Lass uns die Freude feiern

Adventsgeschichte für Grübler – Schöne Unternehmungen für die Weihnachtszeit

„Huch! Was ist das? Ein Erdbeben?“
Luisa fährt zusammen. Sie zittert. Nein, alles ringsum zittert. Die Teekanne, die Tasse und die Gläser im Küchenschrank. Auch die Lampe schwingt langsam hin und her. Von der Straße her ertönt ein Poltern, das immer lauter wird.
Langsam greift sich Luisa an den Hals und tritt ans Fenster.
Ein großer LKW mit Anhänger donnert über die alte Dorfstraße mit den vielen Spalten und Löchern im Asphalt. Er ist voll beladen mit großen, prächtigen Bäumen. Weihnachtsbäumen.
„Oh! Geht das schon wieder los?“
„Es dauert gar nicht mehr lange bis zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte“, sagt Anton, ohne von seiner Zeitung aufzuschauen. „Hier, schau mal, Geschenkideen. Die Zeitung ist voll davon.“
Luisa winkt ab. Sie hasst Weihnachtsmärkte. Dieser laute Rummel mit all den bunten Buden, die meist nur billigen Ramsch verkaufen, hat nichts mit Weihnachten zu tun.
„Für diesen Unsinn müssen so viele prächtige Tannen und Fichten sterben. Was für ein Elend!“
„Du hast ja recht, aber wir können wohl nichts daran ändern.“ Anton klingt verstimmt. Er faltet seine Zeitung zusammen, legt die Lesebrille ab und will die Küche gerade verlassen, als Luisa ihn zurückruft:
„Wenn es unbequem wird, dann gehst du. Das ist so typisch für dich.“
Sie sieht, wie sich sein Gesicht rötet. Gleich würde er laut durch die Nase pfeifen, die Luft anhalten und sie mit funkelnden Augen anblitzen, so wie er es immer tut, wenn er kurz vor einem Wutausbruch steht. Doch sie wartet vergebens. Er atmet ruhig weiter und sein Blick wird weich.
„Können wir versuchen, von allem nicht immer nur die negativen Seiten zu betrachten?“, fragt er. „Es reicht doch, wenn wir all das Böse und Negative in den Nachrichten sehen. Lass es uns aus unserem Leben streichen, zumindest für die kommenden Wochen!“
Luisa ist verblüfft, aber positiv verblüfft. So kennt sie ihren Anton ja gar nicht mehr! In den letzten Monaten war er eigentlich immer mürrisch gewesen. Sie muss lachen. Von wegen Anton und schlechter Stimmung. Ist sie es eben nicht gewesen, die über den Weihnachtsrummel gemault hat? ‚Wie es ins Haus hinein schallt, so hallt es zurück‘, hat ihre Mutter immer gesagt. Wie hat sie das vergessen können?
„Du hast recht“, antwortet sie und lächelt. „Lass uns fröhlich sei, Anton!“
„Ja, feiern wir die Freude!“ Anton erwidert ihr Lächeln. „Wir sollten schöne Dinge in der Adventszeit unternehmen. Wie wäre es zum Beispiel wieder einmal mit einem Weihnachtsmärchen im Stadttheater? Weißt du noch, wie schön das früher immer war?“
Das weiß Luisa natürlich noch und gerade will sie einwenden „Ohne Kinder macht das doch keinen Spaß!“, als sie sich besinnt. „Ich wollte mir schon immer einmal mit dir alleine ein Märchen im Theater anschauen”, sagt sie schnell. “Ich freue mich, Anton.“
Sie spürt, wie sich eine Welle der Freude in ihrem Körper breit macht. Freude auf die kommende Zeit, auf Weihnachten, auf das Leben.

© Elke Bräunling/Regina Meier zu Verl

Advent, Bildquelle © peggychoucair/picabay

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