Ein Engel für Pippa

Ein Engel für Pippa

Geschichte für Senioren zum Vorlesen

Titel + Illustration Abendliche Gasse, vor einem hell erleuchteten Fenster eine EngelsfigurPippa ist für alle da. Aber …

„Manchmal braucht selbst ein Engel jemanden, der ihm ein Licht ins Fenster stellt.“

Pippa ist immer für andere da. Ein Engel, wie alle sagen. Doch wer ist eigentlich für sie da?
Diese leise, berührende Geschichte erzählt von der Kraft kleiner Gesten, von Einsamkeit im Advent und vom Mut, sich selbst ein wenig Leben zu gönnen.
Ein warmherziger Text, der besonders Seniorinnen und Senioren anspricht und daran erinnert, dass auch Engel manchmal ein Geschenk brauchen.
Mit Kurzfassung in einfacher Sprache und Fragerunde.

 

Ein Engel für Pippa

Pippa war ein Engel. Jedenfalls sagten das alle zu ihr. Immer dann nämlich, wenn Pippa ihnen geholfen und einen Gefallen getan hatte. Und das geschah oft, denn Pippa konnte nicht „Nein“ sagen. Eine Bitte um Hilfe mit Nein abschlagen? Das brachte sie nicht übers Herz. Und so war Pippa eigentlich immer mit irgendetwas für irgendjemanden beschäftigt. Das war so, als Pippa in den Kindergarten ging und in die Schule. Und es war auch später so, als Pippa studierte und Lehrerin wurde und viele Jahre in der Grundschule unterrichtete. Stets war Pippa für alle da. Weniger für sich selbst.
„Pippa, du bist ein Engel! Bleib so! Du hast ein großes Herz für andere.“
Wie oft hatte Pippa diese Worte vernommen.
Pippa, der Engel mit dem großen Herzen.
Pippa, der einsame Engel.
Auch heute fühlte sich Pippa einsam. Sie hatte an diesem Sonntag die Kinder ihrer Freunde betreut, hatte mit ihnen gespielt, gelernt, gebastelt, Lieder gesungen, gekocht, gebacken und Gutenachtgeschichten erzählt. Den ganzen Tag war sie mit ihnen zusammen gewesen, während ihre Freunde mit der alten Clique, ihrer gemeinsamen Clique, eine Wanderung in die Berge machten. Eine Wanderung ohne Pippa. Von vorneherein war es selbstverständlich gewesen, dass sie bei den Kindern blieb. Wer auch sonst? Engel wem Engel gebührt.
Ein bisschen bitter lachte Pippa auf, als sie am Abend nun durch die vorweihnachtlichen Gassen des Städtchens schlenderte. Die Weinstuben und Bistros hier waren gut besucht. Beim Vorbeigehen schielte Pippa durch die Fenster. Sie war hungrig. Nach einem netten Gespräch bei einem Wein und einer Quiche oder einer Zwiebelsuppe. Hungrig nach dem Leben. Dem anderen Leben, das sie kaum kannte. Ein Leben, zu dem Engel keinen Zutritt hatten.
Sie seufzte. Dann wandte sie sich ab und bog in die Straße, die zu ihrer Wohnung führte.
Ein Licht strahlte ihr von ihrem Küchenfenster entgegen. Ein Licht, das von einem hell leuchtenden kleinen Engel aus Glas ausging, der auf dem Fensterbrett stand. Ein Engel, der ein Herz in seinen Händen hielt.
Pippa staunte. Dann hörte sie ein Geräusch und wandte sich um.
Da stand er. Der neue Nachbar. Sie hatte ihm gestern beim Einzug geholfen. Einfach so. Weil sie da war und seine Umzugshelfer nicht. „Danke, Engel!“, hatte er ihr zugerufen und sie hatte geantwortet: „Pippa. Schlicht Pippa und ohne Engel.“
„Guten Abend, Pippa ohne Engel“, sagte er nun und deutete zum Fenster. „Ein Engel erwartet Sie bereits und ein ‚Bengel’ fragt bescheiden und hungrig an, ob Sie Lust auf ein Abendessen in einer gemütlichen Weinkneipe hätten?“ Er zwinkerte ihr zu, zögerte. „Und, haben Sie … Lust?“, fragte er dann vorsichtig.
Pippa lächelte und nickte. Er wusste ja nicht, dass sie Bitten fast nie mit einem „Nein“ beschied.

© Elke Bräunling

Illustration Abendliche Gasse, vor einem hell erleuchteten Fenster eine Engelsfigur

 

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Kurzfassung

Ein Engel für Pippa

Kurze Fassung in einfacher Sprache

Pippa war für alle ein „Engel“..
Sie half immer, überall und jedem. Schon als Kind, später als Lehrerin, und auch heute noch.
Sie konnte nämlich einfach nicht „Nein“ sagen.
Darum war Pippa ständig beschäftigt, aber selten für sich selbst.
Ihre Freunde verließen sich so sehr auf sie, dass sie gar nicht merkten, wie einsam Pippa oft war.
An diesem Sonntag passte sie wieder auf die Kinder ihrer Freunde auf.
Die Freunde wanderten gemeinsam in den Bergen. Ohne sie.
Als Pippa abends durch die hell erleuchteten Gassen des Städtchens ging, fühlte sie sich leer. Und traurig.
Sie wünschte sich ein Abendessen, ein Glas Wein, ein gutes Gespräch.
Einfach ein Stück Leben, das nur ihr gehören sollte.
Hungrig und ein wenig traurig bog sie in ihre Straße ein.
Da sah sie in ihrem Küchenfenster ein Licht:
ein kleiner Glasengel, der ein Herz in den Händen hielt.
Wer hatte ihn dort hingestellt?
Da hörte sie Schritte.
Es war ihr neuer Nachbar, dem sie gestern beim Umzug geholfen hatte.
Er lächelte und sagte:
„Guten Abend, Pippa ohne Engel. Ein Engel wartet schon auf Sie. Und ein neugieriger Bengel möchte fragen, ob Sie Lust auf ein gemeinsames Abendessen haben.“
Pippa lächelte auch … und nickte.
Ein „Nein“ konnte sie ja auch nie sagen.
Und diesmal war es gut so.

© Elke Bräunling

Fragerunde zur Geschichte

1 Warum wird Pippa von allen ein „Engel“ genannt?
2 Welche Schattenseite hat es, immer für andere da zu sein?
3 Warum fühlte sich Pippa an diesem Sonntag besonders einsam?
4 Welche Sehnsucht spürt Pippa, als sie durch die Gassen geht?
5 Was bedeutet der Glasengel im Küchenfenster symbolisch?
6 Wie verändert das Auftauchen des Nachbarn ihre Stimmung?
7 Warum freut sich Pippa über die Einladung – vielleicht mehr, als sie zeigt?
8 Kennen Sie selbst Situationen, in denen man es allen recht machen will?
9 Warum ist es wichtig, auch einmal an sich selbst zu denken?
10 Was könnte für Pippa jetzt beginnen?

 

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