Auf der Parkbank: Herbstglühen
Auf der Parkbank: Herbstglühen
Herbstgeschichte für Senioren
„Aber Maria sitzt nicht hier. Du sitzt hier. Also rede ich mit dir.“
Manchmal ist nach einem Streit der erste Schritt der schwerste. Peter vermisst Maria, doch sein Stolz und die Angst vor neuen Vorwürfen halten ihn zurück. Bis sein Freund Bernd auf der Parkbank deutliche Worte findet. Eine leise Herbstgeschichte über Sehnsucht, Freundschaft und die Frage, ob Versöhnung mit einer Tasse Kaffee beginnen kann.
Mit zwei Kurzfassungen in einfacher Sprache, Fragerunde, Erinnerungsimpuls.
Auf der Parkbank: Herbstglühen
„Das Jahr ist wie wir“, knurrte Peter. „Planlos, müde, abgefeiert und herbstlich. Das auch. Und wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich genauso.“
„Das sagst du jedes Jahr“, lachte eine Stimme in seinem Kopf. Marias Stimme. „Du bist eben ein Herbstmuffel. Hey, du, Herbst ist bunt.“
„Bunt und voller Farben.“ Peter vergrub den Kopf in seinen Händen. „Und voller Probleme und Ängste. Was wird uns dieser Herbst bringen? Und danach der Winter? Ich sehe da kein Bunt.“
Wieder einmal wurde ihm bewusst, wie sehr ihm Maria fehlte. Ihre Stimme konnte er noch immer hören. Fast war es, als säße sie neben ihm auf der Bank. Früher hatte sie oft hier gesessen. Bis zu ihrem letzten großen Streit. Bis sie ihre Sachen gepackt hatte und gegangen war.
Seitdem waren Wochen vergangen. Ein paar kurze Nachrichten hatten sie gewechselt. Mehr nicht.
Dabei sehnte er sich so nach ihr und nach ihren tröstenden Worten und ihren zärtlichen Händen.
„Du hast den Herbst geliebt“, murmelte er und wischte sich eine verstohlene Träne von der Wange. „Und eigentlich sollte ich das auch tun. Um dir nahe zu sein und …“
„Sag mal, mit wem sprichst du die ganze Zeit?“, holte ihn eine Stimme aus seinen wehmütigen Gedanken.
Es war Bernd, der neben ihm auf der Bank im Park saß und in einem Bildband mit dem Titel „Die Alpen im Herbstglühen“ blätterte.
„Wäre das nichts für uns?“
Peter brauchte einen Moment, um wieder im Jetzt anzukommen.
„Ich weiß nicht“, sagte er vage. „Herbstglühen, das klingt so … ich weiß nicht!“
„Das klingt nach Farbe, nach Wärme, nach Gemütlichkeit!“, antwortete Bernd.
„Pass auf, dass du dich nicht an diesem Glühen verbrennst“, knotterte Peter.
Er wollte weder Farbe noch Wärme noch Gemütlichkeit in seinem derzeitigen Leben haben, denn das alles erinnerte ihn so sehr an Maria. An die gemeinsamen Jahre. Und daran, wie gründlich sie beide es geschafft hatten, sich in den letzten Monaten gegenseitig das Leben schwerzumachen.
Natürlich war nicht alles seine Schuld gewesen. Aber alles ihre eben auch nicht. Das wusste er. Wenn er ehrlich war.
Es brachte die Sehnsucht zum Glühen. Verdammt, jetzt dachte er es auch schon, dieses verdammte Wort. Verdammte Nostalgie! Verdammter Herbst!
Er stand auf.
„Ich muss los!“
Bernd hielt ihn am Jackenärmel.
„Flüchtest du schon wieder? Wie lange willst du noch weiter schmollen? Mensch! Tu endlich etwas! Rede mit ihr!“
„Du meinst, Versöhnung im Herbst?“ Peter verzog das Gesicht.
„Ja, warum nicht?“
„Weil wir es oft genug versucht haben.“ Peter schüttelte den Kopf. „Am Ende ging alles wieder von vorne los. Vorwürfe, Streit, Schweigen. Ich will das nicht mehr.“
„Was willst du nicht?“ Bernds Stimme klang nun gar nicht mehr freundlich. „Dich wieder mit ihr streiten? Das verstehe ich. Aber vielleicht könntest du zur Abwechslung einmal mit ihr reden, ohne gleich recht haben zu wollen.“
Peter starrte ihn an.
„Und bevor du fragst: Ja, Maria könnte das vielleicht auch versuchen“, fügte Bernd hinzu. „Aber Maria sitzt nicht hier. Du sitzt hier. Also rede ich mit dir.“
Das hatte gesessen.
Peter ließ sich wieder auf die Bank fallen.
„Ich … ich …“ Er schwieg einen Moment. „Was kann ich denn tun?“
„Anrufen wäre für den Anfang nicht schlecht. Und vor allem eines: Werde aktiv. Hör auf, dich selbst zu bemitleiden, verflixt und zugenäht!“
„Verflixt und zugenäht.“ Peter schüttelte den Kopf. „Klingt genauso abschreckend wie Herbstglühen.“
Er nahm Bernd den Bildband aus der Hand und betrachtete das Titelbild. Berge, darüber ein weiter Himmel und Wälder in Rot, Gelb und Gold.
„Wobei mir der glühende Herbst deutlich besser gefällt.“
Eine Weile blätterte er schweigend. Dann grinste er.
„Vielleicht kann er ja ganz nett sein, der Herbst in den Alpen.“ Er tippte auf eines der Bilder. „Meinst du, eine Reise könnte Maria versöhnen?“
Bernd seufzte und klappte den Bildband zu.
„Frag erst mal, ob sie überhaupt mit dir einen Kaffee trinken will. Die Alpen können warten.“
© Elke Bräunling

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Herbstglühen – Kurzfassung
Peter sitzt mit seinem Freund Bernd auf einer Parkbank. Der Herbst macht ihm zu schaffen. Alles erscheint ihm grau und müde.
Vor allem aber vermisst er Maria. Nach einem großen Streit hat sie ihn verlassen. Seit Wochen haben sie kaum miteinander gesprochen.
Bernd blättert in einem Bildband über die Alpen im Herbst.
„Herbstglühen“, liest Peter und verzieht das Gesicht.
Mit Farben, Wärme und Gemütlichkeit kann er gerade wenig anfangen.
Zu sehr erinnert ihn all das an Maria.
Bernd hat genug von Peters Schmollen.
„Wie lange willst du noch davonlaufen?“, fragt er. „Rede mit ihr!“
Peter wehrt ab. Sie hätten es oft genug versucht. Immer wieder habe es Streit und Vorwürfe gegeben.
„Vielleicht könntest du einmal mit ihr reden, ohne gleich recht haben zu wollen“, meint Bernd.
Peter sieht ihn empört an.
„Maria könnte das vielleicht auch versuchen“, fügt Bernd hinzu. „Aber Maria sitzt nicht hier. Du sitzt hier.“
Das sitzt.
Langsam beginnt Peter nachzudenken. Vielleicht sollte er wirklich den ersten Schritt machen.
Er nimmt Bernd den Bildband aus der Hand und betrachtet die bunten Herbstbilder.
„Vielleicht kann er ja ganz nett sein, der Herbst in den Alpen“, sagt er. „Meinst du, eine Reise könnte Maria versöhnen?“
Bernd seufzt.
„Frag erst mal, ob sie überhaupt mit dir einen Kaffee trinken will. Die Alpen können warten.“
© Elke Bräunling
Herbstglühen – Sehr einfache Kurzfassung für Senioren
Peter sitzt mit seinem Freund Bernd auf einer Parkbank.
Peter ist traurig.
Er vermisst Maria.
Maria und Peter hatten oft Streit. Schließlich ist Maria gegangen. Seitdem haben sie kaum miteinander gesprochen.
Bernd möchte seinem Freund helfen.
Er zeigt Peter ein Buch mit Bildern aus den Alpen. Die Wälder leuchten dort in den schönsten Herbstfarben.
Doch Peter mag den Herbst gerade nicht. Alles erinnert ihn an Maria.
„Warum redest du nicht mit ihr?“, fragt Bernd.
Peter schüttelt den Kopf.
„Wir würden uns bestimmt wieder streiten.“
Bernd meint: „Du könntest versuchen, mit Maria zu reden, ohne gleich recht haben zu wollen.“
Peter denkt nach.
Vielleicht hat sein Freund recht. Vielleicht muss einer von beiden den ersten Schritt machen.
Peter sieht wieder die schönen Herbstbilder an.
„Vielleicht könnte ich mit Maria in die Alpen reisen“, sagt er.
Bernd lacht.
„Frag sie erst einmal, ob sie mit dir einen Kaffee trinken möchte. Die Alpen können warten.“
© Elke Bräunling
Fragen zur Geschichte
• Warum gefällt Peter der Herbst zunächst nicht?
• Wen vermisst er?
• Was ist zwischen Peter und Maria geschehen?
• Warum möchte Peter nicht noch einmal mit Maria reden?
• Was rät Bernd seinem Freund?
• Was meint Bernd mit den Worten: „Maria sitzt nicht hier. Du sitzt hier“?
• Muss bei einem Streit immer einer allein schuld sein?
• Warum fällt es manchmal so schwer, den ersten Schritt zur Versöhnung zu machen?
• Was kann bei einem ersten Gespräch helfen?
• Finden Sie Bernds Idee mit dem Kaffee gut?
• Wie könnte die Geschichte weitergehen?
Erinnerungsimpuls: Wenn einer den ersten Schritt macht
Nach einem Streit herrscht manchmal lange Schweigen. Beide warten darauf, dass der andere sich meldet. Und je länger man wartet, desto schwieriger kann der erste Schritt werden.
Vielleicht erinnern Sie sich an eine Versöhnung in Ihrem Leben:
Wer hat damals den ersten Schritt gemacht?
War es ein Gespräch, ein Brief, ein Anruf oder vielleicht nur ein kleines Zeichen?
Manchmal braucht es gar keine große Geste.
Vielleicht reicht für den Anfang eine Tasse Kaffee.


