Als die Glocken schwiegen
Als die Glocken schwiegen
Friedensgeschichte für Senioren und Familien
Warum mussten Kirchenglocken in Kriegszeiten schweigen?
Eine Geschichte über verlorene Glocken, Erinnerungen an den Krieg und die Hoffnung auf Frieden. Mit Arbeitsmodul: Kurzfassungen in einfacher Sprache, Fragerunde, Impulse, Mitmachideen, Fantasiereise und Sachtext
🔔 Geschichte ·
📖 Einfache Fassung ·
🌿 Sehr einfache Fassung ·
❓ Fragerunde ·
🕊️ Friedensmoment ·
🤲 Bewegungsimpulse ·
🌙 Fantasiereise ·
🌼 Friedensmomente im Alltag ·
📜 Sachtext
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Als die Glocken schwiegen
Die Glocken läuteten.
„Schön“, sagte Oma. „Es tut gut, hier zu sitzen und dem Klang der Glocken von Sankt Ludwig zu lauschen. Ich liebe sie, diese Glocken!“
Bei ihrem Spaziergang hatten Oma, Jule und Jan auf der Bank bei der großen Linde oberhalb der kleinen Stadt Rast gemacht.
„Na ja“, meinte Jan. „Die Glocken können auch ganz schön nerven. Vor allem am Sonntagmorgen, wenn ich ausschlafen möchte.“
„Ich mag sie“, sagte Jule. „Sie gehören zu uns. Nicht auszudenken, wenn sie schweigen würden.“
Oma nickte. „Ja. Nicht auszudenken wäre das. Und doch waren sie lange still geblieben.“
„Warum das?“
„Einfach so?“
Neugierig starrten die Geschwister ihre Großmutter an. Ein Leben mit schweigenden Glocken konnten sie sich nicht vorstellen.
„Sie waren in den Krieg gezogen“, sagte Oma.
„In den Krieg? Die Glocken? Hoho!“ Jan lachte und Jule sagte mit einem ungläubigen Grinsen: „So ein Quatsch!“
„Kein Quatsch“, widersprach Oma. „In beiden großen Kriegen hatte man unsere Glocken abgeholt. Sie wurden eingeschmolzen und zu Waffen und Kriegsgerät verarbeitet.“
„Eine Glocke kann doch keinen Krieg führen.“
Die Geschwister konnten nicht glauben, was Oma da erzählte.
„Viele kleine Glocken ergaben viele kleine und große Granaten und noch mehr Patronen für die Gewehre der Soldaten“, sagte Oma. Sie sagte es mit einem tiefen Seufzer.
„Boah!“, machte Jan. „Kirchenglocken und fiese Granaten? Wie passt das zusammen?“
„Gar nicht“, meinte Oma, und Jule sagte:
„Krieg ist doof.“
Das sagte sie immer, wenn von Kriegen und Kämpfen und Streitereien die Rede war.
„Wie recht ihr habt.“ Oma legte die Arme um die Schultern ihrer Enkel.
„Aber du warst nicht dabei in diesen Kriegen, oder?“, fragte Jule.
„Für wie alt hältst du mich eigentlich? Oma sah Jule mit einem schiefen Grinsen an. „Meine Großmutter hat den ersten großen Krieg miterlebt. Sie war so alt wie du, Jule. Und meine Mutter war ein Kind im zweiten großen Krieg. Und beide haben oft von ihren Erlebnissen, ihrer Traurigkeit und ihren Ängsten erzählt. Erst lange nach Ende des zweiten großen Krieges kam ich auf die Welt – und da hatte die große Glocke von Sankt Ludwig noch immer geschwiegen. Sie kam erst zurück, als ich in eurem Alter war. Und ich sage euch, ihre Rückkehr war ein großes Fest. Alle im Städtchen haben sich gefreut und gesagt: ‘Jetzt, ja, jetzt erst sind sie wirklich vorbei, die schrecklichen Kriege. Nie wieder wollen wir Krieg haben. Dafür werden wir alles tun. In Frieden wollen wir leben! Für immer’!”
Oma lächelte. „Die Glocken“, meinte sie dann „haben den Menschen den Frieden erst so richtig zurück gebracht. … Die neuen Glocken“, fügte sie nach einem kurzen Atemzug hinzu. „Die alten gab es ja nicht mehr. Sie waren genau so tot wie die vielen vielen Millionen Opfer der beiden Kriege.“
Dann schwieg sie.
„Wie schön dass sie jeden Abend läuten“, brach Jule endlich das Schweigen. „Sie erzählen vom Frieden.“
„Und Kriege sind wirklich doof“, ergänzte Jan, der bisher immer „Kriege sind spannend“ gesagt hatte. “Ein Krieg, in dem Kirchenglocken zu Granaten werden, kann keine spannende Sache sein.”
Stimmt! Krieg ist keine spannende Sache und mit Glocken kann keiner einen Krieg gewinnen. Auch nicht mit Panzern.
© Elke Bräunling

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Als die Glocken schwiegen – Einfache Fassung für Senioren
Oma sitzt mit Jule und Jan auf einer Bank unter einer großen Linde.
Die Glocken der Kirche läuten.
„Ich liebe diesen Klang“, sagt Oma leise.
Jan zuckt mit den Schultern.
„Manchmal nerven sie auch“, meint er.
Jule schüttelt den Kopf.
„Ich mag sie. Es wäre traurig, wenn sie schweigen würden.“
Oma nickt. „Ja“, sagt sie. „Sehr traurig. Und doch war es einmal so.“
Die Kinder schauen sie erstaunt an.
„Die Glocken waren im Krieg verschwunden“, erklärt Oma.
„Man hat sie eingeschmolzen und daraus Waffen gemacht.“
„Glocken werden zu Granaten?“, fragt Jan ungläubig.
Oma seufzt. „Ja. So war es.“
Einen Moment ist es still.
„Das passt doch gar nicht zusammen“, sagt Jule leise.
„Nein“, sagt Oma. „Gar nicht.“
Dann erzählt sie weiter.
Von ihrer Mutter und ihrer Großmutter.
Von Angst und Traurigkeit.
Und davon, wie lange es gedauert hat, bis die Glocken wieder läuteten.
„Als sie zurückkamen, war das ein großes Fest“, sagt Oma. „Die Menschen haben gehofft, dass der Frieden bleibt.“
Die Kinder hören still zu.
Dann sagt Jule: „Die Glocken klingen schön.“
Jan nickt. „Ja. Und sie sollen immer läuten.“
Oma lächelt.
Und irgendwo in der Ferne klingen die Glocken weiter.
© Elke Bräunling
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Die Glocken – Sehr einfache Fassung für Senioren
Oma sitzt mit den Kindern auf einer Bank.
Unter einem großen Baum.
Die Glocken läuten.
Ganz ruhig.
Immer wieder.
Oma lächelt.
„Ich mag diesen Klang“, sagt sie.
Die Kinder hören zu.
Dann sagt Oma:
„Früher waren die Glocken einmal still.“
Die Kinder wundern sich.
„Warum?“
Oma sagt:
„Es war Krieg.“
Alle werden still.
Oma schaut in die Ferne.
Vielleicht denkt sie an früher.
Dann läuten die Glocken wieder.
Hell und ruhig.
Die Kinder hören.
Jule sagt leise:
„Das klingt schön.“
Jan nickt.
Oma lächelt.
Die Glocken läuten weiter.
Und das ist gut.
© Elke Bräunling
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Fragerunde – Glocken, Erinnerungen und Frieden
👉 Zum Verstehen
• Wo sitzen Oma und die Kinder?
• Was hören sie?
• Warum waren die Glocken früher still?
👉 Zum Nachdenken
• Warum ist Frieden wichtig?
• Was bedeutet es, wenn etwas plötzlich fehlt?
• Kann man Frieden hören?
👉 Zum Erzählen
• Erinnerst du dich an Glockenklänge?
• Wie haben sie geklungen?
• Gab es Geräusche, die dir wichtig waren?
👉 Für Senioren / Erinnerungen
• Gab es in deiner Kindheit feste Zeiten mit Glocken?
• Woran erinnern dich diese Klänge?
• Hast du Zeiten erlebt, in denen vieles anders war?
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Mitmachidee – Ein stiller Friedensmoment
Setzen Sie sich einen Moment ruhig hin.
Stellen Sie sich vor, Sie hören in der Ferne Glocken.
Ganz leise.
Ein gleichmäßiger Klang.
Ruhig. Weit.
Atmen Sie ruhig ein …
und wieder aus.
Vielleicht breitet sich ein Gefühl von Ruhe aus.
Zum Nachspüren:
Wie klingt dieser Ton für Sie?
Ist er hell oder tief?
Was fühlen Sie dabei?
👉 Ein ruhiger Klang kann Halt geben.
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Sanfte Bewegungsimpulse – Glockenklang
Heben Sie einen Arm langsam an.
Dann schwingen Sie ihn leicht nach unten.
Ganz ruhig.
🔔 Der Klang breitet sich aus
Öffnen Sie beide Arme langsam zur Seite.
Als würde sich der Klang ausbreiten.
🌿 Zur Ruhe kommen
Lassen Sie die Arme wieder sinken.
Atmen Sie ruhig ein und aus.
Alles langsam und ohne Anstrengung.
Fantasiereise – Der Klang der Glocken
Atmen Sie ruhig ein … und aus.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf einer Bank.
Vielleicht unter einem Baum.
Es ist ruhig.
Dann hören Sie einen Klang.
Ganz leise.
Eine Glocke.
Der Ton schwingt durch die Luft.
Langsam. Gleichmäßig.
Er kommt näher.
Und bleibt doch weich.
Hören Sie einfach zu.
Der Klang trägt sich weit.
Über Häuser.
Über Felder.
Vielleicht wird es in Ihnen stiller.
Vielleicht entsteht ein Gefühl von Ruhe.
Dann klingt die Glocke langsam aus.
Und die Stille bleibt.
Wenn Sie möchten, öffnen Sie wieder die Augen.
Gesprächsimpuls – Kleine Friedensmomente im Alltag
Setzen Sie sich einen Moment ruhig hin.
Denken Sie an etwas, das Ihnen gut tut:
ein Ort, ein Mensch, ein Klang.
Vielleicht hören Sie in Gedanken wieder die Glocken.
Ruhig. Gleichmäßig.
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Gesprächsimpuls – Kleine Friedensmomente im Alltag
• Ein freundliches Wort sagen
• Jemandem zuhören
• Ein Lächeln schenken
Auch das ist Frieden.
🌿 Zum Nachspüren:
• Was gibt Ihnen Ruhe?
• Wann fühlen Sie sich sicher?
Manchmal genügt ein stiller Moment, um die Welt ein wenig heller zu machen.
🌼 Ein Satz zum Mitnehmen
„Mögen die Glocken immer vom Frieden erzählen.“
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Sachtext – Warum Kirchenglocken im Krieg schwiegen
Kirchenglocken gehörten früher zum Alltag vieler Menschen.
Sie gaben den Tag vor, riefen zum Gebet und begleiteten Feste und Abschiede.
Doch in Zeiten des Krieges verstummten sie oft.
In beiden Weltkriegen wurden in vielen Orten die Glocken aus den Türmen geholt.
Sie wurden eingeschmolzen, um daraus Metall für Waffen und Munition zu gewinnen.
Für die Menschen war das ein schmerzlicher Verlust.
Nicht nur, weil ein vertrauter Klang fehlte, sondern weil es zeigte, wie sehr sich das Leben verändert hatte.
Viele erinnerten sich noch lange an diese stille Zeit.
Als nach den Kriegen neue Glocken gegossen und aufgehängt wurden, war das mehr als nur ein Ersatz.
Es war ein Zeichen.
Ein Zeichen dafür, dass etwas zurückkehrte: Alltag, Gemeinschaft und die Hoffnung auf Frieden.
So wurde das Läuten der Glocken für viele Menschen zu einem Klang der Zuversicht.
Unsere Dorfkirche




Schöne Geschichte! Vielen Dank!
Aber war das echt so, dass selbst die Kirchenglocken genommen wurden?
Ja, das ist in der Tat so gewesen… Und es hat nach dem Krieg sehr, sehr lange gedauert, bis vor allem in den großen Städten all die herrlichen Glocken neu gegossen waren und auf’s Neue läuten konnten…
Danke, Magda, fürs Besuchen und Herzlich Willkommen hier im Blog.
Ja, es war so. Ich habe es von meinen Großeltern gehört und nun auch recherchiert. In beiden Weltkriegen wurden viele Glocken zu Waffen und Munition. Gruselig, wie ich finde.
Lieber Gruß
Elke
… und fast keiner will es mehr wissen oder hören.
Ich überlege schon länger, ob man mit solchen Geschichten das Erinnerungsvermögen (re)aktivieren bzw. solchen, die es nicht wissen können, davon erzählen könnte. Was meinst du? Es gibt so viele (auch kleine) Dinge, die ins Vergessen geraten, aber doch auch zum KUlturgut gehören. Und bei dem Säbelrasseln derzeit wäre es umso notwendiger, mit Erinnerungen „gegenzurasseln“.
Lieber Gruß
Ele
Ich mag ja die Kirchenglocken nicht wirklich. Nicht die um sieben Uhr morgens, die mich an freien Tagen schon oft geweckt hat. Der Klang erinnert mich daran, dass auch schon für die Kirche ganz viele Menschen in den Krieg gezogen sind und im Namen Gottes andere Menschen umgebracht haben.
Dennoch mag ich deine Geschichte. Weil sie eine andere Perspektive erzählt. Weil eben alles aus vielen verschiedenen Teilen besteht. Weil das meiste anders ist, als es im ersten Augenblick aussieht.
Ehrlich: Ich mochte sie auch nicht. Dann wohnten wir lange im Wald in einer Ecke, in der man nie Kirchenglocken hörte. Und ja, sie fehlten mir irgendwie. Es ist schwer zu erklären, doch Glockengeläut impliziert in mir ein Gefühl des Zuhauseseins, des Wohlfühlens, des Dazugehörens, ohne nun mit der Kirche per se etwas zu tun haben zu wollen. In einfachen Worten: Es ist so ein ganz besonderes Heimatgefühl. Nenne es Sentimentalität. Um zu begreifen, warum das so ist, muss ich wohl noch „reifen“ oder vielleicht endlich auch einmal „knausgarden“.
Lieber Gruß und Danke fürs Besuchen
Ele
PS: Und wie ich das hier nun schreibe, denke ich an meine Kindheitsheimat und höre Glocken. Offenbar stimmt es meinen Vermutungen zu?