Das Festgewand

Das Festgewand

Fröhliche Weihnachtsgeschichte zum Schmunzeln

Titel + Illustration Frau trägt Mantel des Weihnachtsmanns, Weihnachtsmann erschrockenWas soll man anziehen zum Weihnachtsfest?

Was ziehen wir bloß zu Weihnachten an? Manchmal ist die Antwort gar nicht so einfach,  selbst im hohen Norden nicht! Diese heitere Weihnachtsgeschichte zeigt mit einem Augenzwinkern, wie Missverständnisse, Improvisation und ein rotes Kleid zu einer ganz besonderen Überraschung führen. Ein fröhliches Festabenteuer rund um den Weihnachtsmann und seine charmante Begleiterin.
Mit einfacher Kurzfassung und Fragerunde.

 

 

Das Festgewand

„Ich habe nichts anzuziehen. Nein. Da ist kein Festgewand, das passt.“
Die Frau stand vor dem Kleiderschrank und schob die Kleiderbügel auf der Stange hin und her. Immer wieder schüttelte sie dabei den Kopf.
„Ungeeignet“, sagte sie. „Sie sind alle ungeeignet.“
Der Mann, der im Sessel fläzte und ihr zusah, schmunzelte.
„Nichts anzuziehen hast du?“, sagte er. „Ha! Das sagst du immer. Und doch findest du im letzten Moment noch das Passende. Und du sahst immer sehr schick aus, wenn …“
„Aber zu diesem speziellen Anlass hält mein Kleiderschrank keine Garderobe bereit.“
„Dann musst du improvisieren.“ Der Mann klopfte sich auf seinen stattlichen Bauch. „Improvisieren, das müssen wir alle immer wieder einmal. Außerdem: es ist ja nur für einen Abend.“
Sie schimpfte leise, wühlte sich nochmals durch den Kleiderschrank, dann schüttelte sie den Kopf.
„Nein. So geht das nicht. Aber …“ Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Aber ich habe eine Idee!“
Sie verließ den Raum, überquerte den Flur und betrat das Zimmer des Mannes, wo sie sich an dessen Kleiderschrank zu schaffen machte.
„Wunderbar!“, rief sie wenig später. „Es passt zwar nicht perfekt, ist zu groß und zu weit, besonders am Bauch. Du solltest endlich abnehmen! Aber egal. Für den einen Anlass genügt es. Sag, wie gefalle ich dir in meinem neuen Festkleid?“
Sie kam zurück, posierte vor ihm.
„Halt! Nein!“ Trotz seiner Leibesfülle sprang der Mann erstaunlich schnell auf. „Das ist mein Gewand. Ich brauche es morgen. Ganz dringend sogar.“
„Das“, erwiderte sie spitz, „ist nun dein Problem. Du solltest … improvisieren!“
Sie grinste, und er stieß einen leisen Fluch aus.
Warum hatte er sich auch so unsensibel ausgedrückt? Reden ist Silber …
Wenig später sah man den Mann aufgewühlt und mit schlechtem Gewissen durch die Straßen hasten. Von einem Modegeschäft zum anderen eilte er. Endlich wurde er fündig und kaufte ihr das gewünschte Kleid. Sie sollte sich darin wohl fühlen und schön. Er kaufte wahllos, sparte auch nicht an teuren Accessoires. Egal. Es musste nur passen … und es musste rot sein.
„Gut gemacht, lieber Cousin“, sagte die Frau später, als sie im Spiegel ihr neues Outfit betrachtete. „Gefalle ich dir?“
„Schick. Todschick sogar.“ Er grinste.
„Fein“, rief sie gut gelaunt. „Dann kann es losgehen. Oh, ich freue mich so sehr darauf, dich dieses Mal als deine Frau begleiten zu dürfen.“
Sie eilte aus dem Haus, schwang sich auf den Kutschbock des Rentierschlittens und ergriff die Zügel.
„Halt!“, wollte der Weihnachtsmann rufen. „Das ist mein Platz!“
Doch dieses Mal schwieg er lieber.

© Elke Bräunling

Illustration Frau trägt Mantel des Weihnachtsmanns, Weihnachtsmann erschrocken

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Kurzfassung

Das Festgewand

Kurze Fassung in einfacher Sprache

Eine Frau steht vor ihrem Kleiderschrank und ist verzweifelt:
Sie hat „nichts zum Anziehen“ für einen besonderen Anlass.
Der Mann lacht, denn das sagt sie jedes Jahr.
Aber diesmal, meint sie, stimmt es wirklich!
Plötzlich bekommt sie eine Idee:
Sie geht einfach an seinen Kleiderschrank und bedient sich.
Wenig später steht sie vor ihm. In seinem Gewand!
Viel zu groß ist es und viel zu weit.
Aber sie fühlt sich wunderbar darin.
Und sie sagt spitz:
„Du solltest improvisieren!“
Der Mann, der kein anderer als der Weihnachtsmann ist merkt, erschrickt.
Er versteht, dass seine Bemerkung zu seiner Cousine eben nicht sehr einfühlsam war.
Schnell rennt er in die Stadt und sucht ein Kleid für sie.
Der Preis ist ihm egal. Hauptsache rot und passend.
Als sie es später anprobiert, funkeln ihre Augen:
„Gut gemacht, Cousin. Und? Gefalle ich dir?“
Er nickt, begeistert.
Dann steigt sie auf den Rentierschlitten:
Heute begleitet sie den Weihnachtsmann als seine Frau.
Der Weihnachtsmann will protestieren …
aber diesmal schweigt er lieber.

© Elke Bräunling

 

Fragerunde für Senioren

1 Haben Sie auch schon einmal gesagt: „Ich habe nichts anzuziehen“?
2 Gab es in Ihrer Familie jemand, der immer im letzten Moment improvisiert hat?
3 Erinnern Sie sich an Weihnachtsfeste, an denen Kleidung „wichtig“ war?
4 Haben Sie schon einmal Kleidungsstücke anderer Familienmitglieder getragen?
5 Gibt es ein Kleidungsstück, das für Sie ganz besondere Erinnerungen trägt?
6 Haben Sie jemanden, der Sie schon einmal überrascht hat mit einem Geschenk, das genau richtig war?
7 Wie stellen Sie sich die Frau des Weihnachtsmannes vor?
8 Ist Humor für Sie ein wichtiger Teil der Adventszeit? Warum?

 

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