Oma Linchen und das Wunder der Herbstblätter

Oma Linchen und das Wunder der Herbstblätter

Herbstgeschichte für Senioren über das Staunen und die Fantasie

Oma LInkchen und Jule schauen aus dem Fenster in die gelben HErbstbäume, Tauben, Einhornwolke„Manchmal braucht ein Wunder nur jemanden, der wieder hinsieht.“

Manchmal braucht es Kinderaugen, um die kleinen Wunder des Alltags wiederzuentdecken. Oma Linchen hat den Blick auf die bunten Herbstbäume vor ihrem Fenster längst vergessen. Doch ihre Enkelin Jule zeigt ihr, wie viel Freude in fallenden Blättern steckt und dass sogar weiße Raben und Einhörner manchmal ganz wirklich sein können. Eine warmherzige Herbstgeschichte für Senioren über das Staunen, die Fantasie und die Freude an der Natur. Mit Kurzfassung in einfacher Sprache, Fragerunde, Mitmachimpulse und – ideen

 

 

Oma Linchen und die bunten Herbstblätter

„Was machst du am Fenster, Kind?“, fragte Oma Linchen. „Pass auf, dass du dich nicht erkältest!“
„Es ist nicht kalt“, antwortete Jule. „Nur ein bisschen vielleicht. Aber es macht Spaß, bei dir aus dem Fenster zu gucken. So viel gibt es zu sehen.“
„So viel?“ Oma Linchen wohnte schon so lange in dem Haus am Park in ihrer Dachgeschosswohnung, dass sie all das Aufregende und Schöne, das man hier täglich sehen konnte, nicht mehr wahrnahm. Es war für sie normal geworden.
„Was ist es denn, das dich so sehr fesselt?“
„Die Blätter!“ Jule deutete zu den Parkbäumen hinüber. „Sie sind schön bunt. Und jedes Mal, wenn ich gucke, sind sie ein bisschen bunter. Das ist toll.“
Das stimmte. Jeden Tag färbte sich das Laub in den Kronen der Bäume am Rande des Parks ein bisschen mehr. Man konnte fast dabei zusehen.
„Man kann fast dabei zusehen“, sagte Jule da auch schon und Oma Linchen beschloss, das Bild, das sich ihr von ihrer Wohnung aus bot, mit Jules Augen zu betrachten. Kinderaugen sahen bekanntlich mehr.
Sie trat ans Fenster.
„Schön!“, sagte sie und meinte es auch so. „Zauberhaft schön. Wie konnte ich das nur all die Jahre vergessen?“
„Du hast die bunten Bäume nicht gesehen?“, fragte Jule.
Oma Linchen schüttelte den Kopf. „Ja, stell dir das mal vor!“
Nein, das konnte sich Jule nicht vorstellen. „Aber wie kann man Bäume und bunte Farben übersehen?“
„Vielleicht, weil da so viele andere Dinge in meinem Kopf feststeckten?“, überlegte Oma Linchen laut. „Dinge, die ich für wichtiger hielt und die es dann doch nicht waren.“
„Was waren sie nicht?“
„Nicht wichtig.“
„Bunte Blätter sind wichtig“, erklärte Jule. „Schau! Sie fallen von den Bäumen und machen den Boden bunt. Darüber freuen sich die Tiere. Sie können Verstecken unter all den Blättern spielen. Später sind diese für sie eine warme Decke und sie müssen nicht frieren. Das freut dann den Boden, und ich freue mich auch. Es macht Spaß, durch Blätterberge zu laufen. Es knistert und raschelt so fein.“
„Und ich freue mich jetzt auch“, staunte Oma Linchen. „Wie klug du bist!“
Sie machte eine kleine Pause, dann fuhr sie fort, mehr zu sich selbst:
„Und ich habe immer gemeint, traurig sein zu müssen, wenn ich welke Blätter sah.“
„Aber jetzt weißt du, dass es richtig ist mit den Blättern. Nicht wahr?“
Oma Linchen nickte. Sie war sehr stolz auf ihre kleine Enkelin.
Jule blickte bereits wieder zu den Bäumen hinüber.
„Und jetzt!“, rief sie aufgeregt, „jetzt kommen die weißen Raben. Sie singen den Blättern ein Lied, damit die sich nicht ängstigen müssen.“
„Wovor ängstigen sie sich?“, wollte Oma Linchen fragen. Und „Es gibt keine weißen Raben!“ wollte sie auch sagen, doch sie schwieg und blickte auch zu den Bäumen hinüber, in deren Kronen eine Taubenschar eingekehrt war. Oder waren es doch weiße Raben? Und die Wolke, die nach Regen aussah und sich über den Park legte, war sie wirklich eine Wolke oder nicht doch eher ein Einhorn?

© Elke Bräunling

 

Oma LInkchen und Jule schauen aus dem Fenster in die gelben HErbstbäume, Tauben, Einhornwolke

 

 

 

 

 

 

 

 

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Oma Linchen und die bunten Herbstblätter – Einfache Kurzfassung für Senioren

Oma Linchen wohnt in einem Haus am Park.
Ihre Enkelin Jule ist zu Besuch.
Jule steht am Fenster und schaut hinaus.
„Was siehst du denn?“, fragt Oma Linchen.
„Die Bäume!“, ruft Jule. „Sie sind so schön bunt!“
Oma Linchen tritt ans Fenster.
Sie sieht die gelben, roten und braunen Blätter.
„Ja, wirklich schön“, sagt sie.
„Jeden Tag werden es mehr bunte Blätter“, erzählt Jule.
„Und wenn sie herunterfallen, freuen sich die Tiere.“
„Warum?“, fragt Oma Linchen.
„Weil sie sich unter den Blättern verstecken können. Und weil die Blätter sie im Winter warm halten.“
Oma Linchen lächelt.
So hat sie die Herbstblätter noch nie betrachtet.
Früher war sie immer traurig, wenn die Blätter von den Bäumen fielen.
Doch nun sieht sie, wie schön der Herbst ist.
Plötzlich zeigt Jule auf die Bäume.
„Schau, Oma! Da kommen die weißen Raben!“
Oma Linchen sieht einen Schwarm heller Tauben.
Sie möchte Jule erklären, dass es keine weißen Raben sind.
Doch dann lächelt sie.
Vielleicht darf man die Welt manchmal auch mit Kinderaugen sehen.
Und vielleicht sieht eine Wolke tatsächlich aus wie ein Einhorn.
© Elke Bräunling

 

Fragerunde

Fragen zur Geschichte
• Wie heißt die Großmutter?
.• Wer besucht Oma Linchen?
.• Was betrachtet Jule am Fenster?
.• Welche Farben haben die Herbstblätter?
.• Warum freut sich Jule über die Blätter?
.• Wie helfen die Blätter den Tieren?
.• Was entdeckt Jule am Ende in den Bäumen?
.• Welches Tier glaubt Oma Linchen in der Wolke zu erkennen?
.Fragen zum Erinnern und Erzählen
• Hatten Sie früher einen schönen Blick aus Ihrem Fenster?
.• Gab es einen Lieblingsbaum vor Ihrem Haus?
.• Haben Sie als Kind gerne mit Herbstblättern gespielt?
.• Sind Sie durch große Laubhaufen gelaufen?
.• Welche Herbstfarben mögen Sie besonders?
.• Haben Ihre Kinder oder Enkel Ihnen einmal etwas gezeigt, das Sie selbst übersehen hatten?
.• Haben Sie schon einmal Tiere oder Figuren in Wolken entdeckt?
.

 

Erinnerungsimpuls – Wenn die Blätter raschelten

Im Herbst lagen früher oft große Mengen Laub auf Wegen, in Gärten und unter den Bäumen.
Kinder liefen hindurch, schoben die Blätter mit den Füßen zusammen oder warfen sie in die Luft.
Es raschelte und knisterte bei jedem Schritt.
Manchmal wurden die Blätter zu großen Haufen zusammengerecht. Darin konnte man wunderbar spielen.
Auch die Farben waren jedes Jahr aufs Neue ein Erlebnis: gelbe Birkenblätter, rote Ahornblätter und braune Eichenblätter.
Zum Erzählen: Wo haben Sie als Kind besonders gerne im Herbst gespielt? Erinnern Sie sich an einen Baum, dessen Blätter besonders schön waren?

 

Mitmachideen

🍁 Ein Blatt erzählt
Einige unterschiedliche Herbstblätter werden auf den Tisch gelegt: zum Beispiel Ahorn, Eiche, Buche und Birke.
Die Blätter dürfen betrachtet, berührt und miteinander verglichen werden.
Welche Farben entdecken Sie? Welches Blatt ist besonders groß? Welches raschelt am schönsten? Kennen Sie den Baum, zu dem es gehört?
Wer möchte, sucht sich sein Lieblingsblatt aus.

☁️ Was siehst du in den Wolken?
Wir betrachten gemeinsam ein paar Bilder von Wolken, in denen sich mit etwas Fantasie Figuren entdecken lassen.
Vielleicht ein Tier, ein Gesicht, ein Schiff oder ein Einhorn.
Jeder darf erzählen, was er sieht. Und wenn jemand etwas ganz anderes erkennt, ist das ebenso richtig.
Denn hier geht es nicht um richtige Antworten, sondern ums Fantasieren.

🍂 Die Blätter tanzen
Eine kleine Bewegungsrunde, die auch im Sitzen möglich ist:
Die Hände sind zunächst ganz still.
Ein leichter Herbstwind kommt auf. Die Finger beginnen sich zu bewegen.
Der Wind wird stärker. Die Hände wiegen sich hin und her.
Nun wirbeln die Blätter. Die Arme beschreiben kleine Kreise.
Langsam lässt der Wind nach. Die Hände sinken wieder in den Schoß.
Und draußen vor dem Fenster tanzen vielleicht noch ein paar letzte Blätter.

 

Eine kleine Sinnesidee – Das Rascheln des Herbstes

Ein paar trockene Blätter liegen in einem Korb.
Ein Blatt wird vorsichtig zwischen den Fingern bewegt. Wie klingt es?
Dann werden mehrere Blätter gemeinsam bewegt. Es raschelt wie bei einem Spaziergang durch Herbstlaub.
Wer möchte, darf die Augen schließen und nur zuhören.
Erinnerungsfrage: Wann haben Sie dieses Rascheln zuletzt gehört? Woran erinnert es Sie?