirst du gleich sehen, meine Liebe! Das ist Marietta und ihr berühmtes Licht.“
„Berühmt?“
Josef nickte. „Marietta liebt die Menschen und sie liebt die Bäckerei. Und am liebsten bewirtet sie Leute, die den Weg zu ihr finden. Mit dem Licht lädt sie sie ein.“
Er schmunzelt. „Irgendwie findet immer jemand hierher.“
Gerda spürte einen leichten Stich der Eifersucht.
„Kommst du oft hierher?“, fragte sie leise.
„Aber ja!“, antwortete Josef arglos. „Marietta ist meine Enkelin und ich bin sehr stolz auf sie.“
Und das konnte er auch sein.
Als sie wenig später an dem heimeligen Tisch vor einer heißen Schokolade und Zimtkuchen saß und dem Knacken der Holzscheite im Ofen lauschte, genoss Gerda den wohligen Schauer, der ihr über den Rücken lief. Sie fühlte sich geborgen wie lange nicht mehr.
Dass dieser graue Tag so wundervoll enden würde, hätte sie sich in ihren besten Träumen so nicht ausgemalt. Sie lächelte.
Es war diese Zeit des späten Herbstes, die manchmal die schönsten Geheimnisse preisgab. Oder war es Magie?

© Elke Bräunling

Illustration Enge Gasse im Novembernebel, ein Paar steuert auf die Bäckerei mit dem Licht zu

 

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Kurzfassung in einfacher Sprache

Ein Licht und etwas Süßes fürs Herz

Einfache Version für Senioren und Menschen mit Demenz

Es ist ein grauer Novembertag.
Gerda trifft wie jeden Nachmittag ihren Freund Josef am Parkbrunnen.
Alles ist voller Nebel. Die Bäume wirken wie Schatten. Der Weg ist kaum zu sehen.
Gerda fröstelt ein wenig.
„Ich wünsche mir heute etwas Tröstliches“, sagt sie leise. „Etwas, das die Seele wärmt.“
Josef denkt kurz nach. Dann lächelt er.
„Ich weiß etwas. Komm mit!“
Er nimmt Gerdas Hand.
Sie gehen durch eine kleine, nebelige Ecke im Park.
Gerda findet es ein bisschen unheimlich, aber mit Josef fühlt sie sich sicher.
Hinter einem alten Seitentor führt ein schmaler Weg zu einer engen Gasse.
Dort brennt ein warmes Licht.
„Was ist das?“, fragt Gerda.
„Das ist Marietta“, sagt Josef. „Sie ist meine Enkelin. Sie hat eine kleine Bäckerei. Das Licht zeigt: Hier ist jeder willkommen.“
Gerda staunt. Und ein bisschen ist sie auch neugierig.
Kurz darauf sitzen sie in der warmen Backstube.
Vor ihnen stehen heiße Schokolade und ein Stück Zimtkuchen.
Der Ofen knackt leise.
Gerda fühlt sich wohl wie lange nicht.
„Wie gut das tut …“, flüstert sie.
Draußen ist der Nebel grau, aber in Gerda ist es warm und hell geworden.
Ein süßer Trost an einem Nebeltag.

© Elke Bräunling

 

☕ Fragerunde

🌫️ Erinnerungen & Gefühle
• Haben Sie Nebeltage früher gemocht oder eher nicht?
• Wie fühlt es sich für Sie an, durch den Nebel zu gehen?
• Erinnern Sie sich an jemanden, der Ihnen früher Sicherheit gegeben hat?
☕ Wärme & Geborgenheit
• Was wärmt Sie an kalten Tagen besonders? Tee, Suppe, Kakao?
• Waren Sie früher gern in einem Café oder einer Bäckerei?
• Erinnern Sie sich an den Duft von frisch gebackenem Kuchen?
🍰 Sinnliche Eindrücke
• Kennen Sie den Geruch von Zimt?
• Was war Ihr Lieblingskuchen?
• Haben Sie schon einmal heiße Schokolade mit Zimt probiert?
👥 Begegnungen & kleine Wunder
• Gab es in Ihrem Leben Menschen wie Josef, freundlich und verlässlich?
• Haben Sie schon einmal einen Ort entdeckt, der sich plötzlich ganz warm und tröstlich anfühlte?
• Glauben Sie, dass manche Tage kleine Wunder bereithalten?
💛 Offene, einfache Abschlussfragen
• Wie fühlen Sie sich heute?
• Was würde Ihnen jetzt gut tun?
• Mögen Sie gemeinsam mit uns einen warmen Gedanken teilen?

© Elke Bräunling