Das alte Buch

Das alte Buch

Geschichte für Senioren


Titel + illustration Oma sitzt mit Enkelin vor einem alten, fleckigen BuchKostbare Erinnerungen an eine andere Zeit

Manchmal liegt ein Schatz nicht im Schrank, sondern leise auf einem Schreibtisch, unscheinbar, vergilbt, fleckig. Erst wenn man die Seiten öffnet, beginnt er zu sprechen: von früher, von Menschen, die lange vor uns lebten, von Festen, Träumen und dem einfachen Alltag.
Diese Geschichte lädt Senioren dazu ein, Erinnerungen zu teilen, und sie macht Mut, kleine Gegenstände des Lebens wieder als Brücke zwischen Gestern und Heute zu betrachten.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

 

 

Das alte Buch

Auf Omas Schreibtisch liegt ein altes Buch. Es ist ein kostbares Buch und Omas liebstes Lieblingsbuch, wie sie selbst immer sagt. Dabei sieht es gar nicht kostbar aus. Nur alt. Die Seiten sind nicht einmal mit diesen schönen alten Buchstaben, die so lustige Schnörkel und manchmal am Anfang einer Seite auch kleine Bildchen haben, gedruckt. Nein, mit Tinte sind die Blätter des Buches geschrieben und ganz fleckig sehen sie auch aus. Es ist, als hätte jemand mit Kaffee oder Tee auf dem Buch herum gekleckert.
So ein Kleckern kann ja auch manchmal passieren. Gerade gestern ist mein Kakaobecher umgekippt und der Kakao hätte beinahe meine Rechenhausaufgaben im Schulheft dunkelbraun bemalt. Aber zum Glück habe ich das Heft ganz schnell zur Seite geschoben, und so ist der Kakao über die Tischkante hinunter auf den Boden getropft. Gut, dass Mama gerade nicht im Zimmer gewesen ist. Und im Rechenheft ist nur oben rechts ein kleiner Fleck zu sehen.
Ich habe versucht, ihn wegzuwischen, aber man kann sehen, wo er gewesen ist. Das Papier ist schmutziger und wellig. So schmutzig und wellig wie das Papier in Omas kostbarsten Buch. Nur hat dort jemand auf fast jeder Seite gekleckert, was ich mir so gar nicht vorstellen kann.
„Das sind Altersflecken“, hat Oma mir zu erklären versucht, aber das nehme ich ihr nicht ab. Die vielen lustigen Sommersprossen auf ihren Händen nennt sie nämlich auch Altersflecken und die sehen nun echt ganz anders aus als Kleckerflecken.
Wenn ihr mich fragt, so ist dieses Wort ‚Altersflecken‘ nur eine dieser vielen Erfindungen der Erwachsenen, mit denen sie uns Kinder dazu bringen möchten, nicht zu viele Fragen auf einmal zu stellen. Aber ehrlich: Wer nicht fragt, bleibt dumm. Und dumm möchte ja nun wirklich keiner sein.
Aber ich habe schon verstanden. Das kostbare Oma-Buch soll kostbar bleiben und deshalb ist es besser, ich schaue es mir nur an, wenn Oma mit mir zusammen in den Seiten blättert.
Und heute besuche ich sie zum Sonntagstee und sie möchte mir eine Geschichte aus dem Buch vorlesen. Eine wahre Geschichte von einem Tanzfest in Berlin vor vielen vielen Jahren aus einer Zeit, in der man mit Kutschen fuhr und in der dort noch ein Kaiser der Boss war. Dieser Kaiser hieß Wilhelm und meine Ururgroßmutter, die Omas Oma gewesen ist und die die Seiten in diesem Buch mit ihrer Schrift, die ich so gar nicht lesen kann, geschrieben hat, hieß Anna. Wie ich.
Ehrlich, ich bin schon sehr neugierig.

© Elke Bräunling

illustration Oma sitzt mit Enkelin vor einem alten, fleckigen Buch

 

Diese Geschichte findest du in dem Buch: FAMILIENGESCHICHTEN
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Kurzfassung

Das alte Buch

Kurze Fassung in einfacher Sprache

Auf Omas Schreibtisch liegt ein altes, handgeschriebenes Buch.
Es sieht unscheinbar aus, mit fleckigen, welligen Seiten.
Trotzdem ist es Omas kostbarstes Buch.
Die Erzählerin – ein Kind – wundert sich über die vielen Flecken und vergleicht sie mit einem Kakao-Unfall.
Oma nennt sie „Altersflecken“, doch das Kind bleibt skeptisch und neugierig.
Das Buch darf nur gemeinsam mit Oma angeschaut werden. Weil es so kostbar ist.
Es enthält nämlich handgeschriebene Erinnerungen aus einer längst vergangenen Zeit.
An diesem Sonntag will Oma dem Kind wieder daraus vorlesen:
Eine wahre Geschichte von einem Tanzfest im alten Berlin.
Aus der Zeit von Kutschen und Kaiser Wilhelm.
Geschrieben hat sie Omas Oma Anna.
Anna! Das Kind trägt denselben Namen.
So verbindet das Buch Generationen.
Es ist nicht nur Papier, sondern ein stiller Schatz voller Leben, Erinnerung und Geschichte.

© Elke Bräunling

 

Fragerunde für Senioren- oder Generationengespräch

1. Warum ist das Buch für Oma so wertvoll, obwohl es alt und fleckig ist?
2. Was erzählen Flecken, Knicke und Gebrauchsspuren über ein Buch?
3. Hast du selbst ein Buch, einen Brief oder einen Gegenstand mit besonderer Bedeutung?
4. Warum ist es wichtig, Erinnerungen aufzuschreiben oder aufzubewahren?
5. Was bedeutet es, wenn ein Kind denselben Namen trägt wie eine Vorfahrin?
6. Glaubst du, dass Geschichten Menschen verbinden können, auch über Generationen hinweg?
7. Warum ist Neugier etwas Gutes, auch (oder gerade) im Alter?

 

 

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